Wrong Cops – Von Bullen und Biestern

Blu-ray Review

Tiberius Film, ab 05.02.2014
Tiberius Film, seit 05.02.2014

OT: Wrong Cops

 


Die Polizei, dein Freund und Dealer

Nach Rubber und Wrong nun Wrong Cops – Quentin Dupieux setzt seinen irrwitzigen Siegeszug in Sachen Kultfilm fort.

Inhalt

Officer Duke ist die Freundlichkeit in Person ... NICHT!
Officer Duke ist die Freundlichkeit in Person … NICHT!

Police-Officer Duke verkauft Kinder und anderen Kunden Gras verpackt in Rattenkörpern, pisst bei Bedarf schon mal mitten auf den Bürgersteig und hat gerade aus Versehen seinen Nachbarn erschossen – naja, zumindest fast. Denn der Typ ist irgendwie doch nicht so ganz dahingeschieden. Jetzt ist guter Rat teuer und so bittet er Kollege Sunshine um Hilfe. Als der den Halbtoten im Garten vergraben will, findet er eine Tasche mit 13.000 Dollar. Ungefähr genauso zufällig, wie Kollegin Holmes über alte Schwulenpornos von Sunshine stolpert – ein gefundenes Fressen für eine Erpressung, zumal sie von dem gefundenen Geld Wind bekommen hat. Für Duke spitzt sich die Lage noch weiter zu, als sein Rattendealer ihm offenbart, die Viecher wären zu schlau, um sie weiter zu fangen und er von nun an mit Fischen als Drogenreservoir vorlieb nehmen muss …

Kein Wunder, dass er "aus Versehen" den Nachbar über den Haufen geschossen hat
Kein Wunder, dass er „aus Versehen“ den Nachbar über den Haufen geschossen hat

Wie eine durchgeknallte Mischung von Police Academy, Reno 911 und Training Day kommt Quentin Dupieux‘ jüngstes Werk daher. Wer die letzten Werke von dem auch als Mr. Oizo bekannten House-Musik-DJ („Flat Eric“) gesehen hat (unter ihnen der grandiose Rubber) weiß ungefähr, was ihn erwartet: Alles andere als Mainstream.
In den Nebenrollen überraschend prominent besetzt, folgen offenbar immer mehr bekannte Gesichter dem Ruf des französischen Filmemachers. In Wrong Cops – Von Bullen und Biestern geht es, im Gegensatz zum eben genannten Rubber oder auch Wrong, beinahe schon geradlinig zu. Dafür allerdings mit einem offensiveren, extrem schwarzen Humor. Dupieux nimmt sich das Grundgerüst eines über die Stränge schlagenden Officers, um die Staatsdiener mit Waffe und Marke als bis ins Mark korrupt, abgrundtief versaut und vollkommen schmerzfrei zu porträtieren. Dabei macht er auch nicht vor den weiblichen Kollegen halt, die ebenso fluchend und intrigant unterwegs sind. Wrong Cops würde aber nicht funktionieren, wenn die Dialoge nicht treffend wären und in ihrer Asozialität pointiert rüberkämen. Hier geht’s eben nicht kindisch-albern zu wie in einem Das ist das Ende, sondern erwachsen-abgedreht.

Gleichzeitig nötigt Dukes Kollege Autofahrerinnen dazu, ihre Brüste zu entblößen
Gleichzeitig nötigt Dukes Kollege Autofahrerinnen dazu, ihre Brüste zu entblößen

Darstellerisch brilliert Mark Burnham, den wir schon aus Wrong kennen, als Officer Duke. Wie er ohne mit der Wimper zu zucken mitten auf den Bürgersteig uriniert und danach dem schüchternen Skater befiehlt, er solle ihm mal zeigen, was er dort für Musik höre, bleibt kein Auge trocken. Jedenfalls nicht das von Filmfans, die auch über die Monty Python’s lachen können. Dupieux ist grade mal gar nichts heilig, wenn er bitterbösen Humor Minderheiten oder Toten gegenüber integriert. Der Regisseur ist sich nicht mal zu schade, sich selbstreferenzieller Zitate zu bedienen. So schauen Ehefrau und Tochter von Officer Sunshine natürlich gerade Rubber im Fernsehen.
Vielleicht zieht sich Wrong Copsim Mittelteil ein wenig, schlägt mit dem einäugigen Elektro-Musiker-Cop einen Haken zu viel, doch alleine der ungeschminkte Marilyn Manson mit fester Zahnspange als introvertierter und verklemmter Skater David Dolores Frank ist einfach brüllkomisch und vortrefflich gegen sein Image besetzt. Neben ihm tauchen Eric Roberts als Kleinganove und Ray Wise als Police-Captain auf, der eine absurde Grabreden-Diskussion in Gang bringt.

Mal abgesehen vom schwarzen Nagellack - Hättet ihr ihn erkannt? Brian Hugh Warner aka Marilyn Manson
Mal abgesehen vom schwarzen Nagellack – Hättet ihr ihn erkannt? Brian Hugh Warner aka Marilyn Manson

 

Bild- und Tonqualität

Kein Zuckerschlecken: Duke muss von toten Ratten auf tote Fische schwenken, um seine Drogen an den Mann und das Kind zu bringen
Kein Zuckerschlecken: Duke muss von toten Ratten auf tote Fische schwenken, um seine Drogen an den Mann und das Kind zu bringen

Das Bild von Wrong Cops weist eine extreme Fokussierung auf die Mitte auf, was zu teilweise brutalen Randunschärfen und Doppelkonturen führt. Dazu ist es im Stile der Filme eines Larry Clark ziemlich kontrastschwach, zu hell und flach.
Soundtechnisch kann man Wrong Cops – Von Bullen und Biestern keine großen Vorwürfe machen: Der elektronische Filmscore nach dem kurzen Prolog fetzt dynamisch und kräftig aus allen Lautsprechern – ebenso wie es jeder der Songs tut, die Mr. Oizo vermutlich allesamt selbst komponiert hat. Die deutsche Synchro klingt etwas vordergründig und wenig authentisch in die Grundatmosphäre eingebettet.

Bonusmaterial

Das Begräbnis des Kollegen wird zur Farce
Das Begräbnis des Kollegen wird zur Farce

Das Bonusmaterial von Wrong Cops liefert die beiden Originaltrailer und weitere Programmtipps des Anbieters.

Fazit

Wrong Cops – Von Bullen und Biestern steht seinen Vorgängern Rubber und Wrong in Sachen skurriler Ereignisse, Figuren und Kultfaktor in Nichts nach. Vielleicht ist er der kommerziellste von Dupieux‘ Filmen, Mainstream-Filmgucker werden sich aber nach wie vor fragen, ob sie wortwörtlich im falschen Film gelandet sind.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 40%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonsumaterial: 10%
Film: 70%

Anbieter: Tiberius Film
Land/Jahr: USA/Frankreich 2013
Regie: Quentin Dupieux
Darsteller: Mark Burnham, Eric Judor, Steve Little, Eric Wareheim, Ray Wise, Grace Zabriskie, Marilyn Manson, Eric Roberts
Tonformate: dts-HD-Master: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 82
Codec: AVC
FSK: 12

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