The Walking Dead Season 6

Blu-ray Review

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Entertainment One/WVG, 19.12.2016

OT: The Walking Dead

 


JSS

Die Season 6 von The Walking Dead bietet neue Konflikte, krasse Effekte, viel Action und einen Cliffhanger, der zu den heftigsten der Seriengeschichte gehören dürfte.

Inhalt

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Zwei, die sich schon lange kennen und doch neu kennen lernen: Rick und Morgan

Rick hat auf Geheiß von Deanna den Mörder ihres Mannes getötet. Das bewirkt bei den Menschen von Alexandria allerdings nicht nur Respekt, sondern löst auch Ängste aus. Ob Rick in der Lage ist, die Gemeinschaft zu einem homogenen Ganzen zu verbinden, stellt sich schon bald heraus, da man in der Nähe einen Steinbruch mit unzähligen Zombies entdeckt, die über kurz oder lang dort ausbrechen und sich Richtung Safe Haven aufmachen werden. Um dies zu verhindern, muss Rick nicht nur einen Schlachtplan entwickeln, sondern auch eine kleine interne Meuterei verhindern. Parallel wird die Stadt von der mysteriösen und verwahrlosten Gruppe angegriffen, deren Mitglieder ein „W“ auf die Stirn gebrannt haben. Das gefährdet im Verlaufe die ganze Aktion, die Untoten vom Steinbruch und Alexandria wegzulocken und fordert bald erste Opfer. Ganz abgesehen davon werden Glenn, Abraham, Daryl und Sasha deshalb von den anderen getrennt und müssen vor den Mauern nicht nur wegen der Untoten um ihr Leben kämpfen. Denn schon bald taucht eine neue Gruppe von Menschen auf, die in ihrer Brutalität neue Dimensionen setzt …

The Walking Dead - komplette sechste Staffel Blu-ray Review Szene 77
So könnte sie hier noch tausend Jahre liegen und vor sich hingrunzen

Nachdem die vierte Staffel von The Walking Dead äußerst spannend endete und die fünfte mit einem unglaublich packenden Start begann, musste der Zuschauer sich in der zweiten Hälfte von Season 5 mit einem etwas reduzierten Tempo anfreunden. Nach der Ankunft in Alexandria muss man sich erst Mal wieder daran gewöhnen, dass die Gruppe um Rick nicht ständig auf der Flucht oder gar getrennt ist. Die Spannungen innerhalb des neuen Safe Havens lieferten allerdings genug Stoff für zwischenmenschliche Entwicklungen. Gerade Ricks Wandel zum weniger abwägenden und mehr handelnden (nicht immer nachvollziehbar für Außenstehende) Charakter sorgte in Alexandria für schweren Unmut. Der Schuss, den er dann im Finale auf Deannas Geheiß hin abfeuert, stellt allerdings deutlich klar, dass Ricks Position auch bei den Leuten Alexandrias von nun an eine Proaktivere sein wird. Dass man im Verlaufe von Staffel 5 die Untoten etwas aus dem Fokus nahm, bügelt The Walking Dead – Season 6 gleich mit der ersten Episode weg. Mehr Zombies, mehr Splatter und mehr Blut gab’s bisher noch in keiner Einzelfolge zu sehen. Auf zwei Zeitebenen spielend darf der Zuschauer sich die Ereignisse der letzten Wochen zusammenpuzzeln und erfährt so nach und nach, woher die Abertausenden von Untoten kommen. Optisch wird das Geschehen entsprechend verstärkt, indem man die Rückblicke in schwarz/weiß schildert und die Gegenwart in Farbe. Anfänglich wollte man das aktuelle Geschehen noch übersättigt und die Vergangenheit nur leicht entsättigt darstellen, entschied sich dann aber dagegen, um den bekannten Look nicht zu stören. Dass man in der Serie nie wirklich sicher ist, ob jemand Geliebtes stirbt oder ein Totgeglaubter wieder auftaucht, weiß man schon seit der ersten Season. Dennoch waren sicher die meisten überrascht, als im Finale der letzten Season plötzlich wieder Morgan Jones sein Gesicht in die Kamera hält. Der gleiche Morgan, den Rick nach dem Erwachen aus dem Koma in seiner Heimatstadt getroffen hatte und der zwischenzeitlich sichtbar dem Wahnsinn anheim gefallen war.

