Star Wars: Das Erwachen der Macht

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Blu-ray Review

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Walt Disney©, seit 28.04.2016

OT: Star Wars: The Force Awakens

 


Generationswechsel

Der dritterfolgreichste Film aller Zeiten erscheint endlich auf Blu-ray. Halten Film und Disk, was der Hype erhoffen lässt?

Inhalt

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FN-2187 ist frisch von den Sturmtruppen desertiert

Über 30 Jahre nachdem die Rebellen den zweiten Todesstern vernichten konnten und Darth Vader besiegt wurde, hat sich Luke Skywalker auf einen unbekannten Planeten zurückgezogen. Als sich eine neue böse Macht formiert, die sich der Mechanismen des Imperiums bedient und von Supreme Leader Snoke angeführt wird, ist es erneut an den tapferen Rebellen, die finsteren Gestalten zu stoppen. Vor allem deshalb, weil diese über eine Superwaffe verfügen, mit der ganze Planeten ausgelöscht werden können. Ohne Luke, das ist jedoch die Befürchtung, wird der Widerstand nicht funktionieren, weshalb Poe Dameron, einer der besten Piloten der Rebellen, mit einem Teil einer Karte unterwegs ist, die den Standort Skywalkers verraten soll. Doch bevor er diese zu General Leia, die nun Anführerin der Rebellen ist, bringen kann, kommt ihm Kylo Ren in die Quere. Der düstere Typ steht auf der dunklen Seite der Macht und ist Snokes rechte Hand. Dameron kann die Karte gerade noch in seinem Druiden BB-8 verstecken, den er auf den Weg in Sicherheit schickt. Als der Druide auf die Schrottsammlerin Rey trifft, nimmt diese sich des niedlichen Roboters an, wird aber bald ihrerseits von Sturmtruppen gejagt. Da kommt ihr Finn, ein desertierter Stormtrooper zur Hilfe, mit dem sie im lädierten Millennium Falcon von Jakku fliehen kann. Gemeinsam wollen sie BB-8 und damit die Karte zu den Rebellen bringen. Doch Kylo ist ihnen dicht auf den Fersen und so sind sie bald auf die Hilfe des ursprünglichen Besitzers des Millennium Falcon angewiesen – so dieser überhaupt Lust hat, seine Hilfe noch einmal in den Dienst der Rebellen zu stellen. Denn zu viel persönlicher Schmerz ist damit verbunden …

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… und scheint vom Regen in die Traufe zu kommen

