Vendetta – Alles was ihm blieb war Rache

Blu-ray Review

Vendetta - Alles was ihm blieb war Rache Blu-ray Review Cover
New KSM, 13.11.2017

OT: Aftermath

 


Zwei Leben für 160.000 Dollar

Aufwühlendes Trauerdrama nach wahren Begebenheiten.

Inhalt

Vendetta - Alles was ihm blieb war Rache Blu-ray Review Szene 2
Der Unglücksort liefert ein Bild des Schreckens

Roman ist Vorarbeiter und respektierter Kollege im Hochbau. Gleichzeitig ist er nichts lieber als umsorgender Familienvater. Und zwar einer, der bald Opa wird. Seine Frau und schwangere Tochter sind im Flieger unterwegs nach Hause und Roman bekommt extra ein bisschen früher frei, um sie rechtzeitig abholen zu können. Umso schockierter ist er, als man ihm eröffnet, dass das Flugzeug in großer Höhe mit einem anderen Flieger zusammengestoßen ist und sämtliche Insassen dabei starben. Zunächst überwiegt die unfassbare Trauer.
Auf der anderen Seite gibt sich der diensthabende Fluglotse Jake die Schuld an der Tragödie und beginnt daran zu zerbrechen. Man legt ihm nahe, sich eine neue Identität anzunehmen und einen Umzug in eine andere Stadt zu vollziehen, um vor Racheakten der Angehörigen und Anfeindungen geschützt zu sein. Als Roman erfährt, dass der Tower-Mitarbeiter offenbar die Schuld trägt, mischt sich Wut in seine Trauer. Er möchte von Jake eine Entschuldigung und spürt ihn auf …

Vendetta - Alles was ihm blieb war Rache Blu-ray Review Szene 3
Roman wird bewusst, was er verloren hat

„Aftermath“ – zu deutsch: Auswirkungen, Folgen, Nachwirkungen … Der Originaltitel klingt übersetzt natürlich nicht nach einem spannenden Titel für einen deutschen Verleih. Und weil Arnold Schwarzenegger mitspielt, ist „Rache“ natürlich viel naheliegender. Leider kaschiert dieser effekthaschende Titel, dass es sich bei diesem (auf den Geschehnissen der 2002er Flugkollision von Überlingen basierenden) Film nicht um eine Variante von Ein Mann sieht rot, sondern vielmehr um ein Drama handelt. Um ein Drama, in dem ein Mann versucht, mit dem Verlust seiner Familie klar zu kommen und an dessen Ende eine tragische Handlung steht. Es ist also kein Haudrauf-Arnold, den wir in Vendetta – Alles was ihm blieb war Rache sehen, sondern einer, der (nach Maggie) zum wiederholten Male in einer ernsthaft schauspielerischen Rolle überzeugen will. Und das tut er hier (fast) genauso gut wie im Zombiedrama. Ein wenig ungelenk wirkt zwar seine Freude, als seine Gedanken zu Beginn an die heimkehrende Familie gehen, doch die Trauer und Wut bekommt er auf mitreißende Art hin. Gerade in diesen Situationen erweist sich die vielleicht zunächst untypische Besetzung als Glücksgriff. Denn wen man diesen Brocken von Kerl, diesen Macho-Actionstar mit vor Tränen rot geweinten Augen sieht; wenn man ihn beobachtet, wie er um Fassung ringend die Gänge des Flughafens entlang schleicht, um dann mit leerem Blick in den Sitz seines Fahrzeugs zu sinken, dann ist das wirklich überraschend ergreifend. Vendetta erzählt seine Geschichte auf zwei parallel laufenden Strängen und begeht nicht den Fehler, den für den Unfall verantwortlichen Tower-Mitarbeiter zu dämonisieren. Gerade der Moment der Kollision wird mit erschreckender Ruhe erzählt und bewirkt, dass man sich mit höchst unangenehmen Gefühlen in die Lage Jakes versetzen kann.

