Regression

Blu-ray Review

Regression Blu-ray Review Cover
WVG/Tobis, seit 26.02.2016

OT: Regression

 


Kollektive Hysterie

Die USA in den 90ern – eine verwirrte Gesellschaft.

Inhalt

Regression Blu-ray Review Szenenbild 3
Hat John wirklich seine Tochter missbraucht?

Minnesota 1990: Der agnostische Police Detective Bruce Kenner hat es mit einem rätselhaften Fall zu tun: Der langjährige Alkoholiker John Gray kann sich zwar an nichts erinnern, glaubt aber „es“ getan zu haben. Was genau, weiß man noch nicht, doch Johns Tochter beschuldigt ihn gar grausamer Sextaten und ähnlich schlimmen Dingen, die er unter satanistischem Einfluss begangen haben soll. Um herauszufinden, was wirklich geschah und wer hier schuldig oder unschuldig ist, zieht die Polizei den Psychologen Kenneth Raines zu Rate. Der dringt per regressiver Hypnose in Johns Bewusstsein ein und fördert damit Schreckliches zutage. So scheint ein Polizeikollege in den Missbrauch an Angela verwickelt zu sein und John ist offenbar nicht (oder zumindest nicht alleine) der Täter. Während die Ermittlungen ihren Lauf nehmen, wird Kenner plötzlich von Visionen heimgesucht, die ihn in die Folterkeller des Satanistenkults entführen oder ihm Sex mit verschrumpelten alten Ladys bescheren. Was hat das gerade für ihn, den überzeugten Agnostiger, zu bedeuten? Und was ist Angela wirklich widerfahren?

Regression Blu-ray Review Szenenbild 2
Kenner versucht, aus Angela herauszubekommen, was wirklich passiert ist

Wenn Spanier Horror oder Grusel inszenieren, herrscht immer eine ganz besondere Atmosphäre. Alejandro Amenábar (Das Meer in mir) macht da in Regression keine Ausnahme. Vornehmlich düster geht’s in seinem Film zu, dessen Drehbuch er auf der Basis von wahren Begebenheiten selbst verfasst hatte. Kühle Blau- und Grautöne dominieren die Szenerie und stilvolle Kameraeinstellungen zeugen von der formalen Stärke des Spaniers. Dass das US-Kino mit solchen Filmen trotz hochkarätiger Besetzung meist nichts anfangen kann, zeigt auch das dortige Einspiel. Regression setzte in den dortigen Kinos gerade einmal 33.000$ um, womit Amenábars Film einer der seltenen Fälle ist, in denen eine US-(Co)Produktion im eigenen Land weniger erlöste als in Deutschland (56.000 €). Ein weiterer Grund könnte aber auch die langatmige Entwicklung der Geschichte sein. Ziemlich überraschungsfrei und zunächst auch spannungsarm vertraut der Spanier einzig auf die seine prominenten Schauspieler und die Tatsache, dass es sich um „wahre Begebenheiten“ handelt. Schaut man aber hinter die Fassade der filmisch etwas schwachen Story, stellt man fest, dass Regression tief in die (verwundeten) Seelen seiner Protagonisten eindringt und offenbart, dass das Böse in den Menschen der direkten Umgebung steckt. Man muss sich vor Augen führen, dass der Film im Jahre 1990 spielt und Satanismus (sowie die mediale Berichterstattung darüber) in den USA für panikartige Verhaltensweisen gesorgt hat. Vorschnelle Urteile, den Hexenverbrennungen des Mittelalters gleich, sorgten noch 1994 im Falle der „West Memphis Three“ (Devil’s Knot) für Aufsehen und in einem Land, das mit religiösen Vereinigungen und entsprechenden Exzessen so seine lieben Probleme hat. Bigottes Verhalten, Selbstverleumdung, Wahnvorstellung und Hysterie – all das sind Themen, die Amenábar im Subtext seines Films versteckt und in Figuren manifestiert, die allesamt nicht sonderlich sympathisch sind und deren Seelen am Ende einsam bleiben. Dass Regression dabei trotz aller stil- und manchmal sehr stimmungsvollen Bilder auch Klischees bedient mag am okkulten Thema an sich liegen, das noch nie Raum für große Innovationen gelassen hätte und dem man inhaltlich auch einfach etwas abgewinnen muss, um sich drauf einlassen zu können. Die bekannten Darsteller überspielen dabei so manche etwas zähe Szene, wenngleich Ethan Hawke sein mittlerweile typisches Skeptikergesicht aufsetzt und mit der ebenfalls typischen heiseren Stimme versucht, den objektiven Zuschauer zu repräsentieren. Einen eher miesen Tag (oder eine schwach geschriebene Rolle) hat Emma Watson erwischt, die kaum eine Szene ohne Tränen in den Augen absolviert und wie das Leiden Christi selbst wirkt. Dass die finale Wendung nicht

