Puls – Wenn alle vernetzt sind, ist keiner sicher

Blu-ray Review

Concorde Home, 17.01.2017

OT: Cell

 


Satans Sprechfunk

In der Verfilmung von Kings Puls werden Menschen zu

Inhalt

Clay muss sich gegen die Phoner zur Wehr setzen

Clay Ridell hat gerade ein paar seiner selbst gezeichneten Comics verkaufen können und landet am Flughafen von Boston. Dort ruft er seine Ex und den gemeinsamen Sohn an, die er lange nicht mehr gesehen hat. Während sein Akku den Geist aufgibt, scheinen plötzlich alle anderen dort befindlichen und telefonierenden Menschen einen Impuls über ihr Handy zu bekommen und brechen krampfend zusammen. Kurze Zeit später scheinen die Betroffenen wie von Sinnen zu sein und fallen über diejenigen her, die von dem Störgeräusch des Handys verschont blieben. In dem sich entwickelnden unglaublichen Chaos gelingt Clay mit Mühe und Not die Flucht. In der U-Bahn trifft er auf Zugführer Tom, mit dem der sich gemeinsam durch das apokalyptische Szenario schlägt. Sein Ziel ist die Rettung seiner Familie, die er natürlich nicht per Telekommunikation erreichen kann. Auf dem Weg dorthin schließt sich noch ein Mädchen namens Alice sowie später der Computernerd Jordan an. Das Quartett schlägt sich nach und nach durch, muss aber ständig auf der Hut vor den nun „Phoner“ genannten Irren sein, die sich zudem nach und nach zu formieren scheinen und eine Art kollektives Schwarmbewusstsein bekommen …

Gemeinsam mit Tom schlägt er sich durch eine verwüstete Welt

Die Welt ist digitalisiert und besteht in weiten Teilen nur noch aus Einsen und Nullen. Diese Tatsache griff Stephen King in seinem 2006er Roman Puls (Original: Cell) auf und entwickelte daraus seine ganz eigene Variante eines Zombiefilms. Tod Williams nutzt das Szenario, um direkt zu Beginn Szenen auf einem Flughafen zu zeigen, die verdeutlichen, wie stark die Menschen an ihr Mobiltelefon gebunden sind. Ausnahmslos jeder scheint zu telefonieren, zu skypen oder andere virtuelle Dinge mit seinen Telefon zu veranstalten. Demgegenüber setzt er mit Clay einen Grafiker, der vornehmlich in einer analogen Welt lebt und arbeitet. Seine Zeichnungen macht er von Hand und mit dem Mobiltelefon ist er auch nie richtig warm geworden. Puls belässt es aber nicht beim schnöden Untoten-Abklatsch, sondern integriert auch das Thema Schwarmverhalten und Telepathie. King-Verfilmungen leiden oft an mangelndem Budget, weil die Vorlagen nur selten fürs Blockbuster-Kino aufbereitet werden. Das gilt in gewissem Maße auch für Puls, dessen visuelle Effekte (Flugzeugabsturz zu Beginn) nur mittelmäßig gelingen und dessen epische Breite nicht komplett dargestellt werden kann, weil man eben nur ein/zwei Straßenzüge in totale Verwüstung verwandelt konnte. Also macht man aus der Not eine Tugend und geht aufs freie Feld oder flüchtet durch den Wald. Dabei gibt es durchaus spannende und unangenehme Situationen, wie jene, in der die drei Hauptfiguren sich vor den Phonern unter kleinen Booten verstecken und kurz darauf ein Signal sämtliche Befallen zu durchströmen scheint.

