Passengers 4K UHD

Blu-ray Review

Passengers 4K UHD Blu-ray Review Cover
Sony Pictures, 11.05.2017
Passengers Blu-ray Review Cover
Sony Pictures, 11.05.2017

OT: Passengers

 


Morgenröte

Passengers vereint romantisches Drama und Science-Fiction – ein gelungenes Experiment?

Inhalt

Passengers 4K UHD Blu-ray Review Szene 3
Der einzige lebende Mensch auf der Avalon

Jim ist einer von vielen Tausenden Passagieren, die sich auf dem Raumschiff Avalon in einem Stasis-Schlaf befinden, um zu einem weit entfernten Planeten zu reisen und sich dort neu anzusiedeln. Dumm, dass ein Splitter während des Durchquerens eines Kometenfeldes zu einer Fehlfunktion führt und ausgerechnete seine Schlafzelle außer Betrieb setzt. Jim findet sich nun in aufgewecktem Zustand wieder – 90 Jahre vor der geplanten Ankunft. Da er dieses Problem nicht beheben und sich nicht selbst wieder in Schlaf versetzen kann, muss er wohl notgedrungen einsam auf dem Raumschiff umherwandeln. Zumal eine Nachricht zur Erde 19 Jahre dauert – Hinweg, wohlgemerkt. Einziger „Freund“ wird der Roboter-Barkeeper Arthur, dessen Humor zunächst eher befremdlich auf Jim wirkt. Und weil er nicht mal Passagier der Goldklasse ist und gerade mal mit stinknormalem Kaffee beim Frühstück abgefertigt wird, nervt ihn die Situation schneller als gedacht. Ein ganzes Jahr vergeht, in dem sich Jim mit den angenehmen Freizeitmöglichkeiten auf dem Frachter abzulenken versucht, bald jedoch vor Einsamkeit verwahrlost und verlottert. Soll das bis zu seinem Tod so weitergehen? Er trifft eine Entscheidung und weckt die hübsche Aurora, eine Schriftstellerin, auf. Natürlich erzählt er ihr nicht, dass er dafür verantwortlich ist, dass sie nun zu Zweit ihrem Tod im Weltall entgegensehen. Die beiden werden ein Paar, bis Aurora herausfindet, wer sie aufgeweckt hat. Doch die nun einsetzende Wut auf Jim ist nicht das einzige Problem der beiden. Denn das Schiff scheint zunehmend unter Fehlfunktionen zu leiden …

Passengers 4K UHD Blu-ray Review Szene 12
Jim versucht, die angenehmen Seiten der Einsamkeit zu genießen

Sci-Fi-Fans aufgepasst: Passengers ist kein lupenreiner Genre-Vertreter mit Weltall-Piffpaffpuff, sondern eher eine Mischung aus Gravity, Der Marsianer und Titanic. Die romantischen Verwicklungen der beiden Protagonisten spielen eindeutig die Hauptrolle und werden vor dem Hintergrund modernster Technik und lupenreiner Zukunftsästhetik abgehandelt. Gut zehn Jahre geisterte die Geschichte von Drehbuchautor Jon Spaihts (Prometheus) in Hollywood herum, jedoch traute man sich aufgrund der epischen visuellen Effektanforderung lange nicht an die Finanzierung heran. Zumal es eben eher ein Drama ist, das sich um das Thema der Isolation kümmert und kein Zukunfts-Actionspektakel. Erst als man Jennifer Lawrence und dem mittlerweile durch Guardians of the Galaxy zum Star gewordenen Chris Pratt für die beiden Hauptrollen gewinnen konnte, kam erneut Schwung in das Projekt. 110 Mio. Dollar investierte man deshalb in die Entstehung. Vornehmlich, um das visuelle Design zu entwickeln, das in vielen Situationen und nicht nur durch den Barkeeper an Stanley Kubricks Shining erinnert. Und das Design ist auch das Erste, das man zu Gesicht bekommt.
Wenn man denn noch was sehen kann, weil einem nämlich gerade die Augen übergegangen sind. Denn was die Entwickler hier am Rechner und als reale Sets entworfen haben, ist dermaßen überwältigend, dass man (ähnlich einem guten Computerspiel) am liebsten erst einmal ein wenig verharren und sich umschauen möchte. Von den kleinen Details in den Schlafkabinen über die Hologramm-Handhelds bis hin zu den langen Gängen oder der in goldbraun gehaltenen Bar – hier wirkt alles absolut stimmig und löst einen permanenten Wow-Effekt aus. Optisch ist hier also alles an seinem Platz und entbehrt an und für sich jeder Kritik.

