Tusk

DVD Review

Tusks Blu-ray Review Cover
Sony Pictures, ab 07.05.2015

OT: Tusk

 


Der Mensch ist ein Walross

Ihr habt schon alles gesehen? Kevin Smith’ Tusk wird euch Lügen strafen!

Inhalt

TUSK
Noch lacht der erfolgreiche Podcaster …

Wallace Bryton hat mit seinem Podcast “Not-See-Party”, das man phonetisch durchaus mit “Nazi-Party” verwechseln könnte, einen riesigen Erfolg. Er spürt im Netz die abstrusesten Videos auf und feiert sie mit Kumpel Teddy ab – man könnte auch sagen, er macht sich lustig über die Clips und die Menschen darin. Als er der Story des Typen nachspürt, der sich in Kanada beim Schwert schwingen selbst das Bein amputierte, führt in der Zufall zu Howard Howe. Naja – vielmehr die Tatsache, dass der Einbeinige sich kurz zuvor das Leben nahm. Wie dem auch sei: Howard Howe ist ein Geschichtenerzähler und Geschichten sind das, was Wallace braucht – möglichst abgefahrene Geschichten, wie die als Howe davon erzählt, dass er nach einem Schiffsunglück strandete und ihm ein Walross das Leben rettete. Auch der Bericht über seine Bekanntschaft zu Ernest Hemingway flößt Wallace ernsthaft Respekt ein. Apropos einflößen: Ohne zu merken hat der alte Geschichtenerzähler dem jungen Podcaster etwas in den Drink gekippt und ihn außer Gefecht gesetzt. Als der Amerikaner aufwacht, fehlt ihm ein Bein. Das ist allerdings erst der Anfang eines perfiden Plans, denn Howe will aus Wallace ein Walross machen …

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… bald lacht aber nur noch dieser ältere Herr …

Kevin Smith, der mit Clerks den größten Independent-Kinofilm der 90er verantwortete und zuletzt mit Red State einen Zelluloid-Faustschlag in die Magengrube ablieferte, hüpft erneut ein Genre weiter als wäre es seine leichteste Übung. Dieses Mal ist es eine Horrorkomödie mit bizarr-skurril-surrealer Note – so etwas wie die leichtfüßig-absurde Variante von Human Centipede. Man kann nicht umhin, Smith für die Idee zu diesem vollkommen abstrusen Konstrukt zu beglückwünschen. Während 95% der US-Filmemacher vor allem dem Mainstream folgen, um ja nicht anzuecken, gehört die eine Hälfte von Jay und Silent Bob zu den Regisseuren, die einfach tun, wonach ihnen ist. Und wenn er gerade Lust hat, einen Mix aus H.P. Lovecraft, Inspector Clouseau und Die Reise der Pinguine zu machen, dann macht er’s halt. Und weil Smith in Tusk vollkommen anarchisch vorgeht, passt hier praktisch nichts tonal zusammen. Von mitunter bedrückend-drastischen Momenten (die aktuell notierte FSK-Freigabe 12 ist in diesen Szenen ein schlechter Scherz) über absurd-alberne Szenen bis hin zu romantisch-dramatischen Verwicklungen scheint der Regisseur nicht ansatzweise ein System zu haben. Man könnte sagen, keinen roten Faden zu haben, ist sein roter Faden – und das ist gut so! Manchmal müssen Filme einfach aus gängigen Konventionen ausbrechen, um anderen zu zeigen, dass die ständige Wiederholung bekannter Themen auf Dauer einschläfernd wirkt.

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… weil er Wallace zunächst bewegungslos betäubt …

So sehr Kevin Smith von Red State zu Tusk das Genre wechselte, so beständig scheint er bei seiner Besetzung zu sein. Denn hüben wie drüben gibt Michael Parks den irren Hauptdarsteller, der hier noch einmal deutlich aufdrehen darf. Justin Long, das Opfer an dessen Seite, darf endlich mal zeigen, dass er ein bisschen mehr kann, als ständiger Sidekick bekannterer gleichaltriger Kollegen in High-School-Komödien zu sein. Ein nettes und gar nicht mal peinliches Wiedersehen gibt es mit Haley Joel Osment, der seit seinem Auftritt als Cole in The Sixth Sense nie so richtig Fuß fassen konnte. Grenzgenial ist der brüllkomische (unbedingt im englischen Original sehen) Gastauftritt von Johnny Depp. Um die Überraschung nicht vorweg zu nehmen, sei an dieser Stelle nicht verraten, wen er spielt. Ohne zu übertreiben ist diese Performance das Beste, was der Star in den letzten Jahren geleistet hat, ohne in seinen typischen Torkel-Piraten-Style zu verfallen. Tusk erscheint im Übrigen als DVD-only Premiere und muss zunächst mal auf ein hochauflösendes Pendant verzichten.

Bild- und Tonqualität

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… und dann bewegungslos operiert

Die DVD von Tusk hat ein verhältnismäßig ruhiges Bild, bedient sich eines recht guten Kontrastumfangs und ist akzeptabel scharf. Farben sind ein wenig zu rosig – gerade Gesichter verlieren in Innenraumszenen ein wenig an Natürlichkeit.
Akustisch gibt Tusk nur wenig Anlass für die Effektlautsprecher von ihrem Dasein zu verkünden. Ein paar leise Töne der Filmmusik, etwas Walroßgrunzen – das war’s. Während der bedrohlichen Soundeffekte darf der Subwoofer dezent ins Geschehen eingreifen, die Stimmen sind gut verständlich und die Synchronisation ist recht gelungen.

Bonusmaterial

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Sex mit Freundin Allison hatte Wallace jedenfalls zum letzten Mal

Im Bonusmaterial von Tusk findet sich ein Audiokommentar von Kevin Smith neben zwei entfernten Szenen und einem Animated Podcast zum Film.

Fazit

Herrlich abstrus, vollkommen absurd, total anarchisch und albern bis zum Anschlag – Tusk ist Genrekino für Freunde, die es ganz besonders außergewöhnlich mögen und dabei nicht zwingend eine schlüssige Story brauchen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 55%
Tonqualität (Originalversion): 55%
Bonusmaterial: 20%
Film: 65%

Anbieter: Sony Pictures
Land/Jahr: USA 2014
Regie: Kevin Smith
Darsteller: Michael Parks, Justin Long, Haley Joel Osment, Genesis Rodriguez, Harley Morenstein
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 97
FSK: 12

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