The Founder

Blu-ray Review

The Founder Blu-ray Review Cover
WVG/Splendid, 25.08.2017

OT: The Founder

 


Burger-Ballett

In The Founder hat Michael Keaton den golden Bogen raus.

Inhalt

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Ray ist beeindruckt über die Schlange vor dem Schnellrestaurant …

St. Louis 1954: Ray Kroc ist 52 Jahre und zieht als Handelsvertreter für einen fünfarmigen Multi-Mixer völlig erfolglos durchs Land. Das einzige, das ihn noch mehr nervt als seine niederschmetternden Absatzzahlen, sind die Schlangen vor den Take-Away-Restaurants sowie die lange Wartezeit auf sein Essen. Als er aus der Zentrale hört, dass ein und derselbe Laden in Kalifornien gleich sechs seiner Mixer bestellt hat, ist Kroc zunächst ungläubig und will das Ganze selbst ansehen. Vor Ort in San Bernardino steht er vor dem Fast-Food-Restaurant der Brüder Richard (Dick) und Maurice (Mac) McDonald, die mittlerweile sogar acht seiner Geräte haben wollen. Der Grund: Dick und Mac betreiben ihr Restaurant vollkommen anders. Effizienz und Schnelligkeit stehen an oberster Stelle und die Leute deshalb Schlange vor dem zur Straße offenen Laden. Als er den ersten Schock über das Essen in der Tüte ohne Teller und Besteck verwunden hat, erkennt er die Genialität in der Idee dahinter. Und nachdem er sich hat erklären lassen, wie die Brüder ihr Restaurant aufgezogen haben, kommt ihm die Idee: Franchise. Diese Art des „schnellen Essens“ muss einfach überall präsent sein. Als Dick und Mac erzählen, dass sie es schon versucht hätten, aber die Qualitätskontrolle über die Entfernung nicht aufrecht erhalten können, bringt sich Ray mit aller Energie ein und kann seine erste eigene Filiale eröffnen. Bald schon steigen andere bei ihm ein und er kann weitere Franchises im Land eröffnen. Doch der Erfolg kommt erst, als er jedem Restaurant einen eigenen Franchise-Unternehmer zuteilt, der die Verantwortung über die Einhaltung der Regeln erhält. Je mehr Restaurants er allerdings eröffnet, desto stärker wendet er sich damit gegen die ursprünglichen Erfinder-Brüder …

… und überzeugt sich selbst vom Geschmack der Burger

Raymond Albert Kroc lebte von 1902 bis 1984 und ist in Deutschland sicherlich einer der unbekanntesten Menschen, die hinter einer der bekanntesten Franchise-Unternehmen überhaupt stehen. Die Rede ist von McDonald’s. Ohne Kroc hätten wir heute nicht ~1470 Schnellrestaurants der Kette in Deutschland und ganze 36.500 weltweit. Ob das nun gut ist oder schlecht, ob das Fast-Food-Franchise Kultur begründet oder sie zu Grabe getragen hat – das will Regisseur John Lee Hancock mit seinem The Founder überhaupt nicht aufarbeiten. Es geht ihm um die Erfolgsgeschichte eines Mannes, der mit 52 Jahren eher erfolglos durch die Gegend tingelte und den das neuartige Restaurant zweier Brüder auf die Idee brachte, ein Teil eines großen Ganzen zu werden. Dass er dabei eine ebenso tragische wie erfolgreiche Figur wurde, zeigte die Geschichte. Zwar gehört er laut dem Times Magazin zu den 100 einflussreichsten Menschen des 20. Jahrhunderts, doch dafür brach er frühzeitig mit den beiden Erfindern und belastete seine Ehe über die Maßen. Ebenso humorvoll wie es in The Founder zugeht, ebenso sehr ist der Film auch traurig und dramatisch. Immerhin zeigt er, dass Erfolg eine Eigendynamik mit sich bringt, die man nicht mehr stoppen kann (oder will). Am entscheidenden Punkt muss Ray um seine komplette Existenz bangen, beginnt verstärkt dem Alkohol zuzusprechen und entschließt sich zu einer entscheidenden Änderung, die ihn zum Finanzmonster werden lässt. Als er die finanzielle Verantwortung auf die Franchise-Nehmer abwälzt und diese für den Grund und Boden, auf dem das jeweilige Restaurant steht, bezahlen lässt, entsteht aus einer individuellen Idee ein multinationaler Konzern. Ein Konzern, der seine Erfinder 1961 für 2,7 Mio. Dollar schluckt.

