Wild Card

Blu-ray Review

Wild Card Blu-ray Review Cover
Universum Film, seit 31.07.2015

OT: Wild Card

 


Mit Messer und Löffel

Jason Statham will unbedingt raus aus Vegas, oder?

Inhalt

Wild Card Blu-ray Review Szene 6
Nick in seinem Lieblingsdiner bei seiner Lieblingsdiner-Angestellten

Nick Wild ist der einzige Sicherheitsberater/Bodyguard in Vegas – so sagt er. Als solcher übernimmt er Personenschutz ebenso wie auch mal einen Auftrag, bei dem er sich zugunsten seines Auftraggebers vermöbeln lässt, damit dieser bei seiner Dame gut dasteht. Das alles tut Nick, um möglichst irgendwann mal genug Geld für ein neues Leben zu haben. Zwei neue Aufträge hat er jüngst angenommen, um diesem Ziel etwas näher zu kommen: Zum einen soll er diejenigen finden, die seine Ex-Freundin Holly übel zugerichtet haben, zum anderen darf er dem jungen Cyrus ein Leibwächter und Ausbilder in Sachen Angstbewältigung sein. Das geht Nick mal mehr, öfter aber weniger motiviert an. Trotzdem tut er seinen Job, macht die bösen Jungs ausfindig und besorgt Holly die verdiente Rache. Anschließend hat er zur Abwechslung sogar mal Glück beim Black Jack und gewinnt die anvisierte halbe Million. Doch irgendwie ist das noch nicht genug und der Peiniger von Holly taucht auch noch auf der Bildfläche auf …

Wild Card Blu-ray Review Szene 1
Für seine Gegner braucht Nick keine Waffen – wenn man mal davon absieht, dass seine Fäuste praktisch welche sind

Normalerweise steht bei Reviews zu Filmen des smarten Briten an dieser Stelle: „Wo Statham draufsteht, ist auch Statham drin“ – das stimmt natürlich rein von der Anwesenheit des Mimen auch hier in Wild Card. Doch man muss sich als Fan des gelenkigen Ex-Wasserspringers schon ein wenig umgewöhnen, wenn man die dritte Zusammenarbeit des Briten mit Regisseur Simon West (zuvor: The Mechanic und Expendables 2) anschaut. West versetzt das Remake des Burt-Reynolds-Films Heat – Nick, der Killer zunächst mehr mit flotten Sprüchen und ein paar Lebensweisheiten, anstelle auf die Tube zu drücken. Mehrfach denkt man als Zuschauer, dass Statham in einem anderen Film schon zugelangt hätte, wo er hier noch redet und sich zurückhält. Dann, beinahe unvermittelt, legt der Regisseur nach 40 Minuten los und inszeniert nahezu sensationell in Zeitlupe gedrehte Faustschläge und Rasiermessercuts. Hier blitzt das Actiontalent des Mannes auf, der schon mit seinem Debüt Con Air zu überzeugen wusste. Zwischen den zugegeben famosen Kampfszenen muss man jedoch mit einem Lebens- und Spielerdrama vorlieb nehmen, das Statham hin und wieder die Möglichkeit gibt, etwas mehr schauspielerisches Vermögen zu zeigen. Denn am Ende kommt Wild Card auch mit der Botschaft rüber, dass Wild zwar vorgibt, aus Vegas abhauen zu wollen, im Inneren jedoch weiß, dass ihn diese Stadt irgendwie festhält. Die stereotypen Storyentwicklungen gewöhnlicher Actionfilme darf man hier also nicht erwarten, sondern eher ein stylisches Drama mit (drei) Actioneinlagen und hochkarätig besetzten Rollen. Wenn beispielsweise ein Stanley Tucci erst nach gut 70 Minuten auftaucht oder eine Anne Heche in einem Diner als Bedienung arbeitet, dann weiß man, dass West aus dem Vollen schöpfen konnte. Spannung bezieht Wild Card tatsächlich zum ersten Mal beim Black Jack und in dem Moment, da Nick drauf und dran ist, die gewünschten 500.000 zu erspielen. Dann wiederum wendet sich das Blatt und er muss sich vor dem rachsüchtigen Schurken in Acht nehmen, den er seiner Ex ans Messer geliefert hat. Diese leichte Unentschlossenheit zwischen Drama und Thriller lässt Wild Card zu einem etwas zwiespältigen Ereignis werden. Freunde der üblichen Actionflicks mit Statham werden vermutlich ziemlich gelangweilt vor dem Schirm sitzen. Freunde von Vegas- und Spielerdramen dürften erschrocken über die eruptiven Gewaltszenen sein. In der Schnittmenge dazwischen findet sich der aufgeschlossene Filmfreund wieder, der sich über Stil und Besetzung freuen kann.

