Assassins – Brudermord in Kuala Lumpur

Blu-ray Review

Ascot Elite, 26.10.2021

OT: Assassins

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Die Welt ist nicht rosa

Wie zwei junge Frauen verdächtigt wurden, den Halbbruder von Nordkoreas Diktator Kim Jong-un ermordet zu haben …

Inhalt

Kim Jong-nam betritt alleine den Flughafen

Kim Jong-nam war der erstgeborene Sohn des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-il. Doch nicht nur das, sondern lange Zeit auch sein bevorzugter und beliebter(er) Sohn. Jong-nam ist gut zehn Jahre älter als Kim Jong-un, welcher der dritten Ehe von Kim Jong-il mit der Tänzerin Ko Yong-hi, entstammte. Streng genommen hätte Kim Jong-nam deshalb Nachfolger seines Vaters werden müssen. Doch Kim Jong-uns Mutter übte Einfluss auf die Situation aus. Als Kim Jong-nam sich die Blöße gab, 2001 über Japan in die USA reisen zu wollen, um seinen Sohn Disneyland zeigen, war das für Nordkorea höchst peinlich. Immerhin sind die USA der Erzfeind und Disneyland das schlimmste Symbol, dass man sich dort denken kann. Aufgeflogen war das Ganze übrigens nur, weil Kim Jong-nam mit einem falschen Pass nach Japan einreiste, was wiederum nur deshalb auffiel, weil man vermutet, dass Kim Jong-uns Mutter der Polizei einen Tipp gegeben hat. Grund genug war es jedenfalls, Jong-nam für immer von der möglichen Nachfolge als Staatsoberhaupt zu „befreien“. Der ältere Halbbruder von Jong-il hielt sich in der Folge meist im Ausland auf.

Doan Thi Huong nach der Tat

Am 13. Februar 2017 wird Kim Jong-nam dann am Flughafen von Kuala Lumpur in Malaysia getötet. Ein Anschlag mit dem schnell tödlich wirkenden chemischen Kampfstoff VX, verteilt auf seinem Gesicht. Festgenommen werden zwei Frauen, die das Attentat angeblich geplant und verübt haben sollen. Die Frage die sich stellt, ist: Warum sollten zwei Frauen, die sich im Vorfeld nicht kannten und jede für sich als ganz normale fröhliche Menschen unter Freunden gelebt haben, einen solchen Anschlag verüben? Wie sollten sie an ein Nervengift gelangen, das unter die Chemiewaffenkonvention fällt? Und was hat eventuell der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un selbst damit zu tun? Immerhin hatte sich Jong-nam mehrfach kritisch zur Dynastienvererbung geäußert und Jong-un hatte Familienmitglieder wie seinen Onkel schon für weniger hinrichten lassen. Diesen Fragen geht Dokumentarfilmspezialist Ryan White (Fragen sie Dr. Ruth) in seiner Doku Assassins – Brudermord in Kuala Lumpur nach. Minutiös versucht er, die Geschehnisse zu rekonstruieren. Er zeig Facebook-Einträge der angeblichen Täterinnen, führt Interviews mit Freundinnen aus der Zeit vor dem vermeintlichen Mord. Die erste Anlaufstelle aber ist Journalist Hadi Azmi der für die Benar News, also eine der etwas unabhängigeren Redaktionen seines Landes schreibt, während Malaysia ansonsten die Pressefreiheit relativ stark einschränkt. Azmi geht es darum, die Wahrheit zu berichten. Spannend wie in einem Thriller folgen wir seinen Schilderungen, wie Kim Jong-nam alleine auf das Flughafenterminal kam, während wir das Überwachungsmaterial der Flughafenkameras zu sehen bekommen. Man sieht die beiden jungen Frauen, wie sie auf Kim Jong zu gehen und irgendetwas mit ihm tun. Der Aufnahmen sind relativ weit entfernt, beim Hineinzoomen zeigen sich nur relativ grob pixelige Einzelheiten. Recht bedrückend ist es, zuzuschauen, wie Kim Jong-nam auf den Aufnahmen der Kameras bereits zu humpeln beginnt, in die Krankenstation gebracht wird, und nur eine Stunde später auf einer Bahre hinausgeschoben wird. Währenddessen waschen sich die beiden Frauen die Hände und erscheinen völlig unberührt von der Situation, beinahe kühl. Die Aufnahmen der Überwachungskameras lassen auf den ersten Blick keinen anderen Schluss zu: diese Zwei haben jemand gerade getötet – und zwar eiskalt.

