Basic Instinct 4K UHD

Blu-ray Review

Studiocanal, 17.06.2021
Studiocanal, 17.06.2021

OT: Basic Instinct

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Der Fick des Jahrhunderts

Paul Verhoevens Kult-Erotikthriller kommt zum 30. Jubiläum im 4K remasterten Gewand.

Inhalt

Nick Curran und Dr. Beth Garner haben ein angespanntes Verhältnis

Ein Typ wurde umgebracht. Ein ehemaliger Rockstar. Offenbar während des sexuellen Akts und ziemlich offenbar mit einem Eispickel. Ein Mord aus Leidenschaft oder doch kaltblütig und geplant? Nick Curran, Cop aus San Francisco, wird der Fall zugeteilt. Erste Ermittlungen führen ihn zur Romanautorin Catherine Tramell, die genau solch einen Mord in einem ihrer Romane beschrieben hatte. Aber ist sie deshalb selbst die Killerin? Oder will ihr jemand den Mord unterschieben? Jemand, der Catherines Bücher gelesen hat und einen Sündenbock braucht? Nick geht die Ermittlungen frontal an und lädt Catherine zum Verhör vor. Ein denkwürdiges Verhör, das nicht nur den erfahrenen Cop ins Schwitzen bringt. Und je mehr er sich mit der Autorin beschäftigt, desto stärker verfällt er den Reizen der verführerischen Frau …

Catherine ist nicht nur Männern zugetan

Ich erinnere mich noch gut an meinen Kinobesuch von Basic Instinct. Sehr gut. Als er 1992 in den Kinos anlief, war ich 17 Jahre alt und seit wenigen Tagen in meiner ersten echten Partnerschaft. Wir waren also beide gerade einmal alt genug, um den Film überhaupt sehen zu dürfen und außer Händchenhalten war noch nichts passiert. Auch wenn im Bewusstsein eines fast erwachsenen Teenager-Kerls durchaus Fantastereien vorhanden waren, konnte man natürlich nicht ahnen, ob es bei der soeben erst eroberten Freundin ebenso war. Ich fühlte mich also mit zunehmender Laufzeit von Verhoevens Erotik-Thriller peinlich berührt und wäre das eine oder andere mal am liebsten in einem kleinen Loch verschwunden, das sich idealerweise vor meinem Sitz aufgetan hätte haben können.
Was aber war passiert? Warum trieb mir Basic Instinct die Schamesröte ins Gesicht (das man aufgrund der Dunkelheit im Kino hoffentlich nicht sehen konnte)?
Nun, mal abgesehen davon, dass ich fürchtete, meine ganz frische Beziehung würde ob meiner frivolen Filmwahl Schaden nehmen, hatte der niederländische Filmemacher mal wieder bewiesen, dass er kontroverses Kino liebt. Nach RoboCop und Total Recall wechselte er zwar vom SciFi ins Erotikthriller-Fach, doch auch mit nackter Haut und Spannung hatte der niederländische Regisseur schon reichlich Erfahrung gesammelt.

