Borg McEnroe – Duell zweier Gladiatoren

Blu-ray Review

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Ascot Elite, 23.02.2018

OT: Borg/McEnroe

 


Borgs schlimmster Albtraum

Wer hätte das gedacht: Ein Film über Tennis, der in allen Belangen packend inszeniert ist.

Inhalt

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Björn Borg ist ein talentiertes Tennis-Kind mit schlechten Manieren

Viermal in Folge hat Björn Borg das Wimbledon-Turnier zwischen 1976 und 1979 gewonnen. Mit dem fünften Gewinn in Serie würde er sich in die Geschichtsbücher eintragen. Und so tritt er 1980 mit genau diesem Ziel in London an. Etwa zur gleichen Zeit nimmt ein aufstrebendes Tennis-As aus den USA die Sportwelt im Sturm und schickt sich an, ein ernster Gegner zu werden: John McEnroe. Wie Borg strebt auch der Amerikaner nach Perfektion. Nur tut er es auf seine ganz eigene Art. Mit wüsten Beschimpfungen gegenüber Publikum und Schiedsrichtern sowie einem mehr als extrovertierten Verhalten ist er praktisch die Antithese zum Schweden. Borg hat sich seine Coolness hingegen hart erarbeitet und macht sie an fast pathologischen Abläufen fest. Denn als Kind war er selbst noch unbeherrscht und jähzornig. Nun aber sieht alles danach aus, dass Borg und McEnroe im Finale aufeinander treffen und sich dort das Match ihres Lebens liefern …

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Als Erwachsener reiht er Erfolg an Erfolg

Der kühle, in sich gekehrte Björn Borg, den man gerne „Die Wand“ nannte, gegen John McEnroe, einen der emotionalsten und lautesten Tennis-Stars aller Zeiten – zwei Spieler, die ungleicher nicht sein könnten und deren erstes großes Aufeinandertreffen bei einem Grand-Slam-Turnier noch heute als eines der besten Tennis-Matche aller Zeiten gilt …
Tennis zu verfilmen ist mindestens genauso schwer wie Fußball zu inszenieren – weshalb es bis heute noch keinen wirklich guten Fußball-Film gibt (wenn man es von der Warte der authentischen Spielszenen aus betrachtet). Anders als das Boxen scheint die Sportart mit dem gelben Filzball nicht allzu fotogen zu sein – bis jetzt. In Borg McEnroe schafft es Janus Metz Pedersen aber scheinbar mühelos, die extremen Eigenschaften der beiden Kontrahenten darzustellen. Grandios, wenn er Vitas Gerulaitis nach knapp dreißig Minuten erzählen lässt, was Borg in Vorbereitung auf die großen Turniere stets zu tun pflegt und welche pedantisch bis abergläubigen Eigenschaften er an den Tag legt. Sverrir Gudnason, der das schwedische Tennis-As spielt, verschmilzt nicht nur optisch, sondern auch in seiner reduzierten Mimik und seinen (Sport)Bewegungen mit der Legende – monatelanges Training sei Dank. Besser hätte man ihn nicht besetzen können. Das gleiche gilt (vielleicht noch mehr) für McEnroe-Darsteller Shia LaBeouf – welcher aktuelle US-Star in dem Alter würde charakterlich wohl besser zu dem oft brüsken und schroffen Maulhelden passen? Wer würde es authentischer rüberbringen, sich über die „Scheiß Tauben“ auf dem Stadiondach zu beschweren und sich immer wieder mit Schieds- und Linienrichtern anzulegen als der schon äußerlich McEnroe ähnliche Schauspieler, der selbst nicht so ganz ohne Skandale und Provokationen auskommt?

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John McEnroe ist der respektlose Tennis-Rebell

