Cats

Blu-ray Review

Universal Pictures Germany, 28.05.2020

OT: Cats

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Tier-Porn

Was zur Hölle …!?

Inhalt

Victoria wurde ausgesetzt

Rausgeschmissen und vor die Tür gesetzt – einfach so. In einem Sack findet sich die Katze Victoria auf den Straßen Londons wieder. Wäre da nicht Kater Munkustrap, der sie aus ihrem Jute-Gefängnis befreit, würde sie sich wohl immer noch die Krallen an dem Beutel ausreißen. Munkustrap zeigt ihr die Welt der Jellicle-Katzen. Eine(r) nach der/dem anderen stellt sich bei Victoria vor. Und die junge „Neue“ erfährt auch vom Wettbewerb, dessen Sieger/in ein neues Leben gewährt wird. Bis dahin taucht aber immer wieder ein düsterer Geselle namens Macavity auf, nach dessen Erscheinen stets eine Katze verschwindet. Warum weiß keiner so genau. Ebenfalls begegnet Victoria der traurigen Grizabella, die einst ein Star gewesen war. Ist sie vielleicht eine heiße Anwärterin auf das neue Leben …?

Munkustrap zeigt Victoria die Welt der Katzen

Nein, ich bin wahrlich kein Musicalfreund. Gar nicht. Wenn ich richtig überlege sogar überhaupt nicht. Aber ich bin ein Kind der 80er. Ich kam also gar nicht drumherum, den Rummel um Cats mitzubekommen als es 1983 erstmalig im deutschsprachigen Raum uraufgeführt wurde. Angelika Milster, die seinerzeit die Rolle der Grizabella übernahm, war gefühlt pausenlos im Fernsehen zu sehen. Bekleidet in einem Fellfummel, der vom Karneval in Düsseldorf hätte stammen können und bemalt mit Schnurrhaaren im Gesicht stand sie auf der Bühne, die Dieter Thomas Heck für sie bereithielt.
Seltsame Zeiten waren das. Und seltsam ist das, was Universal hier als Film (darf man es so nennen) auf den Zuschauer loslässt. Die Vorab-Verrisse zu Tom Hoopers Cats waren zahlreich und giftig. Man nahm die Adaption in all ihren Einzelteilen auseinander. Und das nicht nur, weil man zu aufwändigen Nacharbeiten aufgrund desolater, bzw. fehlerhafter Trickeffekte ran musste. So sah man an einer Stelle bspw. noch Judi Denchs Menschenhand anstelle ihrer Katzenpfote. Erstmalig in der Geschichte der Kinos versorgte ein Anbieter die Vorführer deshalb mit einer VFX-upgedateten Version, welche die alte ersetzen sollte. Ein Novum und eben einer der Anlässe für massive Kritik.
Es stellt sich natürlich die Frage, ob die Kritiker Recht haben? Ob die vernichtende 2.7er Bewertung bei der imdb gerechtfertigt ist. Und ob die sechs gewonnenen Goldenen Himbeeren bei der Verleihung der Anti-Oscars 2020 (Film, Drehbuch, Nebendarsteller, Nebendarstellerin, Leinwandpaar und Regie) auch verdient waren.

Es ist leider noch peinlicher als es aussieht

Ganz grundsätzlich als Vorbereitung für das Review: Kennt ihr dieses Gefühl, wenn etwas so schlimm ist, dass man nicht wegschauen kann. Wenn man sich eigentlich schockiert/geekelt oder peinlich berührt fühlt, den Blick aber nicht abzuwenden in der Lage ist?
Während man im Straßenverkehr für dieses Verhalten (völlig zu Recht) belangt werden kann, passiert einem im Heimkino natürlich erst einmal nichts. Mit Ausnahme, dass es halt doch auf Dauer quälend sein kann. Oder auch nicht auf Dauer. Vielleicht eher ohne Dauer. Also sozusagen sofort.
Und so kann es einem bei Cats gehen. Jedenfalls ging’s mir so. Lange habe ich das Review vor mir her geschoben, hatte die Blu-ray hier schon einige Zeit liegen – einzig die Vorbehalte waren zu groß. Und das leider mit gutem Grund. Schon von der ersten Minute an wird man in diese völlig abstruse Optik hinein geworfen, die reale Menschengesichter in (eher schlecht) animiertes Fellkleid einfügt, während die Hintergründe ohnehin größtenteils aus dem Rechner stammen und man jeder, aber auch wirklich JEDER Szene ansieht, dass sie auf sterilen Soundstages gedreht wurde.
Nein, hier passt optisch einfach gar nichts und der Begriff des Uncanny-Valley-Effects, der beschreibt, dass es für Zuschauer schwierig ist, besonders real animierte Figuren zu akzeptieren, ist in den Kritiken zu Cats nicht umsonst bemüht worden. Während die Gesichter echt sind, sind die animierten Proportionen daneben, bei der Mimik hakt es immer wieder und das Gehabe der Katzen ist bisweilen mehr als befremdlich: Singt Rebel Wilson nach 14 Minuten tatsächlich in den Schwanz einer Fellkollegin und sieht dabei aus als hätte sie einen gigantischen Dildo in der Hand? Hat sie sich eine halbe Minute zuvor tatsächlich an den Innenseiten ihrer Schenkel gestreichelt und gekratzt, während sie die Beine spreizte als erwarte eine Porno-Aktrice den nächsten Drehkollegen? Ist das hier alles ein Fetisch-Film für Furries?

