Auslöschung

Blu-ray Review

auslöschung blu-ray review cover
Paramount Home, 14.03.2019

OT: Anninhilation

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Unter der Kuppel

Das Netflix-SciFi-Drama erscheint nun auch auf Disk.

Inhalt

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Lena berichtet von den Geschehnissen

Ex-Soldatin Lena arbeitet seit Kurzem erfolgreich als Biologieprofessorin. Als ihr Mann Kane auf eine geheime Mission geschickt wird, schwant ihr nichts Gutes. Und sie soll Recht behalten. Denn er verschwindet und keiner hört mehr etwas von ihm. Dann, ein Jahr später, taucht er unvermittelt auf. Allerdings ist sein Verhalten mehr als seltsam und jede Intimität zwischen den Beiden scheint verloren gegangen zu sein. Als er anfängt körperlich abzubauen und Blut zu spucken, werden er und Lena in eine Einrichtung nahe der sogenannten „Area X“ gebracht. Dort hatte 30 Jahre zuvor ein bisher unerforschtes Ereignis das Gebiet unbewohnbar gemacht. Die Natur eroberte sich das Areal unter einer mysteriösen Abschirmungsglocke, die man den „Schimmer“ nennt, zurück. Lena bekommt heraus, dass Kane Teil einer Expidtion in das Gebiet gewesen ist als einziger überhaupt zurückkehrte. Deshalb besteht sie schon aus persönlichen Gründen darauf, dem Team beizustehen, das dort nun erneut hineingesendet werden soll. Sie will wissen, was Kane zugestoßen ist und was sich unter dem „Schimmer“ befindet. Gemeinsam mit ihr ziehen die Psychologin Dr. Ventress, die Geomorphologin Cass Sheppard, die Sanitäterin Anya Thorensen und Physikerin Josie Radek unter die Kuppel und fühlen sich schon am ersten Tag desorientiert. Vor allem, da sie ermitteln, dass es schon der dritte oder vierte Tag sein muss und sie keine Erinnerung an die Geschehnisse seit dem Eintritt unter die Kuppel haben. Es dauert nicht lange und sie stoßen auf Unvorstellbares …

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Was steckt hinter der Einrichtung, in die man Kane gebracht hat?

2014 erschuf der Sci-Fi-/Fantasy-Autor Jeff VanderMeer seine sogenannte Southern-Reach-Trilogie, deren erster Teil Anninhilation praktisch schon vorab von Paramount Pictures gekauft wurde und von Produzent Scott Rudin (Social Network, Steve Jobs) umgesetzt werden sollte. Im Laufe der Produktion ging es Paramount nach und nach schlechter, da gerade 2016 einige Filme des Studios floppten. Als man dann erste Testvorführungen mit fertigem Material vornahm und diese in Teilen negativ ausfielen, bekam das Studio kalte Füße und verkaufte einen Teil der Rechte an Streaming-Anbieter Netflix. So kam es, dass Auslöschung zwar am 22.02.2018 seine Filmpremiere in den USA, Kanada und China erhielt, für den europäischen Markt zunächst aber ausschließlich via Streaming-Angebot zu sehen war.
Überrascht vom Erfolg auf dem Streaming-Portal, kündigte Paramount dann Ende 2018 doch noch eine nachträgliche Veröffentlichung auf Blu-ray an – und zwar mit englischem Atmos-Sound, der dem Stream bisher vorenthalten blieb.
Garland, der mit Ex Machina bewies, dass er anspruchsvolle Sci-Fi-Kost verfilmen kann, ist die ideale Besetzung für die Verfilmung des ersten Romans der VanderMeer-Trilogie. Sein tiefgründiger und etwas düsterer Ansatz passt perfekt zum Genremix aus Horror, SciFi und Drama. Wenngleich er die Vorlage teils deutlich verändert, ist ihm ein ebenso packender, wie visuell beeindruckender und vor allem verstörender Film gelungen. Einige Bereiche entziehen sich vermutlich den meisten Zuschauern. Oft spielt Auslöschung damit, nicht ganz verstanden werden zu wollen und einen einfach zu konsumierenden Film sollte man aufgrund der Besetzung und der Grundstory nicht erwarten. Damit ist er vielleicht sogar so etwas wie die Antithese zum leichten Netflix-Popcorn-Kino des Bright.

