The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro

Blu-ray Review

Sony Pictures, seit 04.09.2014
Sony Pictures, seit 04.09.2014

OT: The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro

 


Kriechstrom oder Kugelblitz?

Kann der zweite Teil des Spider-Man-Reboots überzeugen?

Inhalt

Peter und Gwen - am Scheideweg ihrer Beziehung?
Peter und Gwen – am Scheideweg ihrer Beziehung?

Kaum haben Peter und Gwen ihren Schulabschluss in der Tasche, macht sie Schluss mit ihm. Kein Wunder, betont Peter doch, dass er ihrem Vater versprochen hat, sie „aus dem Spiel“ zu lassen. Doch das rückt zunächst in den Hintergrund, denn in New York taucht ein neuer Superschurke auf. Max Dillon, der als Allerweltstyp von niemandem beachtet als Elektroingenieur bei Oscorp gearbeitet hat, steht seit einem Elektrizitätsunfall unter Strom. Je wütender er über die Ignoranz der Menschen und Peters ihm gegenüber wird, desto mächtiger und zorniger fallen seine Attacken aus. Gleichzeitig erfährt Harry Osborn, nach dem Tod seines Vaters Norman, Leiter der Oscorp, dass er dem Tod geweiht ist. Wie Norman auch wird er unter einer retroviralen Hyperplasie leiden, die ihn früher oder später umbringt. Es sei denn, er findet Spider-Man, in dem er die Lösung sieht. Hatte Osborn Senior doch die Experimente mit den genetisch veränderten Spinnen als potentielles Heilmittel für seine eigene Krankheit durchführen lassen. Während Max also die Stadt terrorisiert und Peters bester Freund sein Blut will, muss der gute Samariter im Spinnenkostüm auch noch um seine Liebe kämpfen und verhindern, dass Gwen nach England geht …

Spider-Man ist der erste, der Max überhaupt mal wahrnimmt ...
Spider-Man ist der erste, der Max überhaupt mal wahrnimmt …

Sam Raimis erster Spider-Man gehört für mich zu den Top Five sämtlicher Comicverfilmungen der neueren Generation. Tobey Maguire war perfekt in der Rolle des schüchternen Allerweltsburschen, der ungeahnt zu Superkräften gelangte und der emotionale Konflikt zwischen seiner Macht und der damit einhergehenden Verantwortung wurde hervorragend herausgearbeitet. Natürlich gab’s für die Zeit damals auch tolle Trickeffekte zu bestaunen. Leider fielen der zweite und dritte Teil dem Problem zu Opfer, dass man zu viel von allem wollte und dabei eine packende Geschichte vernachlässigte. Als es vor drei Jahren hieß, dass man nur wenige Jahre nach Raimis Version das Franchise rebooten würde, spaltete das die Fans in zwei Lager: Die einen gingen auf die Barrikaden und waren voller Ressentiments, die anderen schwankten zwischen Neugier und Erstaunen. Ich gehörte zu jenen, die die Nase rümpften und Vorbehalte hatten. Zum Teil zu Unrecht, denn The Amazing Spider-Man machte vieles richtig. Angefangen bei der Tatsache, dass er sich enger an der Comicvorlage hielt bis hin zu den fließend wirkenden und hervorragenden Actionsequenzen. Auch die Besetzung mit Emma Stone als Gwen Stacy war ein Coup. Andrew Garfield hingegen hinterließ in der Rolle als Spinnenweber gemischte Gefühle. Vor allem sein metrosexuelles Model-Äußeres und seine aufgesetzte Coolness wollten nicht so ganz zum eigentlich schüchternen Außenseiter passen – und sein ständiges Herumhantieren mit einem Mobiltelefon schon gar nicht.

... doch nicht lange und der Netzschwinger hängt mit dem Rücken zur Wand ...
… doch nicht lange und der Netzschwinger hängt mit dem Rücken zur Wand …

An Andrew Garfield muss sich auch The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro ausrichten, und das geht von Beginn an ein wenig zu locker, zu selbstverständlich, ja fast überheblich zu. Selbst wenn unser aller Held gerade auf einen scheinbar ebenbürtigen Widersache trifft, kann er nicht umhin, mit einem albernen Feuerwehrhelm auf dem Kopf den Brand zu löschen. Das konterkariert die Dramatik in diesem Moment drastisch, denn der an sich tragischen Figur des Max Dillon/Electro hätte man durchaus ernster begegnen können – kein Wunder, dass dessen Hass daraufhin immer größer wird. Allerdings geschieht auch das viel zu schnell. Aus dem introvertierten und unsicheren Max wird viel zu schlagartig ein rachelüsternes, souverän seine Kraft kontrollierendes und sarkastisches Monster, das ohne einmal nachzudenken unbedingt Spider-Man aus dem Weg räumen will – die dafür verantwortliche Schlüsselszene ist einfach zu schwach ausgefüttert, um das nachvollziehen zu können. Dass der grundsätzlich etwas zu lockere, manchmal alberne Ton des Films nicht immer passend ist, wird  vor allem im Angesicht der dramatischen Ereignisse zum Ende hin deutlich.

