The Witch – A New England Folk Tale

Blu-ray Review

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Universal Pictures, seit 19.09.2016

OT: The Witch

 


Schwarzer Phillip

Höchst atmosphärischer und wunderbar altmodischer Gruselschocker.

Inhalt

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Das Leben in der Einsamkeit ist nicht leicht

New England im Jahre 1630: Das Ehepaar William und Catherine wird von der Gemeinde verstoßen, weil man sich nicht nach den kirchlichen Gepflogenheiten verhalten hatte. Draußen in der Wildnis ist das Leben mit vier halbwüchsigen Kindern und einem Baby nicht gerade einfach. Dennoch baut sich die Familie eine Existenz auf und lebt von dem, was man anbauen kann in zusammengezimmerten Holzhütten. Doch dann verschwindet Samuel, der neugeborene Sohn und die Ernte bleibt aus. Da Thomasin, die älteste Tochter Williams die Aufsicht über Samuel hatte, trägt sie vor allem in den Augen der Mutter fortan die Schuld für sämtliche Ereignisse. Das Mädchen jedoch weiß, dass ihr kleiner Bruder entführt wurde und vermutet eine grausige Hexe, die im Wald ihr Unheil treibt.

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Thomasin beginnt an die Hexe zu glauben

Nur selten setzen sich Grusel- oder Horrorfilme in der heutigen Zeit von ihren Genrekollegen ab. Umso erstaunlicher, wenn das, wie im Falle von The Witch einem Langfilm-Regienovizen gelingt. Robert Eggers inszeniert hier einen altmodischen Horrorfilm mit okkultem Tenor vor dem Hintergrund einer streng gläubigen Gesellschaft und Zeit. Die Kinder Williams werden mit einem schlechten Gewissen dem Schöpfer gegenüber als „Sünder“ großgezogen und die puritanische Verhaltensweise steht noch dazu im harten Kontrast zur heutigen Zeit. Dazu gesellt sich das äußerst reduzierte Setting der Wildnis und im Inneren der Hütten. Die zeitgenössischen Kleider und die hervorgehoben authentische Sprache (Kompliment an die deutsche Synchro) komplettieren den realistischen Eindruck. Als Freund von rasanten Schockern muss man sich zwar zunächst zurücknehmen und der Geschichte die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln, doch gerade in einer Zeit des x-ten Paranormal-irgendwas-Aufgusses ist The Witch eine wohltuende Abwechslung aus dem Einerlei. Ausnahmslos mit hervorragenden Jungdarstellern besetzt, ragen Anya Taylor-Joy (demnächst öfter zu sehen) in der Rolle der Thomasin und Harvey Scrimshaw als Caleb noch heraus. Zwischen den beiden entwickelt sich ganz nebenbei auch noch das Thema Erwachsenwerden sowie eine sexuelle Komponente, die der Frömmigkeit der Eltern entgegenwirkt. Während es vordergründig um die Konfrontation mit der Hexe zu gehen scheint, die man als Zuschauer als böse und runzlige Frau zwar zu Gesicht bekommt (und ihre durchaus blutigen Taten), lässt der Film inhaltlich auch eine andere Interpretation zu. Es könnte sich auch nur um aufkeimenden Wahnsinn handeln, der durch die repressive Erziehung, den irren Glauben oder die Einsamkeit hervorgerufen wird und der in einem wahrhaft biblischen Finale gipfelt.

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Vater Williams fromme Prozedur täuscht nicht darüber hinweg, dass der Allmächtige schon länger nicht mehr über die Familie zu wachen scheint

Neues Textfeld

Bild- und Tonqualität

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Caleb will Samuel im Wald finden

Passend zur Zeit, in der The Witch spielt, masterte man das Bild im engen Format von 1,66:1 und vermied weitgehend künstliche Lichtquellen. Dies schafft eine authentische Atmosphäre, wenngleich Technikfreunde sich vermutlich kopfschüttelnd abwenden und lieber ein Cinemascope-Format hätten. Die wird es auch nicht freuen, dass man die Farben fast komplett rausgenommen hat und Gesichter aschfahl wirken. Bäume haben kaum Grün und farbiger Stoff wirkt höchst ausgewaschen. Die Schärfe bleibt vor allem in Halbtotalen mittelprächtig. Lediglich Close-ups sind sehr gut aufgelöst. In kurzen Bewegungen gibt’s schon mal ein Nachwischen. Sehr gut hingegen gelingt die Bildruhe während der dunklen, bzw. natürlich ausgeleuchteten Szenen. Grobes Korn oder Rauschen tritt nicht auf.
Ebenso außergewöhnlich wie der Film und das Bild, ist auch der Ton. The Witch kommt während der Dialogszenen fast gänzlich ohne Filmmusik aus und ist um die Stimmen herum völlig still. Ein fließender Bach rauscht nur dezent im Hintergrund und Naturgeräusche halten sich ebenfalls zurück. Dies allerdings nicht, weil die Blu-ray es nicht besser kann, sondern weil es bewusst so gewählt und realistisch gehalten wurde. Setzt später ein Chor von Stimmen ein, wenn Caleb erstmals der Hexe begegnet, kommen die Organe aus allen Lautsprechern uns lassen frösteln (42’00). Ähnliche Effektsituationen sind zwar meist die Ausnahme, doch wenn sie, wie zum Ende hin auch mal für Schockeffekte sorgen, sitzen diese umso tiefer.

Bonusmaterial

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Vater William stellt Thomasin auf die Glaubensprobe

Beim Bonusmaterial von The Witch geht der Betrachter leider leer aus – nicht mal Trailer sind mit an Bord.

Fazit

Anders, sperrig, gut – The Witch ist nichts für Freunde leichter Gruselkost und belohnt vor allem jene Zuschauer, die mit der Bildersprache Bergmans etwas anfangen können und sich gleichzeitig noch einen Hauch David Lynch dazudenken. Atmosphärisch gefilmt und gut gespielt ist der Film ohnehin und eine kritische Auseinandersetzung mit eifrigem Glauben bekommt man noch obendrein.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 0%
Film: 70%

Anbieter: Universal Pictures
Land/Jahr: CA/USA 2015
Regie: Robert Eggers
Darsteller: Anya Taylor-Joy, Ralph Ineson, Kate Dickie, Harvey Scrimshaw, Ellie Grainger, Lucas Dawson, Bathsheba Garnett
Tonformate: dts HD-Master 5.1: en // dts 5.1: de
Bildformat: 1,66:1
Laufzeit: 93
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu The Witch

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