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Die fünf Frauen wollen ergründen, was unter dem Schimmer passiert

Auslöschung verknüpft dabei die Subgenres von Öko-Horror und Body-Horror zu einem Ganzen, das mit ebenso hypnotischen wie bedrohlichen Bildern belohnt und im Inneren des „Schimmers“ etwas beherbergt, das ebenso furchteinflößend wie neugiererweckend ist. Ersteres wird spätestens klar, wenn nach 75 Minuten in einer ultraspannenden Sequenz gleich drei Mitglieder des Teams Bekanntschaft mit einem bestimmten Raubtier machen. Dessen spezielles Verhalten sorgt garantiert für Gänsehaut – ohne an dieser Stelle zu viel zu verraten. Ganz abgesehen von der blutigen Konsequenz, die zum wiederholten Male demonstriert, dass Auslöschung wahrlich nicht zimperlich mit grafischer Gewalt umgeht und sie bisweilen eruptiv einsetzt, wenn es der Inhalt erfordert.
Das wirkt umso überraschender, da der Film sich inszenatorisch Zeit nimmt und mit einem sehr ruhigen, oft fast meditativen Score unterlegt ist. Selbst die Dialoge sind meist mehr geflüstert als gesprochen.
Eine ganz eigene Faszination entfalten übrigens die großartigen visuellen Effekte, die einzigartig wirken. Schon die Visualisierung des Schimmers ist atemberaubend. Aber auch die völlig neue Welt, die sich darunter befindet, wird zum optischen Ereignis – von den bunten Farben, die das Licht überall hin wirft, bis zu den Eisbäumen an der Küste.

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Das erste Opfer ist zu beklagen

Schauspielerisch wird der Film von einer Natalie Portman getragen, die schon lange nicht mehr so gut, konzentriert und gleichzeitig selbstbewusst agiert hat. Mit einer unnachahmlichen Mischung aus Gefühl, Intellekt und Tatendrang spielt sie die Lena und nimmt den Zuschauer auf diese Reise mit. Ebenfalls herausragend ist Jennifer Jason Leigh, in deren Stimme und den müden Augen sich die letzten Jahre der erfolglosen Erforschung des Phänomens widerspiegeln. Als Kontrapunkt zur tatkräftigen Anya (Gina Rodriguez) hat man mit der fast esoterisch wirkenden Josie Radek (Tessa Thompson) einen beruhigenden Gegenpart während Tuvy Novotny als Cass Shepherd der undankbare Part des fünfte Rad am Wagens zuteil wird. Dennoch liefert gerade sie die Vorlage für tiefenpsychologische Ansätze, die in einem Gespräch zwischen Lena und Ventress gipfeln, das sehr klug den Unterschied zwischen Selbstmord und Selbstzerstörung erfasst. Es gesellen sich also auch noch existenzialistische und philosophische Zwischentöne hinzu. Und während die Eine (Lena) nach Erklärungen sucht, findet die Andere (Ventress) Erlösung in einem Finale, dessen atonale, sich selbst fast verschlingende und oscarwürdige Filmmusik alleine für Beunruhigung sorgt. Die letzte Szene lässt einen dann trotz oder gerade wegen ihres Verweigerns, eine Erklärung anzubieten, atemlos zurück – spätestens jetzt ist klar, dass Garland mit Auslöschung einen modernen Sci-Fi-Klassiker geschaffen hat, der sich mühelos neben einem Kultfilm wie Alien einreiht.