Jeder Film braucht seine rätselhafte Figur

Und wer jetzt sagt: „Ey, die haben ja nicht mal Geschlechtsmerkmale“, der hat nur halbwegs Recht. Und selbst wenn es so wäre, stellt sich die Frage, warum sich ein James Corgan in einer absurd-albernen Szenen die Weichteile hält, nachdem er auf den Rand eines Schornsteins gefallen ist.
Es stellt sich außerdem die Frage, welcher Drehbuchautor auf die Idee kam, ihn im Anschluss wie eine Schnapsdrossel aus der Magnum-Flasche Champagner schlürfen zu lassen auf dass er seine Zunge wackeln lässt wie weiland Freddy Krueger in Nightmare. Schlimmer wird’s noch, wenn er sich im Anschluss aufs Unappetitlichste herumliegende Fleischbrocken zwischen die Zähne schiebt, auf dass ihm die Speisereste im Fell kleben bleiben. Man muss es wirklich gesehen haben, um es zu glauben.
Und es ist deshalb so unglaublich, weil Regisseur Hooper mit King’s SpeechLes Misérables und The Danish Girl drei echte, allseits anerkannte und auch von mir hoch geschätzte Meisterwerke abgeliefert hatte. Sogar ein Musical war dabei. Wie konnte das also nur so dermaßen schief gehen?
Warum ist er nicht einfach den Weg gegangen, den Jon Favreau kurz zuvor bei König der Löwen gewählte hatte? Warum mussten es ausgerechnet Menschen in animiertem Fell sein. Warum nicht direkt volldigitale Animationen von menschlichen Katzen?

Party on, Dude

Vielleicht hätte man dann auch ein wenig von der Laufzeit abgeknabbert. Denn fast zwei Stunden für eine Story, die aus einem leer gefutterten Teller Whiskas besteht, sind doch arg lang. Immer wieder wiederholen sich Szenen. Immer wieder stellen sich einfach nur andere Katzen der weißen Victoria vor. Und immer wieder passiert sonst nichts.
Am Ende gibt’s einen Sieger. Warumwiesoweshalb und was diejenige (ups, Spoiler. Sorry) gewonnen hat, wird zwar irgendwann erwähnt, ist aber herzlich unbedeutend.
War sonst noch was? Ach ja: Die deutsche Synchro der Songs passt nur selten auf die Lippenbewegungen der Darsteller. Ob Universal deshalb in den Sound-Optionen die Wahl gibt, den Film mit englischen Songs bei gleichzeitig deutschen Dialogen abspielen zu lassen …?
Das Schlusswort zu diesem Review hat Dame Judi Dench. Auf ihr Kostüm im Film (den sie wohl nie komplett anschaute) angesprochen, zeigte sie sich ziemlich enttäuscht und reagierte mit dem für sie typischen Humor: „Like five foxes fucking on my back“ (Quelle).

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Format: Blu-ray
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Erscheinungstermin: Thu, 28 May 2020
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Bild- und Tonqualität

Dame Judi Dench spielt mit, weil sie mal Darstellerin des Musicals war. Der Film wird dem leider nicht gerecht.

Wenn man Cats auch viel vorwerfen kann – ein schlechtes Bild gehört nicht dazu. Vor allem die Bildruhe ist exemplarisch hoch und nimmt es bisweilen mit vollanimierten Filmen auf. Dazu gesellen sich fantastische Farben. Angefangen bei den Lilatönen, die immer wieder die Beleuchtung dominieren bis hin zu den erdigen Brauntönen und den kunterbunten Klamotten, die ein paar der Katzen tragen. Die roten Hosen von Skimbleshanks knallen förmlich aus dem TV und die Neonlichter auf den Straßen vor dem Egyptian bieten weitere Farbtupfer. Manche Einstellungen liefern zudem eine sehr schöne Detailtiefe, was die Einzelheiten auf den Gesichtern angeht. Gerade das Antlitz von Judi Dench wird bisweilen sehr scharf abgebildet. Die Kontrastgebung funktioniert ebenfalls sehr gut und bietet meist knackiges Schwarz bei sehr guter Durchzeichnung. Leider sind die teils miesen CGIs sehr gut als solche zu erkennen. Oft sieht man, dass die Darsteller über den (unter ihnen animierten) Böden zu schweben scheinen.

