91th Annual Academy Awards / Oscar© Verleihung 2019

… and the Goldjunge goes to …

 

roma-netflix-review-szene-2.jpgBevor auch nur ein Gewinner der Oscars© feststand, gab es einen ganz großen Verlierer: Kevin Hart. Der US-Comedian sollte eigentlich Jimmy Kimmel ersetzen. Doch schon zwei Tage nach dem Öffentlichwerden seiner Verpflichtung am 04.12.2018 sagte er wieder ab. Grund waren latent schwulenfeindliche Tweets aus der Zeit zwischen 2009 und 2011, in denen er bspw. seinem Sohn das Puppenhaus mit den Worten „Stopp, das ist schwul“ über dem Kopf zerschlagen würde, sollte dieser mit dem Spielzeug seiner Schwester spielen wollen. Aufgrund der darauf folgenden Kontroverse sagte Hart lieber ab, um nicht vom eigentlich Abend und den Gewinnern abzulenken.
Selbst ein angeblicher Anruf von Moderatorin Ellen DeGeneres (die 2014 selbst die Oscars© moderiert hatte) bei Academy konnte noch etwas ändern. Und einen besseren Fürsprecher hätte Hart kaum haben können, hatte sich DeGeneres doch schon 1997 als homosexuell geoutet (und bekam daraufhin die Intoleranz des Showbiz zu spüren). So kam es dann, dass man keinen Ersatz fand und die Verleihung nun seit 1989 das erste Mal ohne Moderator abhielt. Lediglich die Laudatoren führten entsprechend durch das Programm.
Begonnen hat es allerdings mit einem Medley der berühmtesten Queen-Songs, die von der Band (und ihrem „neuen“ Sänger Adam Lambert) selbst vorgetragen wurden. Dass Bohemian Rhapsody, der Film über Freddie Mercury und seine Band, der erfolgreichste Vertreter des Abends sein würde, wusste da noch niemand. Ansonsten leiteten, wie gesagt, Laudatoren und eine Off-Stimme durch die Show, was das Ganze straff und durchaus amüsant werden ließ. Politisch bisweilen ebenfalls, wenn schon von Maya Rudolph ein mehr als sarkastischer Kommentar zu Trumps geplantem Mauerbau an der mexikanischen Grenze losgelassen wird. Auch die Academy und der ausstrahlende Sender kriegen es ab, wenn sie sich das Damentrio aus Tina Fey, Maya Rudolph und Amy Poehler zu Beginn über den fehlenden Host sowie über die Diskussion lustig macht, dass zunächst geplant war, „unwichtigere“ Oscars während der Werbepausen zu verleihen.
Black-Panther-4K-UHD-Blu-ray-Review-Szene-12.jpgInsgesamt muss man aber sagen, dass die in diesem Jahr eine Woche früher als 2018 verliehenen Oscars ein wenig langweilig waren – ohne echte Highlights oder gar Skandale. Man war extrem um einen versöhnlichen Tenor bemüht, setzte Laudatoren-Paare bewusst gemixt zusammen, um ein „Statement“ zu setzen und die (wenig revolutionären) Dankesreden wurden natürlich wieder sanft von eingespielter Musik auf ihr Ende hingewiesen.
Im Vorfeld gab es dieses Mal auch keine Kontroverse wie die #MeToo-Debatte, sondern eher die Verwunderung über die zahlreichen Nominierungen des Marvel-Streifens Black Panther. Ohne Zweifel ist der Film in den USA der beliebteste und erfolgreichste aus dem kompletten MCU. Ob er qualitativ aber so gut ist, als „Bester Film“ ins Rennen zu gehen, darüber schieden sich die Geister. Für Viele wirkt es wie ein etwas ungelenker Versuch der Academy, die in den letzten Jahren sträflich übergangenen Filme und Darsteller afroamerikanischer Produktionen zu relativieren. Allerdings muss man diese Diskussion auch nicht unnötig aufbauschen. Die weiteren sechs Kategorien, in denen man ihn nominiert hat, sind allesamt begründet – und zwar auch jene für den besten Ton und Tonschnitt. Denn die maue Tonqualität, die der Film auf Blu-ray hat, entspricht nicht jener, die man in den US-Kinos hören durfte.
Abgesehen von Black Panther waren die großen Gewinner dann, wie oben angerissen, Bohemian Rhapsody, Green Book und Roma. Während das Queen-Biopic vier Oscars (von fünf Nominierungen) absahnte, erlangten Roma und Green Book jeweils drei Goldstatuen. Für Alfonso Cuarón war es ein besonders erfolgreicher Abend, bekam er doch für Regie, bester fremdsprachiger Film und beste Kamera gleich drei Oscars persönlich.
Für all jene, die Black Panther für überbewertet hielten, durfte es eine Erleichterung sein, dass er „nur“ in den Kategorien Szenenbild, Kostümdesign und Filmmusik gewann – und das absolut zu Recht. Der Oscar für den besten Ton oder gar Film war nicht dabei. Größter Verlierer war dann indes The Favorite – Intrigen und Irrsinn, der von zehn Nominierungen nur jene für die beste Hauptdarstellerin gewinnen konnte. Auch A Star is Born darf sich grämen, denn von acht Nominierungen wurde mit „Shallow“ nur der Filmsong eingefahren.
Wer am Ende die einzelnen Kategorien nach Hause holte, lest ihr im Folgenden:

