Bleeder Mediabook

Blu-ray Review

bleeder blu-ray review cover
Tiberius Film, 06.12.2019

OT: Bleeder

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Tief in Kopenhagen

Windings Pusher-Nachfolger erstmals auf Blu-ray.

Inhalt

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Lenny kennt sie alle

Leo macht meistens nichts. Davon aber sehr viel. Das gemeinsame Leben mit Freundin Louise fristet er in einer kleinen Bude, die nicht mal tapeziert ist und geht in der Freizeit am liebsten mit Kumpel Lenny aus der lokalen Videothek einen saufen. Lenny kennt sich mit Filmen und Regisseuren aus, aber nicht mit Frauen. Deshalb hat er Schwierigkeiten, mit der Kellnerin Lea anzubandeln. Als Leo ihm eröffnet, dass Louise schwanger ist, freut sich Lenny für den Moment. Leo allerdings weiß überhaupt nicht, was er mit dieser Information anfangen soll. Wovon soll er die Familie ernähren, so ganz ohne Job? Und was wird aus den gemeinsamen Filmabenden unter den Jungs? Während er zunehmend in einer gedanklichen Sackgasse steckt, entwickelt er Aggressionen und kauft sich gar eine Waffe. Als er Louise schlägt und die es ihrem Bruder Louis erzählt, scheint eine Eskalation der Geschehnisse unausweichlich …

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„Steven Seagal ist einfach nur fett“

Bevor Nicolas Winding Refn in den USA ankam und dort eigenwillig-sperrige Werke wie Drive oder Only God Forgives inszenierte, verhalf er dem dänischen Kino zu einer ungeahnten Renaissance. Seine Pusher-Trilogie gehört heute zu den absoluten Kultfilmen Skandinaviens und mit Mads Mikkelsen pushte er zeitgleich noch einen Star, der heute internationales Format hat. In Bleeder, seinem zweiten Langfilm nach Pusher, geht es noch angemessen dreckig und authentisch zu. Die Straßen sind schmuddelig, in der Videothek läuft noch ein kleiner Röhren-Fernseher und der Betreiber differenziert zwischen 35 verschiedenen Porno-Kategorien. Der Einfachheit halber hat er mit Kim Bodnia, Mikkelsen und Zlatko Buric auch gleich das angestammte Pusher-Personal besetzt und dringt tief in die Abgründe der sozial schwachen Großstadbewohner ein. Zunächst beginnt Refn seinen Film weniger düster und brutal, weniger zugespitzt als sein Filmdebüt. Was nicht heißt, dass Bleeder handzahm ist. Im Gegenteil. Eruptiv bricht die Gewalt nach einer Diskussion vor einer Disko aus und bereitet den Weg für das spätere Verhalten Leos vor. Ist er zunächst schockiert über das, was er sieht, weiß er sich bald selbst nicht anders zu helfen. Bleeder verändert seine Form dann von passiver zu aktiver Gewalt seiner Figuren. Dabei nimmt er nicht das gleiche Tempo auf wie Pusher, sondern folgt seinen Figuren eher in die Tiefe ihrer verletzten und geschundenen Seelen – bis zum bitteren Ende.

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Ob es je wieder eine Videonacht geben wird?

Ein bisschen schade ist allerdings, dass die Frauenfiguren nur als Mittel zu Zweck dienen. Vor allem Louise, der nun wirklich übel mitgespielt wird, hätte mehr Charakterisierung und Screentime verdient gehabt.
Während der lockeren Szenen – meist jene zwischen Leo und Lenny – kommt bisweilen ein bisschen Smoke-Atmosphäre auf. Wenn sich die beiden vor der Videothek über die schauspielerischen Qualitäten von Steven Seagal unterhalten, hat das nicht nur einen augenzwinkernden Filmzitate-Tenor, sondern spricht auch endlich mal die Wahrheit aus: „Steven Seagal ist fett!“ – und das sagt Lenny schon 1999. Alleine die T-Shirts, die er trägt, sind ein wahrer Popkultur-Schatz. Mikkelsen ist es auch, dessen reduziertes Spiel die anderen noch überstrahlt und hier bereits zeigt, was für ein großer Schauspieler er dereinst werden würde. Vor allem auch in den sanften, manchmal etwas betreten-peinlich wirkenden Szenen, in denen er nicht weiß, wie er Lea begegnen soll.

Bild- und Tonqualität

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Leo und Louise sind schwanger

Bleeder liegt nach der 2007er DVD erstmals auf Blu-ray vor und kann mit seinem vom analogen Filmmaterial gescannten Bild erstaunlich gute Eindrücke liefern. Das Filmkorn wird fein reproduziert und Farben sind kräftig, ohne zu überstrahlen. Ab und an werden in dunklen Bereichen schon mal ein paar Details verschluckt. Dafür gibt’s in Close-ups erstaunlich viele Details und selbst die Kontraste funktionieren für einen so alten Film erstaunlich gut.
Der Ton von Bleeder liegt zwar im 5.1-Format vor, bleibt aber bis auf ein wenig Filmmusik, die sich schon mal auf die Rears verirrt, komplett auf die Front beschränkt und dort dann sogar ziemlich auf den Center konzentriert. Ein leichtes Hintergrundrauschen legt sich über die Speaker, was aber nicht mal unrealistisch wirkt. Außerdem sind die Stimmen zu jeder Zeit gut verständlich und kommen klar aus der Mitte. Druck oder Dynamik gibt’s praktisch nicht. Lediglich einige kurze Musikstücke werden spontan etwas lauter wiedergegeben.

Anmerkung: Die zu Beginn im Dezember 2018 ausgelieferten Blu-rays hatten bisweilen eine falsche deutsche Tonspur. Dies ist aber mittlerweile vollkommen ausgemerzt worden. Sollte noch jemand in den Besitz eines Mediabooks mit dieser falschen Tonspur kommen, kann er kostenlos Ersatz bei Anbieter Tiberius bekommen.

Bonusmaterial

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End of Story?

Das Bonusmaterial der Blu-ray rekrutiert sich vornehmlich aus dem Audiokommentar der Hauptdarsteller und von Regisseur Refn. Der klingt zwar ziemlich spitz und ist auch nicht immer sehr gesprächig, liefert aber dann doch ein paar nette Anekdoten. Beispielsweise hat Mikkelsen die Litanei der Standorte der Filme zu Beginn des Films wirklich auswendig gesagt. Außerdem enthält das Mediabook noch die DVD des Films und ein 24-seitiges Booklet mit einem spannenden Interview mit Winding Refn.

Fazit

Bleeder gehört in jede Refn-Sammlung. Auch und gerade weil er sich gegenüber Pusher etwas zurück nimmt und autobiografischer wirkt. Nichtsdestotrotz geht’s auch heftig zu Werke, was die Bildsprache des Regisseurs unverkennbar wiedergibt. Die Blu-ray kommt dazu mit einem überraschend guten und knackigen Bild, das die Filmkörnung authentisch reproduziert.
Die drei möglichen Mediabooks mit den verschiedenen Covern sind jeweils auf 999 Stück limitiert. Es lohnt sich also, zuzugreifen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 60%
Bonusmaterial: 40%
Film: 70%

Anbieter: Tiberius Film
Land/Jahr: Dänemark 1999
Regie: Nicolas Winding Refn
Darsteller: Kim Bodnia, Mads Mikkelsen, Rikke Louise Andersson, Liv Corfixen, Levino Jensen, Zlatko Buric
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 94
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Tiberius Film)

Trailer zu Bleeder

Bleeder I Offizieller Trailer I HD Deutsch

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