Nick dachte, er hätte schon alles gesehen …

Dass er aber direkt den bis heute vielleicht legendärsten und kultigsten Erotikthriller aufs Parkett legen würde, damit hätte er vielleicht doch nicht gerechnet. Und eben auch nicht der 17-jährige spätere Verfasser dieser Zeilen. Für US-Produktionen ungewohnt freizügig inszenierte Verhoeven die Sexszenen zwischen Michael Douglas und Sharon Stone sowie Jeanne Tripplehorn und schreckte keineswegs vor der Darstellung lesbischer Sexualität zurück. Das brachte zwar die Schwulen- und Lesbenvereinigungen auf die Palme, da die bisexuelle Hauptfigur immerhin als durchtrieben und böse charakterisiert würde, doch die Proteste verhalfen dem Film nur zu noch mehr Publicity. Schade ist das deshalb, weil man sich vor Aufnahme der Dreharbeiten seitens der Produzenten und des Regisseurs mit entsprechenden LGBT-Vertreter:innen zusammengesetzt hatte, die Zusammenarbeit aber abbrach, nachdem von deren Seite massive Änderungen am Drehbuch vorgeschlagen wurden.
Verhoeven lehnte das ab, was wiederum zu Protestaktionen am ersten Drehtag führte, bei denen die Demonstranten ihren Unmut lauthals bekundeten. Doch bei diesen Begleiterscheinungen blieb es nicht. Denn der mit einem R-Rating in den US-Kinos freigegebene Film sollte zunächst nur ein NC-17 erhalten, was eine deutlichere Restriktion wäre (nämlich kein Einlass für Menschen unter 17 Jahren). Das R-Rating (unter 17-jährige nur an der Seite von Eltern oder erwachsenen Begleitungen) ist für die USA gerade noch akzeptabel, da ein NC-17 (fast) ein prophezeiter Flop wäre. Als „Kiss of Death“ tituliert man das NC-17, das in der Regel bedeutet, dass kaum jemand ins Kino geht. Eben auch, weil keine echte Werbung mit einem NC-17-Film gemacht werden kann und die größeren Kinoketten dann auf eine Aufnahme ins Programm verzichten. Also schnitt Paul Verhoeven Basic Instinct für die US-Auswertung etwas um und entfernte ein paar allzu frontale Szenen, um mit einem R-Rating davon zu kommen. Bei Showgirls drei Jahre später ging er allerdings keine Kompromisse mehr ein, ließ ihn als NC-17 bewertet – was prompt für einen Flop sorgte.

… doch in diesem Moment ist auch er sprachlos

Für Kontroverse #3 sorgte dann ein Disput zwischen Sharon Stone und Regisseur Verhoeven. Stone, die mit Basic Instinct vollkommen zu Recht zum Megastar aufstieg, war zwar lediglich die siebte oder (je nach Lesart) achte oder neunte Wahl, drückte ihrer Rolle aber einen ikonischen Stempel auf. Sie spielt Michael Douglas, der wenig mehr tut als das, was er jahrelang in den Straßen von San Francisco schon getan hatte, glatt an die Wand. Gegen die leidenschaftliche, gleichzeitig aber eiskalte Darstellung der Stone konnte Douglas nur verblassen.
Sharon Stone war es jedoch, die (nach ihrer Aussage) nichts davon wusste, wie deutlich man sehen würde, was sich NICHT zwischen ihren Beinen befindet, als sie während der legendären Verhörszene die Beine überkreuzt. Zunächst offenbar als Aufnahme mit Slip geplant, habe Verhoeven gesagt, dass man diesen erkennen würde. Stone vertraute dem Regisseur, dass man im fertigen Film lediglich Schatten erkennen würde und war entsprechend perplex, als sie bei Testvorführungen entdeckte, was Generationen von Teenagern später mit der Pause-Taste am Videorekorder überprüften. Verhoeven übrigens stellt Stones Wahrnehmung in Abrede und behauptete, dass sie vollkommen darüber im Klaren und sich bewusst darüber war, was man später im Film sehen würde. Wem man hier Glauben schenkt, sei jedem selbst überlassen. Fakt ist: Basic Instinct hat Stones Karriere nicht (wie sie zunächst fürchtete) geschadet, sondern sie erst richtig in Gang gebracht.
Und das, wie gesagt, vollkommen zu Recht. Denn bis heute ist es unbestritten, wie gut nicht nur die Sexszenen, sondern auch La Stones Spiel mit dem „war ich es oder nicht“ funktioniert. Verhoeven inszeniert das routiniert und mit Sinn für Spannung und (nicht gerade zimperlicher) Gewalt. Jan de Bont, seinerzeit noch reiner Kameramann und Wegbegleiter des Regisseurs findet als Sahnehäubchen ebenso stylische wie intime Kamerapositionen und glänzt auch bei der Umsetzung der Beleuchtung. Bis heute ist die sehr speziell von unten ausgeleuchtete Verhörszene auch visuell legendär. Und davon, dass er für gut eine (Arbeits)Woche im Bett mit Stone und Douglas lag, zehrt er (man höre es in der neuen Doku nach) noch heute.

