Transformers: Ära des Untergangs

Blu-ray Review

Paramount, seit 11.12.2014
Paramount, seit 11.12.2014

OT: Transformers: Age of Extinction

 


Kampf um den Samen

Michael Bay startet seine Transformers-Reihe selbst neu und schlägt mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle ein neues Kapitel auf.

Inhalt

Optimus sah schon mal frischer aus ...
Optimus sah schon mal frischer aus …

Fünf Jahre ist es her, dass der Krieg zwischen Decepticons und Autobots halb Chicago zerstört und über tausend Menschenleben gefordert hat. Seitdem ist die Kooperation der Menschen mit den Autobots aufgekündigt und die letzten ihrer Art verstecken sich vor brutalen Räumkommmandes der CIA. Diese arbeitet neuerdings mit der KSI-Corporation an einem Programm, das sich der außerirdischen Genetik bedient und aus dem hörige Transformer hervorgehen – sozuagen Autobots 2.0. Hoch entwickelt, upgedated und scheinbar unzerstörbar. Als solche dienen sie den Menschen und vernichten aufgespürte Autobots. Ohnehin ist die Welt eine feindliche geworden: Alien-Roboter müssen gemeldet werden und die Geheimdienste sehen die Menschheit erst in Sicherheit, wenn alle außerirdischen Mechanoiden zerstört wurden.
Zur gleichen Zeit versucht der Techniker und alleinerziehende Vater Cade Yeager über die Runden zu kommen. Nicht ganz so leicht mit einer pubertierenden Tochter, die jeden Schritt ihres Vaters anzweifelt. Als sich Cade in einem alten Kino ein bisschen Schrott für seine Erfindungen zusammensammelt, ist auch ein kaputter und verstaubter Truck dabei. Doch der ist mitnichten einfach nur ein LKW, sondern Optimus Prime persönlich. Während die Regierungstruppen schon unterwegs sind, bietet Yeager an, Optimus wieder in Stand zu setzen, damit dieser die Hilfe seiner Autobots organisieren und den Genozid an seiner Rasse verhindern kann. Und als wäre das noch nicht genug, gibt es auch noch einen außerirdischen Söldner namens Lockdown. Der hätte Optimus gerne ausgehändigt, um der „Vermischung der Rassen“ ein Ende zu setzen …

Kaum ist Optimus lokalisiert, ist das CIA hinter Cade her ...
Kaum ist Optimus lokalisiert, ist das CIA hinter Cade her …
... nur gut, dass Tessas Freund Shane ein echter Rennfahrer ist
… nur gut, dass Tessas Freund Shane ein echter Rennfahrer ist

Michael Bay ist der Inbegriff des „höher, schneller, weiter“. Keiner inszeniert Over-the-Top-Action derart aufwendig und außergewöhnlich wie er. Dass er kein Geschichtenerzähler ist, das weiß man und muss man ihm prinzipiell auch nicht zur Last legen. Allerdings dürfte er sich hin und wieder etwas kürzer fassen. Sein auf fast drei Stunden aufgeblähter Transformers: Ära des Untergangs weist dann doch die eine oder andere Länge auf. Bis man weiß, was der üble Bot „Lockdown“ vorhat, vergehen satte 108 Minuten. Bisweilen grandios animierte kleinere Höhepunkte werden auf diese Art immer wieder von ausgedehnten Dialogsequenzen oder überheblichem Wirtschaftsgerede unterbrochen, das auch schon mal nerven kann. Ähnliches gilt auch für die unvermeidliche hübsche Frauenrolle, die dieses Mal von Nicola Peltz (Bates Motel) übernommen wird. Dass die auch nichts anderes tun darf, als schreien und rennen oder wahlweise rennen und schreien, ist kaum verwunderlich – starke Frauenrollen sind nun mal nicht Bays Ding.