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Ray hat Großes mit dem Franchise vor

Und obwohl es nicht um McDonald’s an sich geht, bekommt man durchaus einen historischen Einblick, wenn die beiden Brüder ihr Leben für Kroc kurz zusammenfassen. Blendet man sämtliche (späteren) Skandale und gesundheitliche Ernährungsaspekte aus, denkt mal nicht an Fleischgewinnungs-Prozedur und Regenwald-Abholzung des Unternehmens, dann muss man schon anerkennen, dass die Idee von Dick und Mac ebenso simpel wie genial und die Umsetzung schlicht revolutionär war. Wenn man sieht, dass die Zwei auf einem Tennisplatz aufzeichneten, wie im Restaurant möglichst effizient gearbeitet werden würde, ist das ebenso ungewöhnlich wie unterhaltsam. Ohnehin gerät die Szene, in der Ray erzählt bekommt, wie McDonald’s entstand, extrem unterhaltsam. Nick Offerman (Wir sind die Millers) und John Carroll Lynch (Camp X-Ray) ergänzen sich prächtig und der zügige Stakkato-Schnitt tut sein Übriges zu dieser filmisch grandiosen Sequenz. Während hier die beiden angesprochenen Darsteller ihren Auftritt haben, gehört The Founder ansonsten Michael Keaton, der gerade in den letzten Jahren wieder zur absoluten Hochform aufläuft, weil er eben auch die guten Skripte bekommt. Als Ray Kroc schafft er es, sich wieder einmal neu zu erfinden. Während viele andere Darsteller in großen Rollen oft nur bekannte andere bedeutende Rollen leicht variieren, ist dieser Kroc anders als der Riggan Thomson aus Birdman, anders als der Walter Robinson in Spotlight. Man nimmt Keaton ab, dass der lange so erfolglose Geschäftsmann „nur einmal“ WIRKLICH etwas auf die Beine stellen wollte. Nicht nur, um seine Frau zu überzeugen, sondern vor allem sich selbst. Das macht die Geschichte so tragisch. Denn Kroc konnte ja nicht ahnen, wie erfolgreich das Ganze würde. Unter Druck (unter anderem, weil er sein eigenes Haus bei der Bank als Sicherheit hinterlegte) begann er, skrupellos zu werden. Kroc ist der, der McDonald’s verkommerzialisierte, während die Erfinder einen anderen Gedanken hegten. Auch das tat er allerdings zunächst aus dem nachvollziehbaren Grund, nicht mehr zu den ewigen Verlieren zu gehören. Dass er sich am Ende gar dazu herabließ, eine Filiale direkt gegenüber jener der beiden Gründer zu eröffnen, die den Namen McDonald’s nicht mehr nutzen durften und ihr Restaurant deshalb „The Big M“ nannten, zeigt, wie sehr ihn der Erfolg korrumpiert hatte.

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Ray treibt die Expansion voran

Bild- und Tonqualität

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Die McDonald’s-Brüder verfolgen die Entwicklungen mit Sorge

Blitzsauber und komplett frei von Rauschen oder Korn zeigt sich das Bild von The Founder, dessen ruhige Einstellung zu Beginn jede kleine Falte von Keatons Gesicht darstellt. Da die Schärfe bis auf einen leichten Abfall an den seitlichen Bildrändern sehr homogen ist und der Film selbst in dunklen Szenen nur wenig an Durchzeichnung verliert. Farben und Kontrastgebung stimmen und passen sich der Zeit an, in der der Film spielt. Ergo sind die Töne eher erdig und in der Strahlkraft etwas reduziert.
Bei der Akustik von The Founder dominieren die (etwas brummigen) Dialoge das Geschehen, werden aber von sehr weiträumiger Musik ergänzt und auch von der Brat-Atmosphäre im Restaurant. Wenn im Rückblick die Fliegenplage über die Eröffnungsveranstaltung hereinbricht, summt es zudem aus allen Lautsprechern und man beginnt unwillkürlich, in Gedanken nach den Insekten zu schlagen (23’50). Auch vor den Restaurants herrscht bisweilen eine stimmungsvolle Atmosphäre (52’40). Zu den ziemlich dumpfen Stimmen gesellt sich auch ein „Spirit in the Sky“ von Norman Greenbaum, das während des Abspanns ziemlich brummelig vor sich hin wummert.

Bonusmaterial

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Ray hat gewonnen

Im Bonusmaterial von The Founder finden sich drei Featurettes. Im ersten geht’s um das „Ensemble“ des Films, das wirklich zu den herausragenden Bausteinen des Films gehört. In „Das Speedee-System“ wird noch mal kurz auf das revolutionäre Zubereitungssystem der Brüder eingegangen und Michael Keaton bekommt im dritten Featurette die (verdienten) Lorbeeren seiner beeindruckten Kollegen. Zwei Interviews mit Regisseur Hancock und den Darstellern Offerman, Carroll Lynch und B.J. Novak komplettieren das kurze und knappe Extramaterial.

Fazit

Unterhaltsame Lektion in Sachen McDonald’s und spannendes Unternehmer-Biopic in einem – The Founder erzählt, dass der Fast-Food-Konzern mal mit hehren Zielen startete und von den Gründerbrüdern nie als Finanzkrake ins Leben gerufen wurde. Das hat das Unternehmen Ray Kroc zu „verdanken“, der
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 80%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 30%
Film: 75%

Anbieter: WVG/Splendid
Land/Jahr: USA 2016
Regie: John Lee Hancock
Darsteller: Michael Keaton, Nick Offerman, John Carroll Lynch, Linda Cardellini, B.J. Novak, Laura Dern, Justin Randell Brooke, Kate Kneeland, Patrick Wilson, Griff Furst
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 115
Codec: AVC
FSK: 0

Trailer zu The Founder

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