Child’s Play Mediabook

Blu-ray Review

Capelight Pictures, 22.11.2019

OT: Child’s Play

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Neuer bester Freund

Neustart eines Kult-Franchise.

Inhalt

Andy ahnt nicht, was er da geschenkt bekommt

Kaslan Industries hat eine total smarte elektronische Puppe entwickelt: Buddi. Der kleine Kerl mit den roten Haaren ist quasi Smart-Home-Freund, sprachgesteuerter Internetzugang und vollelektronischer Babysitter in einer Person … ähm … Puppe.
Zusammengebaut wird Buddi in Vietnam – und das eigentlich unter strengen Sicherheitsvorschriften. Aber weil die Arbeitsbedingungen nun mal mies und die Vorarbeiter asozial sind, spielt man einem der Monteure so übel mit, dass dieser dem in Buddi verbauten Chip den Verhaltensschutz und Aggressionblocker sowie sämtliche Sicherheitsprotokolle entfernt. Auf Umwegen kommt exakt diese Puppe an Verkäuferin Karen. Weil die für ihren Sohn Andy noch nichts zum Geburtstag hat, greift sie sich eine, die eigentlich aussortiert werden soll, bevor das neue Modell auf den Markt kommt.
Andy, der mit seiner Mutter erst vor Kurzem in die Gegend gezogen ist, findet nicht so recht Anschluss und Karen hofft darauf, dass er mit Buddi zumindest etwas Beschäftigung hat. Buddi, der sich nach der ersten Inbetriebnahme autonom „Chucky“ nennt, scheint allerdings einige Fehlfunktionen zu haben. Weder wirkt er sonderlich freundlich, noch lässt er das Fluchen sein. Spätestens in dem Moment, in dem er Hauskatze Rooney würgt, weiß Andy, dass er Chucky wieder loswerden muss …

childs play blu-ray review szene 3
Nein, nicht Elliott und E.T., sondern Andy und Chucky

Die 80er waren zweifelsohne die große Horror-Dekade. Es war das Jahrzehnt, in dem die Videotheken boomten und die großen Horror-Franchises entwickelt wurden: Nightmare on Elm StreetFreitag, der 13. oder auch Halloween (okay, der erste Teil von Letzterem startete Ende der 70er).
Neben diesen drei Großen des Genres gab es natürlich zahlreiche Nachahmer, die in Sachen Budget etwas begrenzter waren, in den Videotheken aber dennoch zum Renner wurden. Neben Critters, der späteren Puppet-Masters-Reihe kommt hier vor allem das Franchise rund um die mörderische Puppe Chucky in den Sinn.
Deren Teile liefen zwar immerhin (fast) alle noch im Kino, doch der echte Erfolg kam erst durch die VHS-Kassette.
1988 von Fright-Night-Regisseur Tom Holland inszeniert, dürfte der im Original Child’s Play genannte Horrorstreifen die Blaupause für die Annabelles und Brahms der Jetztzeit gewesen sein. Kein Wunder, dass dem ersten Teil bisher noch sechs weitere folgten, die dann zuletzt mit Cult of Chucky wieder zu alter Härte zurückfanden.
Während diese sieben Filme stets unter der Ägide von Chuckys Erfinder Don Mancini stattfanden (und die letzten drei auch von ihm inszeniert wurden), gab es 2018 die überraschende Ankündigung, dass es abseits der Original-Serie ein Reboot geben würde – und zwar unabhängig davon, dass Mancini in der Original-Linie für 2020 eine eigene Fortsetzung geplant hat.

Chucky zeigt sein wahres Antlitz

Für das Reboot engagierte man Regisseur Lars Klevberg (Polaroid) und als Produzenten fungierten die ES-Geldgeber Seth Grahame-Smith und David Katzenberg.
Sie transportierten die Grundstory gemeinsam ins aktuelle Zeitalter. Denn nun steckt in der Puppe nicht mehr der verfluchte Geist eines Serienkillers, sondern die verrückt spielende Elektronik eines Großkonzerns. Ein Hauch von Terminator weht also durch den Film, wenn Buddi/Chucky auf feinste Aussprache pfeift und Schimpfwörter ausspuckt, die man in den USA wirklich nicht gerne hört.
Während man sich kurz daran gewöhnen muss, dass dieser Chucky aufgrund seines mechatronischen Gerüsts mit dem Silikonkörper etwas softer und weniger oldschool nach Puppe aussieht, darf man positiv hervorheben, dass man ihn nicht per CGI realisierte.
Was überdies gut funktioniert, ist die Analogie zwischen Chucky und Andy. Denn während Karens Sohn ein Außenseiter ist, der unter den ständig davonlaufenden Ex-Freunden seiner Mutter leidet, ist Chucky ebenso ein Außenseiter seiner Art – sie passen also (zunächst) ganz gut zusammen.
Sie hecken Streiche gegen den unliebsamen neuen Freund von Karen aus, erfreuen sich an den gemeinsam erdachten Schimpfwörtern und glotzen zusammen Texas Chainsaw Massacre.
Bis die Ereignisse eben in eine ganz andere Richtung zu laufen beginnen.

