Becoming – Das Böse in ihm

Blu-ray Review

Leonin Distribution, 10.04.2020

OT: Becoming

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Ein dunkles Wesen

Das Böse schlummert (mal wieder) im Inneren des Menschen.

Inhalt

Der alte Freund benimmt sich komisch

Lisa und Alex sind frisch verlobt – nach drei Jahren des Zusammensein. Aktuell suchen sie gemeinsam ein Haus, fahren aber erst einmal ein bisschen durch die Gegend, bevor sie sich mit ihren Eltern treffen und dann final irgendwo niederlassen. Während ihres Trips durch die USA begegnen sie auch Alex‘ altem Kumpel Glen. Der benimmt sich zwar ein bisschen komisch, aber die Nacht verbringt man dennoch bei der Familie. Weil es Lisa aber am frühen Morgen zu seltsam wird und Glen zudringlich wird, zieht sie Alex vom Sofa und forciert ihn, die Reise fortzusetzen. Doch während Alex zuvor immer liebe- und verständnisvoll war, beginnt er sich im Verlauf der Reise zu verändern. Zunächst äußerlich, weil er nicht mehr schnarcht, dafür aber komisch riecht. Aber auch für Alex häufen sich komische Dinge. Er sieht sich plötzlich ganz anders im Spiegel und trifft auf jemanden, der behauptet, den gleichen Namen zu tragen und das gleiche Auto zu fahren. Doch das ist noch gar nichts, gegen das, was Lisa bald mit ihm erleben wird …

Die Mama freut sich auf den Besuch

Bedrohlich und unheilschwanger liegt die dezent beigemischte Filmmusik unter dem Geschehen. Der Vater bittet seinen Sohn, die Waffe von oben zu holen. Blut tropft bereits von der Decke. Kaum nimmt Daddy die Knarre entgegen … Peng!
Becoming beginnt erstaunlich stimmungsvoll und liefert in Sachen Konsequenz schon mal direkt ab. Nach der Intro-Sequenz nimmt sich Regisseur Omar Naim (The Final Cut) erstaunlich viel Zeit, um seine beiden Hauptdarsteller vorzustellen. Als Roadrip angelegt folgt Naim seinem High-Concept-Thriller und baut nach und nach durchaus Spannung auf. Ein paranormales Element gesellt sich hinzu, wenn plötzlich andere denken, sie seien Alex und Lisa vor einem alten Herren steht, der mit Alex‘ Stimme spricht. Rätselhaft bleibt das Geschehen und der Zuschauer knobelt mit.
Schade, dass Becoming teilweise Details aus dem Hut zaubert, deren Zusammenhang sich nicht wirklich erschließen. Manchmal wirkt das inszenatorisch ungelenk und sprunghaft. Doch weil Naim auch das Drehbuch selbst geschrieben hat, behält er die Zügel in der Hand und folgt seinem Weg konsequent.

Glen weiß mehr als er zugeben mag

Es dauert knapp eine Stunde, bevor Alex‘ Parasit sein schauriges Werk zu verrichten beginnt. Dafür geschieht es in dem Moment umso unvermittelter und sorgt für einen kurzen Schockmoment. Nur um dann aber wieder in eine relativ behäbige Erzählweise zu verfallen. Dass Becoming trotz der sichtbaren Defizite im Budget und dem Mangel an Höhepunkten dennoch einen gewissen Reiz hat, liegt an den beiden überzeugend auftretenden Hauptdarstellern. Toby Kebbel, der aktuell auch als Bösewicht in Bloodshot zu sehen ist, kann sowohl den liebevollen als auch den dämonischen Alex ziemlich gut und Penelope Mitchell ist mehr als nur ein wehrloses Opfer. Tatsächlich agiert sie recht souverän und nuanciert, ohne ins simple Scream-Queen-Getue zu verfallen. Ihr Spiel lenkt von schwach getimten Kampfszenen ab und überspielt ein wenig den Mangel an Tempo.