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Carl ist nicht mehr der aufmüpfige Revoluzzer, sondern spielt mit Rick im gleichen Team

Seine Anwesenheit gibt The Walking Dead (und vor allem Rick) ein kleines Kontergewicht. Morgan hat, nachdem er von einem bestimmten Menschen therapiert wurde, seien innere Ruhe gefunden und vertritt die Meinung, dass jedes Menschenleben wertvoll ist und beschützt werden solle – egal, wie sich dieser gerade benimmt. Während Rick über die vergangenen Jahre immer roher wurde und lieber jeden Querulant sofort tötet, bekommt er in Season 6 mit Morgan ein menschliches Gewisses an die Seite gestellt. Der bekommt es allerdings zunächst mit Carol zu tun. Die ehemalige Hausfrau, die unter der Unterdrückung ihres gewalttätigen Ehemanns litt, hatte sich schon in der letzten Staffel zur resoluten Kämpferin mit eiskalter Einstellung gewandelt. Wenn sie dies in Episode 2 erneut unter Beweis stellt, fragt man sich manchmal, wie krass sie mittlerweile drauf ist. Eben jene Folge ist übrigens die zweite, die von Davids Tochter Jennifer Lynch inszeniert wurde. Leider zeigt sie hier und da Timing-Defizite. So recht stimmig wirkt das chaotische Geschehen während des Überfalls der „W“-Truppe nicht. Oftmals sind Schnitte nicht ganz glücklich und die anfängliche Konzentration auf Enids Vergangenheit (bzw. die Nachzeichnung ihres Wegs nach Alexandria) wird später nur noch locker aufgenommen. Da fragt man sich durchaus, warum man es dann so intensiv (und mit drastischen Bildern) beginnt. Allerdings bügelt schon die atemlose Episode drei diese kleinen Unebenheiten weg und lässt den Zuschauer mit einem „Nicht-im-Ernst-oder?“-Gefühl zurück. Was sonst für ein Halbstaffelfinale gereicht hätte, schütteln die Macher mal eben so nach nicht mal einem Viertel der Folgen aus dem Ärmel. The Walking Dead wäre übrigens nicht The Walking Dead, wenn man im Anschluss daran nicht zwei Gänge zurückschalten und eine äußerst beschauliche Episode präsentieren würde. Eine Episode, die natürlich NICHT Aufschluss darüber gibt, was denn nun in „Danke“ zuvor passiert ist.

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Auch wenn’s anders aussieht: Carol hat das Töten langsam satt

Allerdings ist „Hier ist nicht hier“ eine der besten Folgen mit langsamerem Tempo überhaupt. Wir erfahren, was mit Morgan passiert ist, bevor er zu Ricks Gruppe gestoßen ist. Nicht nur gibt es hier wirklich interessante und schlüssig erzählte philosophische Aspekte zu hören, liefert sie auch noch die mit Abstand humorvollsten Momente seit langem. Wenn Eastman (großartige Kurzrolle: John Carroll Lynch) mit Engelsgeduld an das Gute in Morgan glaubt und dabei den einen oder anderen sarkastischen Einzeiler ablässt, passt das erstaunlicherweise dennoch zum Ton der Serie, obwohl man während dieser 62-minütigen Episode keinen einzigen der anderen aus Alexandria zu Gesicht bekommt. Die Episoden 5-7 dürfen als Konsolidierungsfolgen gesehen werden. Wir erfahren, was mit Daryl, Abraham und Sasha passiert ist und wie die Dynamiken innerhalb des Zauns von Alexandria nach dem Überfall durch die „W-Gang“ für neue Konflikte sorgen. Das ist bisweilen schon mal etwas zäh, führt aber die Handlung konsequent fort. Denn, was das Staffel-Halbfinale in Folge zu bieten hat, ist bereits herausragend und wird nur noch von Episode neun getoppt, die mit einem Massaker sondergleichen aufwartet, das Greg Nicotero sicherliche eine Freude zu inszenieren war. Ebenfalls kündigt sich in Episode neun mit den „Saviors“ ein ganz neuer Gegner an, dessen Schergen zunächst noch abgewehrt werden können, der am Ende der letzten Episode allerdings für den übelsten Cliffhanger seit Beginn der Serie sorgt. Wenn man nur irgendwie vermeiden konnte, dass man davon bereits Spoiler gesehen, gehört oder erzählt bekommen hat, weil einige der Freunde und Kollegen Sky nutzen, dann sollte man tunlichst nicht selbst recherchieren, welches Opfer Lucille zu Beginn von Season 7 ausgewählt haben wird …

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Werden von Staffel zu Staffel degenerierter und verfallener: Die Zombies von The Walking Dead

Bild- und Tonqualität

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Michonne wird mehr und mehr zur Hauptfigur und sorgt im Finale von Season 6 sogar für eine faustdicke Überraschung