Passengers 4K UHD Blu-ray Review Szene 9
Einzig Roboter … sorry: Android Arthur leistet ihm Gesellschaft

Natürlich möchte Passengers aber auch eine Geschichte erzählen – und zwar eine, die sich vornehmlich auf die großen Gefühle und nicht auf Sci-Fi-Action konzentriert.
Wie würde man reagieren, befände man sich in der gleichen Situation? Blickte man alleine in den sicheren Tod, auch wenn er noch 90 Jahre in der Zukunft liegen könnte? Oder gäbe man der Versuchung nach, sich Gesellschaft zu verschaffen? Regisseur Morten Tyldum (The Imitation Game) integriert zu seinem romantischen Drama und dem Thema Einsamkeit im Weltall zusätzlich noch Kritik am Turbokapitalismus, indem er Homestead (die Gesellschaft, die hinter der Reise zur Kolonie steckt) als geldgierige Firma darstellt, die ihre Kunden ausnimmt und durch das verschwenderische Design des Raumschiffs vorgaukelt, sie bekämen dafür einen Platz in der ersten Reihe. Ein bisschen Kritik an der Schere zwischen Arm und Reich gibt’s noch obendrauf.
Aufgeteilt ist das Geschehen praktisch in drei Akte. Von der Einsamkeit Jims über die Zweisamkeit mit Aurora bis zum … tja, bis zum dritten Akt, in dem Passengers den Weg aller Hollywoodfilme geht und seiner zuvor gesponnenen Geschichte misstraut. Schon früh streuen Drehbuch und Film kleine Hinweise darauf, dass irgendetwas nicht stimmt und je weiter die Laufzeit voranschreitet, desto deutlich wird das. Dabei ist gerade das Drama und die Tragik zwischen den beiden Protagonisten so glaubwürdig und stimmig inszeniert, dass man dies auch einfach hätte zu Ende durchexerzieren können, ohne dass es dem Zuschauer langweilig geworden wäre. Klar, es wäre dann erst Recht nur bedingt ein Sci-Fi-Film, sondern eher ein Isolationsdrama vor futuristischem Hintergrund. Aber eben ein wunderschön anzuschauendes und vor allem hervorragend gespieltes. Da Passengers bis auf die wenigen Szenen mit Michael Sheens Arthur weitgehend ein Zwei-Personen-Kammerspiel ist, das auf seine beiden Protagonisten zugeschnitten wurde, laufen sowohl Chris Pratt als überraschend schüchterner Jim und Jennifer Lawrence als Aurora zu Bestform auf. Klar, von Lawrence kennt man das. Chris Pratt allerdings zeigt, dass er auch ohne 80cm großen (bzw. kleinen) Sidekick mit Fellnase einen Film tragen kann. Und wenn beide an ihrem ersten Date einen Ausflug ins All nehmen, dann ist das unprätentiöse, aber bildgewaltige Romantik.

Passengers 4K UHD Blu-ray Review Szene 2
Die Einsamkeit bringt ihn dazu, Aurora aufzuwecken

Da sich die Figuren dabei nicht allzu ernst nehmen, gibt’s immer wieder auflockernden Humor, den gerade Pratt überzeugend rüberbringt. Das lenkt dann auch davon ab, dass es totaler Quatsch ist, dass der Bordcomputer das Fly-by-Manöver ankündigt und davon erzählt, dass man nun auf die Aussichtsplattformen gehen könne – immerhin kann die KI ja überhaupt nicht wissen, dass zu diesem Zeitpunkt Menschen wach sind.
Gut, dass kurz danach ein weiterer Story-Wendepunkt eingeleitet wird, der Jennifer Lawrence die Möglichkeit zu einem wuchtigen und emotionalen Ausbruch gibt. Allerdings markiert dies den Übergang zum eher bedingt überzeugenden letzten Drittel des Films, in dem der Auftritt von Lawrence Fishhburne gar vollkommen überflüssig ist und dessen Erweckung auch nicht wirklich erklärt wird? Schade, dass es dann doch arg konventionell und vorhersehbar zugeht. Dafür darf und sollte man neben Design, Schauspielleistung und Visual-Effects-Department auch noch Thomas Newman (Findet Dorie, Spectre, Bridge of Spies) lobend erwähnen, dessen Soundtrack in jeder Situation hervorragend zu den Bildern passt und der die typischen klassischen Elemente mit modernen elektronischen Sounds verknüpft. Dafür gab’s zurecht eine Oscarnominierung.