Allerdings bekommt man auch ungewohnte Seiten der Beiden zu sehen. So wurde nie so deutlich darüber berichtet, dass hinter der Akribie und der Coolness des Schweden ein ziemlich wütender Junge steckte, der noch als erfolgreicher Spieler voller Selbstzweifel war und Leute gerne vor den Kopf stieß. Gleichzeitig wird deutlich, wie viel Respekt McEnroe durchaus vor seinem Rivalen hatte, auch wenn er auf dem Platz erschien wie die Respektlosigkeit in Person.
Fließend wechselt Borg McEnroe in seiner Inszenierung dabei in den Zeiten, zeigt das Training der talentierten Stars im Teenager-Alter und wechselt wieder in die Gegenwart, die das Wimbledon-Turnier 1980 als Hintergrund hat. Nach und nach schlagen sich die beiden Kontrahenten durch die Vorrunden und Zwischenfinals, bis sie sich dann endlich gegenüber stehen. Schon der Beginn des Films stimmt dabei auf die charakterlichen Unterschiede der Zwei ein, wenn er zu kaum vorhandener Filmmusik Borg zu Fuß durch die Straßen Monacos laufen und in einem Café als Kurzzeit-Aushilfe arbeiten lässt, weil er das Geld für das Heißgetränk im Wagen hat, zu dem er den Schlüssel nicht gefunden hat. In seiner Hochhaus-Wohnung beugt er sich dann waghalsig über das Geländer, um eine Gleichgewichtsübung zu absolvieren. Eindeutiger könnte man die schmale Linie, auf der sich die Genialität des Björn Borg bewegte, nicht darstellen.
Ganz anders McEnroe, der zu den Klängen von AC/DC und Archivaufnahmen, die ihn rotzend auf dem Spielfeld zeigen, als Gast einer Talkshow begrüßt wird und sich ständig darüber beschwert, dass die Presse nur etwas über sein Verhalten und nicht über sein Tennis wissen möchte. Dass er ausgerechnet im Wimbledon-Finale von 1980 weitgehend auf Ausraster verzichtete, zeigt auch, dass er es der Welt in diesem Spiel wirklich zeigen wollte. Und Borg McEnroe liefert dazu einen packend inszenierten Rasenkrimi, der vor allem den sensationell knappen Tie-Break des vierten Satzes wie einen Thriller zelebriert.

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Konkurrenten auf dem Platz. Freunde im Privatleben.

Bild- und Tonqualität

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Neben seinem Tennis-Talent die zweite große Leidenschaft: Hadern und Zetern

Das Bild von Borg McEnroe passt sich vom Look her der Zeit an und kommt meist mit leichten Sepiafarben daher. Dazu gesellt sich ein beständiges Korn, das einen authentisch-filmischen Eindruck hinterlässt, was wiederum gut zu den End-Siebzigern passt. Farben sind ein wenig ausgeblasst und Schwarz wirkt milchig-grau. Der auf diese Weise reduzierte Kontrastumfang sorgt für einen möglichst realistischen 70ies-Stil.
Akustisch dominieren die Soundeffekte und das Gekreisch der Fans leider etwas zu sehr, denn im Vergleich dazu sind die Dialoge deutlich zu leise abgemischt. Erstaunlich effektvoll zeigen sich Geräusche wie Fotoblitze oder das Trommeln der Fans auf das Dach des Autos. Auch die Tennis-Schläge kommen mit sattem Punch ins Heimkino und der teils rockige Soundtrack von Borg McEnroe fütter den Sub mit ordentlich Kraft.

Bonusmaterial

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Finale

Das Bonusmaterial von Borg McEnroe enthält neben den Trailern und zwei Teasern auch noch ein Interview mit Regisseur Metz und Brog-Darsteller Sverrir Gudnason während des Zürich Filmfestivals. Gudnason spricht von der einschüchternden Erfahrung, den schwedischen Helden zu spielen, von dem jeder wüsste, wie er aussieht, geht und sich verhält. Ein Featurette von gut 60 Minuten Laufzeit ist dann hauptsächlich in schwedisch gehalten (deutsch untertitelt) und beschäftigt sich recht intensiv mit der Produktion des Films.

Fazit

Tennis wurde nie besser und packender inszeniert – auch weil die beiden Hauptdarsteller perfekt besetzt sind und Regisseur Janus Metz ein Gespür für die Details im Hintergrund hat. Borg McEnroe zelebriert den Sport und schildert den Übergang zweier grandioser Karrieren – die eine am Ende, die andere am Anfang ihrer Zeit. Pflichtprogramm!
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 60%
Film: 80%

Anbieter: Ascot Elite
Land/Jahr: Schweden/Dänemark/Finnland 2017
Regie: Janus Metz Pedersen
Darsteller: Shia LaBeouf, Sverrir Gudnason, Stellan Skarsgård, Tuva Novotny, David Bamber, Björn Granath, Robert Emms, Colin Stinton, Jane Perry
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 108
Codec: AVC
FSK: 0

Trailer zu Borg McEnroe

Borg/McEnroe I Deutscher Trailer #1

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