Tödliches Verlangen

Blu-ray Review

Tödliches Verlangen Blu-ray Review Cover
NEW KSM, 24.01.2017

OT: Inconceivable

 


Die perfekte Leihmutter?

Nicolas Cage zwischen zwei Frauen – kann das gut gehen?

Inhalt

Tödliches Verlangen Blu-ray Review Szene 2
Katie hat sich bei den neuen Freunden eingenistet

Das Ärzte-Ehepaar Angela und Brian haben es endlich geschafft. Nach langem Probieren haben sie endlich ein Kind bekommen, das sie nun seit ein paar Jahren erfolgreich und glücklich großziehen. Durch die Gründerin eines Spielkreises für Kinder lernt Angela die jüngere Single-Mutter Katie kennen. Die ist aktuell neu in der Stadt, scheint aber in der Vergangenheit ein mieses Erlebnis gehabt zu haben. Das allerdings bleibt Angela erst einmal verborgen und da sich die Kinder anfreunden, geschieht das gleiche mit den beiden Müttern. Das geht so weit, dass sie Katie dazu einlädt, bei ihnen im Gästehaus zu leben. Die Situation wird allerdings zunehmend kritischer, als Angie preisgibt, erneut schwanger zu sein und gleich darauf eine Fehlgeburt erleidet. Brians Annäherungsversuche bleiben dann zunächst unerwidert. Als Katie davon hört, dass Brian und Angela noch mal eine Schwangerschaft planen, dafür aber eine Leihmutter vorsehen, geht sie über Leichen, um diesen Job zu bekommen …

Tödliches Verlangen Blu-ray Review Szene 4
Angie ist kurz davor, den schwersten Fehler ihres Lebens zu begehen

Die Hand an der Wiege lässt grüßen, wenn sich eine junge attraktive Frau in das Leben eines glücklichen Ehepaars drängt und zunehmend die Kontrolle über die Geschehnisse zu nehmen beginnt. Jonathan Bakers Regiedebüt Tödliches Verlangen erzählt damit zwar keine neue Geschichte und lässt Innovationen auch durchweg vermissen, doch er hat es durchaus raus, Stimmung und Spannung aufzubauen. Der Zuschauer weiß von Anfang an um die Vergangenheit Katies und ahnt natürlich, dass hier etwas Böses im Gange ist. Ein kleine(re) Überraschung gibt’s indes nach vierzig Minuten noch einmal, was dem Geschehen noch etwas mehr Würze verleiht. Würze, die auch über die beiden Hauptdarstellerinnen erreicht wird. Gina Gershon und Nicky Whelan schenken sich nichts in ihrem Zweikampf und wirken durchaus typgerecht besetzt. Nicolas Cage als Ehemann Brian schnarchnast und waschlappt sich allerdings ein wenig durch den Film. Das mag aber auch daran liegen, dass seine Rolle sehr begrenzt angelegt ist. Hollywood-Legende Faye Dunaway darf der Leihmutter gegenüber die nötige Skepsis vermitteln, was zumindest deshalb bemerkenswert ist, weil man sie einige Jahre nicht gesehen hat. Ihr mittlerweile aber fast zur Bewegungsstarre mutiertes Gesicht lässt praktisch keine Mimik mehr zu – nicht gerade vorteilhaft für eine Schauspielerin. Während sich Tödliches Verlangen inhaltlich Zeit nimmt, um die Figuren und Eskalationen nach und nach auf den Weg zu bringen, gibt’s auch weniger gelungene Momente. So ist Angies Verhalten bisweilen arg nervig, wenn sie ihrem Brian unter Tränen gesteht, dass sie ihm soooo gerne einen Sohn geboren hätte. Puh, in Zeiten von Frauen-Gleichberechtigung muss man solch “starken” Drehbuch-Tobak erst einmal verkraften. Das gilt auch für ein paar spontane Drehbucheinfälle, die aus dem Nichts zu kommen scheinen. So merkt Katie, dass eins ihrer Geburtsberatungs-Bücher 2mm weiter links liegt als zuvor und weiß dadurch, dass Angela ihr nachspioniert hat. Allerdings gab’s zuvor keinen Hinweis auf ein entsprechendes Monk-Verhalten Katies. Ohnehin zieht sich Tödliches Verlangen im zweiten Drittel doch arg und dürfte durchaus mehr Tempo entwickeln. Gegenseitiges Misstrauen entwickelt sich dann doch ganz schön langsam und einige Szenen wirken überflüssig, hätten sicher im Schneideraum bleiben dürfen. Wenn es dann nach 88 Minuten urplötzlich eskaliert, fehlt ein bisschen vorheriges Futter, um die schlagartige Steigerung der Dramatik nachvollziehen zu können.

Bild- und Tonqualität

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Das Paar hat schwere Schicksalsschläge zu verkraften

Beim Bild von Tödliches Verlangen fällt zunächst der deutliche Blaustich auf, der vor allem während der dunkleren Szenen massiv einfärbt. In der nächtlichen Schwimmbad-Szene hat das schon arg farbverfälschende Eigenschaften (ab 27’20). Nic Cages Teint kann man in dieser Szene vor grünblauen Farben jedenfalls kaum noch als humanoid bezeichnen. Ein leichtes Korn gesellt sich hinzu, was allerdings nicht so störend wirkt wie die Farbfilterung. Es lässt den Film ein bisschen analog erscheinen, was dem Thriller-Thema durchaus zuträglich ist. Die Schärfe in kurzen Bewegungen ist allerdings nicht ganz so berauschend und leidet schon mal unter Nachwischern. In ruhigeren Einstellungen passt es allerdings ganz gut. Und was die Farbfilter angeht: Zumindest Nicky Whelans blaue Kontaktlinsen kommen auf diese Weise extrem deutlich heraus.
Akustisch lässt Tödliches Verlangen die Stimmung am Spielplatz atmosphärisch im Heimkino aufleben. Die Geräusche der Kids kommen raumfüllend aus den Speakern. Auch die zirpenden Grillen nach 14 Minuten scheinen irgendwo im Heimkino zu sitzen. Dialoge bleiben allzeit gut verständlich und die Filmmusik ertönt recht angenehm aus den Lautsprechern. Große Effekte gibt es nicht und wirklich Druck über den Subwoofer lässt sich hier auch nicht vernehmen. Ist am Ende aber auch thematisch nicht nötig und deshalb logischerweise nicht anwesend.

Bonusmaterial

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Kommt Katie mit ihrem Plan durch?

Im Bonusmaterial von Tödliches Verlangen gibt’s eine entfernte Szene sowie ein knapp zwölfminütiges Making-of, das im Prinzip aber nur die Filmgeschichte anhand von Kommentaren der Beteiligten zusammenfasst.

Fazit

Tödliches Verlangen liefert solide Thrillerkost mit zwei schön gegensätzlichen Hauptdarstellerinnen. Nicolas Cage wirkt zwar arg müde, aber aufgrund einer guten ersten halben Stunde und einem einigermaßen überraschenden Finale kann man sich das durchaus mal anschauen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 40%
Film: 60%

Anbieter: KSM Film
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Jonathan Baker
Darsteller: Gina Gershon, Nicky Whelan, Nicolas Cage, Faye Dunaway, Natalie Eva Marie, Ele Bardha
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 107
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Tödliches Verlangen


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