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Die Zwei beginnen sich anzufreunden …

Bild- und Tonqualität BD

Passengers 4K UHD Blu-ray Review Szene 4
… und erleben die angenehmen Seiten der Luxusjacht im All

Vor kurzem gab es noch (fast) die Traumnote für das Bild der Blu-ray von Rogue One: A Star Wars Story. Manchmal ist aber das Bessere des Guten Feind. Nach dem Sichten der BD von Passengers müsste man Rogue One eigentlich ein wenig herabstufen (auf immer noch hervorragende 90%), weil hier einfach alles noch ein Stückchen besser gemacht wird. Für die volle Punktzahl reicht es zwar auch bei Passengers nicht, aber eigentlich wären 98% durchaus angebracht. Es ist jedenfalls absolut erstaunlich, wie viel Tiefe und Detailfreude schon die 2D-Fassung des Films liefert (9’10). Und Tiefe gibt’s in einem Raumschiff nun mal satt und genug. Geradezu grandios sind die glänzenden Metalloberflächen, die dermaßen real wirken, dass man hinlangen möchte. Dazu gesellen sich in wirklich JEDER Situation absolut ruhige, vollkommen rauschfreie Bilder, deren Körnung gerade mal in ganz vereinzelten, schwierigen Szenen zu sehen ist. Das dann auch nur, wenn es Gesichter mit entsprechend bunten Lichtreflexionen zu tun bekommen und ansonsten im dunklen Raum stehen (11’05). Das sind aber neben ganz dezent zu rosigen Gesichtsfarben in einigen Szenen (37’28) sowie ein für ein paar Geschmäcker vielleicht zu artifiziell-scharfer Look in der Tat die einzigen Momente, denen man hier überhaupt etwas anlasten kann, während ansonsten jeder Parameter absolut sitzt. Der Kontrastumfang ist enorm (gerade im All), die Farben sprühen vor Kraft, ohne unnatürlich gefiltert zu sein und die Schärfe in Nahaufnahmen ist bestechend. Dazu ist sie noch perfekt über den gesamten Bildschirm verteilt und zeigt auch an den Rändern kein Nachlassen. Obschon ein Großteil der Bilder aus dem Rechner stammt und dort mit mindestens 3,4K gerendert wurde (was eine möglichst perfekte Bildqualität leicht(er) erreichbar werden lässt), gehört diese Blu-ray wirklich zum absolut Besten, was aktuell machbar ist.

