10×10

Blu-ray Review

10x10 blu-ray review cover
Ascot Elite, 16.11.2018

OT: 10×10

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Neun Quadratmeter Angst

Wendungsreicher Psychothriller mit hochkarätiger Besetzung.

Inhalt

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Cathy ahnt nicht, dass sie ein Fremder beobachtet

Seit Monaten schon beobachtet er sie. Folgt ihr. Sitzt im gleichen Restaurant und kennt ihre Verhaltensweisen. Lewis scheint, so nüchtern wie er wirkt, von Blumenverkäuferin Cathy besessen zu sein. Dann, nach einem Besuch in der Yogastunde, schlägt Lewis zu. Er kidnappt Cathy auf offener Straße. Ohne Skrupel oder der Angst davor, entdeckt zu werden, verfrachtet er sie in den Kofferraum und bringt sie in ein abgelegenes Haus. Dort hat er einen Raum für präpariert, gerade mal drei mal drei Meter groß und mit schalldichten Wänden umgeben. Warum er sie dorthin bringt, verrät er Cathy nicht. Auch ein Grund, warum die Gekidnappte davon ausgehen muss, das Haus nicht mehr leben zu verlassen …

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Lewis ist fest entschlossen

Torture Porn? Serienkiller-Thriller? Psychopathen-Drama? Nein, ganz so einfach macht es Regiedebütantin Suzi Ewing es den Zuschauer in 10×10 nicht. Was nach klassischen Genre-Mustern beginnt, nimmt im späteren Verlauf eine Wendung, die sich von allzu klischeehaften Horror-Subgenres durchaus absetzt.
Und das tut der Film nicht nur durch seine Story, sondern auch durch die Akteure. Luke Evans hat zwar schon mal einen Killer gespielt (No One Lives), ist aber als beliebter Darsteller aus Big-Budget-Produktionen (Der Hobbit, Fast & Furious 8) keine klassische Horrorfilm-Besetzung. Das Gleiche gilt für Kelly Reilly, die man aus True Detective oder Den Himmel gibt’s echt kennt. Die beiden liefern sich in den 85 Minuten ein nervenzerrendes Kammerspiel, bei dem Cathy gar nicht so wehrlos erscheint, wie man zunächst vermuten könnte. Das Puzzle des „Warum“ muss sich der Zuschauer dabei ebenso zusammensetzen wie die Entführte nach Antworten sucht. Klar scheint nur, dass die Nachrichten über eine Reihe von Todesfällen eine Rolle zu spielen scheinen. Wie das aber zusammenhängt und was Lewis mit Cathy vorhat, das verrät 10×10 nicht so schnell.

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Lewis hat den Raum lange zuvor präpariert

Was den Psychothriller neben seinen Darstellern so stark macht, ist der Aufbau von Atmosphäre. Die spärliche Nutzung von Filmmusik, die (wenn sie denn mal zu hören ist) mit einer Mischung aus dumpfen elektronischen Sounds oder sägenden Hochfrequenz-Geräuschen gestaltet wurde, trägt massiv zur Anspannung bei und funktioniert gerade aufgrund des minimalistischen Einsatzes.
Das mitunter durchaus rohe Gewalt-Geschehen, das vielmehr auf Realismus setzt denn alberne Kampfkunst-Choreographien zu integrieren wird gleichzeitig von einem ultramodern eingerichteten und designeten Architekten-Haus konterkariert, das eigentlich zu schön und unschuldig wirkt, um ein gepolstertes Gefängnis zu beherbergen. Und selbst wenn die (erste) Auflösung/Storywendung nicht die riesengroße Überraschung bereithält, so ist das Drehbuch dennoch clever genug, sich nicht darauf zu beschränken, sondern schlägt auch danach noch ein paar Haken. Dass die echten Innovationen dennoch fehlen, überspielen Evans und Reilly in ihrer gemeinsamen Tour de Force gekonnt bis zum konsequent bitteren Ende.

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Es wird ruppig zwischen den beiden …

Bild- und Tonqualität

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… sehr ruppig

10×10 nutzt ein ungewöhnlich breites Bildformat von 2,66:1, was ein sehr filmisches Erlebnis bewirkt und vor allem das stylishe Haus von Lewis episch in Szene setzt. Dazu gesellt sich eine erstaunlich gute Schärfe in Nahaufnahmen. Der Kontrastumfang ist durchweg nicht ganz perfekt. Das Bild wirkt insgesamt etwas zu hell. Außerdem sieht man deutliche Unruhen bei den Vogelperspektiven auf Lewis‘ Weg zu seinem Haus nach knapp 14 Minuten. Der Asphalt und die Bäume scheinen ein Eigenleben zu führen. Das leichte Korn, das sich auf den weißen Wänden des gedämmten Raumes in den dunkleren Szenen darstellt, wirkt hingegen authentisch analog. Nicht ganz so schön sind die Banding-Artefakte im dunklen Raum oder auf der Garagenwand (72’50, 78’48).
Akustisch liefert 10×10 vor allem in einem Bereich ab: Beim Tiefton. Die bohrende Filmmusik während der ersten Viertelstunde sowie der trockene Bass, der abgeliefert wird, wenn Cathy im Kofferraum liegt, setzen das Heimkino und den Magen des Zuschauers in Bewegung. Echte Surround-Effekte gibt’s hingegen kaum, sieht man von den vereinzelten Schüssen ab, die ein wenig über die Rears nachhallen dürfen. Stimmen bleiben indes stets gut verständlich und klingen ausgewogen.

Bonusmaterial

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Denn Cathy weiß sich zu wehren

Im Bonusmaterial von 10×10 finden sich fünf Interviews mit den Darstellern sowie der Regisseurin und dem Produzenten. Dazu gibt’s eine unkommentierte B’Roll und ein etwa vierminütiges Making-of-Featurette. Insgesamt ist das nicht sonderlich ergiebig, sondern beschreibt vornehmlich die Gedanken der Beteiligten während des Drehs.

Fazit

10×10 ist ein wendungsreiches Kammerspiel mit zwei starken Darstellern in fordernden Rollen. Die Gewaltdarstellungen sind nicht zwingend explizit, verfehlen aber aufgrund ihres rohen Realismus nicht ihre Wirkung. Eine wirklich gute Ergänzung im Genre. Suzie Ewing jedenfalls sollte man im Auge behalten.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 40%
Film: 65%

Anbieter: Ascot Elite Entertainment
Land/Jahr: GB 2018
Regie: Suzie Ewing
Darsteller: Luke Evans, Kelly Reilly, Noel Clarke, Olivia Chenery, Jason Maza
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,66:1
Laufzeit: 87
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Ascot Elite Entertainment)

Trailer zu 10×10

10×10 Official Trailer (2018) Luke Evans, Kelly Reilly Thriller Movie HD

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