Toro – Pfad der Vergeltung

Blu-ray Review

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Koch Media, ab 27.10.2016

OT: Toro

 


Für die Familie

Zwei Brüder im Kampf gegen einen skrupellosen Gangsterboss.

Inhalt

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Die Tätowierung zeigt die Familienzugehörigkeit

„Ich bin raus!“ – Toro teilt seinem Chef, dem südspanischen Gangsterchef Romano, gerade mit, dass der nächste sein letzter Job sein wird. Dumm, dass der gründlich schief geht und seinen Bruder Antonio das Leben kostet. Toro selbst landet im Knast, kommt aber früher als erhofft wegen guter Führung wieder frei. Nun möchte er nichts anderes als mit seiner Freundin ein normales Leben führen und eine Familie gründen. Doch sein altes Leben macht ihm einen Strich durch die Rechnung: Weil Toros älterer Bruder López den Boss beklaut und dieser dem untreuen Diener schon eine kleine (Axt)warnung übermittelt und dessen Tochter entführt hat, willigt Toro ein, López zu helfen. Nachdem klar ist, dass Bruder Antonio seinerzeit gar nicht von der Polizei erschossen wurde, sondern von Romano, vergisst der Freigänger endgültig seine guten Vorsätze und plant, mit López zusammen die Vernichtung Romanos …

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Nach dem Knast winkt die Freiheit mit der Freundin

Wenn man als Filmzuschauer eins weiß, dann ist es, dass der Satz „Das ist mein letzter Job“ niemals dazu führen wird, dass es wirklich der finale Auftrag sein wird. Entweder geht der so dermaßen schief, dass der Protagonist anschließend im Knast landet oder von den Bossen erpresst wird, weiter zu machen (oder gar beides). Auch in Kike Maíllos spanischem Gangsterkrimi Toro – Pfad der Vergeltung beginnt alles nach den Klischeeregeln bekannter Genrefilme. Das ändert sich zwar im Verlaufe des Films kaum, wird aber durch nette folkloristische Elemente ergänzt. So hat die Art und Weise, wie man den Volvo von Toro ausfindig macht, ein bisschen was von der Telefonlawine der Drei Fragezeichen und wirkt im Zeitalter von Überwachungskameras und multimedialer Vernetzung fast schon wie ein Relikt aus der Verbrechersteinzeit. Modern ist allerdings die Inszenierung der Verfolgungsjagd nach gut 35 Minuten, die den französischen Genrebeiträgen nicht nachsteht und durchaus rasant inszeniert ist. Auch die Besetzung funktioniert. Spaniens Superstar Mario Casas (Eden – Überleben um jeden Preis) ist vor allem während der physischen Szenen extrem souverän und cool – selbst wenn seine stylishen Kotelleten arg gefärbt aussehen. Treffend besetzt ist auch Luis Tosar (Sleep Tight) in der Rolle des López. Mit schmieriger Vokuhila-Frisur und Magnum-Gedächtnis-Schenkelbesen gibt er den Halodri, der weder in der Lage ist, sich aus Ärger herauszuhalten, noch seine heranwachsende Tochter zu erziehen. Toro – Pfad der Vergeltung lässt sich, gerechnet auf seine Laufzeit von 107 Minuten, mitunter aber auch viel Zeit, um seine Geschichte zu erzählen. Die vielen ruhigen Szenen zwischen den beiden Brüdern sind nicht immer kurzweilig und ziehen sich schon mal. Pausenlose Action ließ schon das Budget nicht zu und so muss man sich ein wenig mit den atmosphärischen Bildern bescheiden, welche die spanische Herkunft gar nicht verleugnen wollen. Nach knapp 75 Minuten nimmt der Film dann einen blutigen Wendepunkt und steuert gleichsam auf seinen Höhepunkt hinzu, der dem deutschen Untertitel entsprechend alle Ehre macht. Hier steigert sich dann auch merklich die Spannung, wenn Toro es (ähnlich fernöstlicher Genrefilme) gleich mit einer ganzen Horde Bösewichte aufnehmen und sich innerhalb eines riesigen Gebäudekomplexes emporkämpfen muss. Unterstützt durch tolle Lichteffekte, sakrale Musik und die architektonische Eigenheit des Baus kommt hier richtig Stimmung auf.

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Toro und Bruder López auf dem Kriegspfad

Bild- und Tonqualität

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Toro kommt nicht zur Ruhe

Das nicht immer ganz kontraststarke Bild von Toro – Pfad der Vergeltung hat vor allem mit Randunschärfen in Totalen zu kämpfen (41’20) und könnte etwas weniger hell sein. Der genutzte grünliche Filter lässt Gesichter stets kränklich aussehen. Die mittig im Fokus der Kamera stehenden Details und Gesichter werden gut herausgearbeitet und kommen recht plastisch rüber. In kurzen Bewegungen verwischen Umrisse schon mal.
Akustisch lässt Toro es während der Schießereien ordentlich knallen, und präsentiert die Enduro hübsch knatternd über die Rearspeaker (34’45). Während der Volvo in der gleichen Szene authentisch klingt, brummt’s im Inneren des 7ers ein wenig zu dynamisch. Auch kommen die bassgewaltigen Sounds zu undifferenziert rüber. Da wummert und kracht es, ohne dass man so richtig nachvollziehen kann, woher es kommt und was da gerade zu Bruch geht. Etwas besser kann’s der Schrotflintensound nach gut 84 Minuten, der Holz effektvoll splittern lässt.

Bonusmaterial

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Von der Kartenlegerin erwarten sie Neuigkeiten

Im 32-minütigen Making-of, welches das Bonusmaterial von Toro – Pfad der Vergeltung neben dem Originaltrailer aufweist, gehen Filmemacher und Darsteller auf viele Aspekte des Films ein. Von den Schauplätzen über die physisch fordernden Stuntsequenzen bis hin zur Kameraarbeit.

Fazit

Toro – Pfad der Vergeltung beginnt überzeugend, flacht dann etwas ab, steigert sich dann aber zu einem packenden Finale – durchaus empfehlenswert für Genrefreunde.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 40%
Film: 60%

Anbieter: Koch Media
Land/Jahr: Spanien 2016
Regie: Kike Maíllo
Darsteller: Mario Casas, Luis Tosar, José Sacristán, Claudia Canal, José Manuel Poga, Ingrid García Jonsson, Alberto López, Hovik Keuchkerian
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 107
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Toro – Pfad der Vergeltung

https://www.youtube.com/watch?v=pUey_B1oIns

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