Da ist er nun, der mit Abstand am meisten erwartete Film seit … ja, im Prinzip seitdem George Lucas zu Beginn des neuen Jahrtausends seine eigene Star-Wars-Saga um die Episoden I-III ergänzte. Jetzt haben eben jene drei zeitlich vor der klassischen Serie angesiedelten drei Filme die Fans des Franchise skeptisch werden lassen, was weitere Abenteuer aus dem Universum von Luke, Han Solo & Co. angeht. Ein gewisser Jar Jar Binks ist daran nicht ganz unschuldig gewesen. Aber eben auch ein George Lucas, der durch oberflächliches Effektgeheische und unfassbar schwülstige Liebesszenen zwischen Anakin und Padmé seinen eigenen Ruf beinahe selbst demontierte. Der nächste Schock für die eingefleischten Star-Warsianer war die Tatsache, dass sich Disney in der Zwischenzeit Lucasfilms einverleibt hatte – wie sollte eine Fortsetzung der Serie aussehen, wenn das „Kinderfilmstudio“ Hand daran anlegen würde? Während also die einen den Untergang ihres Kults kommen sahen, waren die anderen offener und am Ende, seien wir ehrlich, wollen es dann auch die traditionellen Fans wissen. Und das, obwohl man J.J. Abrams (der schon das Star Trek-Franchise reanimierte) nicht zwingend für die beste Wahl hielt. Allen Unkenrufen zum Trotz war zumindest das Einspielergebnis dermaßen gut, dass selbst Optimisten erfreut waren. Aber Geld ist nicht alles und es darf durchaus die Frage nach dem künstlerischen Erfolg von Star Wars: Das Erwachen der Macht gestellt werden. Zuvor aber vielleicht noch ein kurzer Rückblick auf die klassischen Episoden IV-VI. Technisch seinerzeit bahnbrechend und fantasievoll in Sachen Figuren ohnehin. Erzählerisch aber, so viel Eigenkritik sollten auch die härtesten Fans vertragen können, ist George Lucas mit seiner Kult-Trilogie nicht gerade innovatives oder gar gut ausgefeiltes Kino gelungen. Die Charaktere sind schwarz-weiß, die Dialoge bisweilen zum Fürchten schlecht und die Schauspieler … naja, wenn man (Alec Guiness ausgenommen) überhaupt von Schauspielern reden mag. Jedenfalls hat es einen Grund, warum man von Mark Hamill und Carrie Fisher nach der Sternentrilogie kaum noch etwas gehört hat. Es war also an J.J. Abrams, die Geschichte 32 Jahre nach Die Rückkehr der Jedi-Ritter weiterzuspinnen und dabei eventuell nicht die gleichen Belanglosigkeiten oder Fehler zu begehen wie George Lucas Ende der 70er und Anfang der 80er. Und das ist dem Regisseur zum Teil hervorragend, zum Teil weniger gut gelungen. Fast schon erstaunlich ist der Nichtangriffspakt, den Abrams offenbar innerlich abgeschlossen hat, denn sein Erwachen der Macht hat die Fans dauerhaft im Hinterkopf: Bloß nichts falsch machen, bloß niemandem auf die Füße treten. Und so wirkt Episode VII in weiten Teilen wie ein Remake von Star Wars: Eine neue Hoffnung. Fast zu jedem Ereignis, zu jeder Figur aus Episode IV gibt es eine Entsprechung. ERNEUT formieren sich Rebellen gegen eine faschistoide böse Macht, ERNEUT hat diese dunkle Macht eine Todeswaffe entwickelt, die einem Planeten gleicht (nur um ein Vielfaches größer und tödlicher) und natürlich hat dieser ERNEUT eine Schwachstelle, die den Rebellen ERNEUT bekannt ist. Müßig zu erwähnen, dass ERNEUT ein Druide mit geheimen Informationen geimpft wird, die unbedingt sicher an ihr Ziel gebracht werden müssen. Dass es auch noch familiäre Verwicklungen zwischen Gut und Böse gibt, gehört ebenfalls zum guten Ton – erstaunlich, wie wenig Mut Abrams und seine Drehbuchkollegen Michael Arndt und Lawrence Kasdan aufbrachten, um etwas Eigenes zu integrieren. Da ist die Tatsache, dass man erstmalig das Gesicht hinter einem Stormtrooper-Helm zeigt (und die Person dann auch noch desertieren lässt) praktisch die einzige Innovation in einem ansonsten überraschungsarmen Sci-Fi-Film.

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BB-8 trägt wichtige Informationen über den Verbleib von Luke Skywalker in sich

Bezeichnend übrigens, dass man Erwachen der Macht nach Sichtung des ersten Trailers vorwarf, er wäre afroamerikanisiert – was für ein hanebüchener und rassistischer Nonsens. Episode VII hat exakt so viele afroamerikanische Darsteller wie Das Imperium schlägt zurück: Einen! Allerdings ist die Figur des Finn bedeutend interessanter als jene von Lando Calrissian seinerzeit. Denn der von der „Ersten Ordnung“ desertierte Ex-Stormtrooper bietet genug Charaktertiefe, um ein wenig mehr zu erfahren als man bisher von der dunklen Seite wusste. John Boyega (Attack the Block), der Schauspieler hinter FN-2187 (bzw. Finn), löst seine Aufgabe mit Bravour und überzeugt in den dramatischen Momenten ebenso wie in den zahlreichen humorvollen. Gemeinsam mit Daisy Ridley (ein bisher fast komplett unbeschriebenes Blatt), die sein Gegenüber, die Schrottsammlerin Rey darstellt, funktioniert die Wachablösung der bekannten Charaktere vorzüglich. Ridley und Boyega haben aber auch mehr Talent in ihren Fußspitzen als Mark Hamill im ganzen Körper. Ein Grund, warum Star Wars: Das Erwachen der Macht trotz aller Vorhersehbarkeit von Beginn an prächtig unterhält. Wäre man ketzerisch, würde man sagen, dass es eines Harrison Ford gar nicht unbedingt bedurft hätte. Wenngleich seine Szenen durchweg Spaß machen und für den augenzwinkernden Wiedererkennungswert sorgen. Zahlreiche selbstreferenzielle Witze kommen über Fords Lippen – und das obwohl seiner Figur die schwerste Prüfung des Films überhaupt bevorsteht. Es sind aber nicht nur die Schauspieler, die Abrams‘ Episode VII zum durchweg vergnüglichen Erlebnis machen. Der Regisseur zeigt durchaus respektabel, wie man modernen Humor inszenieren kann, ohne auf alberne Sidekicks wie einen Jar Jar Binks angewiesen zu sein. Nur ganz selten mal überschreitet er beinahe die Grenze, eine seiner Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben – aber Schwamm drüber. Dazu kommt die Tatsache, dass die heutige Technik wirklich so gut ist, dass digitale Tricks und animierte Figuren Hand in Hand mit traditionellen Masken gehen können. Wo Lucas‘ zum Leidwesen der Fans durch seine Anfang der 2000er in die Urserie eingefügten digitalen Kreaturen und Effekte noch vollständig versagte, schafft es Das Erwachen der Macht bspw. in der Barszene auf dem Gelände von Maz Kanatas Palast, zu Aliens verkleidete Menschen mit praktischen Masken neben digital kreiierten Wesen sitzen zu lassen, ohne dass es negativ auffällt. Ganz im Gegenteil: Gerade diese Szene versprüht eine Menge liebevollen Retrocharme und erinnert nicht von Ungefähr an jene Sequenz aus Eine neue Hoffnung, in der Luke und Han Solo sich das erste Mal begegnen.

