North Hollywood

Blu-ray Review

EuroVideo, 09.06.2022

OT: North Hollywood

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Kickflip des Lebens

Vom Traum, ein Profi-Skateboarder zu werden …

Inhalt

Michael ist ein typischer Teenager: Ständig im Stress mit seinem Vater, der ihm gerne beibringen würde, wie man den Duschvorhang zu nutzen hat, damit das Bad zur Abwechslung mal nicht komplett unter Wasser steht, träumt er eigentlich davon, Profiskater zu werden. Und weil er momentan auch grundsätzlich ein bisschen anti ist, schmeißt er auch das Wasserball-Training. Allerdings nicht, bevor er sich nicht mit einem Kerl angelegt hat, der doppelt so schwer und muskulös ist wie er selbst. Auch das findet der Herr Papa nicht gut, während Rachel, Michaels Flamme, das blaue Auge ganz sexy findet. Seine Kumpels Adolf und Jay, mit denen sich Michael nach der Schule auf einen Ollie oder Nollie trifft, nehmen ihn ohnehin so wie er ist. Als er sich allerdings mit den Profiskatern der Gegend zu treffen beginnt und seine eigentlichen Freunde vernachlässigt, stellt sich für Michael irgendwann die Frage, zu wem oder was er letztlich stehen soll …

Mikey Alfred kennt sich in der Skaterszene aus. 2008 gründete er gemeinsam mit ein paar Freunden das Unternehmen Illegal Civilization. Unter diesem Label drehten sie zunächst Skate-Videos und boten T-Shirts in North Hollywood (Kalifornien) an. Zu dem Zeitpunkt war Mikey im Übrigen zarte 13! Jahre alt. Über ein paar Skater-Freunde begann Alfred dann die Videokamera zu schwingen und wurde beispielsweise zum exklusiven Filmer für das Hip-Hop-Kollektiv Odd Future. Wenn er mit diesen auf Tour war, verteilte er seine eigenen Merchandising-Artikel weiter und Illegal Civilization wurde immer bekannter. Mittlerweile ist IC auch zum Filmstudio gereift und Mikey Alfred schmeißt sich auch schon mal als Produzent in die Runde. Unter anderem koproduzierte er Jonah Hills (21 Jump Street) Regiedebüt Mid90s – da war Alfred gerade mal 23 Jahre jung. Nachdem Mid90s ihn so angefixt hatte, wuchs in ihm der Gedanke, einen eigenen Film über das Skaten und Erwachsenwerden zu inszenieren – und natürlich zu produzieren. Und was läge da näher, als autobiografische Bezüge mit einzuflechten. So ist das von ihm selbst verfasste Drehbuch der Coming-of-Age-/Skater-Dramödie durchaus inspiriert von Mikey selbst und seiner Beziehung zu seinem Vater.
Was er da mit dem Skript und der Inszenierung von North Hollywood geschaffen hat, ist im besten Sinne absolut authentisches Lebensgefühl. Vom Gemeinschaftsding, das er mit seinen zwei Kumpels hat, der zarten Schwärmerei für Schulschönheit Rachel und den typischen Auseinandersetzungen mit dem alleinerziehenden Vater, der es nur gut meint (und eigentlich meistens auch Recht hat), erzählt der Film. Vince Vaughn spielt diesen Dad und tut das mit einer länger nicht mehr von ihm gesehenen Spielfreude. Bei aller Belehrung und allem Tadel an des Sohnemanns Verhalten merkt man seiner Vaterfigur stets an, dass er seinen Filius über alles liebt und ihm nur das Beste ermöglichen möchte. Exemplarisch für diese innige Zuneigung dient die Sequenz, in der die beiden soeben noch über ein an der Wand lehnendes Skateboard streiten („das macht Streifen auf der Tapete“) und Mike im nächsten Moment vom Papa Nachhilfe in Sachen Boxen bekommt, um das nächste Mal ohne blaues Auge aus einem Konflikt herauszugehen.
Dass er mi dem blauen Auge bei seiner Flamme Rachel ganz gut ankommt, mag ein bisschen romantisiert sein, doch insgesamt beschönigt der Film nichts. So ist Michaels teils opportunes Verhalten im Angesicht seiner eigentlichen Verlorenheit bei gleichzeitiger Traumwandlerei ziemlich authentisch. Dass man seine eigentlichen Freunde vernachlässigt, weil man über ein paar unerreichbar scheinende Vorbilder eine Stufe nach oben fallen möchte, wirkt nachvollziehbar. Und Hauptdarsteller Ryder McLaughlin, der schon in Mid90s mitspielte, macht das gut – nicht nur in den tollen Skateboardszenen. Dass seine Figur nicht besonders sympathisch angelegt ist; dass er sich immer wieder zwischen alle Stühle setzt und irgendwie zu nichts stehen kann, zeigt die Widersprüchlichkeit Michaels und wenn man voraussetzt, dass Regisseur Mikey Alfred hier weitgehend autobiografische Elemente verwendete, muss man konstatieren, dass er mit sich selbst nicht allzu freundlich umging. Aber noch mal zurück zu den Skateboardszenen: Dass die Darsteller allesamt ambitionierte Amateur- oder sogar Profiskater sind, sieht man in jeder Sequenz, in der die Kunstfertigkeit inszeniert wird. Ohne hektische Schnitte, die über Unzulänglichkeiten hinwegtäuschen könnten, zeigt die Kamera mit fast statischen Einstellungen, die alles (auch die Fehlversuche) offenbaren. Schnitte ist ein gutes Stichwort, denn nicht immer ist North Hollywood glücklich geschnitten. Manchmal wirkt der Film etwas unstrukturiert und einige Szenen erscheinen unnötig einkopiert. Nicht unnötig, aber ungewöhnlich ist die Filmmusik, die Alfred in North Hollywood integrierte. Würde man zumeist fette Hip-Hop-Beats oder auch noch die Ausläufer des California Punk Rocks erwarten, gibt’s an deren Stelle eher 50er-Jahre-Oldies.
Preis: 11,99 €
(Stand von: 2022/07/05 7:48 pm - Details
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Studio:
Format: Blu-ray
Spieldauer:
Erscheinungstermin: Thu, 09 Jun 2022
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Bild- und Tonqualität

