Skin Collector

Blu-ray Review

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Tiberius Film, ab 03.11.2016

OT: Shiver

 


Kopflos

In Skin Collector sammelt der Täter zwar keine Haut, sondern Köpfe, aber das macht ihn nicht weniger gefährlich.

Inhalt

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Stehen ziemlich dumm da: Delgado und Burdine von der Polizei

Junge Frauen sind das Ziel eines Serienkillers, der in Kalifornien eine nach der anderen umbringt und danach mit Vorliebe enthauptet. Weil er sich für einen überlegenen Kerl hält, sendet er der Polizei gerne Hinweise, in denen er sich als „Der Vogel Greif“ bezeichnet und die Beamten herausfordert, ihn gefälligst zu schnappen. Die Detectives Delgado und Burdine sind mit dem Fall betraut und sollen ihn möglichst bald lösen, damit ihr Chef mit weißer Weste in den Ruhestand gehen kann. Eine Möglichkeit dafür bietet sich, als Wendy, eins der Opfer, dem Killer entkommen kann. Von nun an unter der Obhut einer Polizeistreife muss der Kerl nur noch auftauchen. Dumm, dass „Greif“ den Cops immer eine Messerlänge voraus ist und sein Werk gnadenlos vollenden will …

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Der „Vogel Greif“ vollzieht seine Sammelleidenschaft …

Rae Dawn Chong (Am Anfang war das Feuer) und Casper Van Dien (Starship Troopers), zwei verdiente Recken des B-Movies jagen John Jarratt, den Genrefreunde als Killer aus Wolf Creek kennen. In Skin Collector (Original: Shiver) aus dem Jahre 2012 (basierend auf einem Bestseller von Douglas Borton aka Brian Harper aka Michael Prescott) verläuft dabei alles nach genreüblichen Versatzstücken, ragt aber in der Tat durch Jarratt heraus. Der Film gibt sich keine Mühe, den Täter zu verbergen, sondern zeigt ihn von Beginn an. Weil der australische Darsteller ein Charaktertyp ist und man ihm noch eine geschundene Seele „spendiert“, richtet sich der Fokus vollständig auf ihn. Als Allerweltstyp mit Hornbrille ist er einer der charismatischsten Killer in B-Movies der letzten Jahre. Schade, dass das Drehbuch an anderen Stellen etwas schlampig ist und allzu sehr auf Stereotypen setzt, denn „Der Vogel Greif“ hätte durchaus das Zeug zum Fortsetzungs-Killer. Ärgerlich (gerade in der Zeit von Serien wie CSI) ist die Darstellung der forensischen Arbeit der Polizei: Wenn der Täter einen Draht nutzt, um seine Opfer zu enthaupten, kann man dem Zuschauer nicht ernsthaft verkaufen wollen, dass die Polizei davon ausgeht, er nutze ein Messer dafür. Während die Beamten also hübsch dämlich rüberkommen, ertappt man sich schon mal dabei, dem Killer zu wünschen, dass er davon kommt. Skin Collector hat seine stärksten Momente definitiv, wenn er auf der Bildfläche erscheint. Gerade im späteren Verlauf, wenn sich zwischen ihm und Wendy ein Psychospielchen entwickelt, baut sich durchaus Spannung auf. Beim Wechsel auf die Original-Tonspur kommt das noch stärker zum Tragen, weil das Irre aus Jarratts Figur noch besser herauskommt. Danielle Harris (Hatchet II, III) an seiner Seite ist eine gute Wahl für die Figur des resoluten Opfers. Harris hält die Waage zwischen Opferrolle und Racheengel gut und wird glücklicherweise nicht als hysterische Scream-Queen charakterisiert. Skin Collector liegt ungeschnitten vor, was in Anbetracht der gezeigten grafischen Gewalt in Ordnung scheint. Echte Bluteffekte sind teils digital erzeugt worden und bis zum überraschend blutigen Finale zeigt der Film meist ohnehin nur die Resultate, nicht die Taten selbst. Während der letzten paar Minuten allerdings geht’s derbe zu und hier kann man schon mal den Hut ziehen, dass es unbeschadet durch die FSK ging.

Bild- und Tonqualität

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… und fügt ein weiteres Teil seiner Kollektion bei

Das Bild von Skin Collector nutzt bisweilen ruckelnde Einstellungen und überstrahlt in den Kontrasten massiv. Sowohl Farben als auch Helligkeit überreißen dann extrem (8’25). Die Schärfe bleibt durchschnittlich und lässt in Bewegungen sogar noch nach. Archivaufnahmen einer landenden Air-Canada-Maschine sind zudem extrem körnig. Lediglich in Close-ups ist der Eindruck wirklich gut.
Der Sound von Skin Collector nutzt die Effektlautsprecher zwar ausgiebig, dies allerdings nicht gerade dynamisch oder feinzeichnend. Die Blechberührungen zwischen den beiden Fahrzeugen klingt gar wie ein Soundfile aus den 70ern (41’10). Die Stimmen hingegen sind gut ausbalanciert und gerade die vier Hauptcharaktere haben eine verhältnismäßig gute Synchronisation erhalten. Dass Originalfassungen nicht zwangsläufig besser sind, merkt man, wenn der Killer mit Wendy im Auto unterwegs ist. Während die hiesige Version hier ein gleichmäßiges Fahrzeugrauschen liefert, fährt der eingesetzte Limiter/Filter im Original ständig rauf und runter, wenn einer der beiden spricht. Also hat man während des Dialogs Umgebungs-/Fahrzeuggeräusche und dazwischen Stille – kein schöner „Effekt“.

Bonusmaterial

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Kann Wendy dem Killer entkommen?

Im Bonusmaterial von Skin Collector finden sich neben den Originaltrailern noch Produkttipps des Anbieters. Außerdem gibt’s Interviews mit Cast & Crew sowie mit dem Autor der Romanvorlage und dem Produzenten.

Fazit

Skin Collector hat eine gute und eine weniger gute Seite: Während die Arbeit der Behörden lächerlich schwach ist, sind die Szenen mit  dem gespenstisch guten John Jarratt und Danielle Harris für einen B-Movie-Slasher außergewöhnlich gelungen. Wer sich darauf fokussiert, kann an Julian Richards Film durchaus Gefallen finden.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 55%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 55%
Bonusmaterial: 20%
Film: 55%

Anbieter: Tiberius Film
Land/Jahr: USA 2012
Regie: Julian Richards
Darsteller: Danielle Harris, John Jarratt, Casper Van Dien, Rae Dawn Chong, Brad Harris, Valerie Harper
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 92
Codec: AVC
FSK: 18 (ungeschnitten)

Trailer zu Skin Collector

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