Töte Amigo

Blu-ray Review

OT: Quién sabe?

Töte Amigo Blu-ray Review Cover
Koch Media, 11.09.2014

 


Revolutionsverräter

Ein von vielen Stellen kultisch verehrter Italowestern erblickt das Licht der HD-Welt.

Inhalt

Die Revolution ist im Gange …

Es herrscht Unruhe im Mexiko des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die revolutionäre Bewegung kämpft gegen die verhassten Regierungstruppen und El Chunchos Bande spielt ihre Rolle als Waffendieb, um das Lager der Revolutionäre mit Nachschub zu versorgen. Als der merkwürdig stille Amerikaner El Niño auftaucht und sich der Gang anschließt, stellt er schnell fest, dass es El Chuncho weniger um die Revolution, denn um die finanzielle Bereicherung geht. Doch auch El Niño spielt mit doppelten Karten, nutzt er die mexikanischen Räuber doch nur, um seinen Regierungsauftrag, die Ermordung des Revolutionsführers General Elias, zu erfüllen. Das wiederum sollte El Chuncho besser nicht erfahren …

… und fordert ihre Opfer

Töte Amigo mag einer der ersten Revolutionswestern und damit gesellschaftspolitisch durchaus von Bedeutung sein – ein guter Film ist er nur bedingt. Die ständigen Knallbüchsereien (Schießereien kann man das wilde Rumgefuchtel wahrlich nicht nennen) wirken uninspiriert, hektisch und chaotisch. Wenn die mexikanische Revolution so abgelaufen wäre, hätte es wohl nie einen Umbruch gegeben. Dazu liefern bis auf wenige Ausnahmen alle Darsteller unterirdische Leistungen ab: Lou Castel (im echten Leben in der Tat ebenfalls ein Unterstützer verschiedener Befreiungsbewegungen in Lateinamerika) chargiert sich scheinbar gelangweilt und ohne Mine durch den Film. Man sagt ihm nach, dass das seine Art zu schauspielern war/ist – letztlich kann man es aber auch untalentiert nennen. Auch die weiblichen Darsteller kommen nicht über knietiefes Klischeeniveau heraus. Klaus Kinski in einer Nebenrolle als irrer Revolutionsunterstützer El Santo tut das, was er am besten kann: vollkommen durchgeknallt agieren. Das ist zwar auch nicht wirklich innovativ, aber immerhin leidenschaftlich. Ebenso wie der herausragende Akteur in Töte Amigo: Gian Maria Volontè. Als Anführer der waffenraubenden Bande zeigt er Emotionen und beherrscht mehr als zwei Gesichtsausdrücke. Natürlich muss man Regisseur Damiano Damiani hoch anrechnen, dass er (obwohl er immer sagte, “nur” einen Unterhaltungsfilm machen zu wollen) Töte Amigo politisch auflud und mit der Darstellung der mexikanischen Revolution ähnliche Vorgänge der 1960er moralisch unterstützte. Und so hat sein Film die besten Momente in der Tat, wenn er leisere Töne anschlägt, die Waffen in den Holstern lässt und die Stimmung innerhalb der Gesellschaft einfängt.

Bild- und Tonqualität

Töte Amigo Blu-ray Review Szene 4
Klaus gibt den Kinski

In Sachen Bildqualität schlägt die Stunde der Blu-ray: Die erstmalige Veröffentlichung von Töte Amigo auf einem hochauflösendem Medium überrascht mit einem immens kontraststarken und kräftigen Bild. Natürlich fehlt’s im Gegensatz zu heutigen Produktionen an Detailvielfalt und auch an Schärfe (vor allem während der dunkleren Szenen), doch für einen fast 50 Jahre alten Film wurde erstaunlich gute Arbeit geleistet. Die Entfernung von Staub und Schmutzpartikeln gelang hervorragend – und das ohne zu hart an den Rauschfiltern zu drehen. Im Gegenteil: Das vorhandene Korn, die sichtbare Unruhe wirkt filmisch und passt hervorragend zum Western – besser sah der Klassiker des Revolutionswestern noch nicht aus.
Akustisch reißen die gedoppelten Monospuren in 2.0 dts-HD-Master natürlich keine Bäume aus. Töte Amigo klingt auf allen vier Spuren (deutsch, italienisch sowie englisch in der alten und neuen Synchronfassung) dünn und brüchig. Die Schüsse sind eher ein dünnes Pfeifen als ein druckvolles Knallen – eben typisch die Geräuschvertonung, die damals angesagt war. Besonders deutlich fällt das teils extrem unnatürliche Pferdegetrappel auf. Die Tatsache, dass Töte Amigo erstmals in der vollständig synchronisierten Fassung vorliegt, lässt sich hin und wieder an nicht ganz homogenen Übergängen heraushören.

Bonusmaterial

Töte Amigo Blu-ray Review Szene 5
Neue Mitglieder für seine Bande zu finden ist gar nicht so leicht – El Chuncho verzweifelt an den debilen Dorfbewohnern

Im Bonusmaterial von Töte Amigo finden sich zwei Features: Regisseur Damiano Damiani erklärt in “What is a Western”, was er unter dem Genre versteht, bzw. was er empfindet, wenn er das Wort Western hört. Lou Castel gibt in “Western is Boring” zum Besten, dass er 100 Prozent für die Rolle des El Niño gab – vor allem, weil ihm die Ideologie und der politische Hintergrund der Geschichte gefiel. Leider ist dessen Interview nicht untertitelt.

Fazit

Töte Amigo sah nie besser aus als auf der Blu-ray-Premiere von Koch Media. Freunde des Films (und des Subgenres des Revolutionswesterns) kommen so in den Genuss der bestmöglichen Fassung von Damianis Film.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 35%
Tonqualität (Originalversion): 40%
Bonusmaterial: 40%
Film: 55%

Anbieter: Koch Media
Land/Jahr: Italien 1966
Regie: Damiano Damiani
Darsteller: Lou Castel, Gian Maria Volonté, Klaus Kinski, Martine Beswick, Andrea Checchi
Tonformate: dts HD-Master 2.0: de, it, en, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 118
Codec: AVC
FSK: 18 (ungeschnitten)

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