Z for Zachariah – Das letzte Kapitel der Menschheit

Blu-ray Review

Z for Zachariah - Das letzte Kapitel der Menschheit Blu-ray Review Cover
Tiberius Film, seit 07.07.2016

OT: Z for Zachariah

 


Drei sind zwei zu viel

Zwei Männer, eine Frau – keine gute Ausgangslage in einer postapokalyptischen Welt.

Inhalt

Z for Zachariah - Das letzte Kapitel der Menschheit Blu-ray Review Szene 6
Ann spielt gerne auf der Kirchenorgel – auch ohne Strom

Ann scheint nach einem nuklearen Krieg die einzige lebende Person auf der Erde zu sein. Das Schicksal teilt sie mit ihrem Hund und ein paar Nutztieren – bis sie eines Tages auf John trifft. Der ist Wissenschaftler, hat sich aber gerade in eine Anflug von Dummheit in ein radioaktiv verseuchtes Wasserloch begeben. Ann hilft ihm und gibt ihm zunächst mal ein Dach über dem Kopf. Aus der Hilfe wird eine Zweckgemeinschat, aus der Zweckgemeinschaft ein Vertrauensverhältnis. Und aus dem Vertrauensverhältnis erwächst eine zarte Liebe. Es scheint, als wären beide nicht mehr alleine und könnten sich gegenseitig unterstützen. Man repariert technische Gerätschaften, baut Gemüse an und bereitet sich auf einen vermeintlich kalten Winter vor. Dann allerdings taucht ein Dritter auf, Caleb. Der sagt zwar, dass er nach einer Nacht wieder aufbrechen würde, doch.die gutmütige Ann lädt den Neuankömmling ein, erst einmal zu bleiben. Das gefällt dem skeptischen John natürlich gar nicht, wenngleich sechs Hände eben doch mehr erledigen als vier. Dumm nur, dass Caleb sich ebenfalls in Ann verliebt …

Z for Zachariah - Das letzte Kapitel der Menschheit Blu-ray Review Szene 5
John baut ein enges Vertrauensverhältnis zu Ann auf

Religiöse Untertöne sind in Z for Zachariah nicht von der Hand zu weisen, wenn ein Mann und eine Frau (siehe Adam und Eva) in einer postapokalyptischen Welt (siehe Die Offenbarung) einen Neubeginn wagen. Und da die weibliche Hauptfigur Ann regelmäßig zu Jesus betet und unter keinen Umständen die (vom Vater errichtete) Kirche für den Bau eines Wasserrads abreißen will, wird es auch vordergründig durchaus christlich. Auf der anderen Seite steht Chiwetel Ejiofor, dessen Wissenschaftler John ziemlich weltlich daherkommt und dazu ein Kontergewicht darstellt. Der umworbene Engländer nigerianischer Abstammung agiert nach 12 Years a Slave erneut sensibel und ausgewogen. Margot Robbie (Wolf of Wall Street), die demnächst als Tarzans Jane in den Dschungel muss, gibt die gläubige Ann mit der gutmütigen Naivitiät einer nicht ganz so hellen Farmerstochter und überzeugt durch Natürlichkeit und authentische Hemdsärmeligkeit. Erstaunlich, dass sich Chris Pine (Star Trek: Beyond, Into the Woods) in diesen Independentfilm verirrt hat, spielt er doch in der Regel eher Hauptrollen in Blockbustern. Umso schöner, dass Pine mehr zeigt, als man von seinen bisherigen Rollen gewohnt ist und die Figur des rätselhaften Fremden glaubwürdig und mit Gespür für sein hintersinniges Vorhaben spielt. Da verzeiht man auch, dass eine nachnukleare Atmosphäre so richtig nicht aufkommen mag – geschuldet sicher dem geringen Budget, das keine aufwändig animierten leeren Städte zuließ. Z for Zachariah basiert auf der gleichnamigen postapokalyptischen Sci-Fi-Novelle von Robert C. O’Brien aus dem Jahre 1974, die 1984 schon einmal verfilmt wurde. Allerdings hat Craig Zobels Version nur mehr die Grundprämisse mit der Vorlage gemein und entfernt sich sowohl thematisch als auch von den Figuren her deutlich. Die Novelle hält beispielsweise gar keine dritte Person parat und kümmert sich vornehmlich um die Frage von Kontrolle und Macht. Zobels Film interessieren hingegen vielmehr die zwischenmenschlichen Dynamiken. Diese bieten genug Raum für Interpretationen und Grautöne, denn Schwarz-Weiß-Malerei wird hier nicht betrieben. Einen seiner stärksten Momente hat der Film beispielsweise, wenn John Ann den Weg für Caleb freimachen will, während diese das ganz offensichtlich gar nicht möchte – hier kommen ganz beiläufig auch Ressentiments die Herkunft betreffend hinzu. Dabei geht Zobel, der mit Compliance 2012 einen kleinen Genrehit nach wahren Begebenheiten ablieferte, nicht den einfachen Weg und erfüllt nicht Erwartungshaltungen nach denen man einen gewalttätigen Zweikampf zweier Hähne oder eine noch fiesere Boshaftigkeit Calebs erwarten würde. Im Gegenteil: Vieles deutet Z for Zachariah nur an und überlässt die Entscheidung darüber, was passiert sein mag, dem Zuschauer. Das wird nach dem Schlussbild viele Mainstreamfans unbefriedigt zurücklassen, während Arthaus-Freunde dankbar darüber sind, dass der Film noch ein paar weitere Runden im Kopfkino dreht.

