Take Down – Die Todesinsel

Blu-ray Review

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Universum Film, 28.10.2016

OT: Billionaire Ransom

 


Alcatraz für reiche Kids

Wenn eine Erziehungsmaßnahme im Todeskampf gipfelt.

Inhalt

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Der Herr Papa schickt den Sohn in Survival-Erziehungscamp

Kyle hat gerade die sexy Braut Amy auf einer Strandparty kennengelernt und heizt mit ihr (und seinem V8) durch die Pampa, als ihre nackten Beine ihn derart ablenken, dass er die Kontrolle über das Muscle-Car verliert und seine neue Freundin beinahe tötet. Weil dem schwerreichen Papa das ungezogene und respektlose Verhalten des Sohnemanns nervt, schickt der ihn nun ohne Handy auf eine Insel, auf der Kyle per Überlebenstraining fit fürs Leben gemacht werden soll. Weigert er sich, droht Enterbung und das Abdrehen des Geldhahns. Notgedrungen willigt Kyle ein, um den angedrohten Sanktionen des Vaters zu entkommen. Vor Ort auf der Insel angekommen trifft er zunächst auf folgende fünf Richtlinien:
Regel 1: Keine Lügen
Regel 2: Respekt vor den anderen Teilnehmern
Regel 3: Kein Sex
Regel 4: Keine Prügeleien
Regel 5: Absolute Pünktlichkeit
Außerdem begegnet er anderen „Teilnehmern“, die ihm frühzeitig mitteilen, dass sie es gar nicht akzeptieren, wenn ihnen Nachteile dadurch entstehen, weil ein arroganter Frischling gegen die Vorschriften verstößt. Als Krönung ist auch die mit ihm verunfallte Amy auf der Insel, die alles andere als erfreut ist über die Anwesenheit des Kerls, der sie im demolierten Auto zurückgelassen hat. All das rückt jedoch in den Hintergrund, als eine Gruppe böser Wichte auf der Insel aufkreuzt, die das Erpressungspotenzial der Ansammlung von Rich Kids erkannt haben und die Kleinigkeit von 1 Mrd. Dollar auszulösen gedenken. Einzig Kyle kann den Kerlen fürs Erste entkommen und ist nun die einzige Hoffnung der anderen …

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Kyle und Amy vertragen sich langsam wieder

Reiche und verzogene Kids dürfen auf einer einsamen Insel unter Aufsicht demonstrieren, ob sie sich vom Arschloch zum Musterschüler entwickeln können und werden bald von noch übleren Kerlen gejagt, die das große Geld wittern – die Geschichte von Take Down ist schnell erzählt, aber immerhin gewürzt mit einem exotischen Schauplatz und Opfern, denen man fast wünscht, dass sie entführt werden. Das wiederum vereitelt zunächst eine Identifikation mit den verzogenen Kapitalismusblagen. Erst nach und nach zeigt Jeremy Sumpton (Storm Hunters) in der Rolle des Kyle dessen weiche und ängstliche Seite, was ihn dem Zuschauer näher bringt. Gerade rechtzeitig, um ihm beizustehen, wenn er als Einziger dem Zugriff entfliehen kann und als letzte Hoffnung im Spiel bleibt. Angemessen fies ist Ed Westwick als Anführer der Entführer, wenngleich er noch ein wenig zu jung für so ein Vorhaben wirkt. Aus dem Ensemble ragt aber vor allem Julia Ragnarsson (Die Brücke – Transit in den Tod) heraus, die mit Kriegsbemalung eine echte Vorzeige-Gangsterbraut ist. Das Positive am zunächst gemächlichen Erzählfluss der Geschichte ist seine Konzentration auf die Akteure.

