Black 47

Blu-ray Review

black 47 blu-ray review cover
Ascot Elite Home Entertainment, 14.12.2018

OT: Black ’47

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An Gorta Mór

Packendes und aufwühlendes Kino aus Irland.

Inhalt

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Feeney erkennt sein Land nicht mehr wieder

Irland 1847: Um in einer Zeit der großen Hungersnot für ein Einkommen zu sorgen, verpflichten sich viele Iren, in den Kriegen der britischen Krone zu kämpfen – selbst wenn sie bei ihrer Heimkehr als Verräter des eigenen Landes bezeichnet werden. Denn die Briten halten Irland klein. Martin Feeney kämpfte für das Königreich in Afghanistan. Als er nun zurückkehrt, lebt kaum noch jemand von seiner Familie. Lediglich seine Schwägerin Ellie mit den Kindern und deren Bruder leben im einzigen, noch nicht verfallenen Haus der Gegend. Er berichtet ihnen von seinen Plänen, nach Amerika auszuwandern. Doch eine Verkettung unglücklicher Geschehnisse führt dazu, dass Ellies Bruder getötet und das Hausdach abgedeckt wird. In der folgenden Nacht erfriert seine Schwägerin mit den Kindern. Martin, der genug Leid und Ungerechtigkeit gesehen hat, beginnt einen blutigen Rache-Feldzug gegen jene, die er für verantwortlich hält, was die Tode innerhalb seiner Familie angeht. Das ruft die britische Krone auf den Plan, die den Jäger Hannah einsetzt. An der Seite eines übermotivierten englischen Soldaten sucht Hannah nach Martin. Doch die Sache hat einen Haken: Die beiden kämpften in Afghanistan Seite an Seite und Martin rettete Hannahs Leben …

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Hannah kämpfe mal zusammen mit Feeney und verdankt ihm sein Leben

In den Jahren 1845 bis 1852 litt Irland unter der Großen Hungersnot, die durch eine Kartoffelfäule ausgelöst wurde. Die britische Krone, die über Irland herrschte, dachte nicht daran, die Iren zu unterstützen und ließ die dortigen Behörden mit eiserner Hand über die Landbevölkerung des Südens und Westens regieren. Diebe wurden scharf abgeurteilt und die zuvor stattgefundene Bevölkerungs-Zunahme tat ihren Teil dazu bei, dass gut eine Millionen Menschen starben. Weitere zwei Millionen wanderten aus – meist in die USA.
Black 47 (dessen Titel das besonders schwere Jahre 1847 beschreibt) nimmt sich dieser für die Historie Irlands so bedeutender Phase an und holt nach, was vorher noch kein lokaler Film thematisierte. Vor dem Hintergrund der Hungersnot entspinnt Regisseur Lance Daly (The Good Doctor) eine Story basierend auf dem irischen Kurzfilm An Ranger. Eine Geschichte von flammender Gerechtigkeit in einer Zeit der absoluten Ungerechtigkeit. In einer Zeit, in der sich langsam irischer nationaler Widerstand formierte und in der den eigenen Männern Misstrauen entgegen schlug, die für ein Auskommen in die britischen Kriege zogen. Mit einem Höchstmaß an Authentizität nutzte man die ruinösen Mauern entsprechender Steinhäuser, die noch heute vor Ort stehen. Gedreht wurde an kalten Wintertagen und Regen war eher willkommen als er vermieden wurde. Das Irland in Black 47 ist schmutzig, rau und unwirtlich. Eben so, wie es damals war, als Hunderttausende den Hungers- oder Kältetod starben.