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Fluglotse Jake sollte wirklich umziehen

Dass man sich fragt, wie es einem wohl gehen würde, wenn plötzlich zwei Radarsignale vom Bildschirm rot werden und dann einfach verschwinden, während draußen der erste Schnee fällt. Nur ein unkonzentrierter Moment und man ist verantwortlich für den Tod von fast 300 Menschenleben. Gleichzeitig fühlt man natürlich den Schmerz und die Wut über den Verlust der Familie und noch dazu eines ungeborenen Babys. Zwei Menschen, die vom Leben kaum härter getroffen werden könnten und die dennoch nicht weiter auseinander stehen könnten. In ruhigen und subtilen Bildern nähert sich Elliott Lester dem Schicksal seiner Protagonisten und lässt die Aufnahmen und Schauspielleistungen für sich wirken. Er integriert Kritik an den arroganten Anwälten und Führungspersonen der Fluggesellschaft, die nicht mal eine Entschuldigung über die Lippen bringen. In einer Schlüsselszene hält Melnyk den selbstgefälligen Advokaten ein Bild seiner Frau und Tochter vor, wünscht sich eine offizielle Verzeihung und erhält im Gegenzug ein Angebot über 160.000 Dollar und den Premium-Status bei der Airline – aufwühlender kann eine Sequenz kaum sein. Lester stellt zudem heraus, wie schwierig es ist, als Leidtragender wieder ins Leben zurück zu kehren und wie sehr Selbsthass dazu führen kann, dass ein bis dato geordnetes Leben den Bach runtergehen kann. Trotzdem viele Details mit den realen Ereignissen und den Folgen akkurat umgesetzt wurden (beispielsweise auch die zerrissene Perlenkette, die man als Mahnmal an der Original-Unglücksstelle installiert hat), beschönigt Vendetta – Alles was ihm blieb war Rache die realen Ereignisse wohl etwas. Denn inhaltlich gesehen musste sich Vendetta Kritik gefallen lassen – und zwar vom echten Hinterbliebenden der im Film zu Tode gekommenen Familie: Vitaly Kaloyev, der zwei Jahre nach der Überlingen-Tragödie den diensthabenden Fluglotsen tötete, gab zu Protokoll, dass es ihm nicht um eine Entschuldigung, sondern schlicht um Gerechtigkeit (also in der Tat um Rache) ging. Während der Konfrontation sei ihm der Mitarbeiter des Towers mit Arroganz und Verachtung begegnet.

Bild- und Tonqualität

Vendetta - Alles was ihm blieb war Rache Blu-ray Review Szene 4
Finale Konfrontation

Wer das Bonusmaterial schaut, weiß, dass Kameramann Pieter Vermeer für Vendetta vornehmlich natürliches Licht nutzte, um seine Szenen in den Kasten zu bringen. Das führt zu einem rundherum etwas kontrastschwachen und trüben Look – gerade, wenn Licht nur durch seitliche Fenster einfällt. Farben sind zudem etwas reduziert und vornehmlich warm gehalten. Die Bildruhe ist in den gut ausgeleuchteten Szenen sehr gut und offenbart kaum Korn oder Unruhen. Nur in den düsteren oder Nachtszenen gesellt sich etwas Rauschen hinzu, was aber im akzeptablem, bzw. authentischen Bereich bleibt. Die Schärfe ist in den fokussierten Mittenbereichen sehr gut, lässt am unteren Rand aber häufig etwas nach (27’39).
Der Ton von Vendetta – Alles was ihm blieb war Rache konzentriert sich fast vollständig auf die Front. Nur ab und an klimpert in einem Diner mal aus den rückwärtigen Lautsprechern ein Teller. Auch der schwebende Score legt sich ein wenig auch im rückwärtigen Bereich ab. Die Stimmen kommen sehr deutlich und fast schon etwas zu laut aus dem Center, echte direktionale Effekte bleiben aus. Das echte Flugzeugunglück wird nicht in Bild und Ton gezeigt. Lediglich während der Rückblenden in Romans Vergangenheit mit seiner Familie gibt’s ein bisschen Dynamik.

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Vendetta findet sich neben dem Originaltrailer und einer Bildergalerie noch ein Featurette, das in sieben Minuten ein wenig eintaucht in Drehbuch und Dreharbeiten und dabei auch den Kameramann zu Wort kommen lässt, der etwas zur Beleuchtung erzählt.

Fazit

Vendetta – Alles was ihm blieb war Rache lässt zwar in der zweiten Hälfte etwas nach, überzeugt aber dennoch mit zwei herausragenden Darstellern und einem ausgewogenen Bild beider Seiten – selbst wenn das in Wirklichkeit möglicherweise anders ausgesehen hat. Dennoch: Ein starkes Drama von tragischer Reichweite, dessen Ende allerdings aufgesetzt wirkt und komplett von den realen Geschehnissen abweicht.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 40%
Film: 75%

Anbieter: New KSM
Land/Jahr: USA/GB 2017
Regie: Elliott Lester
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Scoot McNairy, Maggie Grace, Judah Nelson, Larry Sullivan, Jason McCune, Glenn Morshower
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 94
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Vendetta – Alles was ihm blieb war Rache

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