Close – Dem Feind zu nah

Blu-ray Review

close blu-ray review cover
EuroVideo, 11.04.2019

OT: Close

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Zwischen allen Fronten

Noomi Rapace als schlagkräftiger Bodyguard.

Inhalt

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Sam erledigt ihre Jobs präzise und gekonnt

Sam ist eine der Besten in ihrem Job. In einem ungewöhnlichen Job. Denn sie ist Leibwächterin. Und als solche besser als die meisten ihrer männlichen Kollegen. Soeben hat sie in einem Krisengebiet ein paar Reporter vor dem sicheren Tod bewahrt, als ein neues Jobangebot reinschneit. Sie soll die junge Millionärs-Erbin Zoe beschützen. Eine Woche Geleit für 10.000 Pfund. Obwohl das eigentlich nicht Sams Metier ist und sie eine Aversion gegen verwöhnte Gören hat, wird ausdrücklich eine Frau gewünscht, weil Zoe bisher noch mit jedem Bodyguard eine Affäre hatte. Und so findet sich Sam dabei wieder, Zoe in der Disko vor zudringlichen Typen zu retten und sie am Ende der Woche zur großen Baustelle des verstorbenen Vaters zu geleiten. Dort soll Zoe sich mit der um das Erbe geschassten Witwe treffen und Sams Job ist vorbei. Doch wer soeben ein Millionenerbe überschrieben bekommen hat, ist ein potenzielles Opfer für Entführer und Erpresser. Die lassen dann auch nicht lange auf sich warten. und kurz vor dem Ende ihres eigentlichen Dienstes für Zoe wird es für Sam und ihre Klientin richtig gefährlich …

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Zoe und ihre Beschützerin in der Klemme …

Close – Dem Feind zu nah gehört zu den Filmen, die während ihrer Produktionsphase von Streaming-Anbieter Netflix eingekauft wurden. Über die Plattform ging er dann weltweit am 18.01.2019 online und mauserte sich zum kleinen Hit. Moment, sagte ich weltweit? Das ist nicht ganz richtig. Denn für den deutschen Markt sicherte sich Anbieter EuroVideo die Rechte, sodass die Blu-ray, die hierzulande am 11. April erscheint, praktisch die weltweit exklusive physische Disk darstellt.
Und weil Bodyguards gerade absolut en Vogue sind – siehe die sechsteilige Miniserie der BBC oder den grandiosen Killer’s Bodyguard, bei dem ein herrlich reizbarer Ryan Reynolds auf Profikiller Samuel L. Jackson aufpassen musste, darf nun auch mal eine starke Frau den Körperschützer mimen. Dabei ließ sich Regisseurin Vicky Jewson von Jacquie Davis, der real existierenden, ersten britischen Leibwächterin inspirieren. Davis betreute Promis wie die Beckhams, Nicole Kidman oder J.K. Rowling, begab sich aber auch in Krisengebiete, um dort Geiseln zu retten. Sie wurde angeschossen, niedergestochen oder auch mal durch eine Fensterscheibe gestoßen. Und weil sie einiges erlebt hat, war es Jewson eine Herzensangelegenheit, sie als Beraterin am Set zu haben. Was gewirkt zu haben scheint. Denn Close beginnt mit einer wirklich spannenden Sequenz, in der Sam zwei Presse-Vertreter vor dem Zugriff und der Tötung durch irgendwelche Milizen bewahrt. Man kann erkennen, wie viel taktische Kampferfahrung die Körperschützerin hat und wie sie diese spontan und in einer akuten Bedrohungs-Situation anwenden kann.