Wenn die Menschen in Gefahr sind, kann Optimus nicht anders - so ein Helfersyndrom befällt halt auch Autobots
Wenn die Menschen in Gefahr sind, kann Optimus nicht anders – so ein Helfersyndrom befällt halt auch Autobots

Mark Wahlberg als „Ersatz“ für Shia LaBeouf passt natürlich hervorragend in die Rolle des Helden wider Willen – zumal er ein wenig mit seinem Image kokettieren darf. So ist’s zwar Fehl am Platze und dehnt den ohnehin schon langen Film noch weiter, dennoch macht’s durchaus Spaß, ihm bei seinem zickigen und überprotektiven Verhalten Tochter Tessa geegnüber zuzusehen.
Verzichten kann Bay offensichtlich auch nicht auf einen albernen Sidekick. In Transformers: Ära des Untergangs übernimmt das Comedian T.J. Miller, der als Cades fauler Kumpel Lucas vor allem Schiss in der Buchse haben darf. Witziger als der (dankenswerterweise früh ablebende) Lucas sind da schon die Frotzeleien zwischen den Autobots, von denen Drift die Lacher auf seiner Seite hat, wenn er als weiser Samurai Gewaltlosigkeit predigt und im nächsten Moment zum Schwert greifen muss. Überhaupt sind die neuen Bots gut charakterisiert: Vom dicklichen Hound (im Original von John Goodman gesprochen), der mit Zigarre im Mund und Dosen-Vollbart die Arbeiterklasse vertritt über besagten Samurai Drift (Stimme von Ken Watanabe) hin zu Ratchet (Robert Foxworth) und Crosshairs, der im Original von John DiMaggio gesprochen wird. Dieser ist seines Zeichens unter anderem die Stimme von Futuramas Bender und schon alleine deshalb treffend besetzt. Natürlich darf er seine Zeichentrickrolle des selbstverliebten und kleptomanischen Roboters gleich mehrfach zitieren.

KSI-Chef Joyce bekommt Zweifel an seinem Schaffen
KSI-Chef Joyce bekommt Zweifel an seinem Schaffen

Neben all der Technik in Transformers: Ära des Untergangs, den zweifelsohne sensationellen visuellen Effekten und einem Raumschiff, dessen Inneres alleine ausreichen würde, um darin einen kompletten Film des Franchise stattfinden zu lassen, gibt’s tatsächlich auch noch ein paar Darsteller, die Eindruck hinterlassen. So ist Titus Welliver (LOST, Prison Break), der als CIA-Agent James Savoy knackige Einzeiler wie „Mein Gesicht ist mein Gerichtsbeschluss“ aufsagen darf und dabei passend böse dreinschauen darf. Nicht ganz so groß wie Welliver ist der sonst stets sensationelle Stanley Tucci. Während seine Reminiszens an Steve Jobs noch ganz sympathisch wirkt, ist er in der Rolle des fanatischen Chefs von KSI etwas limitiert und klischeehaft. Etwas klischeehaft ist auch die eingestreute gesellschaftspolitische Botschaft von Fremdenfeindlichkeit – im besten Fall kann man Bay aber eine gute Absicht unterstellen. Abseits all dieser Kritikpunkte, die schon Teil 2 und 3 in ähnlicher Weise betrafen, gibt Transformers: Ära des Untergangs natürlich genug Anlass, um das Heimkino in einen Actionpalast zu verwandeln. Was mit einer (sichtbar von Ken Blocks Gymkhana-Filmchen inspirierten) Rallye-Verfolgungsjagd beginnt, geht über Bot-Kämpfe am Highway über die sensatoniell designten Szenen im Inneren von Lockdowns Raumschiff hin zum Showdown in China. Die zuvor (auch in Trailern) groß angekündigten Dinobots bleiben zwar eher eine Randerscheinung hart an der Grenze zur Albernheit, doch was Bay im 45-minütigen Finale abzieht, ist schon spektakulär.

