The Sea of Trees – Liebe wird dich nach Hause führen

Blu-ray Review

Ascot Elite, 13.01.2017

OT: The Sea of Trees

 


Hänsel & Gretel

Gus Van Sants jüngster Film ist für den Regisseur sehr ungewöhnlich geraten.

Inhalt

Arthur und Joan haben schon bessere Zeiten gesehen

Arthur Brennan hat sich ein Ticket nach Tokyo gebucht. Reisen wird er ohne Gepäck und zu essen möchte er auf dem langen Flug auch nichts haben. Sein Fahrzeug hat er mit steckendem Schlüssel auf dem Parkdeck stehen lassen und seine Miene ist entschlossen. Sein Ziel ist der Aokigahara-Wald, der Selbstmord-Wald. Wie viele vor ihm, hat er nur ein Ziel: Seinem Leben ein Ende zu bereiten, weil ihn ein schwerer Verlust den Mut zum Weiterleben genommen hat. Als er gerade ein geeignetes Plätzchen gefunden hat, läuft ihm ein vollkommen entkräfteter Japaner über den Weg. Der wollte ebenfalls sein Leben lassen, hat sich dann aber wohl umentschieden und will nun den Irrweg zurück aus dem Wald finden. Doch da haben beide ihre Rechnung ohne das Dickicht der Bäume gemacht. In der aufkeimenden Angst, nun nicht mehr hinauszufinden, keimt genau das auf, was beide verloren hatten: Der Wille zu überleben …

Ein schöner Ort zu sterben

Gus Van Sants Filme haben sich stets durch ihre sperrige Inszenierung und ungewöhnliche Geschichten hervorgetan. In The Sea of Trees geht er indes einen ungewöhnlich geradlinigen Weg. Er hält sich weder lange mit Vorgeplänkel auf, noch verirrt er sich in kryptischen Schilderungen oder Bildern. Vielmehr sind gerade die von der Kamera eingefangenen Szenen poetisch und von einer stets bewegenden Melancholie. Dazu gesellen sich beinahe gruselige Momente, wenn Arthur über die erste Leiche stolpert und aufmunternde Schilder die Waldgänger vor ihrer Tat bewahren wollen. Den Aokigahara gibt es nämlich wirklich und genauso richtig sind die Geschichten über die Selbstmordsuchenden. 2003 zählte man über 100 gefundene Leichen, vermutet aber mehr, weil der Wald so dicht ist, dass man viele Tote wohl nie findet. Ausgangspunkt für diese schaurigen Tatsachen war ein in Japan populärer Roman, in dem der Autor seine Protagonistin dort hatte Selbstmord begehen lassen. The Sea of Trees bleibt natürlich nicht über die volle Laufzeit bei den beiden Hauptfiguren im Wald, sondern nutzt immer wieder Rückblicke, um die Geschichte von Arthur und dessen Frau zu erzählen. Inszenatorisch sind das die schwächeren Momente – eben weil die Szenen im Aokigahara so stark und kraftvoll sind. Da laufen zwei lebensmüde Kerle erschöpft und wie in Zeitlupe durch einen Wald und man sitzt gefesselt davor – schafft auch nicht jeder Regisseur, bzw. jedes Drehbuch. Dass es in diesem Fall so ist, liegt an äußerst klugen Dialogen und zwei herausragenden Darstellern, deren Spiel man gebannt zuschaut.

Der Japaner will doch nicht mehr sterben

Natürlich hält der Wald auch einige (schmerzhafte) Überraschungen bereit, die für Spannung und auch so manchen sarkastischen Witz sorgen. Etwas unverständlich sind die Klischees, die Gus Van Sant bemüht, um die Kluft zwischen Ost und West zu demonstrieren. Während Arthur für sich beansprucht, aus einem nachvollziehbarem Grund sterben zu wollen, hält er es für albern, dass ein Japaner sich aufgrund einer beruflichen Degradierung das Leben nehmen will. Das ist sowohl bemüht, was das Bild des gesichtsverlierenden Asiaten angeht, als auch was die Reaktion Arthurs betrifft. Ein müdes „Sie verstehen meine Kultur nicht“ beendet dieses Kapitel, das man durchaus differenzierter hätte ausarbeiten können. Die Rückblenden, welche die (ebenfalls nicht klischeefreien) Szenen einer Ehe beschreiben, wirken für einen Van Sant tatsächlich grenzwertig kitschig und erinnern bisweilen eher an die Geschichten entsprechender Liebes-Novellen. Dafür bietet die Rolle der Joan allerdings Naomi Watts eine Bühne für eine bewegende Performance. Selbst wenn The Sea of Trees nicht in jeder Szene vollkommen glücklich wirkt und man vielleicht das anfängliche Horrorelement noch etwas betonen können, anstelle zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken, bleibt am Ende doch eine Botschaft, die man mitnehmen kann und die hat etwas mit Liebe und Kennenlernen zu tun.

Bild- und Tonqualität

Wo ist der Weg hinaus?

Das Bild von Sea of Trees ist vor allem sehr laufruhig und rauschfrei. Auch in dunklen Szenen oder auf entsprechenden Hintergründen gibt es kein Korn. Van Sant nutzt während der Rückblicke ausgiebig Lens-Flare-Effekte, was hier ein wenig ungewöhnlich erscheint, kennt man es doch vor allem aus Sci-Fi-Filmen. Ab und an sind Umrisse absichtlich etwas abgesoftet, was in diesem Momenten jedoch zum Inhalt passt. Die Randbereiche sind schon mal etwas unscharf (39’33 & 70’34 unten) und im Haus der Brennans ist dürfte der Kontrastumfang höher sein. Lange nicht mehr gesehen, hier aber vorhanden: Leichte Kantenunruhen an Rundungen wie Arthurs Brillenrahmen.
asSea of Trees schlägt die leisen Töne an. Mit sanftem fernöstlich inspiriertem Filmscore fängt der Film den Zuschauer gefangen und lässt das Rascheln des Waldes aus allen Lautsprechern kommen. Dazu gesellen sich ein paar Tiergeräusche oder das verstärkte laute Schlucken der ersten Tabletten, die Arthur zu sich nimmt. Die Stimmen und Dialoge kommen präsent aus dem Center. Geschieht etwas im Wald, wie das Gewitter nach knapp 50 Minuten, dann werden Donner und Regen äußerst lebhaft ins Heimkino transportiert.

Bonusmaterial

Den beiden steht ein schwerer Schicksalsschlag bevor

Das acht Minuten lange Featurette „A Story of Beauty and Tragedy“ im Bonusmaterial von Sea of Trees lässt die Darsteller erklären, worum es für sie in dem Film ging und was sie bewegte, mitzumachen. Daneben gibt’s noch die Originaltrailer.

Fazit

Gerade zum Ende hin ist Sea of Trees manchmal arg nicholas-sparks-lastig, was dem sehr fesselnden Beginn ein wenig gegenübersteht. So werden hier eher Freunde bewegender Dramen fündig als beinharte Gus-Van-Sant-Fans. Herausragend ist erneut die Leistung MacConaugheys sowie seiner Co-Stars Watanabe und Watts.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 30%
Film: 60%

Anbieter: Ascot Elite
Land/Jahr: USA 2015
Regie: Gus Van Sant
Darsteller: Matthew McConaughey, Naomi Watts, Ken Watanabe, Jordan Gavaris, Katie Aselton, James Saito
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 107
Codec: AVC
FSK: 12

Trailer zu Sea of Trees

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