Wild Card Blu-ray Review Szene 2
Alles auf eine Karte!

Bild- und Tonqualität

Wild Card Blu-ray Review Szene 3
Nick ist der Meister im einhändigen Fingerverdrehen

Das Bild von Wild Card ist dem Flair von Las Vegas angepasst. Die permanente Bestrahlung mit Leuchtreklame lässt Wests Kameramann deutlich überstrahlen und ausreißen. Das Licht, das beispielsweise durch Nicks Jalousie fällt, reißt derart aus, dass man die einzelnen Lamellen kaum noch erkennen kann. Lens-Flare ist ebenfalls ein (bewusst) eingesetztes Stilmittel. Gerade Aufnahmen mit Mischhelligkeiten werden immer wieder von den Lichtbündeln und -strahlen beeinflusst. West macht sich ein Spiel daraus und reichert fast jede Szene mit harten Schatten und schräg einfallendem Licht an. Die Schärfe ist nur bedingt gut, die Bildruhe hingegen gefällt. Farben und Kontraste dürften etwas kräftiger sein.
Beim Sound von Wild Card musst man sich ebenfalls ein wenig an die Eigenarten der Vertonung gewöhnen, wie man dies schon bei den optischen Spielereien muss. Irgendwo im oberen Bassbereich wurden jene Frequenzen betont, die ein Heimkino weniger zum Beben, sondern eher zum Rumpeln bringen. Die Bassfrequenzen, die während der Filmmusik in Kapitel vier abgegeben werden, poltern dumpf vor sich hin und wirken eher unangenehm als berauschend (34’02). Da dies im Original ebenso zu hören ist wie auf der deutschen Spur, macht es den Eindruck, als wäre das so gewünscht.

Bonusmaterial

Wild Card Blu-ray Review Szene 4
Noch eine Rechnung offen: Danny DeMarco und seine Jungs

Neben den Originaltrailern sowie acht Interviews mit Crew & Cast gibt’s noch drei Featurettes im Bonusmaterial von Wild Card: Mit einer Gesamtlaufzeit von 24 Minuten befassen sich die Hintergrundberichte mit dem Drehort und den Darstellern, dem Drehbuch sowie den Stunts der Actionszenen.

Fazit

Erstmals gilt für einen Statham-Film nur bedingt, dass auch „drin ist, was drauf steht“. Wild Card möchte sich gerne etwas von dessen bisherigen Filmen absetzen, schwankt aber zu sehr zwischen Action und Drama. Simon Wests jüngstes Werk ist deshalb vor allem für solche Filmfans, die den Briten mal in ungewohnt zurückhaltender Rolle sehen wollen. Die drei Actionsequenzen hingegen sind wirklich herausragend inszeniert.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 40%
Film: 50%

Anbieter: Universum Film
Land/Jahr: USA 2014
Regie: Simon West
Darsteller: Jason Statham, Michael Angarano, Milo Ventimiglia, Max Casella, Jason Alexander, Sofia Vergara, Anne Heche, Stanley Tucci
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 92
Codec: AVC
FSK: 16

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