[Rec]4: Apocalypse

Blu-ray Review

Universum Film, seit 19.12.2014
Universum Film, seit 19.12.2014

OT: [Rec]4: Apocalipsis

 


Die Rechnung ohne den Wirt gemacht

[Rec]4: Apocalypse beweist: Auch eine dritte Fortsetzung eines Horror-Franchise kann funktionieren.

Inhalt

An Bord eines Schiffs ist es nicht der Gärtner, sondern der Smutje, von dem die Gefahr ausgeht ...
An Bord eines Schiffs ist es nicht der Gärtner, sondern der Smutje, von dem die Gefahr ausgeht …

Kurz bevor ein Elitetrupp das Mietshaus in Barcelona sprengen will, das Schauplatz des Ausbruchs eines fremdartigen Virus war, rettet der Soldat Guzmán die Journalistin Ángela aus dem dritten Stock. Kaum aus dem Gebäude entkommen, wachen beide kurz darauf auf einem Kahn auf. Dort sind alle Überlebenden des Virus sowie ein Team von Wissenschaftlern und Sicherheitsleuten. Vordergründig sagt man den beiden, dass es um eine alles sichernde Quarantäne geht. Konsequenterweise sind „wegen der Sicherheit“ sogar die Rettungsboote nicht einsatzfähig, denn falls die Seuche auch hier ausbrechen sollte, darf sie nicht entkommen. Dumm, dass auch ein Wirt an Bord festgehalten wird, der kurz vor einem drohenden Sturm entwischen kann. Sein erstes Opfer ist der Koch, der gerade noch Zeit hat, seine Mahlzeit zu vollenden – da ist es dann kaum verwunderlich, dass kurze Zeit später die halbe Mannschaft schlimme Magenverstimmungen hat. Einzige Hoffnung ist das Finden des ursprünglichen Erregers, und der schlummert immer noch im Körper von Ángela …

[Rec]4 Apocalypse Blu-ray Review Szene 2
… von dem will aber auch niemand mehr ein Mittagessen serviert bekommen

 

 

Hätte gerne mal, dass der Alptraum endet: Journalistin Ángela
Hätte gerne mal, dass der Alptraum endet: Journalistin Ángela

Weg von der Hochzeit, zurück in den Wohnblock – zumindest zu Beginn. [Rec]4: Apocalypse geht im besten Sinne zurück zu den Wurzeln der Serie über eine Virusinfektion, die Menschen zu fleischfressenden Tollwütigen macht. Ebenso ist auf dem Regieposten konsequenterweise auch Jaume Balagueró, der Dirigent der ersten beiden Teile, zurückgekehrt. Dieser lässt nicht nur den eher schwachen dritten Teil vergessen, sondern nimmt gleichzeitig komplett Abschied vom Found-Footage-Stil. Klassisch inszeniert, nutzt der spanische Regisseur das enge Szenario des Schiffes effektiv, um ein hohes Spannungslevel zu generieren, dass sich immer wieder durch die panikartigen Attacken der Infizierten entlädt. Von der Story her halbwegs schlüssig erdacht, kann man sich als Zuschauer fast komplett auf das klaustrophobische Szenario und die sich allmählich steigernde Panik der Passagiere konzentrieren. Glücklicherweise hat Balagueró seiner Hauptdarstellerin der ersten beiden Filme ein paar nachvollziehbar agierende Schauspieler an die Seite gestellt, sodass die immer noch etwas anstrengende Überemotionalität von Manuela Velasco etwas abgefedert wird – Paco Manzanedo als Guzmán und Héctor Colomé als Dr. Ricarte machen hier einen guten Job. Und wenn [Rec]4: Apocalypse dann nach 70 Minuten eine (wenn auch etwas konstruierte) dicke Überraschung präsentiert, die Action infolgedessen zunimmt, muss man konstatieren: Hollywood hätte diese Mischung aus 28 Days Later und Alarmstufe: Rot kaum besser hinbekommen. Natürlich lässt Balagueró das Ende entsprechend einer möglichen Fortsetzung offen. Hoffentlich nutzt sich das Ganze dann nicht doch langsam etwas ab, denn so richtig viele Horror-Franchises gibt’s nicht, die mit Ausnahme eines aus der Art schlagenden Teils beständig gute Unterhaltung boten.

Bild- und Tonqualität

Guzmán setzt sich mit vollem Körper für die Rettung seines Kollegen ein
Guzmán setzt sich mit vollem Körper für die Rettung seines Kollegen ein

Dem Bild von [Rec]4: Apocalypse tut der Wechsel auf die Verwendung klassischer Kameras sichtlich gut: Es ist recht kontraststark, lässt auch in den dunklen Szenen noch Zeichnung zu und ist sowohl in den Nahaufnahmen als auch in den Halbtotalen recht scharf. Erstaunlicherweise ist es sogar während der düsteren Innenraumaufnahmen sehr ruhig.
Akustisch nutzt [Rec]4 recht eindrucksvoll die Tieftonfrequenzen, lässt die entfernten Rotoren der Hubschrauber eindrucksvoll flappen und das Schiff ziemlich druckvoll durchs Heimkino schippern. Die Akustik im Bauch des Kahns ist bisweilen extrem authentisch – so hat man im Maschinenraum das Gefühl, als schlüge sich die Feuchtigkeit des Dampfes der Maschinen auf dem Sofa nieder. Die reudigen Attacken der Infizierten werden extrem kreischend und effektiv wiedergegeben – Gänsehaut während dieser Szenen garantiert.

... sollen die bluttriefenden Wahnsinnigen nur kommen, Ángela ist vorbereitet ...
… sollen die bluttriefenden Wahnsinnigen nur kommen, Ángela ist vorbereitet …

Bonusmaterial

Einst Freund und Helfer, jetzt fleischfressender Infizierter
Einst Freund und Helfer, jetzt fleischfressender Infizierter

Im Bonusmaterial von [Rec]4: Apocalypse findet sich neben Trailern zum aktuellen und den vorherigen Teilen ein Making-of. Das läuft mit fast 28 Minuten recht ausgiebig, begleitet zum Teil die Hauptdarstellerin hinter der Kamera und liefert einige stimmige und sehr interessante Einblicke. Immer wieder sieht man auch, dass es ziemlich witzig zu sein scheint, einen Zombiefilm zu drehen.

 

Fazit

Nach dem doch etwas zähen und wenig atmosphärischen Vorgänger kehrt mit Regisseur Balagueró auch die Spannung zurück in die Horror-Serie: [Rec]4: Apocalypse reiht sich qualitativ direkt nach dem Erstling ein und liefert 95 packende Minuten.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonsumaterial: 30%
Film: 75%

Anbieter: Universum Film
Land/Jahr: Spanien 2014
Regie: Jaume Balagueró
Darsteller: Manuela Velasco, Paco Manzanedo, Héctor Colomé, Ismael Fritschi, Crispulo Cabeza, Paco Obregon, Mariano Venancio
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, sp
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 94
Codec: AVC
FSK: 16

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