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Bild- und Tonqualität BD

Catherine mischt das komplette Department auf

Basic Instinct gehörte zu den frühen Blu-ray-Veröffentlichungen. Im Oktober 2008 veröffentlicht, kam sie noch im VC-1-Codec und war damals maximal okay. Ihr Hauptproblem bestand in einer relativ deutlichen Filterung, die das analoge Filmkorn weitgehend filterte und eine natürliche Detailzeichnung nicht wirklich ermöglichte. Lediglich Close-ups sehen manchmal einigermaßen okay aus. Sobald man auf Halbtotale geht, geht Auflösung verloren. Aber selbst in Naheinstellungen wird’s oft arg wachsig. Beispielsweise bei Wayne Knights schweißnassem Gesicht während des Verhörs von Catherine. Auch die Haut der Darsteller (und davon sieht man nun wirklich genug) wirkt oft glattgebügelt und ohne echte Kornstruktur. Zumal die Hautfarbe arg rosa und wenig natürlich erscheint – ebenso, wie der komplette Film arg blaustichig ist. Außerdem war die Blu-ray etwas zu dunkel abgestimmt und das Kontrastverhältnis maximal durchschnittlich. Hier und da zeigten sich außerdem deutliche Kompressionsartefakte.
Für die neue Blu-ray und UHD-BD wurde nun eine 4K-Abtastung sowie (vermutlich) ein individuelles SDR-Grading vorgenommen. Abgesegnet hat’s Paul Verhoeven höchstselbst. Und gut ist es geworden. Sehr gut. Kein Vergleich zur alten Blu-ray, die mit allerlei Problemen zu kämpfen hat. Grundsätzlich ist die Farbabstimmung deutlich wärmer geraten. Gegenüber der bisherigen, sehr kühlen, oftmals bläulichen Blu-ray sind Hautfarben nun natürlicher und nicht mehr so rosabetont. Die teils deutliche Filterung der alten Scheibe weicht einem authentischen Korn, das sehr oft realistisch bleibt. Allerdings wirken immer noch einige Szenen rauschgemindert. Ob hier tatsächlich gefiltert wurde, lässt sich nicht ganz einfach klären, da Gesichter zwar schon mal etwas softer erscheinen, aber nie wachsartig weich. Kleinere Probleme gibt’s hier und da. Beispielsweise hat man offenbar keine Bereinigung von Schmutzpartikeln vorgenommen, da gerade bei den Außenaufnahmen von Städten/Siedlungen der Himmel hier und da entsprechenden Staub oder andere Verunreinigungen zeigt. Außerdem gibt’s direkt in der Anfangsszene unschönes Rauschen, das möglicherweise durchs Encoding verursacht wurde. Auf Rücken und Hintern der Eispickel-Killerin offenbaren sich hier deutliche Unruhen und beim Wechsel in die nächste Kameraeinstellung auch kleine Ansammlungen von schwarzen Pixelclustern. Insgesamt aber eine sehr gelungene Scheibe, die der alten um Welten überlegen ist.

Blu-ray (2008): (Slider ganz nach rechts): Gut zu erkennen, wie matt und trüb die alte Blu-ray aussah.
Blu-ray (2021) (Slider ganz nach links): Die neue BD strahlt die alte Disk in Grund und Boden.
Blu-ray (2008): (Slider ganz nach rechts): Deutlich kühler war die alte Blu-ray abgestimmt.
Blu-ray (2021) (Slider ganz nach links): Die neue Scheibe kommt wärmer und auch hier dynamischer daher.
Blu-ray (2008): (Slider ganz nach rechts): Douglas hat ein graues Gesicht, die Farbe des Jackets kaum auszumachen.
Blu-ray (2021) (Slider ganz nach links): Ganz anders die neue Blu-ray.
Blu-ray (2008): (Slider ganz nach rechts): Auch hier zeigt sich deutlich, wie kühl die alte BD abgestimmt war.
Blu-ray (2021) (Slider ganz nach links): Die neue Blu-ray begeistert mit wärmerem Ton.

Blu-ray (2008): (Slider ganz nach rechts): Wesentlich weniger strahlkraft hat die alte Blu-ray.
Blu-ray (2021) (Slider ganz nach links): Die neue BD holt viel mehr Dynamik aus dem Bild.