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Informationen, die der düstere und der dunklen Macht verfallene Kylo Ren unbedingt haben will

Natürlich kommt hinzu, dass Computeranimationen heute in der Lage sind, eine Verfolgungsjagd zwischen Tie-Fighter und dem Millennium-Falcon derart spektakulär aussehen zu lassen, wie dies auf Jakku der Fall ist. Die behenden Loopings des „Schrotthaufens“ machen optisch wirklich was her und bringen einen Höllenspaß. Und das, obwohl sich Abrams mit spektakulären Mega-Szenen erstaunlich zurückhält. Sein Erwachen der Macht lebt nicht vom visuellen Overkill, wie ihn Lucas noch im fast sechzigminütigen Finale von Episode II zelebriert hat. Massenszenen gibt es hier fast gar nicht (nimmt man mal die Ansprache von General Hux vor seinen Sturmtruppen heraus) und erneut fliegen die Rebellen mit gerade mal zehn X-Wings ihren finalen Angriff auf die tödliche Riesenwaffe. Dass die Dialoge während dieser Jagdszenen erneut furchtbar geraten sind zeigt, dass sich manche Dinge wohl nie ändern werden. Im Gegensatz übrigens zum Druiden: BB-8, der hier (zunächst) anstelle eines R2D2 die Geschichte in Gang bringt, darf endlich demonstrieren, dass die Fortbewegung der alten R2-Einheit in den klassischen Filmen schlicht ein Witz war. Die zwei „Beine“ mit Rollen wären auf keinem der gezeigten Planten in der Lage gewesen, ohne ständiges Stolpern vorwärts zu kommen. Abrams zeigt mit BB-8, wie es technisch sinnvoll funktionieren kann – sogar über Treppenstufen hinweg. Dass sein Druide vielleicht ein wenig zu niedlich geraten ist – geschenkt. Immerhin sollen ja auch die Jüngeren unter den Zuschauern etwas zu lachen haben. Weniger hinwegsehen kann man über die Tatsache, dass erneut ein großes Manko nicht vermieden wird. War es schon in Episode IV-VI ein Rätsel, wofür Imperium und Rebellen überhaupt kämpfen (immerhin gab es keinerlei Normalbevölkerung, die offenkundig unter dem imperialen Totalitarismus litt oder die Rebellen unterstützt hätte), so sieht man in Das Erwachen der Macht für gerade mal 10 Sekunden gewöhnliche Einwohner eines Planeten (bevor deren Existenz von der Superwaffe ausgelöscht wird). Mehr Bevölkerung oder gar gesellschaftspolitische Hintergründe bietet Episode VII leider auch nicht. So bleibt auch hier im Dunkel, wer unter der Ersten Ordnung überhaupt leidet. Da ist mal kurz von der Republik die Rede, ohne auch nur ein Mitglied dieser zu zeigen – schade, denn diesen „Fehler“ hatte Lucas tatsächlich in seinen Episode I-III ausgemerzt, was den Filmen damals erzählerisch sehr gut tat. Bei aller Kritik an vergebenen Möglichkeiten und zurückhaltenden Veränderungen – Star Wars: Das Erwachen der Macht ist wirklich gutes Unterhaltungs-Popcornkino und um Welten besser als Episode I, II und III. Für eine Generation junger und heranwachsender Fans könnte Abrams Film sogar das werden, was Eine neue Hoffnung seinerzeit für diejenigen wurde, die seitdem verkleidet auf Conventions gehen und „ihre“ Filme kultisch verehren. Eine würdige Fortsetzung der Saga ist Episode VII allemal und natürlich darf man gespannt darauf sein, wie es mit Rey, Finn und einem gewissen Skywalker in Episode VIII (2017) weitergeht.