Es beobachtet euch

Schade, dass die neue Grundthematik der elektronischen Fehlprogrammierung aber einfach nur als Initialzündung für den Film selbst genommen wird. Denn im Verlaufe der Story wird das weder großartig thematisiert, noch kritisiert. Und so ist Child’s Play am Ende tatsächlich einfach nur ein Reboot, das sich der modernen Zeit optisch und inhaltlich angepasst hat.
Was allerdings nicht davon ablenken sollte, dass es hier ganz zünftig zugeht, wenn die Mörderpuppe ihr bei TCM erlerntes „Wissen“ in der Praxis umsetzt. Schon der erste echte Kill ist erstaunlich offensiv, wenn man die FSK-16-Grundlage bedenkt. Diese neue Härte steht dem Film gut und wird vor allem bei Gore-Fans Anklang finden.
Ziemlich effektiv wirkt außerdem der Psychoterror. Wenn Chucky mit glutroten Augen in der Nacht die Geräusche der von ihm zuvor massakrierten Katze abspielt, ist das schön fies. Auch der sarkastische Humor der Kids und jener von Andys Mutter funktioniert gut – natürlich auch, um den Film etwas aufzulockern und nicht Gefahr zu laufen, dass sich Child’s Play allzu ernst nimmt und damit der Lächerlichkeit preisgibt.
Allerdings ändert das auch nichts daran, dass hier wieder und wieder die gleichen Klischees bedient werden: Es mag ja sein, dass ein bisschen Machogehabe auf einen Teil der Frauenwelt anziehend wirkt. Warum die nettesten Mütter der Horrorfilm-Geschichte aber immer gleich das mieseste Arschloch der Gegend daten müssen, wird wohl immer ein Geheimnis der Drehbuchautoren bleiben – selbst wenn diese Heckenpenner dann ein dankbares Opfer für den Bösewicht der Geschichte sind.
Was bleibt ist ein effektvoller, hochwertig produzierter, blutiger und unterhaltsamer Neustart des Horror-Franchise, der das Genre aber mitnichten neu erfindet.

Der Spielzeugladen: Eine Oase der Verwüstung

Bild- und Tonqualität

Ein bisschen oldschool ist Chucky immer noch

Dem digital gefilmten Child’s Play hat man bisweilen zwar eine starke Filterung verpasst, aber sobald das Geschehen in neutraler Umgebung stattfindet, reduziert sich das auch wieder. In den dunkleren Innenraumszenen sind Farbkontraste dennoch eindrucksvoll und übertreiben es nur selten ein wenig. Die Schärfe in Close-ups ist hervorragend und offenbart auf Chuckys Pullover und Hose praktisch jedes Detail. Dank der beständig hohen Datenrate von durchschnittlich 35 Mbps bleiben auch Farbverläufe in dunklen Szenen oder auf uniformen Hintergründen sauber und frei von Artefakten. Eine ganz leichte Körnung zeigt sich schon mal auf Gesichtern
Child’s Play mag nicht die teuerste Produktion der letzten Horrorfilmjahre gewesen sein, dem Sound merkt man’s nicht an. Von Beginn an lässt er den typischen Chucky-Score sehr räumlich erklingen und in der vietnamesischen Fabrik wird es sogar frühzeitig dynamisch. Spätestens, wenn das Gewitter tobt und der Mitarbeiter auf dem Auto landet, sitzt man aufrecht im Sessel. Dazu gibt’s immer wieder zünftige Jumpscares, die mit druckvollen Sounds für Abwechslung sorgen. Klasse sind auch die surrenden Servos in Chuckys Körper, die (wie der Energiekern der Puppe) ein wenig Erinnerung an Iron Man oder (wie gesagt) Terminator wecken. Nach gut über einer Stunde setzt es bei der Auto-Kollision dann sogar einen echten Bass-Sweep mit fundamentaler Kraft (64’35). Und währenddessen bleiben die Dialoge immer sauber und akzentuiert – auch dann, wenn nach etwa 67 Minuten Stimmen aus allen Lautsprechern zu kommen scheinen.

Bonusmaterial

Die Kids setzen sich zur Wehr

Das Mediabook von Child’s Play kommt zunächst mit der Blu-ray und DVD des Films. Obendrauf gibt’s ein 24-seitiges Booklet, das ein paar schöne Bilder vom Set sowie ein Interview mit dem Regisseur enthält. Die Blu-ray enthält dann einen Audiokommentar von Lars Klevberg sowie ein Making-of, das mit fünf Minuten allerdings etwas kurz geraten ist. Das sechsteilige Featurette beginnt mit zwei ziemlich blutigen und kultigen Knetversionen von Chucky und geht dann über das coole Video zum Titelsong hinüber zu den einzelnen Darstellern, die ein paar Kommentare zu ihrer Rolle abgeben dürfen. Eine Singalong-Version von „You are my Buddi“ gibt’s noch und einen etwa viereinhalbminütigen Rückblick auf das Chucky-Franchise. Insgesamt ist das nicht wahnsinnig viel und der Audiokommentar ist sicherlich das interessanteste Feature.

Fazit

Das Reboot von Child’s Play drückt die richtigen Knöpfe und verbindet es mit einem hohen Blutgehalt und bissigem Humor. Zwar bleibt die Kritik an der durchtechnologisierten Gesellschaft an der Oberfläche, doch dafür passen Spannung, Schockeffekte und Action.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 85%
Tonqualität (dt. Fassung): 85%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 60%
Film: 65%

Anbieter: Capelight Pictures
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Lars Klevberg
Darsteller: Aubrey Plaza, Gabriel Bateman, Brian Tyree Henry, Tim Matheson, David Lewis
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 90
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Capelight Pictures)

Trailer zu Child’s Play

Trailer CHILD'S PLAY (Deutsch)

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