Alice, Clays Nachbarin erweitert die Gruppe auf ein Trio

Auch die Fahrt mit dem Benzintankwagen über die schlafenden Infizierten liefert gruselige Momente – vor allem vor dem Hintergrund der operettenhaften Musik, die aus ihren Handys und Mündern kommt. Gleichzeitig entschärft das Drehbuch diese nicht gerade wenig brutalen Szenen mit etwas sarkastischem Humor. Ohenhin geht es für eine King-Verfilmung geht’s außerdem erstaunlich blutig zu, wenn die Phoner schon zu Beginn am Flughafen zuschlagen und das Chaos seinen blutigen Zoll fordert. Mittendrin sind John Cusack und Samuel L. Jackson passend besetzt – zumal beide schon gemeinsam in Zimmer 1408 agierten, der ebenfalls auf einer Vorlage des Horrorautors basiert. Die immer wieder an The Walking Dead erinnernde Atmosphäre leerer Straßen und zerstörter Gebäude lässt Puls atmosphärisch erscheinen und funktioniert gut. Die Dialoge hätten allerdings ein bisschen ausgefeilter sein können. Wenn Sam Jackson mit den Worten „Aufmachen, wir sind Amerikaner“ an einer Bar anklopft, dann darf man schon mal kurz mit einem „Autsch“ zusammenzucken. Richtig gut wird der Film noch mal, wenn die Gruppe auf ein Trio zusammenschrumpft und teilweise bei Schneefall ihrem Ziel entgegengeht. Und trotzdem das Augenmerk im Gegensatz zum Buch nur wenig auf den Anführer der Phoners gelegt wird und man das telepathische Moment extrem klein hält, gelingt Puls ein starkes (vom Buch allerdings abweichendes) Endbild. Da kann man dann vielleicht auch darüber hinwegsehen, dass man sich kurz zuvor sehr deutlich an den 78er Die Körperfresser kommen anlehnt.

Bild- und Tonqualität

Die Phoner werden immer organisierter und aggressiver

Beim Bild von Puls muss man ein paar Abstriche machen. So neigt es in kurzen Bewegungen zu plötzlich auftretendem Rauschen und Unruhen. Die Schärfe ist zudem ab und an sichtbar soft ausgelegt und in dunkleren Szenen bleiben die Schwarzwerte schwach und der Kontrastumfang eher mittel. Selbst in Nahaufnahmen bleibt die Detaildarstellung durchschnittlich (63’29).
Schon das Gewusel auf dem Flughafen wird in Puls lebhaft und räumlich ins Heimkino transportiert. Wenn dann der Impuls mit einem ätzenden Frequenzgewirr zuschlägt, fühlt man sich beinahe selbst „rebootet“, was der Film entsprechend effektvoll und häufig über die Speaker transportiert – wirklich kein schönes Geräusch, das (fiele man ihm selbst anheim) verständlich werden lässt, warum es reicht, um eine Gehirnwäsche vorzunehmen.

Bonusmaterial

Tom verteidigt das Leben der Gruppe mit vollem Einsatz

Neben dem Trailer findet sich im Bonusmaterial von Puls noch ein Behind the Scenes, das in 12 Minuten neben Filmausschnitten noch Statements der Darsteller und dem Regisseur hinzufügt. Die Filmschaffenden erklären den gegenüber regulären Zombiefilmen anderen Ansatz, den King mit seiner Vorlage gegeben hat.

Fazit

Puls hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Als Film für sich genommen liefert er atmosphärische und gruselige Szenen sowie eine passende Besetzung und inhaltlich eine hochaktuelle Kritik auf das digitale Leben. Insgesamt wirkt die Geschichte (King selbst schrieb am Drehbuch mit) aber etwas fahrig und durch die Abweichungen vom Buch auch weniger rund. Puls reiht sich deshalb im guten Mittelfeld der King-Verfilmungen ein.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 25%
Film: 60%

Anbieter: Concorde Home
Land/Jahr: USA 2015
Regie: Tod Williams
Darsteller: John Cusack, Samuel L. Jackson, Isabelle Fuhrman, Stacy Keach, Griffin Freeman, Alex ter Avest, Rey Hernandez, Joshua Mikel
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 98
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Puls

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