Terminator: Genisys 3D

Blu-ray Review

Terminator Genisys Blu-ray Review Cover
Paramount HE, 19.11.2015

OT: Terminator: Genisys

 


Neues Betriebssystem

He is really back!

Inhalt

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Endlich mal ein glaubwürdig voll-animierter Mensch in einem Film

2029: Der menschliche Widerstand, der sich um John Connor gebildet hatte, hat das Skynet-Imperium niedergerungen und deren Hauptrechner abgeschaltet. Kurz vor dem Sieg konnten die Maschinen jedoch noch einen Terminator in die Zeit zurücksenden. Connor wusste das natürlich schon und schickt seinen besten Mann, Kyle Reese, hinterher. Der gelangt mit der Aufgabe ins Jahr 1984, Sarah Connor vor dem Terminator zu schützen oder vielmehr sie erst einmal davon zu überzeugen, dass sie beschützt werden muss, denn eigentlich weiß sie ja noch gar nichts von der Bedrohung. Als Kyle vor Ort ankommt, ist allerdings alles anders als gedacht. Sarah weiß um die Gefahr, wird von einem (ziemlich alten) T800 beschützt und von einem T1000 gejagt. Um die Zukunft zu retten, müssen Kyle und Sarah zum Ursprung der technologischen Umwälzung, zum Start von „Genisys“. Doch dort wartet schon ein alter Bekannter – und zwar einer, den sie nicht erwartet hatten …

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John Connor schickt Kyle Reese (mal wieder) in der Zeit zurück

12 Jahre ist es her, dass Arnold Schwarzenegger als T-850 Modell 101 von Kristanna Lokken als T-X ordentlich die Hucke voll bekommen hat. Was kaum einer für möglich gehalten hatte (schon gar nicht nach dem vierten Terminator, der ohne den Österreicher stattfand): Er ist tatsächlich „back“. Mit 68 Jahren und nach einer langen Auszeit als Gouverneur von Kalifornien kehrt der Mann aus der Steiermark in seine Paraderolle zurück – und das nicht mal schlecht. Terminator: Genisys mag nicht der erhoffte große Wurf sein, doch unterhaltsam ist der fünfte Teil des Franchise allemal. Viele erhofften sich ein Reboot nach dem vermeindlich schwachen Terminator: Die Erlösung, der gar nicht so schlecht ist, wie viele im Nachhinein ihn gerne gemacht haben. Anstelle eines Reboots ist aber vielmehr ein Best-of draus geworden. Genisys bedient sich gar der legendären Eröffnungsszene des Erstlings, variiert diese allerdings in kleinen Details, sodass die neuen Figuren entsprechend eingeführt werden können und man gleichzeitig fühlt, dass die Macher des jüngsten Teils dem Original ihre Referenz erweisen wollten. So tauchen in den ersten 30 Minuten nicht nur die bekannten Figuren John & Sarah Connor, Kyle Reese sowie der T800 auf, sondern sogar dessen ältere Version und ein T1000. Man versucht also die Brücke zwischen den alten Fans und der aktuellen Sci-Fi-Zielgruppe zu schließen. Letztere wird mit den gut 80 Minuten danach bedient, die zum fiktionalen Endzeitszenario noch Kritik an gegenwärtiger Supervernetzung und Dauer-Online-Gehabe übt. So ist es ein neuartiges Betriebssystem, das jederzeit über jeden Schritt eines jeden informiert ist und daraus seinen Nutzen zieht. Dass es in Terminator: Genisys John Connor selbst ist, der ganz anders agiert als man denken könnte, ist gleichzeitig ein unerwarteter Kniff, der auf der anderen Seite aber auch die bisherige Terminator-Geschichte untergräbt. Das dürfte so nicht jedem gefallen.

