Revenge of the Green Dragons

Blu-ray Review

Revenge of the Green Dragons Review Cover
Koch Media, seit 19.02.2015

OT: Revenge of the Green Dragons

 


Plan B

Von wahren Ereignissen inspirierter und Martin Scorsese produzierter Banden-Thriller.

Inhalt

Revenge of the Green Dragons Review Szene 3
New York: Zuflucht für viele Einwanderer der 80er

New York 1983: Die beiden Jungens Sonny und Steven sind vor ein paar Jahren aus China in die USA gekommen, nachdem die Regierung Carter die Einreisebedingungen für Einwanderer gelockert hatte. Die zwei werden beste Freunde und gemeinsam erwehren sie sich auch der brutalen Übergriffe der Green Dragons Gang. Eines Tages jedoch schnappen sie sich Steven, kloppen ihn windelweich und nehmen ihn und Sonny kurz darauf in ihre Kreise auf. Nun, mit der coolen Gang im Hintergrund, lernen die zwei Schüler das Schießen und schon bald auch das Töten. Letzteres beinhaltet jedoch eine wichtige Regel: Es werden ausschließlich Asiaten erschossen! Solange die Gewalt unter den Chinesen bleibt, kümmert sich keine Polizei darum, kräht kein offizieller Hahn danach. Da Steven jedoch immer wieder über die Stränge schlägt, bekommen die beiden bald Schwierigkeiten – erst Recht, als er im Affekt einen Weißen abknallt. Jetzt drehen nicht nur die Green Dragons durch, es heftet sich auch der ambitionierte FBI-Agent Michael Bloom auf die Fersen der Gang. Sonny muss entscheiden, wie er sich verhält und was er tut, um die Probleme zu beseitigen …

Revenge of the Green Dragons Review Szene 1
FBI-Agent Bloom ist den Gangstern auf der Spur

Wenn sich der Regisseur von Infernal Affairs mit dem Regisseur des Remakes Departed – Unter Feinden zusammentut, sollte es doch mit dem Teufel zugehen, wenn das nichts wird. Andrew Lau teilt sich zwar die Regiearbeit mit Andrew Loo und Martin Scorsese produziert „nur“, doch das tut der Stimmung in Revenge of the Green Dragons keinen Abbruch. Das Duo hinter der Kamera findet stimmige Bilder der 80er- und 90er Jahr und fängt die aufgehitzte Atmosphäre innerhalb der Gangs ebenso packend wie stylish ein. Das herausragende Merkmal des Films ist allerdings seine Charakterzeichnung und die kluge Besetzung. Hat man es sonst (vor allem als Europäer) schon mal schwer, asiatische Darsteller zu differenzieren, gelingt dies durch sehr individuelle Schauspieler und das Bemühen, den Figuren einen Hintergrund zu geben, sehr gut. Die beiden Hauptakteure Justin Chon und Kevin Wu sind nicht nur optisch weit auseinander, sondern könnten in den Charakterzügen ihrer Rollen kaum weiter auseinander liegen. Dazu agiert Harry Shum jr. als Paul distinguiert und souverän – wenngleich auch in ihm die Gewalt brodelt und jederzeit auszubrechen droht. Ray Liotta als prominenter Nebendarsteller variiert zwar erneut die eine und einzige Rolle, die ihm immer wieder zuteil wird, doch das macht er hier wenigstens überzeugend und professionell.

Revenge of the Green Dragons Review Szene 4
Nur selten werden Konflikte ausdiskutiert …

Abgesehen von den Darstellern wird durchaus deutlich, was die beiden Regisseure (neben dem Erzählen einer spannenden Geschichte) ebenfalls im Sinn hatten: Das Demontieren des Amerikanischen Traums, den viele Einwanderer in den 80er Jahren verfolgt haben mögen und der für die Meisten dann doch geplatzt ist oder in der organisierten Kriminalität und damit oft im Gefängnis oder sogar Tod endete. Vielleicht fehlt Revenge of the Green Dragons hin und wieder etwas Tempo oder mal eine zünftige Actionsequenz, doch mit insgesamt 94 Minuten Laufzeit fasst er sich dafür bedeutend kürzer als die meisten Asia-Thriller. Was dem Film etwas an Drive fehlt, macht die zünftige Gewaltschraube wieder etwas wett, denn hier geht’s schon ziemlich ruppig zu Werke – eben genauso, wie man es in der organisierten Bandenkriminalität vermuten würde. Loo und Lau blenden zwar bisweilen weg oder lassen die Gewalt verdeckt geschehen, was jedoch dem Kopfkino keinen Abbruch tut und seine Wirkung bis zum überraschenden Ende nicht verfehlt. Die FSK nahm’s gnädig und ließ Revenge of the Green Dragons mit einer 18er Freigabe uncut/ungeschnitten passieren.

Bild- und Tonqualität

Revenge of the Green Dragons Review Szene 5
… meist regiert das Gesetz des besser Bewaffneten

Die Blu-ray von Revenge of the Green Dragons hat ein klares und gut konturiertes Bild mit recht ansehnlichen Farben und guter Kontrastierung – wenngleich viele Sequenzen zunächst in Innenräumen stattfinden und dort immer mal wieder nebelartige Luft die Atmosphäre bestimmt. Die Schärfe ist in Ordnung, herausragend ist die Bildruhe – kein Korn trübt hier den Eindruck.
Auch akustisch weiß Revenge zu gefallen. Von Beginn an sind die Dialoge sehr prägnant, die Schusswechsel und vor allem die Einzelschüsse, die abgefeuert werden, hallen effektvoll wider und nutzen den Subwoofer ausgiebig, um Nachdruck zu erzeugen. Die asiatisch-traditionell angehauchte Filmmusik legt sich ebenfalls recht räumlich über die Lautsprecher und lässt den Sound insgesamt zu einem überdurchschnittlichen Erlebnis werden.

Bonusmaterial

Revenge of the Green Dragons Review Szene 2
Sonny will die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen

Im Bonusbereich von Revenge of the Green Dragons haben sich drei Featurettes versammelt: Das knapp viertelstündige „Schauspieler“ widemt sich dem Namen entsprechend den Akteuren des Films und lässt die beiden Hauptdarsteller ausgiebig zu Wort kommen. In „Kostümdesign“ wird näher auf den Look eingegangen, der die 80er Jahre authentisch wiedergeben musste. Das „Produktionsdesign“ schließlich beschäftigt sich mit den Drehorten und der Ausstattung des Gangsterfilms.

Fazit

Revenge of the Green Dragons mag nicht die Qualität der weiter oben genannten Vorbilder erreichen, unterhält aber gerade Freunde des Gangster-, bzw. Banden-Subgenres sehr gut und ist handwerklich sauber inszeniert. Das hat man schon deutlich schlechter gesehen, weshalb sich der Film durchaus in den Sammlungen der Genrefans wiederfinden dürfte.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 40%
Film: 70%

Anbieter: Koch Media
Land/Jahr: USA/HK/CH 2014
Regie: Wai-Keung Lau, Andrew Loo
Darsteller: Justin Chon, Kevin Wu, Harry Shum jr., Ray Liotta, Jin Auyeung, Shuya Chang
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 94
Codec: AVC
FSK: 18 (ungeschnitten)

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