Bild- und Tonqualität

Regression Blu-ray Review Szenenbild 1
Psychologe Raines hilft Kenner bei den Verhören

Dunkel, graublau und schmuddelig ist’s in Minnesota – und das gibt die Blu-ray von Regression passend und stimmig wieder. Das leichte Korn fördert noch die teils schaurige Atmosphäre und wenn dann mal Farben ins Spiel kommen, springen diese förmlich dreidimensional aus der Leinwand (76’27). WAs die Auflösung angeht, spielt die Kamera oft mit extremer Schärfenuntiefe und arbeitet so die Visionen noch plastischer heraus. Abgesehen davon ist die Auflösung grundsätzlich sehr gut – selbst in den wackeligen Kamerasequenzen gehen Details nicht flöten und auch in dunklen Innenraumaufnahmen bleibt die Durchzeichnung gut.
Direkt zu Beginn zeigt der Ton von Regression, dass er dynamische und effektvolle Wiedergabe beherrscht. Während im Hintergrund der Filmtitel langsam gegenwärtig wird, schwillt der Sound in der Lautstärke an und präsentiert im Anschluss eine Fülle an direktionalen Effekten im Regen auf dem Fahrzeugdach. Die deutschen Stimmen sind allerdings ein wenig zu leise eingebettet. Herausragend vertont, weiträumig und voller Sounds sind die rückblickenden Erzählungen Angelas oder ihres Vaters unter Hypnose. Stimmen, Filmscore und Effekte scheinen von überall zu kommen und nehmen den Zuschauer gefangen. Gerade die Heimsuchung der Großmutter ist dafür ein lohnendes Beispiel (65’00). Dass die deutsche Tonspur dabei über 7.1 Spuren in dts-HD-Master-Abmischung verfügt, ist definitiv kein Schaden, denn gerade die hinteren Effektkanäle liefern immer wieder schaurige Geräusche und Stimmen.

Bonusmaterial

Regression Blu-ray Review Szenenbild 4
Kenner fängt an, Johns Geschichte zu misstrauen

Das Bonusmaterial von Regression teilt sich in einen deutschen und einen englischen Bereich auf. Die hiesigen Parts halten ein „Mini-Making-of“ und ein „echtes“ Making-of parat. Letzteres läuft knapp zehn Minuten und ist wie das Mini-Making-of eher eine Zusammenfassung des Films. Zwei Featurettes über Ethan Hawke und Emma Watson sowie zwei weitere über „Die Vision“ und „Die Besetzung“ schließen sich an. Die englischen Originalextras ergänzen das Ganze um acht Interviews mit den Beteiligten und die gleichen Featurettes (nur eben in Englisch). Alle vier Featurettes laufen mit zwei bis drei Minuten nicht gerade lang und sind auch nicht sehr erschöpfend. Die zehnminütige B’Roll ist da noch das aufschlussreichste Extra.

Fazit

Regression ist kein okkulter Schocker mit einer Aneinanderreihung blutiger Ritualszenen, sondern ein vielschichtiges Psychodrama, das den Finger tief in die Wunden einer religiös und medial verwirrten Gesellschaft legt. Atmosphärisch ist Amenábars Film ganz weit vorne, in Sachen Spannung muss man ein paar Abstriche machen. Deshalb ist Regression auch eher etwas für Freunde von Filmen, die sich mit sozialgesellschaftlichen Phänomenen auseinandersetzen – Grusel- oder gar Horrorfans sollten wissen, worauf sie sich einlassen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 80%
Tonqualität (dt. Fassung): 85%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 50%
Film: 70%

Anbieter: WVG/Tobis
Land/Jahr: USA/Spanien 2015
Regie: Alejandro Amenábar
Darsteller: Ethan Hawke, Emma Watson, David Thewlis, Lothaire Bluteau, Dale Dickey, David Dencik, Peter MacNeill
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 106
Codec: AVC
FSK: 16