A Beautiful Day

Blu-ray Review

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Highlight Communications, 06.09.2018

OT: You Were Never Really Here

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Hammer!

Starker Mix aus Thriller und Drama mit wuchtigen Darsteller-Leistungen.

Inhalt

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Joe – ein Einzelkämpfer mit schwerem Kindheits-Trauma

Joe ist ein schwer traumatisierter Kerl. Er war mal beim Militär und auch mal beim FBI. Nun ist er ein Typ, der mit bösen Buben skrupellos umgeht, aber tief im Inneren noch eine Moral hat. Ein perfekter Söldner für Spezialaufträge. Meist ruft man ihn, wenn Menschen gekidnappt wurden. So auch jetzt. Nina, die Teenager-Tochter eines New Yorker Senators ist verschwunden und die Spur führt in ein Bordell. Dort wird die Kleine festgehalten. Doch es handelt sich offenbar um mehr als einen bloßen Fall von Entführung oder Zwangsprostitution. Mehr und mehr gerät Joe in einen Kampf, der mit politischen Mächten zu tun hat und in dem er unterlegen zu sein scheint. Doch so leicht gibt er nicht auf – schon gar nicht, wenn es um das Leben eines unschuldigen Mädchens geht …

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Joe holt Nina aus dem Bordell raus

Die Kamera ist nahe dran, an diesem Kerl. Er verbrennt ein Foto, wischt einen Hammer ab, der offensichtlich blutbefleckt ist. Er spült das Tuch ins Klo, verlässt das Hotelzimmer, gibt irgendeinem Fremden, der ihn überfallen will, noch eine Kopfnuss mit, steigt in ein Taxi und ruft über einen Münz-Telefon am Flughafen einen Unbekannten an. „Erledigt“ sagt er …
Joaquin Phoenix ist dieser Typ, der gute zehn Minuten im Fokus steht, in denen er nur dieses eine Wort rausbringt: „Erledigt“. Mit langem Rauschebart sieht er mehr und mehr aus wie sein viel älterer Schauspielkollege Mel Gibson, mit dem er in Signs noch gemeinsam vor der Kamera stand. Phoenix hatte eine steile Karriere in Hollywood gestartet, bis er mit ein paar sehr seltsamen Entscheidungen und noch bescheuerteren Filmen wie I’m Still Here auf „Kunst“ machte und negativen Kritike(r)n entgegnete, man würde ihn nicht verstehen. Seither hat er sich allerdings wieder etwas besonnen und die Auswahl seiner Filme geriet bisweilen vortrefflich. Offenbar braucht er diese kurze Zeit des Experimentierens, um richtig gut zu werden. Denn schon in The Immigrant und vor allem in Her zeigte er, was er schauspielerisch drauf hat. Nun kommt er in A Beautiful Day gar prämiert daher. Denn für den Film von Lynne Ramsay (We Need to Talk about Kevin) erhielt Phoenix den Darstellerpreis beim Filmfestival von Cannes im letzten Jahr. Und das vollkommen zurecht. So sehr wie sich der Film auf ihn fokussiert, so sehr nimmt er den Zuschauer mit auf eine 90-minütige Reise in die Abgründe der Seele.

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Das Mädchen ist verstört und verängstigt

