Antiviral

Blu-ray Review

antiviral blu-ray review cover
Busch Media Group, 19.10.2018

OT: Antiviral

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Ultimative Verbindung

Brandon Cronenberg wandelt auf den Spuren seines Vaters.


Inhalt

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Syd injiziert seinem Kunden einen Promi-Virus

Die Zukunft – oder so etwas wie eine Zukunft: Starkult und Fan-Dasein haben neue Formen erreicht. Es geht soweit, dass man sich in einer Spezial-Klinik mit den Viren und Infektionen der Promis infizieren lässt, um so nahe wie möglich bei ihnen zu sein. Das kann ein harmloser Herpes, aber auch eine heftige Grippe sein. Syd March ist einer der besten Verkäufer der Klinik – ein versierter Typ, der den Kunden alles verkauft, was sie wollen. Aber er ist auch gierig. Denn heimlich injiziert er sich selbst die Krankheiten und verkauft sie meistbietend auf dem Schwarzmarkt. Als eine der beliebtesten Promis, Hannah Geist, an einer unbekannten Virusinfektion erkrankt, wittert er die Chance aufs ganz große Geld. Doch er hat die Rechnung ohne die Krankheit gemacht, die er gerade auf dem Schwarzmarkt anbietet. Denn Hannah stirbt an ihr …

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Inoffiziell bedient er den Schwarzmarkt mit den Krankheiten

Sechs Jahre ist er schon alt, der Antiviral, erscheint aber erst jetzt auf Blu-ray. Erstaunlich genug. Denn immerhin handelt es sich um das Langfilm-Debüt von David Cronenbergs Sohn Brandon. Cronenberg jr. hatte sich 1999 bei Papas eXistenZ erste Sporen als Special-Effects-Mann verdient und in der Folge einige Kurzfilme inszeniert. Brandon schrieb das Drehbuch zu diesem dystopischen Drama gleich selbst und kleidete den Film in praktisch monochrome Schwarz-Weiß-Bilder mit extrem hohem Kontrastumfang. Jeder trägt schwarze Klamotten und alle Wände, Stühle oder andere Details sind entweder weiß oder durchsichtig.
Dieser spezielle Look macht die kühle Atmosphäre von Antiviral aus und zeigt zur gleichen Zeit, dass Brandon in Sachen visueller Einzigartigkeit seinem berühmten Vater in nichts nachsteht. Doch auch ohne den Vergleich zu David zu ziehen, gelingt dem Sohnemann ein eigenständiger Film. Man sollte allerdings nicht von der Annahme ausgehen, er hätte ein Werk geschaffen, das leichter zu konsumieren ist das Schaffen des Vaters. Antiviral, dessen Idee Cronenberg während eines fiebrigen Traums kam, ist sperrig, schwer konsumierbar und liegt genauso heftig im Magen. Nicht nur die unverhohlene Kritik am übersteigerten Star-Fetisch sorgt für einen kritischen und ziemlich aktuellen Bezug. Auch die durchweg tristen und kühlen Bilder wirken. Dass Brandon auch ein bisschen in Sachen Body-Horror experimentiert führt zusätzlich zu intensiven Momenten.
Allerdings muss auch Kritik am generell ziemlich langsamen Erzähltempo geübt werden. Bisweilen sind die quälend langweilig eingesprochenen Dialoge anstrengend und obschon die Bilder an sich überzeugen, sind die ab und an doch etwas zu ausgewalzt. Beeindruckend ist dagegen der hier noch nicht ganz so bekannte Caleb Landry Jones. Der rothaarige Darsteller, der zuletzt in Three Billboards Outside Ebbing, Missoury ordentlich Prügel von Sam Rockwell bezog oder als fieser Bruder in Get Out zeigte, was er für ein Talent hat, funktioniert auch als Celebrity-Viren-Schwarzhändler überzeugend. Vor allem, wenn der körperliche Verfall seiner Figur immer weiter voranschreitet – bis hin zum (ziemlich) blutigen Ende.

Bild- und Tonqualität

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Syd holt alles aus Hannah Geist raus

Das oben angesprochene, in den meisten Szenen fast monochrome schwarz/weiß-Bild von Antiviral liefert abgrundtiefe Schwarzwerte und sehr helle Spitzlichter. Der Kontrastumfang ist entsprechend groß. Das 1,78:1-Bild ist dabei weitgehend ruhig und rauscharm, wobei eine gewisse Körnung in dunkleren Szenen durchaus auftritt. Nahaufnahmen sind von hervorragender Auflösung, in Halbtotalen geht’s allerdings etwas zurück mit der Schärfe.
Beim Ton fehlt etwas das dynamische Element. Da es praktisch keinerlei Actionszenen gibt, kommt hier auch kaum Wucht oder Bassgewalt auf. Wenn eine Holztür ins Schloss fällt, ist das schon einer der kräftigeren Sounds. Ansonsten kommen die Dialoge recht verständlich aus dem Center. Sie sind auch jederzeit atmosphärisch gut eingebettet – haben je nach Raumgröße Hall oder eben nicht. Ab und an öffnet die Filmmusik den Raum ein wenig. Aber insgesamt bleibt es fast komplett auf die Front beschränkt. Lediglich während einiger Zeitlupen-Aufnahmen lassen sich verzerrte Sounds von den Rears vernehmen, die akustisch dann urplötzlich für einen Wechseln und körperliches Unbehagen sorgen (68’00).

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Antiviral finden sich lediglich sechs Programmtipps des Anbieters.

Fazit

Antiviral mag behäbig inszeniert sein und damit bisweilen etwas anstrengen. Aber inhaltlich, darstellerisch und visuell ist der erste Langfilm von Brandon Cronenberg mehr als nur eine Visitenkarte für das abwegige Independent-Kino.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 5%
Film: 70%

Anbieter: Busch Media Group
Land/Jahr: Kanada/USA 2012
Regie: Brandon Cronenberg
Darsteller: Caleb Landry Jones, Sarah Gadon, Malcolm McDowell, Douglas Smith, Joe Pingue, Nicholas Campbell
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 108
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Busch Media Group)

Trailer zu Antiviral

ANTIVIRAL Trailer Deutsch German (2012) Exklusiv

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