Auch Nick wird verhört

Der Ton von Basic Instinct kam seinerzeit in 5.1-Abmischung und im unkomprimierten DTS-HD-Master. Allerdings brachte ihm diese verlustfreie Kodierung nicht viel. Denn er klingt vor allem nach heuten Maßstäben (aber auch damals schon) bescheiden. Auffälligstes Merkmal sind im Verhältnis viel zu leise Dialoge, wenn man sie dem Score von Goldsmith gegenüberstellt, der wesentlich lauter eingepegelt ist – und das bisweilen derart, dass er im Ohr schmerzt. Zumal er zusätzlich auch dünner klingt als im Original, das wuchtiger und ausgewogener tönt. Die Synchro-Dialoge sind außerdem schon mal unterschiedlich laut, wirken verrauscht und in dramatischen Momenten leicht übersteuert. Das zweite Problem, das immer wieder auffällt (Kritiker der Gladiator-UHD-BD werden das Phänomen wiedererkennen) ist ein Phasenverschiebungseffekt, der oft durch die unterliegenden atmosphärischen Geräusche gekennzeichnet ist. So rauscht das Meer rund um Catherines Haus hörbar in der Phase verschoben (bspw. bei 21’30) und klingt dann kurz wie ein startender Düsenjet.
Immerhin gibt’s in der Diskoszene nach 68 Minuten satten Tiefbass, der gegenüber dem O-Ton in Englisch MASSIV druckvoller daherkommt und tiefer in den Keller geht. Ob man das mag, weil’s in dem Moment überhaupt nicht zum Rest passen will, bleibt dahingestellt. Zumal es auch hier Phasenverschiebungseffekte gibt. Nein, ausgewogen und gut klingt wirklich anders. Leider hat man für die remasterte Blu-ray (und auch für die UHD-BD) keinen neuen 5.1-Mix gebastelt.
Allerdings gibt’s dennoch eine Rettung/Alternative für die Akustikfreunde unter den Käufern, den ebenfalls enthaltenen 2.0-DTS-HD-Master-Mix. Von wo auch immer Studiocanal diesen gezogen und hergezaubert hat, er klingt wesentlich! ausgewogener, klarer und in den Dialogen endlich gleichmäßig und verständlich. Und, noch besser: Phasenverschiebungsprobleme hat er nicht. Die Szene bei 21’30 klingt absolut sauber. Die Dialoge sind deutlich und das Meer rauscht im Hintergrund authentisch und nicht phasenverschoben vor sich hin. So soll es sein. Auch der Goldsmith-Score ist ausgewogener und damit besser ins Geschehen eingebettet. Dialoge klingen nun auch nicht mehr (wie bei der 5.1-Fassung teilweise) wie in einen Plastikeimer gesprochen. Klar, man muss auf die Räumlichkeit weitgehend verzichten, aber dafür gibt’s klaren, gleichmäßigen und gut verständlichen Ton. Wie gut der ist, merkt man, wenn man mal für fünf Minuten Dialoge über die 2.0-Fassung schaut und dann auf den verunglückten 5.1 Mix wechselt. Dem 2.0-Ton fehlt übrigens auch nicht der Sprachfetzen bei 26’47. Das „treiben“ kommt klar und deutlich bis zum Ende. Die 5.1-Fassung bricht bei „treib“ ab.

