Spring – Love is a Monster

Blu-ray Review

Spring - Love is a Monster Blu-ray Review Cover
Koch Media, seit 08.10.2015

OT: Spring

 


Metamorphose

Warum nicht mal ein filmisches Experiment aus Splice und Before Sunset?

Inhalt

Spring - Love is a Monster Blu-ray Review Szene 6
Die erste Begegnung mit Louise und schon ist es um Evan geschehen …

Evan hat sich lange um seine kranke Mutter gekümmert. Als die praktisch in seinen Armen stirbt und wenige Tage später unter der Erde ist, stellt der Sohnemann fest, dass er bisher ziemlich ziellos durch die Gegend wandelte. Nachdem ihm auch noch eine Bekannte den Rat gab, doch mal eine Auszeit zu nehmen, bucht er einen Flug nach Italien. Dort schließt er sich zwei Walisern an, fährt erneut ziellos durch die Gegend und lässt sich treiben. Dann jedoch begegnet ihm die wunderschöne Louise, die noch dazu von forscher Art ist. Evan, der offenbar kein Mann nur für eine Nacht und ein bisschen Spaß ist, ist zunächst zögerlich, trifft allerdings immer wieder auf die Studentin der Evolutionsgenetik. Eines weiteren lauen Abends ist es dann um Evan geschehen. Er geht auf die Avancen ein und verbringt eine leidenschaftliche Nacht mit ihr. Am nächsten Morgen ist Louise allerdings nicht mehr da. Nicht ohne Grund, wie sich zeigt, denn sie ist noch viel mehr als sie vorgibt zu sein …

Spring - Love is a Monster Blu-ray Review Szene 3
… doch die hübsche Einheimische lässt sich zunächst bitten

Spring, der zweite gemeinsame Langfilm des Regieduos Justin Benson und Aaron Moorhead, beginnt zunächst wie ein typisches Selbstfindungsdrama eines jungen Mannes. Gut 35 Minuten lang trägt sich der Film mit der inneren Gefühlssituation seines Protagonisten, der den Platz im Leben noch nicht gefunden hat. Wenn sich dann aber urplötzlich fantastische Elemente hinzugesellen, ist man als Zuschauer zunächst und vollkommen zu Recht verwirrt. Diese Überraschung ist den beiden Regisseuren schon mal prächtig gelungen. Ebenso übrigens wie die grundsätzliche Atmosphäre des Films. Ihr Spring nutzt bewusst drastisch reduzierte Farben und einen schwachen Kontrast, um einen eigenständigen Look zu kreiieren. Auf diese Weise wird noch viel deutlicher, dass der schöne Schein trügt. Dass hinter der Fassade der italienischen Provinz bzw. der wunderschönen Protagonistin ein düsteres Geheimnis lauert. Ein Geheimnis, das Benson und Moorhead mit toll getricksten Kreatureneffekten zunächst nur andeuten und später etwas offensichtlicher integrieren. Dennoch geht es hier nie um den Horror der Bilder, sondern um die Romanze zwischen einem Mensch und einem uralten Wesen. Ganz ohne Vampir- oder Werwolfplattitüden kommt Spring dabei aus, konzentriert sich auf das Zwischenmenschliche und überzeugt dabei mit langen Dialogen, die treffsicher geschrieben sind. Manchmal hat man gar das Gefühl, einer Gruselvariante der gemeinsamen Filme von Ethan Hawke und Julie Delpy beizuwohnen. Überzeugend sind dabei sowohl Lou Taylor Pucci (Evil Dead 2013) in der Rolle des Evan sowie auch die Deutsche Nadia Hilker als Louise. Ihrer gleichzeitig selbstbewussten und verletzlichen Darstellung ist es zu verdanken, dass Spring nie ins Kitschige oder Lächerliche abdriftet. Selbst die spirituell angehauchten Szenen in der Höhle fügen sich harmonisch ins Gesamtbild ein. Das Talent der hierzulande in TV-Serien wie Der letzte Bulle oder Alarm für Cobra 11 gesehenen Hilker hat mittlerweile auch Hollywood erkannt und sie als Nita in den finalen zwei Filmen der Divergent-Reihe besetzt. Dass Spring so nachhaltig funktioniert und mitunter tief bewegt, liegt zu einem guten Teil auch an der fantastischen Filmmusik. Jimmy Lavalle, dessen schwebend-romantische Synthesizer-Klangteppich schon einige Dokumentationen bereichert haben, hat mit seinem Soundtrack hier wirklich ein grandioses Händchen bewiesen – selbst wenn seine Werke nur spärlich eingesetzt werden. Der im späteren Verlauf hinzugefügte Humor sorgt für ein paar dynamische Situationen, wenn sich Louise bspw. in der Kirche zu verwandeln beginnt, dabei aber mit witzigen Anekdoten aus ihrer Vergangenheit die Gefahr konterkariert. Dass Spring in seiner finalen Bildeinstellung ein wenig zu dick aufträgt, fällt bei all den positiven Aspekten dann auch kaum ins Gewicht.