Siti Aisyah auf dem Weg zur Toilette, um sich die Hände zu waschen

Es dauert gut eine halbe Stunde, bevor der Film seinem (deutschen) Untertitel gerecht wird. Denn bis zu diesem Zeitpunkt geht man davon aus, dass der Doku daran liegt, die tatsächliche Schuld der Frauen nachzuweisen. Alle Indizien sprechen dafür.
Doch dann kommen nach und nach die wichtigen Details zum Vorschein, die Fragen aufwerfen. Details wie die Tatsache, dass es Nordkorea gelang, Landsmänner aus Malaysia ausliefern zu lassen, die ebenfalls unter Verdacht standen, mit dem Attentat etwas zu tun zu haben – unter anderem einen staatstreuen Chemiker. Männer, die vor Gericht als Mitangeklagte standen, auf die man dann aber keinen Zugriff mehr hatte. Auch die Aussagen der beiden Frauen werden dann eingespielt. Man habe eine Art „versteckte Kamera“ mit ihnen gespielt. Einen Filmstreich. Was nicht ganz unplausibel ist, da Doan Thi Huong gerne den Weg einer Schauspielerin gegangen wäre und zuvor bereits in Prankvideos mitwirkte. Und es wird noch besser, denn die Ermittlungen der Anwälte führen zum Fund weiterer Videos. Prankvideos. Gefilmt von Überwachungskameras auf anderen Flughäfen, wo Doan für diejenigen, die sie kontaktiert hatten, den zukünftigen Anschlag mit Handcreme an ahnungslosen Passanten simulierte – immer im Glauben, es handle sich um einen Streich für das Publikum auf sozialen Netzwerken.
Diese und noch mehr Fakten werden von der Dokumentation zusammen getragen und zu einem wirklich unglaublich spannenden Bericht destilliert. Ein Bericht, der demonstriert, wie weit politisch motivierte Attentate gehen können – ganz unabhängig davon, ob Jong-un nun den Mord an seinem Bruder in Auftrag gegeben hat oder nicht. Was die beiden zunächst verdächtigten Frauen angeht, so liefen diese nach wie vor Gefahr, zum Tode verurteilt zu werden, wenn die Anwälte nicht unumstößliche Beweise dafür fänden, dass sie für den Mord nicht verantwortlich gemacht werden könnten …

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Bild- und Tonqualität

Die Rechtsanwälte finden erstaunliche Dinge heraus

Die Bildqualität bei einer Dokumentation ist natürlich immer etwas schwierig zu bewerten. Durch die zahlreichen, sehr unterschiedlichen Quellen, die genutzt werden, kann man sich höchstens auf jene Szenen beziehen, die von den Dokufilmern selbst aufgenommen wurden. Diese kommen sehr ruhig und rauscharm rüber, wirken fast ein wenig gefiltert, weil sie schon mal etwas softer erscheinen. Close-ups von interviewten Angehörigen, Freunden, Journalisten oder Rechtsanwälten sind hingegen recht gut aufgelöst. Die Totale von Kuala Lumpur dürfte zudem in 4K aufgezeichnet worden sein, denn die Auflösung ist bis in die Tiefe sehr gut (43’13). Qualitativ gruselig sind natürlich die Aufnahmen der Überwachungskameras, aber wer erwartet von solchen schon gestochen scharfe Bilder …
Akustisch liegt Assassins in 5.1 vor, unkomprimiert in DTS HD-Master. Erstaunlich räumlich hat man das Ganze abgemischt. Beispielsweise hört man während der Szenen, die Tondokumente vom Gerichtssaal liefern, raschelnde oder raunenden Geräusche aus den Rears. Wenn es mal etwas spannender wird, nimmt auch der Score ein wenig an Raum an. Dazu kommt das sehr gut verständliche Voice-over, das die englisch gesprochenen Dialoge eindeutscht, was sehr gut gelingt.

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Bonusmaterial

Mehr als die beiden Trailer für die jeweilige Sprache gibt’s im Bonusmaterial von Assassins leider nicht zu entdecken.

Fazit

Assassins gibt unglaublich spannende und detaillierte Einblicke in ein Attentat, dessen Motivation und Hintergründe bis heute nicht endgültig geklärt sind. Die Doku liefert allerdings genug Hinweise dafür, dass man die beiden zunächst als verdächtige Personen festgenommenen Frauen als Täterinnen ausschließen kann. Was im Hintergrund wirklich geschah, ist natürlich Spekulation. Aber ziemlich spannende Spekulation, die Regisseur Ryan White zu einer Highlight-Dokumentation zusammenfasst.
Die Tatsache, dass der höchstwahrscheinliche Drahtzieher hinter dem Mord zum wiederholten Male mit einer solchen Aktion davonkommt und in der Folge auch noch den Schulterschluss mit den USA wagte, hinterlässt den Zuschauer mit dem Gefühl, dass Journalist Azmi und die Anwälte der Frauen nur einen Teilerfolg erreicht haben – zumal die beiden Frauen nicht von jedem als unschuldig gesehen werden. Denn wie wir alle wissen: Das Internet ist gnadenlos und es vergisst nie.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 20-75%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 10%
Film: 90%

Anbieter: Ascot Elite Home Entertainment
Land/Jahr: USA 2020
Regie: Ryan White
Darsteller: Siti Aisyah, Hadi Azmi, Anna Fifield, Doan Thi Huong
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 105
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Ascot Elite Home Entertainment)
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Trailer zu Assassins

Assassins Trailer Deutsch


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