No Turning Back

Blu-ray Review

OT: Locke

No Turning Back Blu-ray Review Cover
Studiocanal, 23.10.2014

 


Brüchiges Fundament

Tom Hardy zeigt in No Turning Back, dass er zur Top-Garde aktuell viel beschäftiger Schauspieler gehört …

Inhalt

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Locke ahnt, dass diese Autofahrt die schwerste seines Lebens werden wird

Es ist Nacht: Bauleiter Ivan Locke setzt sich nach seiner Schicht an einer der größten Baustellen Europas ins Auto und tritt seine schwerste Fahrt an. Er wird am nächsten Morgen nicht zur Arbeit erscheinen und die wichtige Betonage betreuen; er wird stattdessen zu einer Frau fahren, mit der er vor sieben Monaten einen einmaligen Ausrutscher hatte und die nun sein Kind zur Welt bringt. Es bleiben ihm neunzig Minuten auf der Fahrt nach London ins Krankenhaus, um seinem Vorgesetzten per Telefon klar zu machen, dass er nicht da sein wird; um seinem Angestellten zu verdeutlichen, dass er seinen Job wird übernehmen müssen; um der Schwangeren in harten Momenten beizustehen und nicht zuletzt, um seiner Frau Katrina zu beichten, dass er fremdgegangen ist. Neunzig Minuten, die für Ivan die Welt bedeuten und in denen er zunehmend die Kontrolle zu verlieren droht …

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Kann er gleichzeitig drei Baustellen vom Auto aus managen?

Was für Colin Farrell Nicht auflegen! und für Ryan Reynolds Buried war, ist für Tom Hardy nun No Turning Back. Nur dass Steven Knights (Redemption) Film keine Thriller- oder Horrorelemente enthält, sondern tragische und dramatische Ereignisse kumuliert und während einer 85-minütigen Autofahrt zu einem schauspielerischen und trotz des minimalistischen Konzepts auch inszenatorischen Meisterwerk vereint. Knight, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, beschreibt die Einsamkeit eines Mannes, dessen Leben gerade völlig den Bach runtergeht, obwohl er das erste Mal in seinem Leben das Richtige zu tun scheint, mit eindringlichen Dialogen. Diese wiederum werden von den Sprechern der Telefonpartner und Tom Hardy selbst ebenso glaubwürdig, wie nachvollziehbar und echt rübergebracht. Der „Bane“ aus Dark Knight Rises nimmt in No Turning Back Abstand von seinen Brachialrollen, in denen vornehmlich seine physische Präsenz beeindruckte, und agiert sensibel, feinfühlig und reduziert.

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Lens Flare mag Regisser Steven Knight gerne

Wie er es hinbekommt, am Telefon mit den diversen Teilnehmern ruhig zu bleiben, während es in ihm sichtlich hochkocht und wie er Monologe mit seinem Dad führt, dem er beweisen will, dass man sich auch anders verhalten kann als dieser es seinerzeit getan hat – das ist großes Schauspiel und eine One-Man-Show, die es locker mit den oben genannten Kollegen aufnehmen kann.
Zum tollen Schauspiel gesellen sich aber noch weitere Faktoren dazu, die den Film packend und fesselnd werden lassen. Zum einen ist da die Kameraarbeit von Haris Zambarloukos, der mit vielen Effekten, Spiegelungen und Close-ups arbeitet und No Turning Back so zu einem unmittelbaren Erlebnis werden lässt. Zum anderen passt die Filmmusik von Dickon Hinchliffe perfekt zu den Bildern. Die melancholischen Klavier- und Gitarrenklänge liefern die Grundlage für eine Identifikation mit Locke und berühren auf eine ganz besondere Weise.

Bild- und Tonqualität

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Locke weiß nicht, wohin sein Weg in dieser Nacht führen wird

Flirrende Lichter, krasse Spiegelungen im Glas der Fahrzeuge, Lens-Flare-Effekte und Regen – das Bild von No Turning Back ist stark stilisiert und passt sich dem Erzählton an. Die gelben Straßenlaternen erzeugen auf Hardys Gesicht einen gleichfarbigen Effekt. Das vorhandene Bildruckeln unterstützt die Dynamik während der Fahrt, lässt die Szenerie erst authentisch werden. Doppelkonturen und die wenig ausgeprägte Schärfe gefallen allerdings nicht so gut.
Akustisch schafft No Turning Back vor allem Atmosphäre. Die Fahrzeuge rauschen an Ivan vorbei, der Asphalt brummelt unter den Reifen und das Innere des Autos dämpft die Telefonate authentisch. Leider ist die Stimmwiedergabe auf der deutschen Spur über den Center etwas zu leise geraten – eine Anhebung um 2-3 dB behebt dieses Manko allerdings. Sehr schön integriert sich der melancholische Soundtrack von Dickon Hinchliffe, der schwebend auf den Lautsprechern liegt und die Stimmung intensiviert.

Bonusmaterial

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Die Lichter der großen Stadt nahen – ebenso wie einige Entscheidungen, die fallen werden

Im Bonusmaterial von No Turning Back befinden sich neben den Originaltrailern ein Audiokommentar von Regisseur Steven Knight und ein Making-of. Und obwohl Letzteres lediglich eine Laufzeit von 5:27 aufweist, erfahren wir interessante Dinge, wie die Tatsache, dass die Telefonate, die Ivan führt, live stattfanden und nicht im Nachhinein eingespielt wurden.

Fazit

No Turning Back ist ein beeindruckend gespieltes, brillant geschriebenes und klasse fotografiertes Drama mit einem herausragenden Tom Hardy.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt.): 65%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial:
30%
Film:
90%

Anbieter: Studiocanal
Land/Jahr: GB/USA 2013
Regie: Steven Knight
Darsteller/Stimmen: Tom Hardy, Ruth Wilson, Andrew Scott, Olivia Coleman, Tom Holland
Tonformate: dts-HD-Master: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 85
Codec: AVC
FSK: 12

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