Passengers 4K UHD Blu-ray Review Szene 5
Man datet und verliebt sich

Akustisch muss man bei Passengers zunächst mal Ordnung schaffen. Sony Pictures hatte während der letzten Monate ohnehin schon des Öfteren für mehr Verwirrung als Struktur gesorgt – gerade auch bei den UHD-Veröffentlichungen. So lieferte die BD/UHD-Kombi von Die glorreichen Sieben auf der Blu-ray noch einen dts-HD-Master-Sound für beide Sprachfassungen, während die UHD dann eine englische Atmos-Spur bot, dafür die deutsche Version aber nicht mal mehr die dts-HD-MA-Spur der Blu-ray, sondern lediglich eine stark komprimierte Dolby-Digital-Variante. Passengers setzt diesem Verwirrspiel nun mit insgesamt vier unterschiedlichen Tonformaten für Deutsch und Englisch die Krone auf. Aber der Reihe nach:
Die Blu-ray enthält die hiesige Synchronfassung in einer dts-HD-Master-Kodierung in herkömmlichen 5.1. Die englische Version hingegen liefert völlig überraschend eine Auro-3D-Kodierung mit 13.1 möglichen Spuren. Der Core liegt hier in dts-HD-Master mit 5.1 Spuren vor, sodass immerhin auch herkömmliche Nicht-Auro-Receiver den Film im Original wiedergeben können. Eine Bewertung der Auro-Spur muss an dieser Stelle im Übrigen entfallen, da kein Auro-Equipment zur Verfügung stand.
Bei der UHD (Beschreibung der Tonqualität im nächsten Abschnitt) machte man dann Tabula rasa und integrierte keine der beiden Möglichkeiten der Blu-ray. Hier kommt fürs Englische dann eine Dolby-Atmos-Kodierung (True-HD-Kern) zum Einsatz, während die deutsche Fassung wie schon beim oben genannten Western-Remake mit schnödem Dolby-Digital auskommen muss. Wer immer auch für dieses Durcheinander an Tonspuren verantwortlich ist, es trägt nicht zur Transparenz bei, wirkt in höchstem Maße unentschlossen und auf den Rezipienten verwirrend.
Doch zurück zum dts-HD-Master-Ton der deutschen Spur von Passengers: Schon zu Beginn meldet sich der Subwoofer immer wieder ordentlich zu Wort, wenn die Avalon vorbeischwebt oder man ihre Antriebsturbinen wahrnimmt. Dann wackelt der Boden bald dermaßen, dass einem Angst und Bange um die (noch) freundliche Nachbarschaft werden kann – gerade zu Beginn, wenn das Asteroidenfeld durchflogen wird (1’20 – 3’20). Im weiteren Verlauf leben dann vor allem die Effektlautsprecher auf, wenn es praktisch fast dauerhaft irgendwo piepst oder diverseste elektronische Geräusche zu hören sind. Für Gänsehaut sorgt dann die Stimme des Observatoriums, die direktional aus den Rearspeakern kommt und extrem plastisch klingt. Toll auch der Moment, in dem Jim die Schleuse öffnet und die Luft zischend an ihm vorbeiströmt (22’06). In der zweiten halben Stunde dominieren dann zwar vor allem die Dialoge, dennoch gibt’s immer mal wieder Anlass für effektvolle Momente und den räumlichen Score. Außerdem gelangen die Stimmen äußerst gut verständlich zum Ohr und sind homogen eingebettet.

Passengers 4K UHD Blu-ray Review Szene 10
Außerdem genießt Aurora den Pool mit der besten Aussicht der Galaxie

Absolut sensationell ist dann das Swing-by-Manöver um „Arcturus“, das nach knapp einer Stunde den audiovisuellen Höhepunkt des Films markiert und akustisch keinen Stein auf dem anderen lässt (ab 59’20). Den nächsten Gänsehautmoment gibt’s dann, wenn Aurora im Schwimmbad gefangen ist und das Wasser plötzlich wieder der Schwerkraft folgt. Es schwappt in dem Moment dermaßen voluminös über dem Zuschauer zusammen, dass es ein absolutes Fest ist (79’45). Wenn es dann im Nachgang praktisch im Minutentakt Sound-Höhepunkte hagelt (besonders krass, wenn bei 87’00 erneut ein Druckabfall für Dynamik sorgt), muss man dem dts-HD-Master-Sound hier absolute Referenzklasse attestieren.

Bild- und Tonqualität UHD

Passengers 4K UHD Blu-ray Review Szene 11
Arthur hat sich verplappert

Passengers wurde komplett digital gefilmt. Die eingesetzte Arri-Alexa-65-Kamera zeichnete mit 6,5K an der Quelle auf, was über ein 4K-Digital-Intermediate zum Master Format gewandelt wurde. Tyldums Film liegt also nativ durchgängig (mindestens) in 4K vor. Da schon die Blu-ray sensationell gute Bildparameter verfügt – kann die UHD dies in ihren technisch weiter entwickelten Bereichen noch steigern?
Ja, sie kann. Der Auflösungsvorsprung ist aufgrund der vorzüglichen Master-Vorlage noch vergleichsweise gering, macht sich aber in den Schriften auf den Touchscreens durchaus bemerkbar und zeigt diese klarer. Nahaufnahmen wirken noch etwas krisper, was allerdings auch (und vornehmlich) an der höheren Bilddynamik liegt. Schwarzwerte kann die UHD nämlich noch besser und der erste Besuch in Arthurs Bar zeigt die Rotbraun-Töne sichtbar kräftiger. Hier macht sich der erweiterte Farbraum im Rahmen von Rec.2020 bezahlt, der gerade Rot und dessen Abstufungen noch satter zeigt. Der erweiterte Kontrast resultiert vor allem in wunderschönen Orbit-Szenen mit funkelnden Sternen und nachtschwarzem All. Die UHD setzt hier genauso Maßstäbe in Sachen Brillanz wie die Blu-ray. Dazu kommt, dass auch die 4K-Fassung keinerlei Körnung offenbart und trotz der höheren Auflösung genauso ruhig und stabil bleibt. So soll es sein und deshalb gehört die UHD von Passengers zu den bisher eindrucksvollsten Disks des noch jungen Formats.

