Border

Blu-ray Review

border blu-ray review cover
Capelight Pictures, 16.08.2019

OT: Border

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Gemeinsamkeiten

Ungewöhnlicher Genremix, der zwischen vielen Genres wandelt.

Inhalt

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Tinas instinktiver Spürsinn hilft dem Zoll immer wieder

Tina ist nicht das, was man eine klassische Schönheit nennen würde: Ihre Zähne sind schief und stehen vor, ihre wuchtige Stirn wirkt ein wenig wie die eines Klingonen und ihr Blick ist durchdringend – klar, dass sie deshalb in der Öffentlichkeit angegafft wird und lieber abgeschieden in einer Hütte im Wald lebt. Etwas ungepflegt kommt sie außerdem rüber, wenn sie tagsüber ihrem Job als Zollbeamtin nachgeht. Was Tina aber ihren hübschen Kollegen aber voraus hat, ist eine Art Instinkt für Schmuggelware. Wie ein Drogenhund scheint sie in der Lage zu sein, die Menschen rauszufiltern, die mit illegalen Waren oder anderen Dingen auf dem Schwedischen Festland ankommen. Als sie eines Tages einen Mann kontrolliert, der seltsame Dinge in seiner Tasche mit sich führt, ist sie erstmalig irritiert und verliert ihre Souveränität: Der Kerl sieht Tina nicht ganz unähnlich und hat ebenso ausgeprägte Gesichtsknochen und wulstige Akren wie sie selbst. Als sie ihn ein zweites Mal sieht, entwickelt sie bald eine Faszination und fühlt sich nicht mehr so alleine. Doch Vore, so heißt er, scheint ein dunkles Geheimnis mit sich zu führen …

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Tina auf Spurensuche

Thriller? Drama? Love-Story? poetisches Märchen? Ali Abbasis zweiter Langfilm lässt sich nicht in ein bestimmtes Genre pressen. Basierend auf einem Drehbuch von John Ajvide Lindqvist (So finter die Nacht) fühlt man sich im ersten Moment von der Hauptfigur abgestoßen, im nächsten Moment fasziniert und angezogen. Border überschreitet seine titelgebenden Grenzen – und das nicht nur einmal.
Von Beginn an umweht Tina etwas Animalisches, was noch dadurch unterstrichen wird, dass Abbasis sie bei der Arbeit immer wieder die Nase rümpfen lässt, während sie „wittert“, wer eventuell mit Schmuggelware oder noch Schlimmerem nach Schweden einreisen möchte. Oft tritt sie nach ihrem Job in den Wald hinaus und hat Begegnungen mit Fuchs oder Elch – zärtliche Begegnungen, die ihre Verbundenheit mit den Tieren darstellt. Von hoher Symbolkraft ist es, wenn sie immer wieder einem Fuchs begegnet oder während einer Autofahrt erspürt, dass gleich Rehe die Straße kreuzen werden. Die Grenzen zwischen Mensch und Tier verschwimmen bald ebenso wie jene zwischen den Genres. Und auch die Frage nach Gut und Böse löst sich irgendwann auf, wenn Tina und Vore darüber sprechen.

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Zwei mit unübersehbaren Gemeinsamkeiten

Die Frage nach der Herkunft und nach dem „was bin ich?“ unterliegt Border. Eine Frage, die Tina offenbar schon lange beschäftigt und die sie auch im Gespräch mit ihrem langsam senil werdenden Vater im Altenheim nicht wirklich klären kann. Eine Frage, die so überraschend aufgeklärt wird, dass wohl keiner drauf kommen würde, wenn er es nicht vorab in einer verräterischen Rezension liest.
Gleichzeitig ist Border ein hochgradig gesellschaftspolitischer Film. Es geht um Außenseiter. Um Menschen, die von allen angegafft werden. Es geht darum, wie diese beiden (Tina und Vore) auf hochgradig unterschiedliche Weise damit umgehen. Die eine angepasst und darauf bedacht, nicht aufzufallen, der andere mit der Bereitschaft zu Konfrontationen und mit offensivem Auftreten. Gemeinsam sind sie in der Minderheit – ähnlich Menschen mit anderer Hautfarbe oder Herkunft.
Und irgendwie brodelt es unter der ach so liberalen Oberfläche derjenigen, die mit Tina und Vore umgehen. Tinas „Freund“ bspw. wirkt wie ein mustergültiger Ex-Hippie. Doch gerade in seiner Figur spiegelt sich eine gewisse Scheinheiligkeit wider.