Bild- und Tonqualität

Alex ist nicht mehr er selbst

Becoming liegt im ungewöhnlichen Format von 2,00:1 vor, was in der Postproduktion durch einen gewissen Grad an Körnung nachbearbeitet wurde. Beginnen tut’s mit einer relativ soften und wenig dynamischen Szene in der Wohnung. Schon in der zweiten Sequenz sieht das Ganze aber völlig anders aus. Was dort wie ein knackscharfes und dynamisches Bild erscheint, das den Überblick satt rüber bringt, ist schlicht drastisch überschärft und überkontrastiert (4’19). Das Gleiche passiert noch mal bei 9’02, wo Überschärfungen für ein elendiges Wuseln in den Baumwipfeln sorgen. Die Innenraumszenen bei Glen und Annie geraten hingegen sehr ruhig und kontrastreich. Im späteren Verlauf werden Farben sogar mal extrem intensiv, was im Grün aber zu quietschig wird.
Akustisch tut sich, vom bedrohlichen Grummeln zu Beginn mal abgesehen, zunächst kaum etwas. Die Filmmusik bleibt dauerhaft ruhig und der Film ist überwiegend dialogkonzentriert. Die Stimmen werden dafür sauber wiedergegeben und ein bisschen Vogelgezwitscher verirrt sich schon mal auf die Rearspeaker. Nach etwas über zwanzig Minuten gibt’s dann mal ein Aufschrecken aus Lisas Traum sowie einen vorbeifahrenden Zug, was beides für ein wenig Dynamik sorgt. Auf dem Schrottplatz nach 39 Minuten wird Alex‘ Stimme dann wunderbar räumlich verteilt, sodass man selbst am Versteckspiel teilnimmt. Im Prinzip war’s das aber auch schon mit Soundeffekten. Der Rest ist komplett auf die Front beschränkt, wenig dynamisch und sehr verhalten. Der Mangel an Filmmusik kann gewollt oder budgetbedingt sein. Manchmal wünscht man sich etwas mehr Score, manchmal wirkt gerade das Fehlen spannungsintensivierend. Wenn während der letzten Bilder dann aber endlich mal ein echtes Musikthema auftaucht, fragt man sich tatsächlich: Warum nicht davon vorher schon mehr?
Im Tiefbassbereich muss man übrigens gar nicht erst suchen. Der Subwoofer schaltet sich die meiste Zeit des Films über aus.

Bonusmaterial

Trailer und Programmtipps – mehr gibt’s im Bonusmaterial von Becoming nicht zu finden.

Fazit

Becoming kann mit seinen Darstellern punkten und ist interessant für Genrefans, die einen langsamen Spannungsaufbau goutieren. Für die Meisten passiert hier aber schlicht zu wenig.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 60%
Bonusmaterial: 10%
Film: 55%

Anbieter: Leonine Distribution
Land/Jahr: USA 2020
Regie: Omar Naim
Darsteller: Toby Kebbell, Penelope Mitchell, Jason Patric, Jeff Daniel Phillips
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,00:1
Laufzeit: 99
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Leonine Distribution)

Trailer zu Das Böse in ihm

BECOMING - DAS BÖSE IN IHM Trailer deutsch/german
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2 thoughts on “Becoming – Das Böse in ihm

  1. Avatar Inter73

    Wie immer vielen Dank für die intetessante Review.
    Ich erlaube mir allerdings anzumerken, dass hier meines Erachtens doch etwas gespoilert wurde: das mit dem xxxx hätte ich jetzt lieber nicht vorab erfahren.

    • Manchmal ist man beim Schauen der Filme tatsächlich etwas blind, was solche Dinge angeht. Ich hab’s im Text rausgenommen, was leicht möglich war, ohne den Sinn zu verändern. In deiner Anmerkung habe ich es ausge-xt.
      Danke für deine Kritik!

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