Um das Flair des Themas und die warme Umgebung Kaliforniens angemessen einzufangen, nutzt North Hollywood eine sehr warme Farbgebung mit einer leicht gelblichen Tönung. Hautfarben sind deshalb nicht sonderlich natürlich und eine rote Kunstleder-Garnitur im Diner wirkt eher orange-bräunlich. Helle Oberflächen überstrahlen ein wenig und die Schärfe könnte auch ein besser sein. Die ebenfalls zu sehenden Randunschärfen sind objektivbedingt, die teils vorhandenen Artefaktsäume rund um feine Details allerdings nicht. Wobei das Encoding insgesamt verhältnismäßig gut geraten ist. Die Kontrastierung ist eher mittelmäßig. Ab und an sind die Hell-Dunkel-Übergänge zu steil, Details im Dunklen versumpfen ein wenig.
Die beiden DTS-HD-Master-Spuren in Deutsch und Englisch von North Hollywood bleiben durchweg recht unspektakulär. Selbst die Filmmusik beschränkt sich meist auf die Frontspeaker, während Umgebungsgeräusche immerhin auch auf die Surrounds gelegt wurden – beispielsweise Fahrzeugsound oder das Rauschen von Laub an den Bäumen. Während Stimmen recht gut verständlich sind, bleiben die Subwoofer beständig unterfordert, schalten sich mitunter sogar ins Standby. Erst bei einem der ungelenken Hip-Hop-Versuche gibt’s mal ein bisschen Bums. In Summe ist das aber ein bisschen wenig, um hier für Akzente zu sorgen.

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Bonusmaterial

Mit Ausnahme des Trailers findet sich weiter nichts im Bonusmaterial von North Hollywood. Was schade ist, da man gerne ein Featurette über die Skateboardszenen oder die Skater-Hintergründe der Darsteller gehabt hätte.

Fazit

Gegenüber Jonah Hills Mid90s zieht North Hollywood den Kürzeren. Das bedeutet aber nicht, dass Mikey Alfreds Film nicht dennoch eine Menge Lebensgefühl der Skater-Szene vermittelt. Getragen von authentischen Darstellern und echten Skateboardkünsten dürfte die Dramödie vor allem jene unterhalten und interessieren, die sich auf irgendeine Art und Weise mit der Szene verbunden fühlen. Während das Bild etwas unter der gelblichen Einfärbung leidet und im Kontrast ausgewogener sein dürfte, fehlt’s dem Ton an Dynamik, Basskraft und Räumlichkeit.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 10%
Film: 70%

Anbieter: EuroVideo
Land/Jahr: USA 2021
Regie: Mikey Alfred
Darsteller: Ryder McLaughlin, Miranda Cosgrove, Vince Vaughn, Aramis Hudson
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 94
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter EuroVideo)
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Trailer zu North Hollywood

NORTH HOLLYWOOD I Offizieller Trailer


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