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Martin schießt sich den Weg frei

Dazu besetzte man den Film mit einer Riege bekannter und fähiger Darsteller. Hugo Weaving (Matrix) als in Ungnade gefallener Hannah ist ein grimmiger, versoffener Kerl, der mit den Dämonen des Erlebten kämpft. Der Australier James Frecheville (der fiese IT-Spezialist aus Hacked – Kein Leben ist sicher) als Feeney musste zwar die irische Sprache erst lernen, überzeugt aber in der wortkargen und unbarmherzigen Rächerrolle. Ohne eine Miene zu verziehen, mordet er sich durch die Reihen der Verantwortlichen und lässt (seine) Gerechtigkeit sprechen. Bisweilen ist das erstaunlich brutal, spricht aber ebenfalls für ein gewisses Maß an Realismus. Denn zimperlich waren die Zeiten nun wahrlich nicht. Dazu ist Black 47 äußerst passend ausgestattet. Bekleidung, Haus- und Hof-Szenerie, die Waffen – all das lässt die Atmosphäre so hautnah wie möglich werden. Ebenso die Tatsache, dass die Einzelschuss-Gewehre öfter versagten als wirklich schossen. Getragen von einem elegischen Soundtrack und erzählt in langsamen, konzentrierten Bildern hat der Film ein bisschen was von Feinde – Hostiles – zumindest erzählerisch. Nur geht es hier spröder und kühler zu. Lance Daly schafft es gemeinsam mit seinen Darstellern und dem dichten Drehbuch, höchst emotionale und aufwühlende 100 Minuten abzuliefern, die jeder Freund des Historienfilm-Genres gesehen haben muss.

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Lord Kilmichael gibt vor, das Land zu lieben – seine Menschen aber verachtet er

Bild- und Tonqualität

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Der junge Soldat Hobson trifft eine folgenschwere Entscheidung

Black 47 hat zunächst ein sehr dunkles Bild und nutzt in den Szenen mit Hannah bei available light. Das wirkt extrem authentisch, ist natürlich aber sehr körnig und im Schwarz auch nicht gut durchzeichnet. Allerdings darf man das in einem Film, der zu dieser Zeit spielt, durchaus mal akzeptieren und unterstützen. Ein glatter digitaler Look mit vorzüglicher Ausleuchtung wäre hier eher befremdlich. In den hellen Außenaufnahmen überstrahlt das Bild dann, was ebenfalls gewollt ist, um die raue Schönheit der irischen Landschaft zu betonen. Außerdem ist so der Kontrast zwischen Ellies Haut und ihren pechschwarzen Haaren besonders stark und verdeutlicht die Unterernährung und Bitterkeit der harten Zeiten. Bei guter Ausleuchtung gelingen Close-ups äußerst scharf und kontrastreich – gerade in Innenräumen, die starke Schlagschatten durch seitlich einfallendes Licht verursachen. Nicht ganz so schön sind Banding-Artefakte in einigen wenigen Szenen (23’03).
Akustisch kann Black 47 durch seine extrem realistische Soundkulisse überzeugen. Schüsse aus den alten Gewehren knallen regelrecht, ohne ein künstliches Volumen zu nutzen, das moderne Actionfilme ausmacht. Der Score legt sich mal sanft, mal dynamisch über alle Lautsprecher und die Lokomotive fährt recht effektvoll durch die Lande.

Bonusmaterial

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Pope ist sich sicher, dass er Feeney fassen wird

Das Bonusmaterial von Black 47 besteht aus Programmtipps des Anbieters und den beiden Originaltrailern.

Fazit

Black 47 ist kein Big-Budget-Hollywood-Streifen und kann dennoch auf ganzer Linie überzeugen. Die emotional aufgeputschte Story, die leidenschaftlichen Darsteller und die Austattung lassen den Film zu einem kraftvollen Genrewerk werden.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 10%
Film: 90%

Anbieter: Ascot Elite Home Entertainment
Land/Jahr: Irland 2018
Regie: Lance Daly
Darsteller: Hugo Weaving, James Frecheville, Stephen Rea, Freddie Fox, Barry Keoghan, Moe Dunford, Jim Broadbent
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 100
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Ascot Elite Home Entertainment)

Trailer zu Black 47

Black 47 – Official Trailer I HD I IFC Films

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