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Bild- und Tonqualität UHD

Nick kann’s nicht fassen

Basic Instinct wurde 1991 von Kameramann Jan de Bont mit Panavision-Panaflex-Platinum-Kameras auf 35-mm-Film aufgezeichnet. Zum 30. Jubiläum wurde vom Filmmaterial nun ein neuer 4K-Scan angefertigt und im Anschluss daran hat man das gewonnene und hochaufgelöste Material mit mehreren Original-35-mm-Referenzen abgeglichen, um auf möglichst perfekt auf den ursprünglichen Film und dessen Look abzustimmen. Paul Verhoeven hat dabei sowohl das reine 4K-Material als auch die unterschiedlichen Gradings für SDR und HDR unter die Lupe genommen und hier und da Input gegeben. Verhoeven nahm das Ganze dann final ab.
Leider gab’s zuletzt ja durchaus Kritik an einer UHD-BD-Umsetzung von Studiocanal, als die 4K-Scheibe von Total Recall unter deutlichen Kompressionsartefakten und Macroblocking litt – ebenfalls ein Verhoeven-Film. Da auch Showgirls von Anbieter Capelight Pictures nicht ohne Kritik auskam, hatte man im Falle von Basic Instinct natürlich auch gewisse Bedenken. Im Ergebnis gibt’s dann viel Licht und etwas Schatten.
Beginnen wir mit dem Schatten: Genau wie bei der Blu-ray, neigt die UHD-BD schon nach etwas über drei Minuten zu Farbrausch-Artefakten auf dem nackten Hintern und auch hier gibt’s die schwarzen Pixelcluster (3’09). Außerdem setzt es ab und zu auch leichtes Macroblocking (uniforme Wand im oberen Bereich bei 91’22), was in der schnellen Bewegung der Kamera aber nur wenigen auffallen wird. Hier sinkt die Datenrate mal kurz auf durchschnittliches Blu-ray-Niveau. Wählt man hier Dolby Vision, reduziert sich das ein wenig, ohne komplett zu verschwinden. Die Datenrate läuft hier aber um gut ein Drittel höher. Vereinzelt! gibt es ein paar softere Shots, bei denen die Körnung etwas getilgt wird. Das sind im Laufe der 129 Minuten aber tatsächlich nur sehr wenige Augenblicke, während ansonsten die UHD-BD deutlich feineres Korn offenbart und auch an den Stellen authentisch filmisch ist, wo die neue Blu-ray eher etwas rauschgemindert wirkt (62’05). Womit wir bei den Lichtseiten der 4K-Scheibe sind. Zunächst mal ist da die durchweg bessere Auflösung. Gerade bei den Shots aus der Vogelperspektive, bei Totalen auf Skylines oder Szenen, die viele Details in der Tiefe aufweisen, kommt die Blu-ray nicht mit. Häuserdächer, die erkennbare Ziegel und keine flachen Texturen haben, Zäune/Balkongitter, deren Streben besser erkennbar bleiben, Stuckverzierungen an Gebäuden oder auch die Aufschrift auf dem Krankenwagen bei 106’00 – allesamt zeigen diese Objekte mehr Auflösung und weniger Komprimierungsartefakte rund um die feinen Details. Die Kontrastierung ist dazu durchweg besser. Während die Blu-ray im direkten Vergleich etwas milchig und trüb wirkt, gibt’s bei der UHD-BD satteres Schwarz, kräftigere Farben und die sichtbar helleren Spitzlichter. Ohnehin ist die UHD-BD in den Tageslichtszenen viel dynamischer und knalliger. Dass die Hautfarben hier und da etwas ins Überkräftige abdriften, ist dann sicherlich etwas Geschmackssache. Bevor die Frage entsteht: UHD-BD und BD erhalten zwar die gleiche Wertung, werden allerdings innerhalb ihres Bezugsrahmen eingeordnet. Die 80% der UHD-BD sind in Summe und über den laufenden Film gesehen besser als die 80% der Blu-ray.

Blu-ray (62’05): (Slider ganz nach rechts): Die BD wirkt im direkten Vergleich flach(er).
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD-BD kommt heller, dynamischer und durch den gesteigerten Kontrast plastischer rüber.

Blu-ray: (Slider ganz nach rechts): Auch im Detail verliert die Blu-ray.
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Sowohl die Einzelheiten in den Stuckarbeiten als auch die Jalousien werden von der 4K-Scheibe deutlicher erkennbar wiedergegeben.

Blu-ray: (Slider ganz nach rechts): Zahlreiche Schmutzpartikel wurden im Zuge der 4K-Fassung nicht bereinigt.
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Über die UHD-BD fallen diese durch die HDR-Kontraststeigerung noch etwas deutlicher auf und grenzen sich (wie hier) im Himmel stärker ab.