Was wäre The Walking Dead ohne ein zünftiges Korn? Das gilt auch für die sechste Staffel der Serie. In der ersten Folge nimmt sich das noch deutlicher aus, da die schwarz-weiß-Aufnahmen der Rückblicke dies noch verstärken. Helle Szenen reißen immer noch etwas aus, der Kontrastumfang bleibt mittelmäßig. Doch warum sollte sich der Grundlook der Show auch ändern und plötzlich mit ruhigem, rauschfreiem und kontrastintensivem Eindruck bestechen? Mittlerweile weiß man, was man bekommt und das liefert auch Season 6. Die Schärfe gelingt in Nahaufnahmen sehr anständig, lässt bei Halbtotalen allerdings nach. Dennoch gibt’s immer mal wieder sehr hübsch aufgelöste Detailansichten des einen oder anderen Zombies, bzw. dessen Verfalls.
In Sachen Raumakustik bleibt die Kodierung entsprechend der letzten Season bestehen: Beide Sprachfassungen liegen in dts-HD-Master vor, der englischen spendierte man zusätzlich zwei rückwärtige Höheneffektkanäle. Die werden allerdings nur relativ selten genutzt, weshalb die hiesige Fassung in diesem Punkt nicht wirklich schwächer dasteht. Ähnlich den bisherigen Seasons wird aber auch hier der Subwoofer nur selten gefordert. Ab und an sorgt die spannende Filmmusik für etwas Druck. Akustisches Highlight ist natürlich Episode 12, „Die Nacht vor dem Morgen“. Die mit Abstand actionreichste Folge mit den lang anhaltenden Shoot-outs in Negans Hauptquartier sorgt zunächst für eine äußerst intensive Stimmung, wenn die Gruppe mucksmäuschenstill hineinschleicht und so viele Anhänger Negans wie möglich mit dem Messer erledigt. Doch ab Minute 35’25 sprechen die Waffen quasi dauerhaft bis zum Ende der Episode. Das wurde entsprechend räumlich aufbereitet und passt sich atmosphärisch dem Hallencharakter an, da die Schüsse ziemlich blechern klingen. Doch was ist hier bei der deutschen Fassung geschehen? Die meisten der abgefeuerten Projektile scheinen fast tonlos zu vergehen. Der Sound ist derart stark in den Hintergrund gemischt, dass man schon beinahe hinschauen muss, um überhaupt zu sehen, dass geschossen wird. Exemplarisch hierzu das Feuern aus der Waffe bei 36’46. Während die englische Version hier mächtig Gas gibt, hört es sich im Deutschen an, als habe man sich soeben Ohropax in die Gehörgänge gestopft. Auch in der Szene, in der Daryl den Dieb seines Bikes ordentlich verdrischt, muss man ganz genau hinhören, um die Faustschläge überhaupt zu vernehmen, während die Originalfassung hier deutliche akustische Rückmeldung gibt (41’22). Da hilft es auch nur wenig, dass Dialoge jederzeit gut verständlich bleiben. Bei den Actionszenen hat man die deutsche Tonspur komplett vergurkt.

Bonusmaterial

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„Ene Mene Muh …“ – Negan und Lucille werden ein Opfer fordern