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Der Schimmer liegt wie eine große Seifenblase über dem Areal

Bild- und Tonqualität

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Die Natur schlägt zurück

Auslöschung wurde Sony-CineAlta-PMW-F55 und Sony-CineAlta-F65 komplett digital aufgenommen und lieferte am Ausgang eine 4K-Auflösung. Die wurde für das Digital Intermediate beibehalten, weshalb die Blu-ray ebenfalls hierauf basiert. Lief der Film über Netflix noch in 4K, muss man über die BD natürlich auf die vierfach höhere Auflösung verzichten und mit Full HD vorlieb nehmen.
Dennoch gilt für die BD praktisch das Gleiche wie für den Stream: Einige Szenen leiden unter Randunschärfen, andere sind kontrastschwach. So geraten beispielsweise die anfänglichen Verhör-Szenen in dem kleinen Raum arg flau. Auch die Schärfe bleibt eher mittelprächtig und ist bewusst etwas zurückgefahren worden. Sicher kein Problem der Ausgangsauflösung, sondern in der Post-Produktion so gewollt. Ebenso wie die teils sehr hellen und im Hintergrund ausreißenden Bild-Inhalte. Das mag zwar technisch nicht wunderschön aussehen, trägt aber immens zur Atmosphäre des Films bei. Denn gerade diese pastellartigen Töne sind es, die sich im Schimmer wiederfinden.
Nach wie vor hervorragend und hier noch besser als im Stream ist die Bildruhe, die keinerlei Körnung, keine Banding-Probleme oder ähnliche Artefakte aufweist.

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Was ist hier nur geschehen?

Der Ton von Auslöschung folgt dem Prinzip von Paramount. Soll heißen: Dolby Atmos fürs Englische und Dolby Digital fürs Deutsche. Man sollte nicht müde werden, diese Politik zu kritisieren. Denn der hiesige Zuschauer, der sich über eine der aktivsten Synchron-Industrien weltweit überhaupt freuen kann, wird immer wieder mit einem aufs Drastischste herunter komprimierten Digitalton aus der Steinzeit der DVD abgespeist. Das ist ärgerlich. Selbst wenn sich der DD-Sound wirklich achtbar aus der Affäre zieht.
So sind Dialoge wirklich gut verständlich und die Actionszenen werden mit sehr guter Räumlichkeit präsentiert. Schon die Fahrt im Krankenwagen sowie die Hubschrauber nach etwas über zehn Minuten kommen erstaunlich weiträumig rüber. Auch die wabernden Sounds nach gut 15 Minuten sind sauber und erstaunlich druckvoll.
Und sobald die Action das Zepter übernimmt, steht die Blu-ray dem DD+-Stream von Netflix in nichts nach.Die Surround-Sounds des Alligators sind nach wie vor klasse und klingen sogar noch etwas besser aufgelöst (35’35). Sein Platschen im Wasser liefert fühlbare Unterstützung durch den Tieftonkanal und wenn er die Hütte zerlegt, gibt’s erstaunlich viel Druck. Gut, dass man hier auch nicht unter einer Dynamik-Kompression leiden muss wie bspw. bei den Kollegen von Marvel.