Sollte als Zugpferd für den Film dienen, hat (auch) nicht geklappt: Taylor Swift

Universal liefert für Cats vorbildlicherweise je eine Atmos-Spur fürs Deutsche und Englische ab. Beiden gemein ist die recht räumliche Darbietung der Songs. Instrumente werden breit aufgestellt und die Gesangsstimmen werden präzise ortbar auf dem Center abgelegt. Der Chorgesang kommt dann aus sämtlichen Speakern und die Hauptlautsprecher übernehmen meist die tieferen Frequenzen alleine. Der Sub wird nur geringfügig mit einbezogen und wird erstmals intensiver im Song bei 82’30. Hier wäre durchweg mehr Fundament wünschenswert gewesen. Sehr gut funktioniert allerdings der geslappte Bass bei 18’50 im Duett zwischen Jenny Fleckenreich und Rum Tum Tugger. Auch feinere Sounds wie ein Rasseln bei einem Sternregen klingen gut aufgelöst. Betrachten wir die Höhen-Ebene, geht es nach knapp einer Minute los, wenn die Synthesizer-Klänge zur Ankunft der neuen Katze sehr ausgiebig von oben zu vernehmen sind. Und auch im weiteren Verlaufe werden immer wieder vereinzelte Töne bestimmter Instrumente auf die Heights gelegt. Tatsächlich ist das praktisch die einzige Aktivität der Surrounds: Unterstützung der Musik. Jeder Song wird in irgendeiner Form aus den Heights begleitet. Ganz vereinzelt sogar mal wie ein dedizierter 3D-Soundeffekt (Gitarre bei 69’19), was wiederum eine absolute Einzigartigkeit bildet. Denn obwohl es durchaus Momente gegeben hätte, gewisse Geräusche nach oben zu vertonen, nutzt man diese Gelegenheiten zu keiner Zeit. Für die volle Laufzeit des Films gibt’s also lediglich zusätzliche Musik aus den Höhen-Speakern und keine Soundeffekte.

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Bonusmaterial

Tanzen kann sie, die gute Francesca Hayward

Trotz des mageren Kinoeinspiels von Cats ist das Bonusmaterial recht reichhaltig gefüllt. Insgesamt zehn Featurettes kümmern sich in unterschiedlichem Umfang um zahlreiche Belange des Films. Von den Darstellern und ihrer entsprechenden Umsetzung als Felltiger über die Tatsache, dass am Set live gesungen wurde bis hin zu Berichten über das Orchester, die Choreografie der Tänze oder ein sehr kurzes Statement von Hooper, warum „Cats“ für ihn so besonders ist. In „Vergrößerung“ geht’s dann um die Skalierung der Gegenstände, mit denen die Katzen agieren. Ein paar Tänzer-Porträts schließen sich an und werden von der „Katzenschule“ ergänzt, die zeigt, durch welches Training die Darsteller gingen, um wie eine Katze zu wirken. Der Filmkommentar von Hooper beschließt das Bonusmaterial. Sämtliche Extras sind deutsch untertitelt.

Fazit

Cats hat genau EINE coole Figur: Schaffner Skimbleshanks, der von Steven McRae (Solotänzer beim Royal Ballet in London) tatsächlich mit einem gewissen Witz und mit Dynamik verkörpert wird. Dafür gibt’s zehn .. nein, sagen wir fünf Gnadenpunkte. Der Rest ist befremdliches Miauen und die Ungewissheit, ob das soeben Gesehene wirklich ernsthaft stattgefunden hat. Der Fremdschämfaktor ist gigantisch und vielleicht sollte man es Bustopher Jones nachmachen und vor dem „Genuss“ des Films eine Magnum-Flasche Champagner köpfen. Könnte helfen, um diesen Hochglanz-Trash zu überstehen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 85%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 60%
Film: 5%

Anbieter: Universal Pictures Germany
Land/Jahr: USA/GB 2019
Regie: Tom Hooper
Darsteller: Francesca Hayward, Rebel Wilson, Jason Derulo, Jennifer Hudson James Corden, Idris Elba, Dame Judi Dench, Sir Ian McKellen, Taylor Swift
Tonformate: Dolby Atmos (True HD): de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit:110
Codec: AVC
FSK: 0

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Universal Pictures Germany)

Trailer zu Cats

Cats - Trailer deutsch/german HD
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7 thoughts on “Cats

  1. Avatar Hans Georg

    Manchmal beneidet man ja Filmkritiker, jedoch nicht in diesem Fall.
    Für kein Geld der Welt hätte ich mir freiwillig dieses Desaster angesehen.

  2. Avatar René

    Respekt Timo, das Du Dich für uns durch dieses Machwerk durchgequält hast. Aber auch das ist Journalismus 😉 Der Trailer im Kino übrigens war eigentlich schon Fremdschämen pur. Nun gut, 5% ist schon mal ne Ansage und ich freue mich schon auf das nächste Review, was auch immer das ist.

    Kurz gesagt, schön saugen kann man sich vieles,aber hier wird man zum Alkoholiker.

    Respektvolle Grüße.

  3. Avatar Christian P.

    Auch von mir meinen tiefste Respekt, dass du dir diesen Streifen reingezogen hast und dann noch sachlich bleiben konntest. Allein die Kritiken halten mich sowas von ab diesen Film jemals anzuschauen. Da hilft nicht mal Alkohol glaube ich

    • Nee. Alkohol hilft da auch nicht. Frag James Corden. Mit dem Alkohol wurde der Film noch schlimmer 😉

      • Avatar Christian P.

        Ich glaube nur Seth Rogen konnte diesen Film genießen weil er stoned war xD

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