... kein Wunder bei einem Gegner, der nur aus Energie zu bestehen scheint und sich praktisch überall materialisieren kann
… kein Wunder bei einem Gegner, der nur aus Energie zu bestehen scheint und sich praktisch überall materialisieren kann

Aber natürlich gibt’s nicht nur Kritik – im Gegenteil: Das, was viele dem Film gerne vorwerfen, nämlich dass er zu geschwätzig ist und zu wenig Actionelemente beinhaltet, ist im Prinzip eine Stärke von The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro. Die Konflikte zwischen Peter und Gwen, sowie zwischen ihm und seiner Tante May; die Problematik, seinem Freund Harry helfen zu wollen, ihm aber den ausgesprochenen Wunsch nicht zu erfüllen; die Suche nach Spuren seiner Eltern – all das ist durchaus nachvollziehbar geschildert und füllt viele bisher vorhandene Lücken. Glücklicherweise macht Marc Webb  nicht den üblichen Fehler und hält mit sämtlichen Geheimnissen hinter dem Berg. Wie oft schon hat man sich geärgert, wenn ein Protagonist wichtige Dinge nicht mit seiner Herzdame geteilt hat, nur weil er zu ängstlich, überprotektiv oder schlicht dumm war. Peter hingegen erzählt Gwen, welche Dinge sich abspielen und was ihn beschäftigt. Das funktioniert im Übrigen auch deshalb, weil die Figur der Gwen Stacy erneut ein Highlight ist – und das nicht nur, weil Emma Stone sie unnachahmlich spielt, sondern weil das Drehbuch für sie eine starke Rolle bereithält. Ohne Gwen wäre Peter nicht Spider-Man. Ebenfalls und erneut hervorragend ist Dane DeHaan als Harry Osborn. Schon optisch passt er perfekt in die zwiespältige Rolle des guten Freundes von Peter, der einfach nur verhindern will, dass er stirbt und dem dafür jedes Mittel Recht ist.

Was alles passieren kann, wenn man zu oft "Watchmen" schaut ...
Was alles passieren kann, wenn man zu oft „Watchmen“ schaut …

Bild- und Tonqualität

Harry hat ein besonderes Anliegen an Spider-Man
Harry hat ein besonderes Anliegen an Spider-Man

Ein wenig Enttäuschung macht sich beim Bild von The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro breit. Die Schärfe ist beinahe dauerhaft nur mittelprächtig. Sowohl Stones als auch Garfields Gesicht wirken zu weich. Auch die roten Pausbäckchen sind ein wenig zu rosig, wirken nicht ganz natürlich. Hinzu kommen immer wieder Randunschärfen. Schwarzwert und Kontrastumfang sind in Ordnung. Nicht so schön ist die Tatsache, dass manch digitaler Effekte als solcher zu entlarven ist – gerade zu Beginn hebt sich Spider-Man zu stark vom Hintergrund ab.
Akustisch schlägt sich The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro besser, wenn auch nicht perfekt: Der Filmscore ist schon von Beginn an effektvoll und der Privatjet stürzt ebenfalls räumlich ab. Max‘ Verwandlung in Electro lässt die elektrischen Stöße förmlich durchs Heimkino zischeln (36’22) und wenn er fortan auftritt, die Welt aus seinen elektrisierenden Augen betrachtet, sind sämtliche Lautsprecher aufs Äußerste gefordert. Das gilt ebenso für den extra auf ihn abgestimmten Einsatz von Musik und Stimmen. Lange schon gab’s keine ähnlich innovativen Sounds mehr zu hören. Dafür bleibt der Subwoofer bisweilen unterfordert, könnte in relevanten Szenen mehr Druck liefern. Das geschieht erst zum Showdown mit Electro hin (ab 110′). Wenn Spider-Man auf den elektrischen Spuren seines Widersachers surft, rumpelt’s gewaltig.

Bonusmaterial

Dass ich das mal über eine Rolle eines meiner Lieblingsdarsteller sagen würde: Lächerlicher Kurzauftritt von Paul Giamatti als russicher Gangster und späterer Rhino
Dass ich das mal über eine Rolle eines meiner Lieblingsdarsteller sagen würde: Lächerlicher Kurzauftritt von Paul Giamatti als russicher Gangster und späterer Rhino

Das Bonusmaterial von The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro ist reichhaltig gefüllt. Zunächst wäre da ein launiger Audiokommentar anzuführen. Hinzu gesellen sich neun zusätzlliche Szenen, die ebenfalls von Marc Webb kommentiert wurden. Kernfeature ist aber „Der Lohn des Heldentums: Das Making-of von The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“. In knapp 100 Minuten bekommen wir hier Einblicke in eine Vielzahl der Produktionsaspekte geboten. Abschließend gibt’s noch das Musikvideo „It’s On Again“ von Alicia Keys.

Gute Beispiel für: Wie gebe ich meine Hauptfigur der Lächerlichkeit preis?
Gute Beispiel für: Wie gebe ich meine Hauptfigur der Lächerlichkeit preis?

Fazit

The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro leidet an ähnlichen Schwächen wie sein Vorgänger: Peter Parker/Spider-Man ist einfach zu lässig, cool und überheblich. Die Wandlung der beiden Bösewichte ist inhaltlich und logisch zu wenig unterfüttert und am Ende sind die 140 Minuten Laufzeit auch etwas zu gedehnt. Herausragend sind dafür die zwischenmenschlichen Szenen geraten und auch die (in der Tat nicht häufigen) Actionszenen dürfen als gelungen gelten.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 90%
Tonqualität (Originalversion): 90%
Bonusmaterial: 75%
Film: 70%

Anbieter: Sony Pictures HE
Land/Jahr: USA 2014
Regie: Marc Webb
Darsteller: Andrew Garfield, Emma Stone, Jamie Foxx, Dane DeHaan, Paul Giamatti, Sally Field, Martin Sheen, Chris Zylka, Denis Leary
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 141
Codec: AVC
FSK: 12

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