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Abgestürzte Sternenzerstörer bieten auf Jakku eine atemberaubende Kulisse

Bild- und Tonqualität

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Rey lebt vom Schrottsammeln

Was wäre ein Star-Wars-Film ohne den typischen braun-erdigen Look und die satten Kontraste im All? Das Erwachen der Macht gibt sich hier keine Blöße und liefert ein absolut plastisches Bild ohne große Kritikansätze. Ein ganz dezentes Korn lässt das Geschehen des auf 35mm-Material gefilmten Werk analog wirken und die Tatsache, dass das komplette Bonusmaterial auf einer zweiten Disk gelandet ist, sorgt für eine dauherhaft hohe Bitrate. Diese liegt trotz knapp 140 Minuten Filmlänge zwischen 25 und (in Spitzen) 37 Mbps. Eine solch stabile und hohe Datenrate ist wiederum Garant für ein sauberes und artefaktfreies Bild, das sich nur während kurzer und ruckartiger Bewegungen mal leichte Unruhen erlaubt, keinerlei Randunschärfen aufweist und stets Herr der Lage ist. Farben sind kräftig und Schwarzwerte absolut knackig. Die Oberflächentexturen sind sämtlich hervorragend und liefern eine atemberaubende Detailtiefe. Was wirklich herausragend funktioniert, ist die Einbettung der CGI-Anteile. Ob das Reys Schrottsammel-Gleiter ist, der absolut realistisch in der Luft schwebt oder der Falke, der sich perfekt in sein Umfeld einbettet, ohne zu weich oder auf der anderen Seite überschärft zu wirken. Die eine oder andere Blue/Green-Screen-Aufnahme von Darstellern vor animiertem Hintergrund lässt sich aufgrund etwas unnatürlicher Umrisse als solche entlarven – das war’s aber auch schon an Kritik beim Zusammenspiel von realen und am Computer generierten Szenen. Wunderbar auch die Details auf glänzenden Helmen der Imperiums-Handlanger, auf denen man Fettabdrücke einzeln ablesen kann (99’02). Auch die Lederjacke von Finn offenbart ihre komplette Struktur und Beschädigungen an den Kopfbedeckungen der Rebellenpiloten kommen fein raus.
Selbst wenn die IMAX-Szene des Erwachens des Millennium-Falken auf Jakku einem homogenen Widescreen-Look zum Opfer gefallen ist und die 3D-Fassung wohl auf eine spätere Veröffentlichung verschoben wurde – dem Bild kann man einfach kaum Vorwürfe machen.

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Der Millennium-Falke fliegt wieder – und wie!