Passengers Bildvergleich BD vs UHD 1
Die Blu-ray sieht bereits richtig gut aus – gerade auch, was die Auflösung angeht kann sie Maßstäbe setzen
Passengers Bildvergleich BD vs UHD 2
Dennoch zeigt die UHD mit höherer Auflösung und HDR klarere Schriften/Kanten und hinterlässt den kontraststärkeren Eindruck
Beim Sound muss (wie im Abschnitt oben erwähnt) erneut auf einen hochauflösenden oder gar 3D-Sound in Deutsch verzichtet werden. Mal wieder schafft es Sony Deutschland, die Synchronfassung mit Dolby Digital zu kodieren, bzw. das offensichtlich internationale Master nicht mehr anzufassen, um hiesige Kunden neben dem besser aufgelösten Bild auch die hochwertigere, moderne Tonspur zukommen zu lassen. Jetzt kann man sicherlich (falls vorhanden) einen zweiten Player mit der Blu-ray ausrüsten und versuchen, Bild der UHD mit dem Ton der BD zu synchronisieren. Im Sinne des Erfinders ist das aber nicht.
Die Tonqualität der Dolby-Digital-Spur ist zwar im Rahmen einer DD-Konkurrenz wirklich gut geraten, doch die Dynamik und vor allem die Kraft im Tiefbassbereich der dts-HD-Master-Spur erreicht sie nicht. Bei den entsprechend subwooferdominierten Sequenzen von Passengers zerren die Speaker ab einer bestimmten Lautstärke und differenzierter klingt das Ganze auf der dts-HD-MA-Spur der Blu-ray auch. Die Effekte sind nicht ganz so präsent und griffig, die Filmmusik klingt auf der unkomprimierten Fassung der BD zudem luftiger. Im Finale, wenn es hoch hergeht, gehen auch schon mal Informationen unter. Hier merkt man deutlich, dass die stärkere Kompression schlicht dafür sorgt, dass Frequenzen beschnitten werden und gerade Hochtonanteile verloren gehen, bzw. etwas zu schwimmen anfangen. Dennoch liegen Bassgewalt und Effekt-Quantität im oberen Bereich vergleichbarer DD-Spuren.

Passengers Bildvergleich BD vs UHD 4
… setzt die UHD mit dem kräftigeren Punch im Rot noch mal eins drauf. Auch der Kontrastumfang ist höher, liefert bei gleichzeitig sehr hellen Spitzlichtern auch noch satteres Schwarz. Je nach Monitor, auf dem diese Bilder angesehen werden, kann es in den dunklen Rotanteilen zu etwas absaufenden Details kommen. Dies ist im laufenden Film nicht der Fall
Passengers Bildvergleich BD vs UHD 3
Die kräftigen Rottöne zu Beginn des Abspanns sind ein Musterbeispiel für den Unterschied zwischen BT.709 und Rec.2020. Während die Blu-ray zwar schon gut aussieht und hier mit Farbkraft punktet …

Das englische Original punktet hier mit einem Dolby-True-HD-kodierten Atmos-Soundtrack (entgegen der Auro-3D-Spur der Blu-ray). Die grundsätzliche Qualität sowie die Surround-Effekt-Feinheit und die Dynamik entsprechen weitestgehend und mit kaum merklichen Unterschieden der dts-HD-Master-Spur der deutschen Fassung auf der Blu-ray. Entsprechend kann man sich bei der Beschreibung des 3D-Tons auf die Anteile und die Qualität der Höheneffekte beschränken. Diese werden zunächst einmal vor allem dezent und fein eingesetzt. Das Schutzschild der Avalon wabert beim ersten Anblick über den Köpfen der Zuschauer und die Einschläge beim Flug durch den Meteorschauer liefern ebenfalls von dort oben Informationen. Schön direktional fallen die Scans an Jim aus, die zum Teil von oben nach unten herabkommen und akustisch genauso unterstützt werden. Es sind immer wieder diese feinen, elektronischen Sounds, die für eine hübsche 3D-Darstellung sorgen. Im Observatorium hat man den Raum dann erstmals sehr deutlich dreidimensional erweitert, wo doch die Computerstimme schon auf der regulären Surround-Version großartig im Heimkino gestreut wurde. Hier kommt sie gleichzeitig noch von oben und auch die eingeblendeten Hologramme fächern sich aus allen Richtungen auf (10’50). Im Anschluss dauert es allerdings bis zur 46. Minute, bis wieder Höheninformationen geliefert werden, wenn die beiden sich kennen lernenden Protagonisten Basketball spielen oder gegen die virtuellen Gegner tanzen. Natürlich wird auch das Fly-by-Manöver entsprechend von allen Speakern unterstützt und wenn Jim sich per Raumschiff-Funk an Aurora wendet, gelangt seine Stimme ebenfalls hervorragend ortbar aus allen Lautsprechern ans Ohr. So richtig los geht’s mit den Overheads aber während des Breakdowns des Schiffs im Anschluss. Hier summieren sich dann die elektronischen Sounds (71’48) und Passengers wird dann endlich richtig dreidimensional (Wasser ab 78’50, Raumschiffrumpeln 85’16). Bis dahin ist zwar nicht übermäßig viel auf den oberen Speakern los, doch sie unterstützen stets an genau den richtigen Stellen.

