Predestination

Blu-ray Review

Tiberius Film, seit 05.02.2014
Tiberius Film, seit 05.02.2014

OT: Predestination

 


John Doe

Mit Predestination gelingt den Spierig-Zwillingen der beste Zeitreisefilm seit 12 Monkeys.

Inhalt

Der Agent hat seinen letzten Auftrag fast mit dem Leben bezahlt
Der Agent hat seinen letzten Auftrag fast mit dem Leben bezahlt

Vier Anschläge und 112 Menschen – das ist die schreckliche Bilanz des „Fizzle-Bombers“, der im Jahre 1970 die Gegend unsicher macht und sämtliche Polizei- und Geheimdienstkräfte auf den Plan ruft – sogar jene aus der Zukunft. Der Barkeeper, der neu in der Stadt ist, wurde aus dem in der Zeit zurückgeschickt, um seinen letzten Agenten-Auftrag zu erfüllen. Ein gutes Jahrzehnt hatte er sich darauf mittlerweile vorbereitet, denn sein letzter Einsatz ließ ihn mit schweren Verbrennungen zurück, die sein Äußeres nach mehrfachen Operationen veränderten. Nun trifft der Barkeeper auf einen Mann, der nach anfänglicher Sturheit seine Geschichte erzählt – eine Geschichte, die als Mädchen beginnt, das vor einem Heim abgelegt wird und während des Heranwachsens zum Außenseiter wird. Ein Außenseiter, dessen Leben alsbald eine unglaubliche Wendung nehmen wird und die Geschichte verändern kann …

Der Instrumentenkoffer ist der Schlüssel zur Veränderung der Geschichte
Der Instrumentenkoffer ist der Schlüssel zur Veränderung der Geschichte

Die Spierig-Zwillinge Michael und Peter bleiben nach Night- und Daybreakers dem fantastischen Genre (und Ethan Hawke) treu. In Predestination kanalisieren sie ihre stylischen Bilder mit einer geheimnisvollen Story, einem ausgereiften und gut geschriebenen Drehbuch sowie Darstellern, die Großes leisten. Gerade Sarah Snook, die in ihrer Rolle als weibliche und männliche Version ihrer Selbst einiges durchzumachen hat, spielt beängstigend gut. Ethan Hawke, der zuletzt nicht immer überzeugte, ist ein souveräner Zuhörer, der an den richtigen Stellen die entscheidenden Fragen stellt und später auch selbst zeigen kann, dass er es noch drauf hat.
Was Predestination so besonders macht, ist sein Spiel mit dem Wissen darum, dass die eigentliche Ausgangssituation des zeitreisenden Agenten mit dem Beginn der Geschichte von Jane nicht verlassen, sondern nur pausiert wird und beizeiten wieder zum Vorschein kommt. Man ist zunächst irritiert, fragt sich, wohin die episch ausgelegte Lebensgeschichte Janes führt, überlegt sich Theorien, wie das alles zusammenhängt und versucht, die sich dann anschließenden Zeitreisen irgendwie in einen logischen Zusammenhang zu fügen. Immer dann, wenn man denkt, man hat ein paar Einzelheiten begriffen und in Zusammenhang gebracht, reißen die Spierigs das Gefüge wieder auseinander und es wird klar: Hier geht’s gar nicht um die kausalen Zusammenhänge, sondern um die Kontroverse, die vom Titel bereits ausgeht: Ist das Geschehen auf der Welt vorherbestimmt (prädestiniert) oder kann man die Dinge verändern?

Der geheimnisvolle Mr. Robertson hält die Fäden in der Hand
Der geheimnisvolle Mr. Robertson hält die Fäden in der Hand

Ohne auf die Logik zu pochen, kreist der Film immer mehr um sich selbst, stellt die Frage nach der Henne und dem Ei und schließt immer mehr einen Kreislauf. Ganz nebenbei bedient er sich dem Thema Transsexualität auf sensible Art und Weise, ohne es vordergründig auszuschlachten, sondern um vielmehr auch hier die dem Film innewohnende Frage zu stellen: „Wer bin ich?“
Und wenn Predestination kurz vor dem Ende die Identität des Fizzle-Bombers präsentiert, mag man diese zwar bereits erahnt haben, allerdings wird auch dies in dem Moment zweitrangig, da der Film gleichsam eine umso unbequemere Frage aufwirft.
In Zusammenarbeit mit dem erwähnt tollen Schauspiel, der schneidend dichten Atmosphäre, dem (vor allem in der Ausbildungssequenze Janes zum Kosmonauten) grandiosen Set-Design und der kongenialen Filmmusik, die ebenso schwebend wie zeitweise melancholisch und episch angelegt das Geschehen begleitet, zieht einem der Film immer wieder den Boden unter den Füßen weg. Alleine das kann man nur von wenigen ähnlich gelagerten Genrewerken sagen, weshalb Predestination spontan die Top Drei meiner Lieblingsfilme 2014 entert (auch wenn der Käufer sich noch bis zum 05. Februar 2015 gedulden muss).

Wer ist der Mann, der das Leben von Jane zerstört hat?
Wer ist der Mann, der das Leben von Jane zerstört hat?

Bild- und Tonqualität

Jane hat gute Chancen, als Kosmonautin Karriere zu machen
Jane hat gute Chancen, als Kosmonautin Karriere zu machen

Die Blu-ray von Predestination liefert ein extrem ruhiges, klar konturiertes und kontrastreiches Bild. Es könnte zwar durchweg ein bisschen heller sein, zeichnet aber auch in dunklen Szenen noch gut durch und verliert nie die Contenance.
Schon die Stimmung in der Werkhalle zu Beginn von Predestination wird sehr atmosphärisch eingefangen. Geräusche werden direktional auf den rückwärtigen Lautsprechern platziert und die Musik in der Kneipe der 70er Jahre rumpelt schön garagenkombomäßig vor sich hin. Hawkes Stimme ist in der deutschen Synchro bisweilen etwas übersteuert. Die großartige Filmmusik gelangt wiederum sehr offen und breit gestaffelt ans Ohr und die Zeitsprünge werden von ebensolchen Dynamiksprüngen begleitet.

Bonusmaterial

Die Suche nach dem Fizzle Bomber ist des Agenten letzte Aufgabe
Die Suche nach dem Fizzle Bomber ist des Agenten letzte Aufgabe

Mit Ausnahme der entsprechenden Trailer und einigen Programmtipps gibt’s im Bonusmaterial von Predestination nichts weiter zu entdecken.

Fazit

Predestination hört sich nach einem Mix aus Minority Report und Looper an und ist doch so viel mehr als diese beiden vordergründigen SciFi-Actioner. Zum ersten Mal ist die Betrachtung eines Zeitreisefilms nicht abhängig von der Logik, sondern den Fragen, die der Film aufwirft. Und damit ist das Werk der Spierig-Brüder einer der außergewöhnlichsten Filme der letzten Jahre und neben 12 Monkeys der intelligenteste Zeitreise-Film überhaupt. Die Herausforderung, die Predestination an seine Zuschauer stellt, muss man zwar annehmen, doch sie wird belohnt mit einer Geschichte, die noch lange nachwirkt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 80%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 10%
Film: 90%

Anbieter: Tiberius Film
Land/Jahr: USA/AUS 2014
Regie: Peter & Michael Spierig
Darsteller: Ethan Hawke, Sarah Snook, Noah Taylor, Christopher Kirby
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 97
Codec: AVC
FSK: 16

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