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Lagebesprechung mit altem Eisen: Sarah Connor und Kyle Reese

Ebensowenig wie die Tatsache, dass es derart jugendfrei zugeht. War der Ur-Terminator nur für Erwachsene, der zweite immerhin noch relativ brutal und Teil IV zumindest angemessen düster und apokalyptisch, so glaubt man es hier oftmals mit einer Komödie zu tun zu haben. Es mag ja ganz nett sein, wenn ein (glänzend aufgelegter) Schwarzenegger seine emotionslose Figur mit ungelenken Witzchen anreichert oder ein J.K. Simmons als verdutzter Zeitzeuge für ein paar Lacher sorgt – aber passt das in das Terminator-Franchise, das sich immerhin mit dem Ende der Welt befasst und dies in bisher vier Filmen ziemlich ernsthaft verfolgt hat? Die Frequenz, mit der gerade im zweiten Teil Slapstick und Gags aufeinander abfolgen, ist einfach zu hoch und zu wenig ans Thema angepasst. Hinzu kommen die zahlreichen Zeitreisefehler, unter denen zwar schon die bisherigen Filme litten, die in Genisys aber auch noch in mehrfach aufeinanderfolgenden Situationen auftreten und durch die drastischen Änderungen der bisherigen Historie für zusätzliche Verwirrung sorgen. Die Ereignisse in T2 beispielsweise werden fast vollständig ignoriert. Die etwas beiläufige Erklärung Sarahs zu Beginn des Films ist kaum befriedigend und so kann man eigentlich nur akzeptieren, dass es sich „irgendwie“ um eine alternative Zeitlinie handelt, die man akzeptieren muss. So wird man am Ende das Gefühl nicht los, dass die Geschichte um John und Sarah Connor spätestens mit Teil IV zu Ende erzählt war und hier künstlich in die Länge gezogen wird. Langatmig ist Terminator: Genisys deshalb aber noch nicht. Von Beginn an ist das Tempo hoch und die Spezialeffekte sind alles anderes als billig. So wirkt beispielsweise das erste Mal ein digital erschaffener Mensch verhältnismäßig real und nicht furchtbar künstlich und in seinen Bewegungen schrecklich staksig. Tatsächlich hat man den jungen Arnold Schwarzenegger ziemlich überzeugend realisiert. Auch die Actionsequenzen überzeugen, gipfeln gar in einem Kampf zwischen dem T800 und dem ultramodernen T3000, der wirklich eine Augenweide in Sachen Tricktechnik, Tempo und Design ist.

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Kommt euch bekannt vor? Ist es auch!

Bildqualität

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Grinst wie in alten Zeiten: Der T800

Beim Bild von Terminator: Genisys darf man sich über eine extrem hohe Laufruhe freuen. Außerdem sind die Farbkontraste extrem ausgewogen, lassen weder helle Bereiche überstrahlen, noch versumpfen dunkle Anteile. In Close-ups ist (meist) auch die Schärfe gelungen, bei Halbtotalen lässt sie indes ein wenig nach. Auch vereinzelte Naheinstellungen wirken schon mal etwas weicher. Darunter leiden dann schon mal die Gesichter von Jason oder Emilia Clarke. Sehr gut gelungen ist die Integration von digital erschaffenen Hintergründen oder entsprechenden Figuren/Details. Gerade der T1000 und der spätere T3000, bzw. deren liquide Formen fügen sich authentisch ins Gesamtgeschehen ein.

Ärgernis: Deutscher Ton von Terminator: Genisys

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Ein starker Arm hält auch zwei Menschen problemlos