Kategorie: Bester Nebendarsteller

Die Nominierten

  • Mahershala Ali („Green Book“)
  • Adam Driver („BlacKkKlansman“)
  • Sam Elliott („A Star is Born“)
  • Richard E. Grant („Can You Ever Forgive Me?“)
  • Sam Rockwell („Vice – Der zweite Mann“)

Gewinner:

  • Mahershala Ali („Green Book“)

Kategorie: Beste Nebendarstellerin

Die Nominierten:

  • Amy Adams – („Vice – Der zweite Mann“)
  • Marina de Tavira – („Roma“)
  • Regina King („If Beale Street Could Talk“)
  • Emma Stone („The Favourite – Intrigen und Irrsinn“)
  • Rachel Weisz („The Favourite – Intrigen und Irrsinn“)

Gewinner:

  • Regina King („If Beale Street Could Talk“)

Kategorie: Bestes Originaldrehbuch

Die Nominierten:

  • D. Davis & T. McNamara („The Favourite – Intrigen und Irrsinn“)
  • N. Vallelonga, V. Currie & P. Farrelly („Green Book“)
  • Guillermo del Toro & Vanessa Taylor („Roma“)
  • Adam McKay („Vice – Der zweite Mann“)
  • Paul Schrader („First Reformed“)

Gewinner:

  • N. Vallelonga, V. Currie & P. Farrelly („Green Book“)

Kategorie: Bestes adaptiertes Drehbuch

Die Nominierten:

  • Ethan und Joel Coen („The Ballad of Buster Scruggs“)
  • Charlie Wachtel, David Rabinowitz, Kevin Willmott und Spike Lee („BlacKkKlansman“)
  • Nicole Holofcener und Jeff Whitty („Can You Ever Forgive Me?“)
  • Barry Jenkins („If Beale Street Could Talk“)
  • Eric Roth, Bradley Cooper und Will Fetters („A Star Is Born“)

Gewinner:


Kategorie: Bestes Szenenbild

Die Nominierten:

  • Hannah Beachler & Jay Hart („Black Panther“)
  • Fiona Crombie & Alice Felton („The Favourite – Intrigen und Irrsinn“)
  • John Myhre & Gordon Sim („Mary Poppins‘ Rückkehr“)
  • Nathan Crowley & Kathy Lucas („Aufbruch zum Mond“)
  • Eugenio Caballero & Bárbara Enriquez („Roma“)

Gewinner:


Kategorie: Bestes Kostümdesign

Die Nominierten:

