The Gunman

Blu-ray Review

The Gunman Blu-ray Review Cover
Studiocanal, seit 03.09.2015

OT: The Gunman

 


Operation Golgatha

Sean Penn auf den Spuren von Liam Neeson.

Inhalt

The Gunman Blu-ray Review Szene 1
Sieht sich in Afrika mit seiner Vergangenheit konfrontiert: Jim Terrier

Ex-Special-Forces-Mitarbeiter Jim Terrier arbeitet als Söldner und Scharfschütze im Kongo. Als er mit seinem Team einen Anschlag auf den Bergbauminister durchführen soll, da dieser offenbar aus Gründen der Korruption den Handel mit ausländischen Unternehmen unterbinden will, fällt die Wahl des Todesschützen auf ihn. Das ist gleichbedeutend mit der sofortigen Ausreise aus dem Land. Nicht mal von seiner Freundin Annie kann er sich verabschieden, damit die Operation nicht auffliegt und seine Person nicht gefährdet wird. Acht Jahre später ist Jim aus dem tödlichen Geschäft raus und Mitarbeiter einer Hilfsorganisation, doch unbekannte Killer spüren ihn auf. Nachdem er ihnen knapp entgehen kann, macht er sich auf die Suche nach jenen, die ihm auch noch nach so langer Zeit an den Kragen wollen. Die erste Adresse ist Felix, die einzige Person, die von dem Attentat und der Wahl auf ihn als Schützen damals wusste. Dass es brenzlig werden könnte, ist Terrier klar, weshalb es ihm auch gar nicht in den Kram passt, dass ihm ein Arzt aufgrund akuter Kopfschmerzen attestiert, dass er ein altes Schädeltrauma hat, das jede neue Aufregung mit einer Verschlimmerung seines Zustandes quittiert. Mehr Kopfschmerzen noch als die Killer, die ihm auf den Fersen sind, bereiten Jim allerdings die Gedanken an seine Ex-Freundin Annie, die er in Barcelona wiedersieht – zumal diese seit der Zeit damals mit Felix zusammen ist …

The Gunman Blu-ray Review Szene 2
Jims alter Weggefährte Felix hat die Seiten gewechselt

Pierre Morel hat mit 96 Hours – Taken bewiesen, dass man durchaus Actionfilme mit und für die ältere Hollywoodgarde machen kann. Nun hat er sich mit Sean Penn erneut einen Mann fortgeschrittenen Alters gesucht, um ihm auf Basis eines Krimis von Jean-Patrick Manchette eine taffe Kämpferrolle auf den durchtrainierten Leib zu schreiben. Herausgekommen ist mit The Gunman ein Film, dessen Bildsprache zwar mit dem Liam-Neeson-Thriller verwandt ist, bei dem die Story allerdings etwas globaler angelegt wurde. So gibt’s neben den Thriller- und Actionelementen hier auch (ein wenig) Globalisierungs- und Weltpolitik-Kritik. Außerdem werden dem Zuschauer exotische und über die Welt verstreute Schauplätze geboten – von Afrika über London und Barcelona bis hin nach Gibraltar. Nach einem spannenden und recht rasanten Einstieg tritt The Gunman allerdings ein wenig zu sehr auf die Bremse, integriert ein bisschen zu viel Herz-Schmerz-Dramatik, bevor dann auch in Barcelona scharf geschossen wird. Die Schusswechsel sind dafür allerdings extrem beeindruckend inszeniert und vor allem vertont (siehe Tonqualität). Zum einen fetzen die Schüsse unvermittelt und durchaus drastisch in Schädel, zum anderen bieten die Schauplätze eine gute Plattform für toll choreografierte Stunts. Richtig spannend wird Morels Film immer dann, wenn Jim Vorkehrungen trifft, um gegenüber seinen Feinden gewappnet zu sein. Etwas ärgerlich ist die Tatsache, dass sein Krankheitszustand zunächst groß aufgebaut wird und dann erst neu auftritt, wenn’s richtig eng wird. Zuvor prügelt und schießt sich Jim durch mehrere Häuser, springt durch Feuer und bekommt gleich zwei Explosionen aus mittlerer Entfernung mit – natürlich ohne Auswirkungen seines Hirntraumas zu erfahren. Den Freund von modernen Actionthrillern wird’s vielleicht nicht zu sehr stören, zumal Sean Penns Darstellung für vieles entschädigt. Der mittlerweile 55-jährige Akteur hat sich körperlich für The Gunman noch mal richtig fit gemacht. Mit drastisch fettreduziertem Oberkörper treten seine Muckis erstaunlich präsent hervor, was nicht nur zur Rolle passt, sondern ihm auch außerordentlich gut steht. So nimmt man ihm die Nahkampfsequenzen ohne Einschränkung ab und glaubt ihm ebenso bei den emotionaleren Szenen, die er authentisch rüberbringt. Ray Winston als Sandkastenfreund Stan und Javier Bardem als Felix komplettieren das Aufgebot an namhaften Stars mit charismatischen Gesichtern.