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Tina zeigt Vore „ihren“ Wald

Dass Border neben all seinen grenzsprengenden Themen auch noch ein Thriller über das Aushebeln eines Kinderporno-Rings ist, fördert die Spannung des bedächtig erzählten Films. wenngleich dieser Nebenplot zwangsläufig etwas untergeordnet wird.
Nicht untergeordnet, sondern herausragend ist Hauptdarstellerin Eva Melander. Die durch diverse TV-Serien wie Rebecka Martinsson oder Modus bekannte Aktrice nahm für die Rolle 20kg zu und verbrachte tagtäglich mehrer Stunden in der Maske. Sie beweist nicht nur Mut zur Hässlichkeit, sondern auch dazu, einen Liebesszene auf so ungewöhnliche Art darzustellen, dass der Mainstream-Fan möglicherweise Schwierigkeiten damit haben wird – und damit ist nicht gemeint, dass ihr vor animalischer Lust der Speichel aus dem Mund fließt. Außerdem gelingt es ihr unglaublich gut, die innere Zerrissenheit ihrer Figur zu porträtieren; dieses Bewusstsein, dass da etwas Ungewöhnliches in ihr schlummert, was aber gleichzeitig durch einen moralische Kompass in Schach gehalten wird, der sich ihren Instinkten zur Wehr setzt.
Kompliment außerdem an die Maske und die Special Effects, die in jeder notwendigen Situation zur Glaubwürdigkeit beitragen.

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Hat Tina endlich ihre Wurzeln gefunden?

Bild- und Tonqualität

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Vore bleibt undurchsichtig

Border kommt mit einem farblich recht neutral-authentischem Look, dessen linker und rechter Seitenrand allerdings häufiger mal leichte Unschärfen aufweist. Ein ganz dezenten Korn lässt das Geschehen filmisch wirken und passt gut zum grundsätzlich erdigen Look des Films. Die Körnung nimmt etwas zu, sobald es in dunklere Innenräume geht, auch ein leichtes Farbrauschen nimmt man dann wahr. wirklich gut geraten die Szenen im Wald bei Tageslicht. Das Grün des moosigen Bodens wird kräftig wiedergegeben und das Licht fällt prägnant durch die Baumkronen.
Beim Sound bietet die BD dts-HD-Master in Deutsch und Schwedisch. In Ermangelung an entsprechenden Actionszenen übernimmt der Center hier in der Regel das Geschehen und konzentriert sich auf die gut verständlichen Dialoge. Die Surrounds werden genutzt, um mal Wind oder Vogelgeräusche zu reproduzieren. Das kräftige Gewitter nach 58 Minuten wird dann voluminös und mit spürbarem Einsatz des Subwoofers umgesetzt.

Bonusmaterial

Das Bonusmaterial der Single Blu-ray von Border liefert lediglich einige Programmtipps und den Trailer zum Film.

Fazit

Border ist kein einfach zu konsumierender Film. Vielmehr muss man offen sein für visuelle und erzählerische Konfrontation mit gängigen Sehgewohnheiten. Lässt man sich drauf ein, wird man mit einem vielschichtigen Werk belohnt, das noch lange im Kopf bleibt und im Arthaus-Kino einen gewissen Kultstatus erreichen dürfte.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 10%
Film: 90%

Anbieter: Capelight Pictures
Land/Jahr: Schweden/Dänemark 2018
Regie: Ali Abbasi
Darsteller: Eva Melander, Eero Milonoff, Jörgen Thorsson, Ann Petrén, Sten Ljunggren
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, sw
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 110
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei: Meta Spark & Kärnfilm AB / Capelight Pictures)

Trailer zu Border

Trailer BORDER (Deutsch)

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One thought on “Border

  1. Avatar Florian Schäfer

    Schaue ich an. Bin froh nach einigen hirnlosen CGI-Kawumm-Blockbustern wieder Filme abseits des Mainstream zu sehen. Danke für den Tipp!

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