Bumblebee macht ein bisschen auf Anarcho ...
Bumblebee macht ein bisschen auf Anarcho …

Bildqualität

Ungefähr der einzige Gesichtsausdruck, den Nicola Peltz zum Besten geben darf
Ungefähr der einzige Gesichtsausdruck, den Nicola Peltz zum Besten geben darf

An dieser Stelle steht in der Regel Bild- UND Tonqualität. Warum der Ton dieses Mal ein eigenes Kapitel bekommt, lest ihr im nächsten Abschnitt. Nun aber zur Bildqualität von Transformers: Ära des Untergangs:
Wer Bay-Filme kennt, der weiß, dass der Regisseur warme Filterungen mag und gerne braun-gelbe Bilder liefert. Das ist auch im aktuellen Transformers der Fall. Ebenso übrigens wie sein typisch filmisches Korn, dass vor allem auf uniformen Hintergründen zum Tragen kommt. Gerade der blaue Himmel von Texas ist dafür ein Paradebeispiel. Die Kontrastgebung ist dieses Mal allerdings etwas harmonischer und nicht ganz so steil, wie in Teil 1 und 2. Hervorragend, vor allem in Naheinstellungen ist die Schärfe, die offenbart, dass auch Mark Wahlberg nicht mehr der Jüngste ist. In einigen Einstellung während der Kämpfe in China geht bei Halbtotalen bisweilen die Tiefe etwas verloren und die schnellen Bewegungen bei Close-ups ziehen schon mal etwas nach. Dafür entschädigen aber wiederum die atemberaubenden Szenen der Super-Highspeed-Kameras in Ära des Untergangs, deren Zeitlupeneinstellungen für aufgeklappte Münder sorgen.

Ärgernis: Deutsche Tonspur

Die gute Nachricht vorweg: Transformers: Ära des Untergangs ist eine der ersten Blu-rays, die für kompatible Geräte eine Dolby-Atmos-Spur bereithält. Besitzer von entsprechenden Receivern und erweitertem Lautsprecher-Setup wird’s freuen, dass die Roboter-Fights nun auch noch eine zweite diskrete Höhenebene bekommen und von „oben“ ihr zerstörerisches Werk verrichten. Das ist im Falle von Transformers schlicht unfassbar beeindruckend.

Eigentlich will er nur seine Tochter vor einem zu frühen Freund bewahren, doch notfalls muss er halt die Welt retten: Cade Yeager
Eigentlich will er nur seine Tochter vor einem zu frühen Freund bewahren, doch notfalls muss er halt die Welt retten: Cade Yeager

Die schlechte Nachricht aber gleich hinterher: Diese Dolby-Atmos-Spur bleibt der englischen Originalfassung vorbehalten. Das ist aber nicht das einzige akustische Manko der Blu-ray, denn die deutsche Version liegt lediglich in Dolby Digital vor. Das wäre weiter nicht mal schlimm, wenn diese der englischen Fassung auch nur annähernd das Wasser reichen könnte – kann sie aber nicht. Es ist schon unfassbar, wie man einen derart technischen Film, der zu einem hohen Prozentanteil auch aufgrund seiner Sounds beeindruckt, mit einer komprimierten und im Vergleich dünnen Tonspur bestücken kann. Es dauert keine fünf Sekunden des laufenden Films, bis man zu hören (oder nicht zu hören bekommt), was der deutschen Fassung fehlt: Druck, Luftigkeit, Präsenz und Dynamik: Da fliegen aus dem rückwärtigen All die Raumgleiter in den Raum und man hört ein laues Lüftchen. Physikalisch wär’s zwar korrekt – immerhin nimmt man im Weltraum Geräusche kaum wahr – aber das ist natürlich nicht Bays Vertonung. Wechselt man auf die englische Tonspur (die im Übrigen bei nicht Dolby-Atmos-Systemen ein Downsizing auf eine Dolby-True-HD-Version in 7.1 vornimmt), hat man bei geschlossenen Augen das Gefühl, einen komplett anderen Film zu sehen. Vibrierend und mit einem ganz speziellen Sound unterlegt, schweben selbige Raumgleiter ins Heimkino und wirken als hätten sie tatsächlich einen Antrieb nicht von dieser Welt. Auch im weiteren Verlauf von Transformers: Ära des Untergangs bleibt dieser Eindruck bestehen. Der Angriff auf die Saurier zu Beginn ist praktisch frei von den ganzen Untertönen und Sub-Frequenzen, die auf der englischen Spur vorhanden sind. Die Weiträumigkeit ist um Längen schwächer und selbst wenn man den Receiver um ein gutes Viertel bis Drittel lauter einstellt, wirkt die deutsche Dolby-Digital-Spur im Vergleich zur True-HD-Variante in Englisch wie ein laues Lüftchen. Ohne Zweifel hat die Originalfassung Referenzcharakter in Sachen Effekthäufigkeit, -originalität und Dynamik und damit stets die Nase weit vorn. Egal, ob das die Transformationssequenzen sind oder die brachialen Raketenabwürfe. Hin und wieder scheint zwar auch die englische Version die eine oder andere Information zu verschlucken, doch das Fazit kann hier nur sein: Englische Tonspur Hui, deutsche Tonspur Pfui!