Bonusmaterial

Passengers 4K UHD Blu-ray Review Szene 7
Das Schiff wird zum gefährlichen Ort

Das Bonusmaterial von Passengers liegt wie üblich komplett auf der Blu-ray vor, während die UHD lediglich den Film liefert. Enthalten sind neben acht unveröffentlichten Szenen und ein paar witzigen Outtakes insgesamt fünf Featurettes. In „Weltall auf dem Bildschirm“ geht es um die visuellen Effekte des Films, die in knapp sieben Minuten durch Multiple-Layer-Vorher-Nachher-Bilder dargestellt werden. Aber auch eine ganz spezielle LED-Wand-Umgebung wird beschrieben, die dafür sorgte, dass man Chris Pratt „ins All“ schicken konnte (und dafür, dass ihm speiübel wurde). „Am Set mit Chris Pratt“ begleitet den sympathischen Darsteller bei seinen albernen und teils improvisierten Geschichten, die er vor der Kamera abliefert. In „Das Casten der Passagiere“ wiederum bekommt man Einblicke in die Besetzung des Films und in geht auf die Unterschiedlichkeit der Charaktere ein – ausgehend von den realen Personen und den Rollen, die sie spielen. „Gestaltung der Avalon“ kümmert sich dann ausgiebig um den Entwurf des außergewöhnlichen Raumschiffs, dessen enorme Ausmaße auch für die Designer herausfordern waren. „Buchen Sie Ihre Reise“ sind abschließend ein paar Fake-Commercials für die Reise ins Weltall, wie Jim und Aurora sie vielleicht vor ihrer Reise gesehen haben werden.

Fazit

Passengers ist ein audiovisueller Hochgenuss mit exquisiten Bildern und brillantem Setdesign, an dessen Ende wohl so ziemlich jeder DIESEN Pool haben möchte. Das Drama zwischen den beiden Protagonisten und die Optik gehen dabei gut 70 Minuten lang Hand in Hand, bevor es allzu typisch bombastisch wird, um dem breiten Publikum zu gefallen. Gerade DEM wird aber die erste Stunde zu langweilig sein, weshalb es schöner gewesen wäre, die Geschichte zwischen den beiden Hauptfiguren konsequent(er) zu Ende zu erzählen. Blu-ray und UHD liefern dafür aber sensationelle Werte, sieht man mal von der ärgerlichen deutschen DD-Spur auf der UHD ab.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 95%
Bildqualität UHD: 95%

Tonqualität BD (dt. Fassung): 95%
Tonqualität BD (Originalversion): 95% (bewertet wurde der dts-HD-Master-Kern)
Tonqualität UHD (dt. Fassung): 90% (im Rahmen einer Dolby-Digital-Bewertung)
Tonqualität UHD (Originalversion): 95%

Bonusmaterial: 60%
Film: 70%

Anbieter: Sony Pictures
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Morten Tyldum
Darsteller: Chris Pratt, Jennifer Lawrence, Michael Sheen, Laurence Fishburne, Andy Garcia
Tonformate BD: Auro 3D (dts-HD-MA-Kern 5.1): de // dts-HD-Master 5.1: de, fr
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): en // Dolby Digital 5.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 116
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Real 4K: Ja (4K DI)
FSK: 12

Trailer zu Passengers

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