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Die Kidnapper verlangen die Kleinigkeit von 1 Mrd. Dollar

Nach und nach dürfen die sich als Gruppe zusammenfinden und ein wenig aus ihrer Vergangenheit erzählen. Auf der anderen Seite leistet sich Take Down einige wenig nachvollziehbare Entscheidungen der Protagonisten. Was ab und an in Sachen Logik fehlt, machen die stimmungsvollen Bilder der walisischen Insel Anglesey wieder wett, auf der die Dreharbeiten stattfanden. Ob das die saftigen Wiesen bei Tageslicht sind oder die schroffen Felsen der Küstenlinie – die Szenerie ist hervorragend geeignet, um spannend und epische Bilder zu liefern. Wenn nach gut 70 Minuten die Komponente der Dynamik zwischen den verhandelnden Eltern hinzukommt, führt Take Down seine Spannung auf zwei Ebenen fort, was schon alleine aufgrund der routinierten Darstellung Sebastian Kochs gut gelingt. Der deutsche Schauspieler entwickelt sich zunehmend zum internationalen Star, der zuletzt schon in Homeland überzeugte. Eine zusätzliche Würze entsteht dadurch, dass sowohl Entführer als auch Entführte kräftig zulangen dürfen. Wenn Amy sich mit dem aus ihrem Unterarm ragenden Knochen ebenso effektvoll wie effektiv zur Wehr setzt, darf man schon mal die Zähne zusammenbeißen. Vielleicht ist es ein bisschen übertrieben, dass die Survival-Gruppe ihre gerade just erlernten Überlebensfähigkeiten in der Notsituation derart souverän einsetzen kann, aber am Ende ist’s halt auch nur ein Film.

Bild- und Tonqualität

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Amy wird gleich eine schmerzhafte Erfahrung machen

Das Bild von Take Down ist während der besser ausgeleuchteten Szenen abhängig vom Wetter auf der Insel. Ist es dort regnerisch und diesig, fehlt’s etwas an Kontrast. Die Bildruhe hingegen ist gut und überzeugt auch in dunkleren Momenten. Nahaufnahmen von Gesichtern wirken schon mal etwas wachsartig, weil die hellen Bereiche überstrahlen. Auch in den düsteren Szenen hapert es hier, weil Schärfe und Auflösung nicht sonderlich hoch sind (54’12). Noch dazu verwischt es dann in kleinen Bewegungen immer mal wieder etwas.
Akustisch ist in Take Down kein Actionfeuerwerk zu erwarten. Dennoch lebt vor allem die Naturatmosphäre sehr authentisch auf (Fluss, Gewitter 91’20). Die Dialoge sind im Verhältnis ein klein wenig dünn und hätten etwas mehr Volumen vertragen, auch wirken sie im Gegensatz zur homogeneren Originalfassung ein wenig komprimiert. Dafür fallen die Regentropfen schön fein auf die Zweige und der Filmscore ist durchaus dynamisch. Fallen nach 97 Minuten Schüsse aus der automatischen Waffe, fetzen die Querschläger ziemlich beeindruckend ins Gemäuer.

Bonusmaterial

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Kyle wächst als unfreiwilliger Robin Hood über sich hinaus

Im Bonusmaterial von Take Down findet sich eine unkommentierte B’Roll sowie neun Interviews mit Cast und Crew. Das Behind-the-Scenes-Featurette läuft zwölf Minuten und ist leider nicht untertitelt. Die Darsteller erzählen, warum sie unbedingt mitmachen wollen und weshalb der Film anders ist als das, was sie bisher bemacht haben.

Fazit

Trotz einiger Plattitüden und Klischees – Take Down – Die Todesinsel unterhält wirklich gut, liefert einen hübschen Schauplatz und ansprechende Darstellerleistungen. Da kann man über ein paar Logiklöcher auch mal hinwegsehen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 40%
Film: 65%

Anbieter: Universum Film
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Jim Gillespie
Darsteller: Jeremy Sumpter, Phoebe Tonkin, Sebastian Koch, Ashley Walters, Dominic Sherwood, Ed Westwick, Max Deacon
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 108
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Take Down – Die Todesinsel

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