Blu-ray (106’00): (Slider ganz nach rechts): Abgesehen von der geringeren Bild-/Kontrastdynamik fällt auf, dass Studiocanal hier vermutlich wirklich ein eigenes SDR-Grade erstellen ließ. Denn der Asphalt ist ebenso neutral und nicht grün eingefärbt.
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD-BD zeigt die Szene etwas dynamischer, bei gleichbleibend guter Neutralität. Aufgrund der Art der Screenshots sei gesagt: Im laufenden Bild sumpfen die Details im Schwarz nicht ab. Auch die hier hell überstrahlt wirkende Fläche am Gebäude im oberen Bereich ist im laufenden Bild nicht überrissen.

Blu-ray: (Slider ganz nach rechts): Auch hier ist die Blu-ray in der Detailauflösung sichtbar schwächer.
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die 4K-Disk löst die Schrift auf dem Krankenwagen besser auf.

Blu-ray (107’18): (Slider ganz nach rechts): Bei diesem Vergleich geht’s ausschließlich um die Gesichtsfarben. Die BD ist vergleichsweise fad.
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD-BD ist kräftiger und dynamischer, auch bei den Hauttönen. Auch hier beachten: Die Belichtung lag auf dem Gesicht, nicht auf dem Jacket, das hier als Vergleichsbild nicht herangezogen werden kann.

Blu-ray (7’21): (Slider ganz nach rechts): Bei diesem Übersichtsbild kann man nicht nur erkennen, dass die BD fast etwas verschleiert wirkt …
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … während die UHD-BD viel mehr Kontrastdynamik zeigt, sondern bei gutem Hinsehen auf dem heimischen Wiedergabegerät auch die bessere Detailauflösung auf Dächern und in Einzelheiten.

Blu-ray (11’37): (Slider ganz nach rechts): Auch das Gesicht der Stone wirkt über die Blu-ray im direkten Vergleich etwas blass(er).
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD-Blu-ray ist kräftiger, etwas rotbetonter.

Blu-ray (3’09): (Slider ganz nach rechts): Gut zu sehen bei BD und UHD-BD: Die oben im Text angesprochenen schwarzen Pixelcluster auf dem Rücken.
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Es macht keinen Unterschied, welche Disk man hier wählt. .

Hier das Bild in voller Größe, auf dem man die schwarzen Pixelmuster ebenfalls sehen kann
Keine Änderung beim Ton. Die UHD-BD liefert die identischen Spuren wie die remasterte Blu-ray.
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Format: Blu-ray
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Bonusmaterial

Kurzer Moment der Impulsivität

Das Bonusmaterial, das man der remasterten Fassung von Basic Instinct hinzugefügt hat, ist zum Teil komplett neu angefertigt worden. Das gilt vor allem für die 53-minütige Dokumentation „Basic Instinct: Sex, Death & Stone – Die nackte Wahrheit“ mit exklusiven Interviews und persönlichen Erinnerungen von Paul Verhoeven, Sharon Stone, Michael Douglas und zahlreichen weiteren Beteiligten. Auch das Featurette über die „Musik von Basic Instinct“ ist neu und läuft etwas über 16 Minuten. Hinzu kommen die zwei Audiokommentare. Einer stammt von Paul Verhoeven und Kameramann Jan de Bont und ein mindestens so spannender, zweiter kommt von Frauenrechtlerin Camille Paglia. Die (man denkt es erst einmal nicht) Verhoevens Skandalwerk zu ihren Lieblingsfilmen zählt. Bereits bekannt sind „Blondes Gift“, ein älteres Making-of sowie ein Featurette über Cast & Crew und die Storyboard-Vergleiche und Screen Tests.
Auf der UHD-BD liegen sämtliche Extras vor. Die neue Blu-ray gibt nur die Audiokommentare und die neue 50-Minuten-Doku wieder. Der Rest wurde hier auf die zweite Blu-ray gepackt, die der Veröffentlichung beiliegt.