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Auf dem Weg zum Leuchturm

Wechselt man allerdings auf den Originalton in Dolby Atmos, merkt man, was möglich ist, wenn’s keine Kompressions-Beschränkungen gibt. Plötzlich nimmt der Alligator noch mal deutlich an Größe zu und die Schüsse aus der automatischen Waffe werden noch wesentlich krasser ins Heimkino gefeuert. Wenn die Mädels dem Tier dann das Maul aufreißen, sind die schmatzenden Signale derart realistisch, dass man sich mittendrin fühlt. Und hier hat die Blu-ray dem Stream allerspätestens die wesentlich bessere Akustik voraus – natürlich immer unter der Prämisse, dass man Filme gerne im Originalton schaut.
Als Extra-Belohnung gibt es hier dann noch die 3D-Soundebene. Diese versäumt es zwar, den Absturz der kosmischen Energie entsprechend auf die obere Ebene zu legen, doch die Hubschrauber und Sirenen sorgen für ein sehr deutliches Aufwachen und eine fast sensationelle Rundum-Ortung. Die Geräusche der beiden Objekte wandern von einem zum anderen Speaker, ohne dass man das Gefühl hat, es reißt bei der Übergabe der einzelnen Lautsprecher ab – großartig (ab 10’40). Ebenso beeindruckend setzt das Gewitter zehn Minuten später ein (20’56). Bei der Annäherung an den Schimmer gibt’s dann Windgeräusche, Säuseln, bedrohliches Grummeln sowie das erste Mal auch den intensiven Score aus der Höhe (27’50). Einmal unter dem Schimmer gesellen sich lebhafte Naturgeräusche, Vogelgezwitscher oder knackende Äste hinzu – die Atmosphäre ist immer wieder wirklich toll (33’30, 39’00). Während des Alligator-Angriffs ist es dann vor allem der Score, der laut anschwillt und wenn die Kamera aus dem Inneren des Mauls filmt, wie es sich öffnet, bekommt man einen der coolsten 3D-Soundeffekte überhaupt, bisher (36’37). Einen der lautesten erhält man dann, wenn das Team die Video-Aufnahmen anschaut. Der Frauen-Chor kommt unglaublich nahe und direkt aus den Heights (46’00). Ähnlich innovative Geräusche, die man so noch nicht gehört hat, gibt es, wenn die Wolfskreatur angreift – krass, wie dramatisch hier von den Heights unterstützt wird (76’30). Wenn Lena dann an der Quelle der kosmischen Extravaganz angelangt ist, hört man die Stimmen aus der Höhle rundherum und auch das an Giger erinnernde biomechanische Innere des Schlunds kommt akustisch zum Leben (ab 90’00). Gleiches gilt für das Lichtspektakel, das Lena kurz darauf zu Gesicht bekommt und das auch akustisch um sie herum schwebt – inklusive des sensationellen Scores, der in diesen Momenten hinzustößt. Was hier akustisch bis zum Finale aufgefahren wird, sucht auch im Atmos-Sektor seinesgleichen (ab 93’20).

Bonusmaterial

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Der Quelle nahe

Das Bonusmaterial von Auslöschung besteht aus den drei Kapiteln „Southern Reach“, „Area X“ und „Zum Leuchtturm“. Alle drei Featurettes sind noch einmal in zwei Teile aufgeteilt und laufen insgesamt gut 73 Minuten. In „Southern Reach“ geht es vornehmlich um die Entwicklung der Produktions vom Buch zu den ersten Aufnahmen. Außerdem werden die fünf Hauptdarsteller und ihre Unterschiedlichkeit besprochen. „Area X“ kümmert sich um die Drehorte sowie um die Tatsache, dass Regisseur Garland es wichtig war, so gut es geht chronologisch zu drehen. Dies, so sagt er, hätte gefördert, dass die Darstellerinnen stets wussten, wo und zu welchem Zeitpunkt der Story sie gerade unterwegs waren. In „Zum Leuchtturm“ kommen dann die VFX-Spezialisten zu Wort, die sich um den Schimmer und die visuellen Effekte im Finale kümmerten.

Fazit

Können wir unseren Körpern, unserer Biologie trauen? Wie selbstzerstörerisch gehen wir mit uns und unserer Umwelt um? Wo führt uns die Evolution hin? Trotzdem Auslöschung einige Antworten liefert, so lässt Regisseur Alex Garland genügend Fragen offen, um für reichlich Diskussionen zwischen Filmfans sorgen werden. Nicht alle werden den Film mögen, nicht jeder wird Zugang zu ihm bekommen – das macht ihn aber nicht weniger bedeutsam. Ganz im Gegenteil: Neben all dem Alien- und Weltall-Sci-Fi der letzten Jahre nimmt Auslöschung eine Ausnahmestellung ein und gehört zum Besten, was das Genre in der letzten Dekade zu bieten hatte.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%

Tonqualität (dt. Fassung): 80%

Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 90%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 70%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 90%

Bonusmaterial: 80%
Film: 90%

Anbieter: Paramount Home Entertainment
Land/Jahr: USA 2016/’17
Regie: Alex Garland
Darsteller: Natalie Portman, Tessa Thompson, Benedict Wong, Sonoya Mizuno, David Gyasi, Oscar Isaac, Jennifer Jason Leigh, Gina Rodriguez, Tuva Novotny
Tonformate: Dolby Atmos (True-HD-Kern): en // Dolby Digital 5.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 115
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Auslöschung

AUSLÖSCHUNG | Offizieller Trailer [HD] | Netflix

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