Money Monster

Blu-ray Review

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Sony Pictures, ab 06.10.2016

OT: Money Monster

 


Ausgeglitcht

Packender Echtzeit-Thriller aus dem Medien- und Wirtschaftsmilieu.

Inhalt

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Lee ist der große Finanzentertainer im TV-Business

Lee Gates, Moderator der Wirtschafts-Sendung „Money Monster“, ist nicht nur ein toller Entertainer, sondern auch einer, der sich mit Anlagen und Empfehlungen für Aktien auskennt. Viele sind aufgrund seiner Tipps ziemlich reich geworden. Doch ab und an irrt er sich auch. Und als dies dazu führt, dass ein Kleinanleger all sein Geld verliert, rastet der aus und kapert die Live-Sendung. All das in der letzten Show von Gates‘ Stammproduzentin Nancy Fenn. Mit gezückter Waffe zwingt Kyle, so sein Name, Gates in eine Bombenweste und erpresst Nancy, die Kameras laufen zu lassen. Seine Forderung: 800 Millionen. Denn das sei die Summe, die sämtliche Kleinanleger wie er bei dem Crash der von Gates gehypten IBIS-Aktie verloren hätten. Außerdem soll IBIS erklären, was genau schief gelaufen ist und warum ein Computerglitch angeblich dafür verantwortlich ist. Und weil sich nach und nach herausstellt, dass auch Gates und seine Sendung nur eine Marionette war, stellt der Moderator langsam die richtigen Fragen. Aber kann er dadurch abwenden, dass die Show im wahrsten Sinne des Wortes gesprengt wird …?

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Nancy zieht als Regisseurin der Show die Fäden im Hintergrund

Fünf Jahre nach Der Biber siedelt Jodie Foster ihre insgesamt vierte Regiearbeit im Milieu der Finanzen und Medien an. Dabei schlägt sie inszenatorisch und inhaltlich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, wenn sie beiden Welten ihren verlogenen Spiegel vorhält. Zunächst ist es der Blick hinter die Kulissen einer geskripteten Show mit blasiertem Frontmann und genervter Produzentin, der sinnbildlich steht für das Buzzer-Info- und -Entertainment der letzten Jahre. Money Monster ist als Sendung zwar fiktiv, aber keineswegs unrealistisch. Wer will heute schon noch stinklanweilige Anzugträger sehen, die dem Zuschauer die aktuellen Börsenkurse vorlesen? Dann doch lieber mit eingespielten Jingles und Samples. In George Clooney hat Foster die bestmögliche Besetzung für die Hauptrolle. Sein Aussehen und seine dynamische Darstellungsleistung addieren sich hier zum perfekten Aushängeschild einer modernen Finanz-TV-Show. Die Rolle der Produzentin, die Julia Roberts zufällt, hätte auch gut von Foster selbst gespielt werden können. Der Typus der organisierten, ein wenig gestressten Macherin wäre auch für die Regisseurin passend gewesen. Das Schöne an Money Monster ist aber sein Überraschungsmoment. Was wie eine Mediensatire beginnt, wird nach 13 Minuten bitterer Ernst, wenn der Eindringling seine Waffe zückt und der Film sich zum Wirtschaftsthriller entwickelt. Der entlarvt nicht nur die Arroganz der Analysten, sondern auch die Blauäugigkeit der Kleinanleger. Denn was die Menschen von der Straße am Aktienhandel so gerne kritisieren, hält sie nicht davon ab, ohne jedes Wissen der Mechanismen am Reichtum schnuppern zu wollen und den letzten Cent zu investieren.

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Kyle kapert die Sendung und lässt LIVE weitersenden

Foster nutzt dabei den äußerst effektiven Kniff, Money Monster in Echtzeit zu drehen, was alsbald dazu führt, dass man sich tatsächlich als Zuschauer der Live-Show fühlt. Julia Roberts wächst währenddessen nach und nach über sich heraus, wenn sie als Regisseurin beginnt, die Kontrolle über die Situation zu erlagen, wie sie das bei der Show selbst tut. Ebenfalls funktioniert der Trick hervorragend, dass Geiselnehmer und Showbetreiber langsam zu Komplizen werden; zu Verbündeten im Kampf gegen die skrupellosen Machenschaften der Firmenbosse. Während der finalen Viertelstunde des bisweilen immens spanenden Films gesellt sich dann auch noch unverhohlene Kritik an Medien (auch den sozialen Netzwerken) hinzu, wenn Unbeteiligte ihre Handys zücken, twittern und facebooken was das Zeug hält, um ja ihr Stück vom Ruhmeskuchen der Geiselnahme abzubekommen. Einen seiner stärksten Momente hat Money Monster, wenn der Verantwortliche des Aktiendebakels Kyle aufzeigt, dass alles okay ist, solange die Wertpapiere steigen und erst dann ein Aufschrei passiert, wenn das nicht mehr der Fall ist. Am Ende sind die Anleger selbst verantwortlich für ihr Handeln und selbst wenn die großen Firmen sich verbrecherisch verhalten, sollten sich Kleinaktionäre keine Illusionen über das machen, mit dem sie da handeln.

Bild- und Tonqualität

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Was hat IBIS-CEO Walt Camby mit der Kohle der Anleger gemacht?

Money Monster hat ein ausgesprochen stabiles und kontrastreiches Bild und ist nur gering kühl gefiltert. Die Farben wirken tatsächlich extrem natürlich und gerade die Aufnahmen im gut ausgeleuchteten Studio sind extrem plastisch. Lediglich ein leichtes Ruckeln in Bewegungen fällt negativ auf. Die Schärfe der im Fokus stehenden Figuren ist hervorragend, was sie plastisch im Raum stehen lässt.
In Sachen Raumakusitik ist es vor allem die Spannung verbreitende Filmmusik, die sich auf alle Lautsprecher verteilt. Stimmen kommen klar und verständlich aus dem Center und fügen sich in Sachen Lautstärke harmonisch ein. Wenn Kyle dann doch mal durchdreht und einen Schuss abfeuert, gelangt auch dieser effektvoll ins Heimkino (76’35).

Bonusmaterial

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Lee macht mit Kyle notgedrungen gemeinsame Sache

Im Bonusmaterial von Money Monster halten sich zunächst drei entfernte Szenen auf. Dazu gibt’s Featurettes über Hauptdarsteller Clooney und die Dreharbeiten an sich. In „The Showdown“ wird selbiger analysiert. Wir begleiten die Dreharbeiten auf die Straße außerhalb vom Studio und erfahren, dass es wichtig für Foster war, dass Kyle Gerechtigkeit widerfährt. Ein Musikvideo gesellt sich hinzu und komplettiert das Angebot.

Fazit

Jodie Foster gelingt mit Money Monster ein Rundumschlag gegen skrupellose Firmenbosse, blauäugige Kleinanleger sowie die moderne Medienlandschaft und Oberflächlichkeit der Generation Youtube – ein außerordentlich gut gelungener Thriller mit topaktueller Aussage und hochkarätiger Besetzung.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 85%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 40%
Film: 80%

Anbieter: Sony Pictures
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Jodie Foster
Darsteller: George Clooney, Julia Roberts, Jack O’Connell, Dominic West, Caitriona Balfe, Giancarlo Esposito
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 99
Codec: AVC
FSK: 12

Trailer zu Money Monster

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