Fazit

„Der schweinischste Film aller Zeiten!“ – die B*LD-Zeitung muss(te) es ja wissen. Und was heute beim Internetjournalismus als Clickbait bezeichnet wird, konnte das dünne Papierblättchen schon 1992 ganz gut. Nur eben mit Druckerschwärze.
Tatsächlich scheinen die Redakteure den Film seinerzeit nicht mal gesehen zu haben. Denn Verhoevens Erotik-Thriller ist von „Schweinskram“ so weit entfernt wie Steven Seagal von nuanciertem Schauspiel. Dass Basic Instinct visuell provozierte und gängige Kino-Tabus hinterfragte, ist dabei unbestritten. Allerdings tat er das mit sehr stilvollen, sehr erotischen und leidenschaftlichen Sequenzen fernab vom vermeintlichen Schmuddelkram in der entsprechenden Erwachsenen-Ecke der Videotheken. Sharon Stone setzte trotz einiger zuvor gedrehter Filme ihrer Karriere hier (aller Kontroversen mit dem Regisseur zum Trotz) ein Denkmal und durfte sich fortan die Rollen aussuchen. Michael Douglas verblasst zwar etwas an ihrer Seite, ist aber stets ein Sympathieträger und gern gesehen.
Die remasterte Blu-ray schickt die alte BD in den verdienten Ruhestand und die UHD-BD ist noch mal deutlich detaillierter und vom Kontrast und ihrer Helligkeit sichtbar intensiver.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD (2008): 60%
Bildqualität BD (2021): 80%
Bildqualität UHD: 80%

Tonqualität BD/UHD 5.1 (dt. Fassung): 50%
Tonqualität BD/UHD 2.0 (dt. Fassung): 80%

Tonqualität BD/UHD (Originalversion): 70%

Bonusmaterial: 80%
Film: 80%

Anbieter: Studiocanal Home Entertainment Sales
Land/Jahr: USA 1992
Regie: Paul Verhoeven
Darsteller: Michael Douglas, George Dzundza, Sharon Stone, Jeanne Tripplehorn, Denis Arndt, Leilani Sarelle, Bruce A. Young, Chelcie Ross
Tonformate BD/UHD: dts-HD-Master 5.1: de, en // dts-HD-Master 2.0: de
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 129
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-100
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
Maximale Lichtstärke: keine Angabe
FSK: 16

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Studiocanal Home Entertainment Sales)
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Trailer zu Basic Instinct

BASIC INSTINCT 4K RESTAURIERUNG | Trailer Deutsch | Auf DVD, Blu-ray & im UHD Steelbook!


So testet Blu-ray-rezensionen.net

Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
Die technische Expertise ist aber lediglich eine Seite der Medaille. Um stets auf der Basis von aktuellem technischen Wiedergabegerät zu bleiben, wird das Testequipment regelmäßig auf dem aktuellen Stand gehalten – sowohl in puncto Hardware (also der Neuanschaffung von TV-Displays, Playern oder ähnlichem, wenn es der technische Fortschritt verlangt) als auch in puncto Firmware-Updates. Dazu werden die Tests stets im komplett verdunkelbaren, dedizierten Heimkino angefertigt. Den Aufbau des Heimkinos könnt ihr hier nachlesen —> Klick.

Dort findet ihr auch das aktuelle Referenz-Gerät für die Bewertung der Tonqualität, das aus folgenden Geräten besteht:

Das Referenz-Equipment fürs Bild findet ihr wiederum hier aufgelistet. Dort steht auch, wie die Bildgeräte auf Norm kalibriert wurden. Denn selbstverständlich finden die Bildbewertungen ausschließlich mit möglichst perfekt kalibriertem Gerät statt, um den Eindruck nicht durch falsche Farbtemperaturen, -intensitäten oder irrigerweise aktivierten Bild“verbesserern“ zu verfälschen.

15 thoughts on “Basic Instinct 4K UHD

  1. ondy

    Echt klase das die original deutsce 2.0 tonfassung mit bei ist. Ich habe mich immer über den ton sehr geärgert.abhilfe schaffte die vhs tonversion die ich muxte. Aber nun die dtsma 2.0 rundet den film mit den remasterten bild ab, ja ich möchte sogar von meisterwerk sprechen. Ich find den film extrem gut gemacht. Er schockte mich beim ersten anschauen und ja auch ich war ein pausedrücker loool

  2. Luke

    Was meinst du mit den xxxxxxxxxxx steh grad auf dem Schlauch xd

    • Zurecht stehst du auf dem Schlauch. Hatte vergessen, das Fazit zu beenden :/
      Jetzt hat es sich ausge-x-t

  3. Steppke

    Eine Frage Timo:
    Ich wollte mir nur die BD gönnen aber frage mich gerade ob es einen Unterschied mit der 2.0 Spur gibt.