  • Mary Zophres – („The Ballad of Buster Scruggs“)
  • Ruth E. Carter – („Black Panther“)
  • Sandy Powell – („The Favourite – Intrigen und Irrsinn“)
  • Sandy Powell – („Mary Poppins’ Rückkehr“)
  • Alexandra Byrne – („Maria Stuart, Königin von Schottland“)

Gewinner:


Kategorie: Bestes Make-up/Frisuren

Die Nominierten:

  • Göran Lundström & Pamela Goldammer („Border“)
  • Jenny Shircore, Marc Pilcher & Jessica Brooks („Maria Stuart, Königin von Schottland“)
  • Greg Cannom, Kate Biscoe & Patricia DeHaney („Vice – Der zweite Mann“)

Gewinner:

  • Greg Cannom, Kate Biscoe & Patricia DeHaney („Vice – Der zweite Mann“)

Kategorie: Bester Schnitt

Die Nominierten:

  • Barry Alexander Brown („BlacKkKlansman“)
  • John Ottman („Bohemian Rhapsody“)
  • Yorgos Mavropsaridis („The Favourite – Intrigen und Irrsinn“)
  • Patrick J. Don Vito („Green Book“)
  • Hank Corwin („Vice – Der zweite Mann“)

Gewinner:

  • John Ottman („Bohemian Rhapsody“)

Kategorie: Beste Kamera

Die Nominierten:

  • Łukasz Żal („Cold War – Der Breitengrad der Liebe“)
  • Robbie Ryan (The Favourite – Intrigen und Irrsinn“)
  • Caleb Deschanel („Werk ohne Autor“)
  • Alfonso Cuarón („Roma“)
  • Matthew Libatique („A Star is Born“)

Gewinner:


Kategorie: Bester Ton

Die Nominierten:

  • Steve Boeddeker, Brandon Proctor und Peter J. Devlin („Black Panther“)
  • Paul Massey, Tim Cavagin und John Casali („Bohemian Rhapsody“)
  • Jon Taylor, Frank A. Montaño, Ai-Ling Lee und Mary H. Ellis („Aufbruch zum Mond“)
  • Skip Lievsay, Craig Henighan und José Antonio García („Roma“)
  • Tom Ozanich, Dean A. Zupancic, Jason Ruder und Steve A. Morrow („A Star Is Born“)

Gewinner:

  • Paul Massey, Tim Cavagin und John Casali („Bohemian Rhapsody“)

Kategorie: Bester Tonschnitt

Die Nominierten:

  • Ben Burtt & Steve Boeddeker („Black Panther“)
  • John Warhurst & Nina Hartstone („Bohemian Rhapsody“)
  • Ai-Ling Lee & Mildred Iatrou Morgan („Aufbruch zum Mond“)
  • Ethan Van der Ryn & Erik Aadahl („A Quiet Place“)
  • Sergio Díaz & Skip Lievsay („Roma“)

Gewinner:

  • John Warhurst & Nina Hartstone („Bohemian Rhapsody“)

Kategorie: Beste visuelle Effekte

Die Nominierten:

Gewinner:

  • Paul Lambert, Ian Hunter, Tristan Myles und J.D. Schwalm („Aufbruch zum Mond“)

Kategorie: Bester Animationsfilm

Die Nominierten:

    • „Chaos im Netz“
    • „Isle of Dogs – Ataris Reise“
    • „Mirai – Das Mädchen der Zukunft“
    • „Spider-Man: A New Universe“
    • Die Unglaublichen 2

Gewinner:

  • „Spider-Man: A New Universe“

Kategorie: Bester animierter Kurzfilm

Die Nominierten:

  • „Animal Behavior“
  • „Bao“
  • „Late Afternon“
  • „One Small Step“
  • „Weekends“

Gewinner:

  • „Bao“

Kategorie: Bester Kurzfilm

Die Nominierten:

  • „Detainment“
  • „Fauve“
  • „Marguerite“
  • „Mother“
  • „Skin“

Gewinner:

  • „Skin“

Kategorie: Bester fremdsprachiger Film

Die Nominierten:

  • Libanon: „Capernaum – Stadt der Hoffnung“
  • Polen: „Cold War – Breitengrad der Liebe“
  • Mexiko: „Roma“
  • Japan: „Shoplifters – Familienband“
  • Deutschland: „Werk ohne Autor“

Gewinner:


Kategorie: Bester Dokumentarfilm

Die Nominierten:

  • „Free Solo“
  • „Hale County This Morning, This Evening“
  • „Minding the Gap“
  • „Of Fathers and Sons“
  • „RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit“

Gewinner:

  • „Free Solo“

Kategorie: Bester Dokumentar-Kurzfilm

Die Nominierten:

  • „Black Sheep“
  • „Endspiel“
  • „Lifeboat“
  • „A Night at the Garden“
  • „Period. End of Sentence.“

Gewinner:

  • „Period. End of Sentence“

Kategorie: Beste Filmmusik

Die Nominierten:

  • Ludwig Göransson („Black Panther“)
  • Terence Blanchard („BlacKkKlansman“)
  • Nicholas Britell („If Beale Street Could Talk“)
  • Alexandre Desplat („Isle of Dog – Ataris Reise“)
  • Marc Shaiman („Mary Poppins‘ Rückkehr“)

Gewinner:


Kategorie: Bester Filmsong

Die Nominierten:

  • „All the Stars“ von Mark Spears, Kendrick Lamar & Anthony Tiffith („Black Panther“)
  • „I’ll Fight“ von Diane Warren („RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit“)
  • „The Place Were Lost Things Go“ von Marc Shaiman & Scott Wittman („Mary Poppins‘ Rückkehr“)
  • „Shallow“ von Lady Gaga, Mark Ronson, Anthony Rossomando & Andrew Wyatt („A Star is Born“)
  • „When a Cowboy Trades his Spurs for Wings“ von David Rawlings & Gillian Welch („The Ballad of Buster Scruggs“)

Gewinner:

  • „Shallow“ von Lady Gaga, Mark Ronson, Anthony Rossomando & Andrew Wyatt („A Star is Born“)

Kategorie: Beste Hauptdarstellerin

Die Nominierten:

  • Yalitza Aparicio („Roma“)
  • Glenn Close („Die Frau des Nobelpreisträgers“)
  • Olivia Colman („The Favourite – Intrigen und Irrsinn“)
  • Lady Gaga („A Star is Born“)
  • Melissa McCarthy („Can You Ever Forgive Me?)

Gewinnerin:

  • Olivia Colman („The Favourite – Intrigen und Irrsinn“)

Kategorie: Bester Hauptdarsteller

Die Nominierten:

  • Christian Bale („Vice – Der zweite Mann“)
  • Bradley Cooper („A Star is Born“)
  • Willem Dafoe („At Eternity’s Gate“)
  • Rami Malek („Bohemian Rhapsody“)
  • Viggo Mortensen („Green Book – Eine besondere Freundschaft“)

Gewinner:

  • Rami Malek („Bohemian Rhapsody“)

Kategorie: Beste Regie

Die Nominierten:

  • Alfonso Cuarón („Roma“)
  • Giorgos Lanthimos („The Favourite – Intrigen und Irrsinn“)
  • Spike Lee („BlacKkKlansman“)
  • Adam McKay („Vice – Der zweite Mann“)
  • Pawel Pawlikowski („Cold War – Breitengrad der Liebe“)

Gewinner:


Kategorie: Bester Film

Die Nominierten:

Gewinner:

  • „Green Book – Eine besondere Freundschaft“

Ehrenoscars

Die Ehrenoscars werden immer im Vorfeld verliehen – dieses Mal am 18. November 2018 im Rahmen der „Governors Awards“. Preisträger waren:

  • Marvin Levy
  • Lalo Schifrin
  • Cicely Tyson

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