A Thought of Ecstasy

Blu-ray Review

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A Thought of Ecstacy Blu-ray Review Cover
Koch Films, 23.08.2018

 


Ein Fremder in der eigenen Geschichte

Rolf Peter Kahl schlägt mit A Thought of Ecstacy ein neues Kapitel auf.

Inhalt

A Thought of Ecstacy Blu-ray Review Szene 4
Erinnerungen an Marie

2019: Irgendwo in der kalifornischen Wüste findet sich der Berliner Frank wieder. Ein Buch, das er vor Kurzem gelesen hat, lässt ihn zurückdenken an die Beziehung zu Marie, mit der er Jahre zuvor in Deutschland eine leidenschaftliche Beziehung hatte. Marie verschwand nach Amerika, wo sich Frank nun auf die Suche begibt, um sie zu finden. Gleichzeitig findet er sich in einem Land wieder, das seinen moralischen Kompass verloren hat und unter einer erdrückenden Hitzewelle leidet. Ob er Marie oder zu sich selbst finden wird, bleibt fraglich …

A Thought of Ecstacy Blu-ray Review Szene 1
Was „Shades of Grey“ …

Kahle Bilder der wüsten US-Einöde, flirrende Hitze auf dem Aspahlt, kryptische Monologe und ein glatzköpfiger Typ, der durchs Bild stakst – der jüngste Film von RP Kahl (Bedways) ist ein visuelles, erzählerisches und inhaltliches Experiment mit ziemlich viel Nacktheit. Die Suche eines Mannes nach der Liebe seines Lebens. Das ist verkopftes deutsches Kino vor staubiger Kulisse mit ebenso experimenteller, teils fragmentarischer Musikuntermalung. A Thought of Ecstacy ist ganz weit weg vom Mainstream-Kino. Weit weg von den oberflächlichen erotischen Fantasien, die Shades of Grey fürs Massenpublikum bietet. Die Szenen erotischer und sado-masochistischer Natur in Kahls Film sind roh und ruppig, überschreiten auch schon mal die Grenze zur Pornographie – und sind damit weit näher an der Realität als das Möchtegern-Rumgetue in den Verfilmungen der E.-L.-James-Romane. Gleichzeitig fängt A Thought of Ecstacy mit seinen stilisierten Bildern und dem Hintergrund der unerträglichen Hitze die Stimmung der USA in der Trump-Ära ein. Trist und kahl ist es, verödet und moralisch verkommen. Mit teils surrealen Bildern und inszenierten Kunstwerken unterstreicht der Film seinen durchweg vorhandenen Hang zum Kontroversen.

A Thought of Ecstacy Blu-ray Review Szene 3
… nicht zu zeigen wagte

Was die Stimmung der deutschen Fassung leider beeinträchtigt, ist die Tatsache, dass Rolf Peter Kahl den Film auf Englisch drehte, sich aber selbst im Deutschen synchronisierte. Das führt in den meisten Filmen zu einer irritierenden Konnotation – zumal Kahl sich noch nüchterner synchronisiert als er schon im englischen Original mit gruselig-gekünsteltem Deutsch-Slang spricht. Gleichzeitig ist seine Figur schlicht unsympathisch. Wenn man sich als Zuschauer in A Thought of Ecstacy wiederfinden möchte, weil man eventuell auch einem alten Leben, einer alten Liebe hinterher trauert, dann gelingt es ihm darstellerisch nicht, Sympathien für seine Situation zu erzeugen. Das mag so gewollt sein – gerade, um das Kühle und Unnahbare zu dramatisieren, behindert aber das emotional-empathische Einfühlen in die Story.
Gleichzeitig fragt man sich durchaus öfter mal, ob er die erotischen Szenen nicht doch eher selbstzweckhaft eingesetzt hat. Auf seinem Weg, die Liebe seines Lebens zu finden, helfen sie jedenfalls nur bedingt. Sie spiegeln eher die Seele eines Mannes wider, dessen eigene Libido zunehmend verwirrter und entarteter zu werden scheint. Ein Mann, dessen sexuelle Verwirrung noch dadurch angetrieben wird, dass er eigene Erinnerungen mit Erlebnissen vermischt, die er in Verbindung mit zwei Sex-Business-Damen macht.
Während man A Thought of Ecstasy durchaus als Film mit pornografischem Inhalt deklarieren kann, vermittelt die inhaltliche und emotionale Leere dieser 90 Minuten eben auch eindrücklich die gesellschaftliche Abstumpfung gegenüber einer durchsexualisierten Welt.

Bild- und Tonqualität

A Thought of Ecstacy Blu-ray Review Szene 5
Die Kunden werden befriedigt

A Thought of Ecstacy spielt mit optischen Überreizungen. Die Bilder sind bisweilen drastisch zu hell und auf hellen Oberflächen überstrahlen sie zudem. Randbereiche weisen schon mal chromatische Aberrationen auf und Bewegungen offenbaren sichtbare Artefakte. Der Schwarzwert ist dauerhaft schwach und auch Fraben wirken ausgeblichen. Während Close-ups bisweilen knackig scharf sind,
Experimente gibt’s auch beim Ton von A Thought of Ecstacy. Schon die erste Szene wummert tief im Bassbereich. Während der Monologe Franks dröhnt es bisweilen derart, dass man die Stimme kaum versteht. Ohnehin ist der Score viel zu laut und undifferenziert abgemischt. Immer wieder möchte man leiser machen, versteht dann aber keine Dialoge mehr. Wenn die Musik mal still bleibt, werden Dialoge aber doch verständlich wiedergegeben. Echte 5.1-Momente gibt’s allerdings nicht – die Rears bleiben weitgehend still.

Bonusmaterial

A Thought of Ecstacy Blu-ray Review Szene 2
Marie?

Im Bonusmaterial von A Thought of Ecstacy gibt’s ein 20-minütiges Interview mit dem Produzenten-/Regie-Team Kahl und Neumann. Dazu stehen Teaser und Trailer zur Verfügung. Des Weiteren lässt sich über die Tonspuren-Einstellung ein Audiokommentar aktivieren.

Fazit

Für die einen kontroverses Kino mit exzessiven Bildern, für die anderen eine künstlerische Ausrede für einen Pornofilm –  A Thought of Ecstacy wird kaum einen Zuschauer unberührt lassen. Das mag man oder man mag es nicht. Allerdings sollte man wissen, worauf man sich einlässt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 50%
Tonqualität (dt. Fassung): 50%
Tonqualität (Originalversion): 50%
Bonusmaterial: 30%
Film: 50%

Anbieter: Koch Films
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Rolf Peter Kahl
Darsteller: Deborah Kara Unger, Rolf Peter Kahl, Ava Verne, Lena Morris, Buddy Giovinazzo, Joel Cairo
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 89
Codec: AVC
FSK: 18

Trailer zu A Thought of Ecstacy


So testet Blu-ray-rezensionen.net

Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
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