Beim Ton von Das Erwachen der Macht gibt es ein eine absolute Seltenheit zu bestaunen. Während die Orignalausgabe zwar mit 7.1 Spuren klotzt, kommt sie im (etwas) komprimierteren dts-HD High Resolution daher, während die deutsche Synchronfassung im unkomprimierten dts-HD Master Audio abgemischt vorliegt und damit eine variable Bitrate liefert. Schade, dass man die zwei zusätzlichen Rear-Effektkanäle nicht auch noch spendiert hat. Sei’s drum: Die deutsche Version schnellt mit ihrer dynamischen Bitrate schon mal bis auf über 5 Mbps hoch, während die Originalfassung bei für High Resolution begrenzten 2 Mbps festgewurzelt bleibt. Nicht, dass die englische Ausgabe damit qualitativ schlecht wäre, aber man kann auf der Synchronspur durchaus noch Zwischen- und Obertöne wahrnehmen, die im Original untergehen. Das Erwachen der Macht ist also eine der ersten Blu-rays eines Blockbusters der letzten Jahre, bei denen die deutsche Version in Sachen Differenziertheit, Dynamik und Ortung etwas besser abschneidet als die Originalversion. Das hört man vor allem während der druckvollen Situationen (Feuern der ventralen Geschütze 22’53), die einfach noch einen Hauch mehr „Bums“ haben. Schon das Drehen der am Raumschiffbauch angebrachten Kanonen gerät differenzierter. Vielleicht sind die deutschen Stimmen gegenüber den Effekten und der Filmmusik ein kleines bisschen zu leise geraten, doch das ist Mäkeln auf allerhöchstem Niveau. Denn entgegen bspw. Avengers – Age of Ultron, den der Anbieter akustisch tatsächlich verbockt hatte, ist Star Wars VII ein absolut referenzwürdiger Streifen geworden. Sämtliche Explosionen (25’04), Effektfeuerwerke und die absolut präsente Filmmusik von John Williams sind auf allerhöchstem Niveau und erlauben sich keinerlei Patzer. Wie gut der Sound ist, wird aber vor allem während der leisen Effekte deutlich, die unglaublich authentisch wirken. So verwirbelt die Luft den Sand der Wüste absolut fein (25’48) und die piepsigen Geräusche von BB-8 scheinen von überall her zu kommen, sind dabei glaskar. Da es ohnehin nie wirklich still ist und im Prinzip immer von irgendwo irgendwelche Servosounds oder Raumschiffantriebe und Androidengeräusche gegenwärtig sind, mag man sich an diesem phänomenalen Tonsektor gar nicht mehr satt hören. Sensationell ist auch der erste Neustart des Millennium-Falken. Wenn er kratzig in die Luft geht, weil er noch „Sand im Getriebe“ hat, bekommt man als Heimkino-Fan eine Gänsehaut nach der anderen. Das krächzende Geräusch der Tie Fighter hinter ihm, das Haken schlagen nach links und rechts – besser kann man Science-Fiction nicht vertonen und auf Blu-ray umsetzen! Das gleiche gilt natürlich auch für die spratzelnden Laserschwert-Kämpfe und die Zerstörung des Generators, der wahrlich aufregende Flug- und Feuersequenzen vorausgehen (ab 113’40 und vor allem 115’00).

Bonusmaterial

Star Wars - Das Erwachen der Macht Blu-ray Review Szene 22 Ford Fisher
Wiedersehen mit alten Bekannten