Ein Schritt vorwärts, zwei zurück – unter dieser Überschrift steht (mal wieder) das leidige Thema der Soundqualität eines Actionhighlights, das von einem Major-Anbieter unters Volk gebracht wird. Es ist für den deutschen Käufer mittlerweile absolut unverständlich, wie sehr er in Sachen HD-Tonformate hierzulande übergangen wird. Nicht nur protzt die englische Originalversion von Terminator: Genisys mit einem HD-Sound, sondern liegt gar in Dolby Atmos vor. Herkömmliche Receiver mögen das Format noch nicht verstehen, mischen aber ihrerseits auf ein sehr schönes verlustfreies Dolby True HD mit 7.1 Spuren runter. Jetzt könnte man hoffen, die deutsche Tonspur käme ebenfalls mit Atmos (gerne auch im dezent stärker komprimierten Dolby Digital Plus) und sieht sich getäuscht. Alleine das ist schon schade, hatte es doch der Familienfilm! Minions 3D zuletzt bewiesen, dass man dies durchaus realisieren kann. Jetzt denkt sich der Actionfreund natürlich: „Gut, Atmos kann ich eh noch nicht wiedergeben, ich nehme auch mit einem regulären HD-Sound vorlieb“ – und sieht sich erneut getäuscht. Denn weder liefert die deutsche Fassung Dolby True HD noch dts-HD-Master, nicht mal einen regulären dts-Sound hat man spendiert. Nein, man hat Terminator: Genisys doch tatsächlich die schnödeste Tonvariante überhaupt verpasst. Den verlustbehaftetsten und komprimiertesten Sound, der möglich ist und den auch die DVD trägt: Dolby Digital 5.1. Das ist, mit Verlaub gesagt, eine Frechheit und ein Rückfall ins Steinzeitalter digitaler Tonformate. Jetzt könnte man hoffen, dass sich der Ton dennoch gut schlägt, doch dieser Gedanke ist schon mit den hereingleitenden Sternen des Paramount-Logos buchstäblich verflogen. Hört man diese im Englischen noch subfrequent unterschwellig brummen, liefert die DD-5.1-Version einen lächerlichen Abklatsch davon. Auch die startenden Raketen kurze Zeit später sind nicht ansatzweise so voluminös wie in der Originalfassung, die das feurige Brabbeln des Antriebs richtig atmosphärisch rüberbringt. Ganz zu schweigen von der sich anschließenden Vernichtungswelle am „Judgement Day“, die zwar auch per englischer True-HD-Fassung noch etwas mehr Informationen im mittleren Frequenzbereich vermitteln könnte, die aber um ein Vielfaches voluminöser daherkommt. Wunderbar spratzelig auch die Suchhelikopter von Skynet, die im Original mit viel Wucht aus allen Lautsprechern erklingen, während sie im Deutschen nur andeuten, wie großartig sie klingen könnten. Der sich daran anschließende finale Kampf gegen die Maschinen liefert auf der englischen Tonspur die typisch-stumpfen Lasersounds der Maschinenwaffen sowie eine Fülle an direktionalen Effekten für sämtliche Lautsprecher. Geradezu sensationell sind die Sounds während Kyles Zeitreiseankunft in der Vergangenheit oder die brutalen Geräusche während des finalen Fights zwischen Pops und John Connor – zumindest, wie erwähnt, in der englischen Version. Jeder, der also auch nur drei Worte Englisch beherrscht, sollte sich den Gefallen tun, Terminator: Genisys im Original anzuschauen, denn die deutsche Tonspur ist gerade mal gut genug für die DVD-Fassung des Films – für die Blu-ray ist sie ein schlechter Witz.

3D-Effekt

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Erinnerungen an den zweiten Teil werden wach

Wie nahezu alle Realfilme der letzten zwei Jahre, ist auch Terminator: Genisys nachträglich ins Dreidimensionale konvertiert. Das muss nicht zwingend heißen, dass der 3D-Effekt schlecht umgesetzt wurde, allerdings fällt schon im ersten Bild auf, was über die Dauer des Films ziemlich nervt: Der ausgiebig genutzte Lens-Flare-Effekt (Sonnen- oder Lichtreflexionen) sticht immer wieder fies ins Auge und bewirkt auch zahlreiche Randverletzungen. Was bei Big-Budget-Filmen der letzten Jahre, die in 3D gezeigt oder entsprechend umgerechnet wurden, immer wieder deutlich wurde, lässt sich auch hier nicht ganz leugnen: Während der entsprechenden Sequenzen mit digitalen Inhalten lassen sich diese deutlicher als solche Tricks entlarven, wirken künstlicher. Grundsätzlich ist aber gegen die 3D-Konvertierung nicht viel zu sagen, denn sie gelang technisch sauber und liefert durchaus auch erstaunliche Tiefenstaffelungen (Röhrensystem 4’00). Auch ein paar Pop-Out-Effekte sorgen für nette Effekte (Fernrohr der Punks, Mülltransporter 11’22) und wenn der T1000 unseren Terminator mit einem seiner Speerarme an die Wand nagelt, kneift man sogar erschrocken die Augen zu (36’17). Natürlich wirkt auch das HUD des T800 hübsch räumlich und während der Actionszenen wird’s glücklicherweise auch nicht zu schnell, um der Sache in 3D zu folgen. Es gab sicher schon bessere aber auch weitaus schlechtere 3D-Umsetzungen.

