Wild in Blue

Blu-ray Review

Wild in Blue Blu-ray Review Cover
Donau Film/AL!VE AG, ab 24.04.2015

OT: Wild in Blue

 


Zerstörte Seele

Wild in Blue ist kein Film für zarte Gemüter und Mainstreamfreunde.

Inhalt

Wild in Blue Blu-ray Review Szene 4
Charlies Ding ist die Beichte nicht gerade

„Ich wollte einen ehrlichen Film machen!“ Charlie hält sich selbst für einen Filmemacher, wenngleich seine „Werke“ hauptsächlich dokumentieren, wie er junge oder auch ältere Frauen überfällt, vögelt und sie brutal ermordet. Dies tut er mal alleine, mal mit Kumpel Ben, mit dem er auch sonst Zeit verbringt und sich gerne mal rauft. Charlies Kindheit war kaum glücklich und geprägt von gewaltsamen Übergriffen des Vaters, der noch dazu von der Frau Mama angetrieben wurde. Wohl einer der Gründe, warum er später zum gefühlskrüppeligen Sadisten und Frauenhasser wurde. Doch eines Tages begegnet er Ashley und ist fasziniert. Mehr noch: Erstmals filmt er nicht, wie er sie nach oder während des Akts ermordet, sondern wie er sie leidenschaftlich liebt – was ist passiert? Und was wird das für Konsequenzen für ihn haben?

Wild in Blue Blu-ray Review Szene 3
Auch als er Ashley kennenlernt, ist die Kamera immer dabei

Wild in Blue gehört zu jener Art Film, die für die meisten zu sperrig und ambitioniert sind und gängige Sehgewohnheiten sprengen. Anleihen bei Henry – Portrait of a Serial Killer sind kaum zu leugnen und das Hinzufügen von wackeliger Handkamera erhöht den Realismusfaktor. Den meisten wird das zu experimentell und melodramatisch sein und die Gewaltakte sind für Gorehounds zu gering und wenig vordergründig ausgefallen. Irgendwie sitzt Wild in Blue deshalb etwas unentschlossen zwischen Genrestühlen und kann sich nicht so richtig entscheiden, ob er cronenberg’sche Experimentalität, lynch’sche Psychedelik oder noé’sche Tragik verfolgen möchte. Dabei gehen seine beiden Hauptdarsteller Frank Cermak Jr. und Charlotte Ellen Price durchaus an ihre physisch-emotionalen Grenzen. Doch vor allem die zerfahrene, nonlineare Erzählstruktur von Wild in Blue verhindert, dass man so richtig in den Film findet. Manchmal drängt sich das Gefühl auf, dass diese ganzen Sperenzchen nur deshalb genutzt wurden, um bewusst kontrovers diskutiert zu werden und einen kleinen Aufruhr zu erzeugen. Das wird aber durch Charlies arg klischeehaften Hintergrund praktisch konterkariert. Wann, so möchte man fragen, kommt endlich mal ein Film, der ein gewalttätiges Erwachsenenverhalten mal NICHT durch eine schwere Kindheit begründet? So wirkt der Film dann wie ein ambitionierter Experimentalstreifen mit guten Darstellern aber etwas lieblos und schnell zusammengeschriebenem Drehbuch. Wer übrigens auf den Auftritt von Genre-Veteranin Karen Black (Easy Rider) wartet, der dürfte nach den 20 Sekunden ein wenig enttäuscht sein. Ein Extralob gibt’s allerdings für die optisch stimmige Zusammenführung der unterschiedlichen Aufnahmetechniken sowie die bedrückend inszenierte erste Sexszene zwischen Charlie und Ashley, auf deren nackten Körper Bilder von Gräueltaten und Krankheiten projiziert werden.

Bild- und Tonqualität

Wild in Blue Blu-ray Review Szene 2
Erstmals scheint Charlie Gefühle für eine Frau zu entwickeln

Das Bild von Wild in Blue wechselt sich permanent ab – von ultragrobkörnigen Super-8-Szenen in 4:3 über eher unscharfe, verwaschene Momente der Hauptkamera bis hin zu kontrastintensiven Szenen bei guter Ausleuchtung ist alles dabei. Das ist dem Look und der Atmosphäre des Films durchaus zuträglich und intensiviert das Geschehen auch optisch.
Akustisch leidet die deutsche Tonspur von Wild in Blue unter der 2.0-dts-HD-Master-Spur, die systembedingt kaum Dynamik zulässt und natürlich ohne Information über Center oder Rears daherkommt. Das englische Pendant liefert während der elektronischen Beats enorme Bassattacken und wird zugleich sehr räumlich – da kommt die hiesige Stereospur nicht dran.

Bonusmaterial

Wild in Blue Blu-ray Review Szene 1
Charlie vor seiner „Video Hall of Fame“

Im Bonusmaterial von Wild in Blue finden sich nur die Originaltrailer und ein paar Programmtipps.

Fazit

Wild in Blue ist für alle Freunde von experimentellem Gewaltkino eine Empfehlung – wirklich Neues wird hier aber nicht erzählt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 55%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 10%
Film: 60%

Anbieter: Donau Film/AL!VE AG
Land/Jahr: USA 2014
Regie: Matthew Berkowitz
Darsteller: Frank Cermak Jr., Charlotte Ellen Price, Steve Railsback, Karen Black, Daveigh Chase, Marcos Mateo Ochoa
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 85
Codec: AVC
FSK: 18 (ungeschnitten)

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