Das Bonusmaterial von Star Wars: Das Erwachen der Macht ist vollständig auf der zweiten Disk untergebracht. „Die Geheimnisse hinter Das Erwachen der Macht – Der Dokumentarfilm“ ist in vier Kapitel aufgeteilt, läuft insgesamt knapp 70 Minuten und führt hinter die komplette Geschichte der Entstehung des Films. Entspannte und gut aufgelegte Darsteller und Filmemacher machen sich direkt zu Beginn lustig über den Geheimhaltungsfaktor im Vorfeld der Kinoauswertung, geben aber auch Persönliches preis (gerade im Falle von Ford, Hamill und Fisher). Aber auch J.J. Abrams äußert seine Ängste vor diesem Projekt und erzählt auch von der Koordination der langen Dreharbeiten und seinem eigenen Familienleben in dieser Zeit. Die harten Shoots in der Wüste sind ebenso ein Thema, wie natürlich die zahlreichen Kreaturen, die in der Burg-Bar zu finden sind. Vor allem die Realisierung von Maz Kanata per Motion Capture wird anschaulich behandelt. Und natürlich widmet sich ein Kapitel der finalen Begegnung zwischen Han Solo und Kylo Ren. In „Drehbuchlesung der Schauspieler“ gibt’s ein paar Aufnahmen ziemlich relaxter Darsteller, die im großen Kreis ihre Dialoge üben. „Kreaturen erschaffen“ läuft nur knapp zehn Minuten, gibt aber wirklich interessante Einblicke in die Arbeit der Künstler, die sich vor allem um die mechanischen Wesen kümmerten. Rund 105 unterschiedliche Kreaturen wurden entworfen und als Puppen oder animatronische Einheiten entwickelt. In „Die Entwicklung von BB-8“ geht es natürlich um den R2-D2-„Ersatz“ von Das Erwachen der Macht, der ein sehr personalisierter Druide werden sollte, bei dem man aber sehr darauf achtete, dass man es nicht übertrieb, um nicht in die Jar-Jar-Binks-Falle zu tappen. Die extra entwickelte Mechatronik ist ziemlich aufwändig geworden und es gab mehrere unterschiedliche Varianten des Druiden, um jeder Situation gerecht zu werden. Bei „Der Lichtschwert-Kampf im Schnee“ wird der Kampf zwischen Rey und Kylo analysiert und beschrieben und „ILM: Die visuelle Magie der Macht“ lässt die Künstler der Trickschmiede zu Wort kommen, die für die CGI-Effekte verantwortlich zeichneten. Die Herausforderung bestand natürlich nicht nur in den gigantischen Effektszenen, sondern vor allem darin, sich optisch nicht zu weit von den klassischen Effekten der ursprünglichen Trilogie zu entfernen. „John Williams: Die siebte Sinfonie“ kümmert sich (dem Titel entsprechend) um die Arbeit des bekannten Komponisten, der schon die Filmmusik zur Original-Trilogie schrieb und damit wohl eine der bekanntesten Einführungsmelodien aller (Film)Zeiten erschuf. Williams gibt zu Protokoll, dass er seinerzeit überhaupt nicht damit rechnete, dass es überhaupt einen zweiten Teil geben würde – geschweigen denn weitere (bisher) sechs. Das letzte Feature, „UNICEF-Initiative „Force For Change““, stellt die karitative Arbeit der gleichnamigen Initiative vor. Beispielsweise wurden zur Premierenvorstellung Karten versteigert und die Erlöse gingen an Initiativen, die jeder der Hauptdarsteller zuvor auswählen konnten. Die sechs zusätzlichen Szenen haben eine Gesamtlaufzeit von etwas über vier Minuten und schildern mehrere persönliche Entwicklungen. So trifft Finn zu Beginn auf eine Planetenbewohnerin, die er nicht zu erschießen vermag. Wir erfahren außerdem, wie Leia vom „Verlust“ BB-8s erfährt und wie Kylo Ren im Falken das erste Mal Han Solo „spürt“. Eine in Sachen CGI nicht ganz fertige Sequenz zeigt eine Verfolgungsjagd zwischen Finn und Rey sowie einem Sturmtruppen-Duo in Snow Speedern. Außerdem zeigt eine halbminütige Sequenz, wie man Rey mitteilt, dass Finn nach seiner Verletzung wieder gesund werden wird – alles in allem wären nur ein oder zwei Szenen im Film besser aufgehoben gewesen, womit die anderen durchaus zu Recht geopfert wurden.

Fazit

Star Wars: Das Erwachen der Macht ist ein wirklich unterhaltsamer, tricktechnisch atemberaubender und von seinen Bildern her faszinierender Science-Fiction-Film geworden. J.J. Abrams hat das Erbe von George Lucas nicht leichtfertig in den Sand gesetzt, sondern behutsam erneuert. Vielleicht zu behutsam, da sich seine Episode VII anfühlt wie ein modernes Remake des ersten Teils. So wird es definitiv solche geben, die Das Erwachen der Macht als zeitgemäße Fortsetzung betrachten und zu ihren Lieblingsfilmen zählen werden, als auch solche (meist unbeirrbaren Fans des Originals), die kein gutes Wort an ihm lassen. Letzteren hätte man es aber ohnehin nie Recht machen können – egal, was Abrams für einen Film gemacht hätte. Die Blu-ray hat sich mit prächtigem Bild und einem absoluten Referenzton (deutsche Fassung) auf jeden Fall das Prädikat: Pflichtkauf verdient.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 90%
Tonqualität (dt. Fassung): 100%
Tonqualität (Originalversion): 90%
Bonusmaterial: 80%
Film: 80%

Anbieter: Walt Disney
Land/Jahr: USA 2015
Regie: J.J. Abrams
Darsteller: Adam Driver, Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Lupita Nyong’o, Andy Serkis, Harrison Ford, Mark Hamill, Carrie Fisher, Domhnall Gleeson, Anthony Daniels, Max von Sydow, Peter Mayhew, Simon Pegg, Sasha Frost, Pip Torrens, Ken Leung
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de // dts HD High Resolution 7.1: en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 138
Codec: AVC
FSK: 12

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