Bonusmaterial

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Das Ende der Maschinen?

Auf der 2D-Filmdisk von Terminator: Genisys befinden sich insgesamt drei Featurettes: In „Familiendynamik“ geht es ausschließlich um die Darsteller und das Casting zum Film. Dabei kommen alle Akteure auch in Interviews zu Wort und beschwören nicht nur den ikonischen Charakter Schwarzeneggers. „Infiltration und Termination“ gewährt intensive Einblicke in die Dreharbeiten in New Orleans und San Francisco. Vor allem die massive Schlacht gegen Skynet wird beleuchtet oder auch das riesige Set, das den Griffith Park in New Orleans nachahmte und extrem aufwändig zu realisieren war. „Upgrades: Die visuellen Effekte von Terminator: Genisys“ kümmert sich natürlich um die Spezialeffekte und die digitalen Bilder. Eine Menge Zeit der 15 Minuten geht dabei für die Umsetzung des jungen Arnold drauf. Dessen Äußeres setzte man digital auf einen Stuntdarsteller, der die Szenen per Motion-Capturing spielte und auch von der Statur her dem 80er-Jahre-Arnold nahe kam. Auf der exklusiven Bonusdisk der Skull-Edition von Amazon warten dann noch die beiden Featurettes „Reset the Future“ und „Kampf auf der Brücke“. Letzteres lässt eben jene Szene in einer Multi-Angle-Analyse von der Previsualisierung bis zur finalen Komposition Revue passieren. „Reset the Future“ hingegen teilt sich auf in sechs Bereiche, die mit insgesamt 100 Minuten Spielzeit tatsächlich kaum Fragen offenlassen. Selbst James Cameron kommt hier zu Wort natürlich gibt’s nochmals tolle Bilder aus den Effektschmieden. Schade, dass diese Bonusdisk in Deutschland wirklich nur derjenige zu Gesicht bekommt, der 75 Euro für die Version mit Plastik-Schädel bezahlt – zumal dieser qualitativ äußerst billig daherkommt und schon von der Größe nicht mit jenen zu T2 und T4 mithalten kann.

Fazit

Terminator: Genisys ist ein unterhaltsamer und witziger Sci-Fi-Film mit sehr guter Tricktechnik – er ist aber weder ein bahnbrechender Beitrag innerhalb des Franchise, noch der erhofft intelligente Neustart der Filmserie. Wer bis zum Ende sitzen bleibt ahnt, dass immer noch nicht Schuss ist. Ob ein dann über 70-jähriger Arnold Schwarzenegger trotz frischem Upgrade noch mal mit von der Partie sein will …?
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 80%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 90%
Bonusmaterial (2-Disk-Fassung): 60%
Bonusmaterial (Skull Edition): 90%

Film: 65%
3D-Effekt: 65%

Anbieter: Sony Pictures
Land/Jahr: USA 2015
Regie: Alan Taylor
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Emilia Clarke, Jason Clarke, Jai Courtney, Matt Smith, Aaron V. Williamson, Lee Byung-hun, J.K. Simmons
Tonformate: DD Atmos (True HD 7.1): en // Dolby Digital 5.1: de, fr, sp, it, jp
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 126
Codec: AVC
Real 3D: nein (kovertiert)
FSK: 12

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