Verstärkung Willkommen: Optimus reitet den Dino
Verstärkung Willkommen: Optimus reitet den Dino

Bonusmaterial

Bumblebee kann zwar immer noch nicht (selbst) sprechen, doch im Krieg hilft Reden ohnehin nicht
Bumblebee kann zwar immer noch nicht (selbst) sprechen, doch im Krieg hilft Reden ohnehin nicht

Das Bonusmaterial von Transformers: Ära des Untergangs findet auf der zweiten Disk der Doppel-Blu-ray statt. „Bay und Action“ ist das erste Feature und beschreibt auf ca. elf Minuten, das sich der Regisseur immer wieder selbst herausfordert, um neue Kameraeinstellungen und Szenen in den Kasten zu bekommen. Vor allem die High-Speed-Kameras haben es ihm im vierten Teil seiner Serie angetan.
„Evolution des Aussterbens“ ist das Hauptfeature und wiederum in acht Teile aufgesplittet. Insgesamt 122 Minuten lang werden hier sowohl der inhaltliche Neustart der Filmreihe selbst als auch sämtliche technische Aspekte nahezu erschöpfend beleuchtet – von der neuen Besetzung und den frischen Autobots sowie dem Start des Films in der ländlichen Gegend von Texas bis hin zu den unterschiedlichen Drehorten und Schauplätzen. In „Wieder ein verdammt gigantischer Film“ wird’s persönlich, wenn Bays Mutter zu Wort kommt und preisgibt, dass sie noch keinen Transformers-Film gesehen hat. Eigentlich geht es hier aber um die pausenlose Zerstörung in Transformers: Ära des Untergangs. „Ein Funke Design“ besucht Hasbro, die Firma, die das Spielzeug entwarf und „T.J. Miller: Farm Hippie“ begleitet Wahlbergs Co-Star mit der Kamera.

Fazit

Transformers: Ära des Untergangs ist ein knapp dreistündiger Action-Overkill, der die Zerstörungswut des Michal Bay auf ein neues Level hievt. Leider sind die vielen Actionmomente etwas auseinandergerissen, sodass man das Gefühl nicht loswird, dass dem Regisseur etwas der rote Faden gefehlt hat. Die Bilder sind hingegen über alle Zweifel erhaben – umso ärgerlicher, dass die deutsche Tonspur nicht nur im Vergleich zur englischen HD-Fassung eine Frechheit ist!
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 85%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion True HD): 95%
Tonqualität (Originalversion Dolby Atmos): 95%
Bonsumaterial: 95%
Film: 60%

Anbieter: Paramount Home
Land/Jahr: USA 2014
Regie: Michael Bay
Darsteller: Mark Wahlberg, Stanley Tucci, Kelsey Grammer, Nicola Peltz, Jack Reynor, Bingbing Li, T.J. Miller, Sophia Myles
Tonformate: Dolby Digital 5.1: de, sp, fr, it / Dolby Atmos: en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 165
Codec: AVC
FSK: 12

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