Amundsen – Wettlauf zum Südpol

Blu-ray Review

Ascot Elite, 29.11.2019

OT: Amundsen

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Der ruhmvolle Autokrat

Wie ein Mann als Erster beide Pole bereiste und dann von der Bildfläche verschwand.

Inhalt

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Amundsen und seine Mitstreiter trotzen der Kälte

Roald Amundsen ist seit seiner Kindheit davon beseelt, einst die unentdeckten Pole der Erde zu erreichen. Gemeinsam mit seinem Bruder Leon beginnt er mit kleineren Expeditionen, versteift sich dann aber auf das große Ganze. Während Leon in der Heimat zurück bleibt, um die Vorhaben zu finanzieren, durchquert Roald als erster Mensch die Nordwestpassage. Mit diesem Erfolg im Rücken spricht er vor der königlichen geographischen Gesellschaft in London vor, wird allerdings dafür belächelt, dass er sich eine arktische Expedition auf Basis der Verhaltensweisen der Inuit vornehmen möchte – zumal die Engländer mit dem Schotten Robert Scott ein eigenes heißes Eisen im Feuer haben, als Erster den Südpol zu erreichen. Doch zunächst gibt er vor, als Forscher in Richtung Nordpol zu arbeiten, um sich Regierungs- und Förderungsgelder zu sichern. Als die Nachricht eintrifft, dass der Nordpol angeblich entdeckt sei, sattelt Amundsen um. Es beginnt ein Wettlauf mit dem Briten Scott, als Erster zum Südpol zu gelangen …

Wenn der Proviant knapp wird …

Roald Engelbregt Gravning Amundsen lebte von 1872 bis 1928. Der jüngste Sohn eines Kapitäns gilt als einer der größten Entdecker des 20. Jahrhunderts und sein Name dürfte noch heute klangvoll und bekannt sein.
Die Tatsache, dass er bis heute zu den größten Entdeckungsreisenden von Arktis und Antarktis gehört, bietet reichlich Stoff für eine Verfilmung. Immerhin hatte Amundsen als Erster die Nordwestpassage über das Nordpolarmeer und den kanadisch-arktischen Archipel vollzogen und war 1911 als erster Mensch am geographischen Südpol.
Basierend auf einem Drehbuch von Ravn Lanesskog entwickelt Regisseur Espen Sandberg erneut ein episches Abenteuer, das auf realen Geschehnissen beruht. Bereits bei Max Manus sowie in Kon-Tiki huldigte er zweier norwegischer Legenden (Max Manus und Thor Heyerdahl). Nun also Amundsen, dem Bezwinger zweier Pole, dem Trotzer von Schneesturm und Eiseskälte.
Sandbergs Film beginnt im Juni 1925 als Roalds Bruder Leon bei Bess Magids auftaucht, während von Roald nach dem Start einer Nordpol-Überquerung mit dem Flugzeug schon länger keine Nachricht mehr kam. Wir bringen also zunächst etwas über den Entdecker in Erfahrung, indem wir zwei andere Figuren aus dessen Historie kennen lernen. Leon erinnert sich an die Kindheit der beiden, in denen sie eng verbunden waren. Wie Roald sich vom unentdeckten Nordpol faszinieren ließ und in einer Eiswanne badete, um die Bedingungen während der Kälte-Expeditionen zu trainieren. Wir erfahren, dass Leon den Auftrag der sterbenden Mutter bekam, auf den jüngeren Bruder aufzupassen und bekommen Eindrücke von den ersten kleineren Abenteuern der Geschwister. Schon hier wird klar, wie aufopfernd, zielstrebig und ein bisschen dickköpfig Roald seine Ziele verfolgt.

Späte Liebe: Roald und Bess

Sandberg belässt es aber nicht bei einer kritiklosen Huldigung seiner Hauptfigur. Schon früh wird klar, dass Amundsen dem Wettstreit mit Scott einiges opfern wird – allen voran die Schlittenhunde, die irgendwann auf der Speisekarte landen sollen, um die Reisenden zu versorgen. Zudem täuscht er den Eigner der Fram, Fridtjof Nansen, über sein Vorhaben. Während Nansen annimmt, es wäre eine Forschungsreise zum Nordpol, weiß Amundsen bald, dass es stattdessen ein Wettrennen zum Südpol werden wird – einer Idee, die Nansen nie zugestimmt und sein Schiff dafür freigegeben hätte.
Während der Expedition zum Südpol wird dann vollends klar, dass Roald ein selbstsüchtiger Egomane war. Einer, der den Wettlauf gewinnen wollte und dabei notfalls über die Leiche seiner Kompagnons geht. Einer, der nicht die Welt entdecken, sondern die Menschen von seinen Leistungen überzeugen wollte. Einer, der einem Kollegen verächtliche Blicke zuwirft, nachdem er ihm das Leben retten „musste“. Und einer, der seinen schottischen Kontrahenten am Ende zum Briefträger degradierte.
Dies alles betont Sandberg durchaus und lässt seinen Protagonisten bisweilen zum wenig empathischen und tragischen Helden werden.
Die Eiseskälte, die von der Expedition selbst ausgeht, geht auch von Amundsen aus – und das ist ein Problem des Films. Während die Bilder (eingefangen in Norwegen und Island) von epischer Qualität sind, hat man keinen Bezug zu den Figuren. Zwar agieren sie überzeugend (auch Pål Sverre Hagen als Titelheld), aber man fiebert nur bedingt mit ihnen mit. Die Emotionalität einer solchen Expedition bleibt irgendwo im Eis stecken. Auch die strenge Ernsthaftigkeit des Films irritiert. Erst nach über 47 Minuten gibt es mal so etwas wie einen Witz unter den bärtigen Forschern, wenn sie am Südpol stehend darüber argumentieren, wo genau denn jetzt Norden sei – kaum zu glauben, dass eine mehrmonatige Reise zu bewältigen war, ohne mehr Spaß untereinander zu entwickeln.