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… und das gleich mehrfach

Der Film zeigt aber auch, wie Sam von solchen Ereignissen beeinflusst wird. Dass sie ihre Dämonen mit zu viel Nikotin, Alkohol und obsessivem Sport zu bekämpfen sucht. Gleichzeitig findet Jewson zarte und fast meditative Bilder, bevor sie nach einer halben Stunde mit dem eigentlichen Thrill loslegt. Die Aufnahmen des Anwesens in Marokko haben etwas gleichzeitig Erhabenes wie entspannendes. Umso gemeiner, dass dieser prächtige Steinbau bald zur Falle wird, in der die Sicherheitsmaßnahmen sich gegen die eigentlich zu Beschützenden wenden. In dieser Überfalls-Sequenz wird deutlich, dass Close durchaus an der Spannungsschraube drehen kann, wenn er will. Leider will er zwischendurch auch zu viel. Vor allem zu viel Firmenpolitik und Börsengeplänkel. Außerdem wirkt das Firmen-/Übernahmeproblem, das sich nach dem Entführungsversuch aufbaut, konstruiert und unlogisch. Die vermeintliche Tat von Zoe wird unverhältnismäßig aufgebauscht und hätte so ohnehin nicht ans Licht kommen können. Um das zu kontern liefert Jewson allerdings packend inszenierte Fights. Gerade der Zweikampf zwischen Sam und einem der Entführer nach etwas über 50 Minuten entfaltet (auch aufgrund des kongenialen Scores) eine fiebrige Intensität. Da kämpft Sam mit gefesselten Handgelenken gegen einen doppelt so schweren Typen und muss mehr einstecken, als ihr lieb sein kann. So souverän wie ein Liam Neeson erledigt sie es jedenfalls nicht. Solche Momente helfen darüber hinweg, dass Close kein Actionthriller von atemloser Rasanz ist und zudem weitgehend überraschungsfrei bleibt. Die integrierte private Beziehung zwischen Zoe und Sam, das Motiv von Vertrauen und emotionaler Nähe sorgt für ein paar ruhigere, aber nachvollziehbare Momente – allerdings greift es auch etwas tief in die Klischeekiste.

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Rima ist eine undurchsichtige Geschäftspartnerin

Bild- und Tonqualität

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Kurze Momente der persönlichen Art

Mit warmen Einstellungen und etwas staubig-brauner Atmosphäre beginnt Close. Eine ganz leichte Körnung sieht man in den finalen Einstellungen der Wüste, allerdings ist das nicht sehr auffällig. Die Szenen in GB sind dann sehr ruhig und rauscharm. Allerdings ist der Schwarzwert nur mittelprächtig und überdies leicht ins Bläuliche driftend. Auch ein paar Banding-Artefakte haben sich auf uniformen Flächen eingeschlichen (ab 30’04).
Beim Sound hätte Close durchaus noch etwas effektvoller und offener sein können. Die anfänglichen Schüsse auf das Fahrzeug mit Sam und den Reportern bleiben relativ frontlastig und sind nicht sonderlich dynamisch. Stimmen kommen dafür prägnant aus dem Center und der Score weitet sich auch schon mal auf die Rears aus. Schön räumlich gerät der Flug im Helikopter nach 20 Minuten, der das dumpfe Rotorengeräusch sehr authentisch platziert.

Bonusmaterial

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Zoe muss selbst eingreifen

Im Bonusmaterial gibt’s einen Trailer sowie ein untertiteltes, knapp 15-minütiges Making-of.

Fazit

Close erreicht nicht ganz das Tempo der bekannten Liam-Neeson-Actioner der letzten Jahre, beleuchtet das Thema aber von einer anderen Seite. Mit Noomi Rapace zwar nicht sonderlich innovativ, aber dafür passend besetzt, gibt es dennoch einige wirklich spannende Szenen und einige exotische Locations.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 30%
Film: 60%

Anbieter: EuroVideo Medien
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Vicky Jewson
Darsteller: Noomi Rapace, Indira Varma, Sophie Nélisse, Eoin Macken, Mimi Keene
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 94
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter EuroVideo Medien)

Trailer zu Close

CLOSE – Dem Feind zu nah – Trailer

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