Black and Blue

Blu-ray Review

Sony Pictures Home Entertainment Germany, 02.04.2020

OT: Black and Blue

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Trouble in Big Easy

Fiebrig inszenierter Cop-Thriller mit sozialkritischer Subnote.

Inhalt

Alicia ist neu im Revier

Alicia ist Afroamerikanerin. Sie war lange nicht in der Gegend, in der sie aufwuchs, weil sie in Afghanistan gedient hat. Nun ist sie Polizistin. Als solche erfährt sie den Alltagsrassismus, der sowohl von ihren Kollegen als auch von den Menschen auf der Straße ausgeübt wird. Und weil sie als Farbige für den Staat arbeitet, machen auch die ehemaligen afroamerikanischen Nachbarn oder Schulbekannten nicht davor halt. Im Prinzip wird Alicia von jeder Seite angefeindet. Auch von dem etablierten Kollegen, mit dem sie eine Doppelschicht fahren muss. Der findet nämlich gar nicht so witzig, dass sie mit einer Bodycam unterwegs ist und untersagt ihr, diese auf ihn zu richten. Dann jedoch führt ein Anruf eines angeblichen Informanten des Nachtschichtkollegen zu einem verlassenen Fabrikgebäude. Alicia soll im Auto bleiben. Doch dann fallen Schüsse. Sie geht ins Gebäude und filmt mit ihrer Bodycam, wie korrupte Drogencops einen wehrlosen Drogendealer erschießen. Einer der „Kollegen“ schießt auf sie. Doch Alicia kann entkommen. Ihr Leben hat sie behalten, doch das wird ab sofort bestimmt von der Flucht vor den korrupten Polizisten, denn die wollen die Zeugin ihrer Taten tot sehen …

Es scheint, als könne Alicia nur ein alter Bekannter aus der „Hood“ helfen

Rassismus und Vorurteile – Alltag in den USA. Black and Blue startet mit diesem Thema und ist von ihm durchzogen. Bedrohlich ist das Ganze. Unterlegt mit einem unterschwelligen Score, der das Unheil heraufbeschwört, wird man von der packenden und schneidenden Atmosphäre augenblicklich mitgenommen.
Lange schon begann kein Cop-Thriller mehr so intensiv und fesselnd. Und lange schon nahm kein derartiger Film den Zuschauer so mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt.
Man kann Deon Taylors Film genau einen Vorwurf machen: Er mutmaßt, dass praktisch alle Cops korrupt sind, um sein Bedrohungsszenario für Alicia möglichst breit und ausweglos zu gestalten. Das entbehrt in der Form sicherlich der Realität und wird auch noch von zahlreichen Ghetto-Klischees flankiert. Mit dieser kritischen Distanz darf man ruhig in den Film gehen. Im Kern allerdings stimmen viele Details und Regisseur Deon Tayler (Traffik) macht daraus einen trotz Stereotypen wirklich fesselnden Cop-Thriller.
Das Zusammenspiel aus Hip-Hop-Beats, düsterem Szenario sowie das Filmen in den Ecken, vor denen das Hochglanz-Hollywoods sonst zurück schreckt, liefert eine Atmosphäre, die man zuletzt im Cop-Film selten zu spüren bekommen hat. Schauplatz war hier New Orleans, das vom herausragenden Kameramann Dante Spinotti in ebenso düstere wie manchmal fiebrige Bilder gekleidet wurde.

Terry Malone ist der Kopf der korrupten Cop-Bande

Dazu darf sich Naomie Harris (Moneypenny aus den jüngeren Bonds, Moonlight) als taffe Polizistin mit Soldaten-Historie als stark aufspielende Heldin beweisen und schlägt sich fabelhaft. Man nimmt ihrer Alicia stets die integere und unbestechliche Persönlichkeit ab, glaubt ihr aber ebenso, wenn sie sich voller Furcht in die Hood begibt, die davon ausgeht, dass sie den Mord an den kleinen Dealern begangen hat.
An Harris‘ Seite darf Tyrese Gibson mal zeigen, dass er auch nuancierter und vor allem sensibler und zurückhaltender agieren kann als in seiner Rolle als in seiner Proleten-Vollgas-Rolle des Roman aus dem Fast&Furious-Franchise. Hier gibt er mal nicht den coolen und souveränen Sprücheklopfer, sondern den (scheinbar) einzigen besonnenen Menschen im ganzen Viertel.
Frank Grillo (Purge: Anarchy), der im reiferen Alter immer besser wird, darf den Bad Guy mit Inbrunst geben, bis das Blut trieft. Darstellerisch passt das Ensemble perfekt in seine Rolle und geht über das übliche Durchschnitts-Niveau hinaus.
Leider wird der anfängliche Pfad der Dynamik mit Ressentiments, Vorbehalten und verurteilenswerten Rassismus-Attitüden nicht wirklich weiter verhandelt, sondern zugunsten der Action und des Thrills zu den Akten gelegt. Das titelgebende „Black and Blue“ bleibt dann auf der Strecke. Und am Ende wird’s dann auch noch etwas unglaubwürdig. Bis dahin bleibt dennoch ein respektabler Unterhaltungswert mit zahlreichen Spannungsmomenten.

