The Immigrant

Blu-ray Review

The Immigrant Blu-ray Review Cover
Universum Film, seit 30.01.2015

OT: The Immigrant

 


Erschwerte Einreisebedingungen

Wer hätte gedacht, dass Joaquin Phoenix schauspielerisch noch mal die Kurve kriegen würde …?

Inhalt

Bruno findet Gefallen an der Einwanderin ...
Bruno findet Gefallen an der Einwanderin …

1920, Ellis Island: Ewa ist gerade mit ihrer Schwester auf dem Schiff aus Polen hergekommen, um Zuflucht in den USA zu suchen. Doch schon bei den Einreiseformalitäten wird die kränkelnde Anverwandte „aussortiert“ und auf die Liste derer gesetzt, die wieder ausgewiesen werden. Nun ist Ewa ohne Begleitung, was auch sie auf die Liste bringt, denn man geht davon aus, dass sie mit Sozialleistungen unterstützt werden müsste. Als der Schmalspurganove Bruno Weiss auftaucht, heftet sie sich an ihn und kann ihn überreden, ihr zu helfen. Alsbald stellt sich jedoch heraus, dass seine Hilfe darin besteht, sie in einer Tanzshow unterzubringen, in der die Mädels mehr als nur die Hüfte schwingen sollen. Als Druckmittel verwendet Bruno Ewas Schwester, die Tuberkulose hat und Geld für ihre Behandlung braucht. Während sich Ewa also langsam in ihr Schicksal fügt, auch um nicht selbst ausgewiesen zu werden, tritt plötzlich der Illusionist Orland auf der Bildfläche und Bühne auf. Der erste, der die Polin respektvoll behandelt. Das wiederum bleibt nicht unerwidert – Ewa fühlt sich zu ihm hingezogen. Sehr zum Unbill von Bruno, der seinerseits mittlerweile Gefühle für die sensible Frau entwickelt hat …

... und hilft ihr, die Ausweisung zu umgehen
… und hilft ihr, die Ausweisung zu umgehen

Regisseur James Gray ist seit seinem Langfilmdebüt Little Odessa bei Freunden des anspruchsvollen Kinos ein gern gesehener Gast. Fünf Jahre hat sich der immer noch junge Filmemacher Zeit gelassen, um mit The Immigrant ein bewegendes Füchtlingsdrama zu inszenieren, das auf die Kraft seiner Bilder und Hauptfiguren setzt. Gray schafft es auch, seinen Lieblingsdarsteller wieder zu rehabilitieren, denn Joaquin Phoenix, der nach seinem skurrilen Selbstfindungstrip und einer nachfolgend kruden Rollenwahl in The Immigrant mal wieder zeigt, dass er ein wirklich guter Schauspieler ist, bekommt an dieser Stelle ein dickes „Wow“! Während Marion Cotillard gerade zu Beginn nur die Rolle der eingeschüchterten und traurigen Einwanderin bleibt, zieht Phoenix als Gauner und Chef seiner Burleske-Truppe mit Hang zur extrovertierten Selbstdarstellung alle Register. Beeindruckend, wie er sowohl die überheblichen Momente als auch die Zerbrechlichkeit und Sensibilität seiner Figur meistert. Jeremy Renner stellt den Gegenpol zu Phoenix dar, agiert unbekümmert, charmant wie selten und ist der sympathische Anker in The Immigrant. Die Darsteller sind aber nur eine Seite der Medaille, denn Gray gelingt über seine genaue, konzentrierte und langsame Erzählweise, dass sich die Dramatik und Tragik intensiv entfalten kann. Dabei hilft ihm auch die hervorragende Ausstattung, die bis ins Detail die 20er aufleben lässt. Szenen wie jene, in der Bruno von der Polizei in den Katakomben vermöbelt wird, sind schon alleine von der Lichtgestaltung her so gelungen, dass man in Verbindung mit dem stilecht eingefärbten Bild das Gefühl hat, einem Film aus der Zeit zuzuschauen.

Magier Orlando wirkt durchaus anziehend auf Ewa
Magier Orlando wirkt durchaus anziehend auf Ewa

 

Bild- und Tonqualität

Bruno kann auch charmant sein
Bruno kann auch charmant sein

Das Bild von The Immigrant ist sichtbar stilisiert, versucht durch Farbgebung und Körnung, die Zeit der 1920er aufleben zu lassen. Ein grundsätzlicher Gelb-Braun-Filter liegt über dem Geschehen, lässt Gesichter etwas fad aussehen, stellt aber eine hübsch-antiquierte Stimmung her. Die Schärfe aus der Halbtotalen ist gut, Cotillards Gesicht Gesicht hat in Close-ups einen Marilyn-Monroe-typischen Weichzeichner-Look. Das Korn ist grundsätzlich schon recht stark vorhanden, nimmt in kurzen Bewegungen auf Gesichtern noch etwas zu. Der Kontrastumfang ist gering, prinzipiell ist die Helligkeitsverteilung dauerhaft fast auf einem Niveau. So bleiben in dunklen Szenen Schwarztöne eher grau und in gut ausgeleuchteten Momenten ist weiß auch alles andere als strahlend.
Akustisch bleibt The Immigrant hauptsächlich auf die Front bezogen. Selbst bei Außenaufnahmen mit Marktatmosphäre oder während der Aufführungen von Magier Orlando bleiben die rückwärtigen Lautsprecher meist ruhig. Lediglich über die drei vorderen Speaker kommt hin und wieder etwas Räumlichkeit auf.

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von The Immigrant finden sich lediglich ein Originaltrailer sowie einige Programmtipps.

Fazit

James Grays The Immigrant spielt virtuos auf der Klaviatur zwischen Drama, Thriller und Tragödie. Ausnahmslos gut gespielt und stimmungsvoll gefilmt ist der Film für jeden Cineasten und Freund der 20er-Jahre-Atmosphäre ein Tipp!
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 60%
Bonsumaterial: 10%
Film: 70%

Anbieter: Universum Film
Land/Jahr: USA 2013
Regie: James Gray
Darsteller: Marion Cotillard, Joaquin Phoenix, Jeremy Renner, Dagmara Dominczyk, Angela Sarafyan
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 117
Codec: AVC
FSK: 12

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.