Denn darum geht es in A Beautiful Day.
Vordergründig vielleicht ein Entführungsthriller/-drama, dauert es 20 Minuten, bevor der Zuschauer auch nur annähernd vermutet, was dieser Joe wohl tut. Bis dahin erfahren wir von der schwierigen Beziehung zu seiner dementen Mutter und werden Zeuge von autoaggressivem Verhalten, das aus einer offenbar sehr harten Kindheit rührt. Immer wieder plagen Joe Visionen – ob aus der Vergangenheit oder einer möglichen Zukunft wird zunächst nicht deutlich. Betont langsam ist dabei das Tempo. Auch die Befreiungsaktion Ninas in einem mehrgeschossigen Haus ist nicht reißerisch inszeniert. Vielmehr bedrückend, wenn Joe von den geräuschlos aufzeichnenden Nachtsicht-Kameras beobachtet wird, wie er zwei Kerle mit dem Hammer erschlägt. Das bedeutet allerdings nicht, dass A Beautiful Day nicht gewalttätig ist. Ganz im Gegenteil. Das Eindringen der fremden Typen in Joes Zimmer nach 44 Minuten gerät äußerst roh und schockierend. Dazu ertönt immer wieder ein ungewohnter Filmscore/Soundtrack. Verzerrte Frequenzgeräusche, dissonante Klassikmusik (komponiert von Jonny Greenwood/Radiohead), anschwellendes Rauschen – massenkompatibel und geschmacksneutral will Ramsays Film so gar nicht sein. Vielmehr ist es eine Geschichte von Erlösung. Joe, dessen Vergangenheit alles andere als rosig verlief, hat seine Unschuld längst verloren. Die Welt um ihn herum ist kalt, brutal und grau. Seine Wahl, wenigstens einige der übelsten Subjekte, die auf der Erde wandeln, zu beseitigen, kann ihm nur für einen kurzen Moment Befriedigung verschaffen. Die Illusion, die Welt zu retten, hat er nicht mehr. Vielleicht gelingt es ihm aber immerhin, dieses eine Mädchen zu retten und dessen Unschuld zu wahren – vielleicht …

Bild- und Tonqualität

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Ein schwerer Gang

A Beautiful Day ist während der gut ausgeleuchteten Szenen absolut ruhig und nahezu frei von Korn. In den dunkleren Momenten, wenn Joe durch die schmuddeligen Nebenstraßen New Yorks fährt, in denen Neonlicht mit grellen Autoscheinwerfern kämpft, gesellt sich dann etwas Korn hinzu. Farben wirken natürlich, sind nur in dunkleren Innenraum-Szenen etwas übersatt. Die Schärfe ist stets gut. Es sei denn, die Kamera rutscht bewusst aus dem Fokus und setzt Unschärfen gezielt ein. Der Kontrastumfang weiß zu gefallen, selbst der Schwarzwert ist recht knackig.
Akustisch transportiert A Beautiful Day vor allem die Atmosphäre in den Straßen New Yorks äußerst authentisch ins Heimkino. Weiträumig und offen klingt es. Die außergewöhnliche Filmmusik ist ebenfalls überraschend frei abgelegt. Die Instrumente kommen teilweise dediziert aus den einzelnen Lautsprechern und werden nicht einfach auf alle fünf gleichzeitig verteilt. Die elektronische Bass-Drum gibt dem Subwoofer zudem erstaunlich viel Schub. Dialoge sind ein bisschen nuschelig, aber dennoch verständlich. Beim Gewitter-Regen nach 43 Minuten ergießt sich das Wasser wunderbar auf alle Lautsprecher – für einen eher aufs Drama konzentrierten Thriller ist das ein sehr guter Tonsektor.

Bonusmaterial

Das Bonusmaterial von A Beautiful Day enthält je ein Interview mit Phoenix und Regisseurin Ramsay. Dazu gibt’s noch den Originaltrailer.

Fazit

Ebenso wie Joaquin Phoenix‘ Körper ist auch A Beautiful Day: Schwergewichtig und geschunden. Keine einfache Kost, aber für Cineasten ein absolutes Highlight. Darstellerisch und inszenatorisch eine echte Wucht – das im Titel enthaltene „beautiful“ sollte man allerdings nicht zu wörtlich nehmen – wirklich schöne Momente gibt’s nur sehr selten. Ohne groß zu übertreiben, kommt der Vergleich zu Taxi Driver unwillkürlich hoch – und er ist nicht mal zu hoch gegriffen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 30%
Film: 90%

Anbieter: Highlight Communications
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Lynne Ramsay
Darsteller: Joaquin Phoenix, Ekaterina Samsonov, Dante Pereira-Olson, Larry Canady, Vinicius Damasceno, Neo Randall, Judith Roberts
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 90
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Highlight Communications)

Trailer zu A Beautiful Day

A Beautiful Day – offizieller Trailer

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