Beim Bonsumaterial hat sich The Walking Dead Umfang und Qualität vom letzten Jahr abgeschaut. Gleich sieben Audiokommentare (Episoden 1, 4, 8, 9, 12, 13 und 16) warten im Laufe der fünf ersten Disks auf den Zuschauer, bzw. -hörer. Hier kommt immer wechselndes Personal zum Einsatz, oft ist es gleiche eine ganze Horde, die ihren Senf zu einer Folge dazugibt. Auf Disk fünf wartet das einzige Extra-Feature, das nicht extra auf der reinen Bonusdisk 6 abgelegt wurde. Mit der erweiterten finalen Episode „Last Day on Earth“, die eine Minute länger läuft (65’44 zu 64’36), dies allerdings nur im Originalton. Die Erweiterung betrifft zwei Szenen. Zum einen sehen wir knapp eine Minute lang, wie Morgan zur Hälfte der Episode mit dem Pferd durch die Geisterstadt reitet. Im Hintergrund läuten Glocken. Hieraus resultiert der Laufzeitunterschied von 1’08. Die zweite Änderung betrifft fast die komplette Rede Negans im Finale. Diese wurde praktisch zweimal gedreht, weil im US-Basic-Cable-TV das böse F-Wort nicht (inflationär) genutzt werden darf. Negan nutzt das „Fuck“ in allen Variationen ganze 23 Mal in der alternativen Version. Hieraus ergibt sich keine längere Laufzeit und es erklärt sich auch, warum die alternative Version nur in Englisch vorliegt. Die Hauptfeaturettes hingegen wurden allesamt auf der letzten Silberscheibe untergebracht. Angefangen bei vier entfernten Szenen geht es hinüber zu insgesamt acht Hintergrundberichten. „Inside The Walking Dead“ ist dabei erneut das Hauptfeature, das sich mit der kompletten Entwicklung der sechsten Staffel beschäftigt. Die Beziehung zwischen Morgan und Rick wird beleuchtet und auch Ricks Abgrenzung zwischen seinen Leuten und jenen aus Alexandria. Wie schon im Bonusmaterial der letzten Staffel hangelt man sich an den einzelnen Folgen entlang und die Macher erklären, was für sie das entscheidende der jeweiligen Episode ist und war. Entspannte Darsteller geben dazu Kommentare ab und mehr und mehr merkt man, dass Greg Nicotero die Show dominiert. Das darauf folgende „Making-of“ läuft nochmals knapp eine Stunde, kümmert sich aber mehr um einzelne Szenen und Drehorte, denn um die Entwicklung der Figuren zu- und zwischeneinander. „In Erinnerung“ läuft knapp zehn Minuten und stellt noch einmal kurz die Figuren vor, die während der sechsten Staffel den Tod finden. „Raus aus dem Steinbruch“ kümmert sich in gut acht Minuten um die Eröffnungsfolge, die Nicotero gerne wie einen 120-Mio-$-Film aussehen lassen wollte, ohne 120 Mio. $ dafür auszugeben. „Gedärme und Ruhm“ nimmt sich fünf Minuten Zeit für die Szenen, die zum Tod von Nicolas führen und Glen erst die Möglichkeit geben, die ausweglose Situation zu überleben. „Die Stärke der Bindung“ stellt noch mal die Wichtigkeit des Zusammenhalts der Gruppe dar und „Negan“ muss man nicht näher erklären, geht es doch um den krassesten Soziopathen, den die Show bisher vorgestellt hat. Wer dachte, der Governor wäre übel, der wird sich in Season 6 und der kommenden Staffel noch wundern. „Das Gesicht des Todes: Kult Walker“ ist das kürzeste der Featurettes und kümmert sich um die stattlich erhöhte Anzahl an Zombies. Einige besonders „hübsche“ Exemplare und ihre Realition werden vorgestellt. Für Untoten-Fans hätte man hier durchaus noch ausführlicher werden können. Schade, dass sich hier der Eindruck (trotzdem es die Macher anders beteuern) bestätigt, dass es in The Walking Dead lange schon nicht mehr hauptsächlich um Zombies geht.

Fazit

Walking Dead – Season 6 begeht zu keiner Zeit den Fehler, jene Unkenrufer zu bestätigen, die aufgrund des Schauplatzes Alexandria vermuteten, das sechste Jahr der Serie würde zu einer Art Denver-Clan mit Untoten verkommen. Tatsächlich gehört die sechste Staffel zu den bisher stärksten der Serie und liefert, von zwei, drei etwas temporeduzierten Episoden abgesehen, atemlose Spannung, herausragende Charakterdynamiken und wahrhaftige Massenschlachten. Letzteres sowohl gegenüber Zombies als auch gegenüber Menschen, was zu den schockierendsten Momenten von Season 6 gehört. Und weil der Cliffhanger sowie die Hinführung zu den vollkommen neuen Machtverhältnissen in Staffel 7 mit Abstand die heftigsten Gefühle verursachen, die die an Emotionen nicht gerade arme Serie bisher präsentiert hat, scheint sich Kirkmans Serie fürs nächste Jahr sogar noch einmal steigern zu können.
Technisch bekommt man in Sachen Bild die gewohnt kontrastarme und körnige Optik, während der deutsche Ton leider total verkorkst wurde – schade.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 55%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 90%
Serie: 95%

Anbieter: Entertainment One/WVG Medien
Land/Jahr: USA 2015
Regie: Greg Nicotero, Jennifer Lynch u.a.
Darsteller: Andrew Lincoln, David Morissey, Lauren Cohen, Norman Reedus, Steven Yeun, Emmilie Kinney, Melissa McBride, Danai Gurira, Michael Cudlitz, Tovah Feldshuh, Jeffrey Dean Morgan
Tonformate: dts HD-Master 7.1: en // dts HD-Master 5.1: de
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 698
Codec: AVC
FSK: 18 (ungeschnitten)

Trailer zu The Walking Dead Season 6

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