Zu früh gestartet

Es kommt hinzu, dass sich Amundsen nicht recht fokussiert. Es bleibt nicht bei der Reise zum Südpol, sondern geht in der zweiten Hälfte des Films noch einmal weiter – Richtung Norden.
Denn der Forscher wird zu einer fünfjährigen Expedition verdonnert, sich mit dem Eis durch die Arktis treiben zu lassen. Während dieser Zeit wird er mehrfach zur Überwinterung gezwungen und erleidet einige Verletzungen. Der Film nimmt diesen Part der ausgedehnten Langsamkeit, um den Titelhelden mit den eigenen Dämonen zu konfrontieren. Anhand der lockeren Beziehung zur verheirateten Kiss Bennett wird Roald vor Augen geführt, dass es etwas gibt, wofür es sich lohnt, nach Hause zu kommen – selbst wenn Amundsen als Lebemann galt.
Und während der Szenen mit einem jungen, kränklichen Inuit-Mädchen gibt es dann tatsächlich so etwas wie zwischenmenschliche Wärme. Allerdings dient sie auch nur dazu, die nächste Expedition anzustoßen – dieses Mal per Fluggerät.
Man wird trotz beeindruckender Bilder und historisch recht akkurater Schilderung das Gefühl nicht los, dass der Film zu zerpflückt und stationenhaft geraten ist. Die Konzentration auf ein, vielleicht zwei Expeditionen hätte am Ende vielleicht zu einer spannenderen und flüssigeren Erzählung geführt – zumal dem eigentlich spannendsten Ereignis gerade mal 20 Minuten vergönnt sind.

Grandiose Aufnahmen der epischen Landschaft

Bild- und Tonqualität

Italienisches Luftschiff unter norwegischer Flagge

Amundsen wurde nicht, wie man aufgrund des Themas annehmen könnte, analog gefilmt, sondern mit digitalen Kameras. Eine geringe Körnung hat man dennoch hinzugefügt, um gerade während der dunkleren Momente oder auf Himmels- und Schneehintergründen für eine etwas filmischere Atmosphäre zu sorgen. Allerdings nimmt dies nie Überhand, sodass man dennoch ein sehr klares und detailreiches Bild zu sehen bekommt. Die Tatsache, dass die Schneeszenen zudem erstaunlich hell gemastert wurden, trägt gemeinsam mit der neutralen bis leicht unterkühlten Farbgebung zu einem sehr realistischen Look bei. Die Schärfe der Disk ist immerhin so gut, dass man das Fell der Jacken gut erkennen kann. Erstaunlicherweise sinkt die Datenrate der Blu-ray schon mal unterhalb eines DVD-Niveaus, bleibt in diesen Momenten aber erstaunlich frei von Kompressionsartefakten. In Sachen Kontrastumfang punkten die Schneeszenen, während in den available-Light-Momenten bei Lagerfeuer im Zelt der Schwarzwert nur mittelprächtig gerät. Auch einige Totale der Waldgegenden sowie Innenraumszenen in der Heimat geraten eher trüb.
Amundsen liefert beide Tonspuren in dts-HD-Master ab und nutzt den unkomprimierten Sound ausgiebig. Schon das Volumen der Stimmen ist hervorragend und die Atmosphäre, die außerhalb der Hütte vor der Expedition zum Südpol zu hören ist, gerät ebenso direktional effektvoll wie die Winde auf dem Weg dahin. Wenn ein Schneesturm im Anmarsch ist, wird das vom Subwoofer grollend unterstütz und man fühlt sich praktisch mittendrin in der Eiseskälte. Grandios auch das Knattern der Propeller in der Eröffnungsszene – das macht schon einen Menge Spaß, wenn sich die Kamera in der Maschine dreht und die Luftschaufeln von einem Speaker zum anderen wandern. Beängstigend ist dann das Knacken des Eises, kurz bevor sich im Eis ein Schlund auftut, der beinahe einen Mitstreiter in die Tiefe reißt (40’00). Wunderbar räumlich klingt auch das Feuerwerk nach gut 54 Minuten, das sogar ein wenig Tiefdruck liefert.

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Amundsen liegen nur die Originaltrailer sowie einige Programmtipps des Anbieters.

Fazit

Amundsen bietet spektakuläre Bilder und eine historisch recht akkurate Darstellung. Dass Sandberg aber unbedingt die ganze Geschichte erzählen musste, nimmt seinem Biopic den erzählerischen Fluss und lässt ihn bisweilen langatmig erscheinen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 85%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 10%
Film: 60%

Anbieter: Ascot Elite Home Entertainment GmbH
Land/Jahr: Norwegen/Schweden/Tschechien 2019
Regie:Espen Sandberg
Darsteller: Pål Sverre Hagen, Christian Rubeck, Katherine Waterston, Trond Espen Seim, Mads Sjøgård Pettersen
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en/nw
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 125
Codec: AVC
FSK: 12

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Ascot Elite Home Entertainment GmbH)

Trailer zu Amundsen

AMUNDSEN Trailer German Deutsch (2019) Exklusiv

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