Alleine gegen den Rest des Departments

Bild- und Tonqualität

Mouse hilft Alicia – warum, weiß er selbst nicht so genau

Black and Blue liefert ein absolut bestechendes Bild. Die Schärfe des digital gefilmten Streifens ist dermaßen gut, dass man in Close-ups jede Hautpore erkennen kann. Dazu gesellt sich die völlig Freiheit von Körnung oder Rauschen. Lediglich im Nachthimmel bei 16’43 sieht man mal etwas Wuseln. Ansonsten ist die Laufruhe absolut perfekt. Dazu sind die Kontraste am Maximum des Möglichen. (Fast) ohne Probleme in der Durchzeichnung geht’s runter bis in den tiefsten Keller des Schwarzen und hat gleichzeitig satte Spitzlichter. Nur ab und an sind Kontraste zu steil und auf Schattenbereichen werden schon mal Details verschluckt. Farben kommen ebenso kräftig, wie sie natürlich und authentisch bleiben. Lediglich in den ganz schwach ausgeleuchteten Momenten zeigt sich schon mal etwas Körnung und ein vereinzeltes Banding-Artefakt offenbart sich schon mal auf farbigen Flächen. Ansonsten ist das hier ein wirklich gutes Bild.
Black and Blue kommt mit unkomprimierten dts-HD-Master-Spuren für alle verfügbaren Sprachen.
Den Titelsong „Welcome to America“ von Rapper Lecrae hat man satt und ziemlich räumlich auf die Speaker verteilt. Die schussartigen Geräusche innerhalb des Stücks fetzen sauber getrennt über die Rears, die Stimme kommt klar aus dem Center.
Der Score bestimmt über weite Strecken die Akustik, wird aber von röhrenden V8-Motoren und diversen Schusswechseln durchbrochen. Letztere fetzen richtig dynamisch und vor allem effektvoll über die Speaker. Beispielsweise nach etwas über 64 Minuten, wenn diverse Kaliber aus ebenso unterschiedlichen Waffen abgefeuert werden. Nach gut 78 Minuten kreisen Hubschrauber dann mal ziemlich räumlich durchs Heimkino, was gleichzeitig effektvoll und recht dynamisch wiedergegeben wird.

(407 Kundenrezensionen)
Preis: 8,74 €
(Stand von: 2020/07/05 2:29 pm - Details
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Studio:
Format: Blu-ray
Spieldauer:
Erscheinungstermin: Thu, 02 Apr 2020
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Bonusmaterial

Zwei Featurettes sowie fünf entfernte Szenen finden sich im Bonusmaterial von Black and Blue. In „Schusslinie“ geht’s vier Minuten ein wenig um den Inhalt des Films und um die Art, wie man ihn gefilmt hat. Auch Dante Spinotti, der bekannte und beliebte Kameramann kommt zu Wort. „Sei die Veränderung im Big Easy“ stellt die Bedeutung von New Orleans für den Film heraus.

Fazit

Black and Blue ist absolut nicht frei von Stereotypen und Klischees. Aber er spricht ein heikles Thema zumindest an und formt daraus einen packenden und atmosphärisch einwandfreien Cop-Thriller mit starker Hauptfigur. Und das macht ihn sehenswert.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 85%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 30%
Film: 70%

Anbieter: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Deon Taylor
Darsteller: Naomie Harris, Tyrese Gibson, Frank Grillo, Mike Colter, Reid Scott
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 108
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei: © 2019 Screen Gems, Inc. All Rights Reserved.)

Trailer zu Black and Blue

Black and Blue - HD Trailer
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