Z for Zachariah - Das letzte Kapitel der Menschheit Blu-ray Review Szene 4
Zwei Männer und eine Frau – das hat noch immer zu Spannungen geführt

Bild- und Tonqualität

Z for Zachariah - Das letzte Kapitel der Menschheit Blu-ray Review Szene 3
Caleb kommt Ann näher als es John lieb wäre

Der deutlich sichtbare Blau-Grau-Grünstich von Z for Zachariah unterstützt zwar die apokalyptische Atmosphäre des Films, sieht aber alles andere als schön aus. Hinzu kommt eine durchweg mittelprächtige Schärfe, die in Randbereichen nochmals nachlässt und auch bei Kamerabewegungen schwankt. Die Bildruhe während der hellen Szenen ist hingegen gut, offenbart nur ein geringes Korn und kein Rauschen. In dunkleren Momenten gibt’s
Die flirrende Hitze im Film, Umweltgeräusche und die bedrohlich wirkende Stille bringt der Tonsektor von Z for Zachariah effektvoll und gespenstisch authentisch rüber. Im weiteren Verlauf gibt es zwar nur wenig Anlass für echten Effektreichtum oder gar Dynamik, doch die Dialoge bleiben jederzeit sehr gut verständlich und die Zikaden zirpen während der Außenaufnahmen fast unentwegt.

Bonusmaterial

Z for Zachariah - Das letzte Kapitel der Menschheit Blu-ray Review Szene 1
Was führt Caleb im Schilde?

Neben den Originaltrailern und weiteren Programmtipps gibt’s noch knapp sechs Minuten an entfernten Szenen im Bonusmaterial von Z for Zachariah.

Fazit

Z for Zachariah – Das letzte Kapitel der Menschheit verlässt seinen vordergründig christlichen Pfad glücklicherweise nach einer guten halben Stunde und wird dann zum (zwar gleichnishaften) aber auch zutiefst menschlichen Drama mit starken Darstellern und viel Raum für Interpretationen. Das Drei-Personen-Kammerspiel hat Regisseur Zobel in Bilder flirrender Hitze getaucht und seiner bewusst langsamen Inszenierung gelingt das Kunststück, zu keiner Zeit zäh zu wirken – Top Empfehlung für Freunde von Mindf*ck-Filmen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 20%
Film: 75%

Anbieter: Tiberius Film
Land/Jahr: USA 2015
Regie: Craig Zobel
Darsteller: Margot Robbie, Chris Pine, Chiwetel Ejiofor
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 98
Codec: AVC
FSK: 16