    Woanders konnte ich lesen, das die BD eine DTS HD 2.0 liefert, während es bei der UHD eine PCM 2.0 ist…

    Neben dem ja auch schon wesentlich besseren Bild der neuen BD, wäre es eben auch toll den Film endlich in einer sauberen Stereospur genießen zu können. Gibt es dort Unterschiede?

    Gruß Steppke

    • Guck an. Diese kleinen Buchstaben, die ich missachtet habe.
      Aber ich gebe Entwarnung: Sowohl die PCM- als auch die DTS-HD-MA-2.0-Fassung klingen in meinen Ohren identisch (gut).

  4. Steppke

    Danke für die Info

    Da werd ich meiner alten SE-DVD wohl mal ein Upgrade gönnen. Wirkt alles sehr viel heller und kräftiger. Ich finde zwar, daß einige Tagesszenen etwas unnatürliche Farben haben (Cyan-Himmel, Rasen und Meer bei Catherines Haus, Verfolgungsjagd), aber dennoch wirkt dieser leichte Orange-Teal ganz passend. Gerade beim Verhör sehen Hauttöne wirklich sehr natürlich aus und auch die Discoszene weiß zu gefallen.

  5. dirk

    und wieder gecrooped – und wieder geld gespart 😉

  6. Michael

    Wie kommt es, dass im Vergleich der Klinikeingangsbilder die neue BD schärfer ist als die UHD? Besonders gut zu sehen an der Hausnummer und am Krankenwagen vor der Einfahrt. Auch das Gesicht von Michael Douglas (auf dem Parkplatz) sieht für mich auf BD schärfer aus.

    • Ich denke, das liegt daran, dass der HDR-Effekt, also die Kontraststeigerung hier einfach im Screenshot nicht so gut festzuhalten ist und für ein leichtes Überstrahlen sorgt. Im laufenden Bild ist die Auflösung sichtbar besser, was du auch im Zoom der Krankenhaus-Szene erkennen kannst.

  7. Jack

    Wie ist das denn jetzt mit deiner Freundin damals ausgegangen? Ansonsten eine top Review, wie immer.

    • Hehe.
      Ich habe nie so wirklich nachgefragt, wie sie zu den entsprechenden Szenen stand. Wir haben über den Film an sich gesprochen und fanden ihn beide gut. Aber wir waren so jung und voller Schüchternheit, dass wir das Thema ausgespart haben. Immerhin blieben wir aber weitere zehn Jahre ein Paar 😉

  8. Der Bernd

    die beruehmteste fuer den Deutschmichel damals anruechigste Szene, das „upskirting“ , wurde ja hier im Blog leider nicht qualtiativ pixelweise nebeneinander verglichen. Welch verpasste Chance ;(

    • Ich wollte nicht den Spaß für alle jene vorweg nehmen, die es mit der 4K-Scheibe dann daheim tun werden 😉

  9. Politischandersdenkender

    Guten Tag, auf einer Bildvergleichseite wo diese UHD Disk getestet wurde, ist angegeben das sie Bitrate folgende Werte hat:
    Codec: Bitrate: Description:
    MPEG-H HEVC Video 55999 kbps 2160p / 24 fps / 16:9 / Main 10 @ Level 5.1 @ High / 4:2:0 / 10 bits / 1000nits / HDR10 / BT.2020
    MPEG-H HEVC Video 14074 kbps (20.09%) 1080p / 24 fps / 16:9 / Main 10 @ Level 5.1 @ High / 4:2:0 / 10 bits / 1000nits / Dolby Vision FEL / BT.2020

    Meine Frage: Wieso haben manche UHD Disks 2 verschiedenen Bitraten? Hier einmal 55999 kbps und dann noch 14074 kbps (20.09%). Kann die Jemand vielleicht kurz erläutern? Danke.

    • Die obere (größere) Bitrate steht für den BASE-Layer HDR10
      Die untere (kleinere) Bitrate steht mit einem zusätzlichen! Wert für den Dolby-Vision-Layer, der auf dem HDR10-Layer „spazieren fährt“.

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