Bild- und Tonqualität

The Gunman Blu-ray Review Szene 3
Stanley ist Jims einziger Vertrauter ohne Bedingung

Zwar leidet das Bild von The Gunman immer wieder unter Randunschärfen, dafür sind die Kontraste in den Außenaufnahmen extrem knackig und Farben kommen kräftig rüber. Ein sichtbarer, leicht bräunlicher Filter liegt über dem Geschehen, der die warme Atmosphäre noch intensiviert. Die Schärfe im fokussierten Bereich ist stets gut und auch die Detailauflösung während Vogelperspektiven kann überzeugen. Hin und wieder versumpfen Details in Schattenbereichen, was aber die Ausnahme bleibt.
Der Ton von The Gunman bleibt während der Dialogszenen meist dezent und unspektakulär, schlägt dann aber umso brutaler zu, sobald scharf geschossen wird. Sei es das Langstreckenscharfschützengewehr, dessen Projektil beeindruckend dynamisch in das Fahrzeug des Bergbauministers sowie durch dessen zwei Insassen schlägt, oder auch die MP, die Jim im Haus von Fleix abfeuert – selten wurden Geschosse dermaßen präzise und gleichzeitig druckvoll umgesetzt. Wer ein potentes Heimkino (und tolerante Nachbarn) hat, der darf hier mal richtig aufdrehen und eine Menge Spaß haben. Noch besser haben’s die, die über ein Multikanal-Dolby-Atmos-System verfügen, denn die Blu-ray hat sowohl eine englische als auch eine deutsche Dolby-Atmos-True-HD-Spur. Besonders beeindruckend vermittelt diese beispielsweise die Explosion der Wohnung nach etwas über 70 Minuten.

Bonusmaterial

The Gunman Blu-ray Review Szene 4
Wird Jim Annies Leben retten können?

Das Bonusmaterial von The Gunman winkt mit Featurettes zur Action, der Story, den Nahkampfstil Krav Maga sowie einem, das den Weg vom Buch zu den Stars aufzeigt. Alle vier Hintergrundberichte laufen jeweils gerade mal zwei Minuten, klären also nicht wirklich über die Hintergründe der Dreharbeiten auf. Dazu gesellen sich Interviews mit Regisseur Morel, Mark Rylance und Ray Winstone

Fazit

The Gunman ist nicht immer rasant und flüssig, liefert während der Action- und Thriller-Elemente jedoch packende und stilsicher inszenierte Unterhaltung mit einem physisch präsenten und leidenschaftlich agierenden Sean Penn in der Hauptrolle.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 90%
Tonqualität (Originalversion): 90%
Bonusmaterial: 20%
Film: 70%

Anbieter: Studiocanal
Land/Jahr: SP/GB/F 2015
Regie: Pierre Morel
Darsteller: Sean Penn, Javier Bardem, Ray Winstone, Mark Rylance, Jasmine Trinca, Melina Matthews, Idris Elba
Tonformate: Dolby Atmos True HD: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 115
Codec: AVC
FSK: 16