Spring - Love is a Monster Blu-ray Review Szene 4
Nicht ohne Grund, denn Louise ist keine normale Frau

Bild- und Tonqualität

Spring - Love is a Monster Blu-ray Review Szene 5
Ein Ausflug im Bötchen bringt die beiden Turteltauben näher

Spring nutzt einen extrem milchigen, viel zu hellen und kontrastschwachen Look, der schon mal an die softe Stimmung der britischen Serie Der Doktor und das liebe Vieh erinnert. Das sieht zu keiner Zeit schön oder beeindruckend aus, was vor allem die beeindruckende Landschaft und Szenerie in Italien atmosphärisch drückt. Mit Sicherheit haben die zwei Regisseure das bewusst so gestaltet, um ihrem außergewöhnlichen Werk zusätzliche Individualität zu verleihen, für Freunde optischer Opulenz ist Spring aber kein Leckerbissen.
Akustisch bleibt Spring verhältnismäßig unauffällig. Gerade zu Beginn konzentriert sich der Film auf seine Dialoge und somit auf den Center. Lediglich das Zirpen der Zikaden und das Anbranden des Meeres sorgen für etwas Räumlichkeit. Auch die Filmmusik legt sich schon mal auf sämtliche Speaker und umhüllt den Zuschauer. Diese Eigenschaften bleiben letztlich bis zum Schluss ohne große Attacken auf die dynamischen Kapazitäten der Heimkinoanlage.

Bonusmaterial

Spring - Love is a Monster Blu-ray Review Szene 2
Doch die Beziehung scheint endlich zu sein

Außerordentlich umfassend präsentiert sich das Bonusmaterial von Spring. Neben einem alternativen Ende, zwei entfernten Szenen und den Trailern finden sich insgesamt sieben Featurettes und das knapp 70-minütige „Pressematerial“, das von seiner Bezeichnung her irreführt. Denn hier handelt es sich um eine waschechte und sehr authentische Hintergrunddoku zum Film. Die beiden Regisseure führen sympathisch und absolut unaffektiert durch verschiedene Aspekte der Produktions ihres Films.

Fazit

Spring ist ungewöhnlich, schwer einzuordnen und gerade deshalb so gut. Alle, die sich so etwas wie Species erwartet haben, sollten allerdings eher einen Bogen um den Film machen, denn Creature-Horror ist hier nicht angesagt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 50%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 70%
Film: 80%

Anbieter: Koch Media
Land/Jahr: USA 2014
Regie: Justin Benson, Aaron Moorhead
Darsteller: Lou Taylor Pucci, Nadia Hilker, Vanessa Bednar, Shane Brady, Francesco Carnelutti
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 110
Codec: AVC
FSK: 16