Cross the Line – Du sollst nicht töten

Blu-ray Review

Ascot Elite Home Entertainment, 05.03.2021

OT: No matarás

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Immer geradeaus, niemals rückwärts

Ungewöhnliches Kino aus Spanien entert das Heimkino.

Inhalt

Dani weiß nicht, was er von der Fremden halten soll

Dani hatte schon bessere Tage. Soeben wollte er für seinen todkranken Vater noch mal ein Päckchen Zigaretten holen, die er sich gewünscht hatte. Als er Zuhause ankommt, ist es vorbei. Vater ist tot. So richtig weiß Dani nicht damit umzugehen. Vor allem nicht mit der frei gewordenen Zeit, da er es war, der sich um seinen Dad gekümmert hatte. Seine Schwester Laura hat eine Idee – immerhin arbeitet ihr Bruder in einem Reisebüro. Also stattet sie ihm dort einen Besuch ab und kauft ihm ein Around-the-World-Ticket auf seinen Namen. Gerade als der schüchterne und in sich gekehrte Dani es tatsächlich nutzen und ein Ticket nach Berlin buchen will, taucht da diese mysteriöse Lady auf. Sie wurde angeblich von ihrem Date versetzt und braucht nun die Bezahlung für die beiden bestellten Burger. Dani, ganz Gentleman, übernimmt die Zeche … und hat so etwas wie einen schicksalhaften Moment. Als Mila, so heißt die Dame, ihn draußen auf der Straße noch einmal anspricht, überredet sie ihn, noch mit ihr mitzukommen, damit sie das Geld zurückbezahlen kann. Dani zögert, willigt dann aber ein. Und die Bezahlung ist ebenso ungewöhnlich, wie kreativ. Doch damit ist Mila noch nicht am Ende. Sie hat noch etwas ganz Bestimmtes mit Dani vor.

Mila will sich für den spendierten Burger bedanken

Es ist gerade mal ein paar Tage her, als auf diesem Blog ein explizites Lob ans spanische Kino formuliert wurde. Denn nachdem das südwesteuropäische Land 2020 mit dem grandios-anderen Netflix-Hit Der Schacht punkten konnte, hatte sich zuletzt (erneut auf Netflix) eine kleine Genreperle eingeschlichen, die auf den Namen Bajocero hört. Trotz teils deutlicher Logiklöcher konnte der Gefägnistransport-Thriller mit stark gespielten Charakteren, klaustrophobischer Atmosphäre und viel Spannung aufwarten. Nun gibt’s spanisches Genrekino zur Abwechslung mal auf physischer Disk.
Und Cross the Line beginnt erneut außergewöhnlich. Dani besorgt seinem kranken Vater Zigaretten am Kiosk gegenüber. Dafür folgt ihm die Kamera im engen Format von 1,66:1 und bleibt so dicht an ihm dran, dass man lediglich die breiten Schultern und den trainierten Nacken des Hauptdarstellers sehen kann. Während dieser kompletten, insgesamt gut dreiminütigen Sequenz sieht man lediglich unscharfe Details im Hintergrund, während der blasslilafarbene Pullover den Bildschirm ausfüllt. Und irgendwie „besonders“ geht es auch weiter, mit diesem dreifach Goya-Award-nominierten Film.

Da hat jemand ein kleines Kunstwerk auf dem Rücken

Geschickt spielt Cross the Line zu Beginn mit der Erwartungshaltung des Zuschauers (und jener von Dani). Denn während man vermutlich nicht nur einmal denkt, dass Milas dominante Art und ihre „alternative Bezahlung“ irgendwas mit Sex zu tun hat, könnte man durchaus für einen Moment überrascht sein. Dennoch forciert der Film durchaus bewusst (auch) eine erotische Stimmung, die von der Dynamik zwischen dem braven Dani und der mehr als forschen Mila lebt. Bis sich dann nach knapp 40 Minuten der erste Spannungsbogen auf seinem Höhepunkt befindet und sich in einer gut zehnminütigen Sequenz entsprechend entlädt, lockt einen Cross the Line zunächst noch etwas weiter auf die falsche Fährte. Dann jedoch beweist das spanische Kino, dass es hartes Thrillerkino auch mit heißer Erotik garnieren kann, bevor die Story dann die Richtung schlagartig ändert. Mehr und mehr macht Sinn, dass Regisseur/Drehbuchautor Victori seinen Film ins enge 1,66:1-Korsett gequetscht hat. Denn die Beklemmung, die der schüchterne Dani in den sich zu brutaler Gewalt steigernden Momenten fühlen muss, überträgt sich so 1:1 auf den Zuschauer. Wenn die Kamera dann nach 47 Minuten wie im Rausch rotiert und wackelt, Unschärfen einstreut und die gleiche Hektik annimmt wie der Protagonist, sind knapp 50 Minuten selten kurzweiliger vergangen. Viel Zeit zum Atmen lässt Cross the Line dem Zuschauer jedenfalls nicht. Und weil der Betrachter von Beginn an vom Spiel des Mario Casas mitgerissen wird, bangt er in der ziemlich packenden Sequenz der Flucht über das Treppenhaus durchweg mit ihm mit.

Dani bleibt nur die Flucht

Was folgt, ist zunächst etwas Luftholen. Ein kurzer Moment des Leerlaufs, wenn Dani beginnt, sich eine Strategie zu überlegen, um der Situation komplett zu entfliehen. Für ein paar Minuten darf man durchatmen, bis sich für die letzten 15 Minuten wieder pure Dramatik ankündigt. Diese wird zwar ein wenig torpediert, weil im letzten Drittel ein paar wenig nachvollziehbare, bis unlogische Entscheidungen getroffen werden (vor allem von Danis Schwester), doch es bleibt ein wirklich intensives Szenario. Ein Szenario, das durchspielt, was passieren könnte, wenn man nur eine einzige falsche Entscheidung aus dem Bauch heraus trifft; wenn man nur einmal kurz falsch abbiegt, um sich dann in einem Strudel aus nicht umkehrbaren Ereignissen wiederzufinden.
Was einigen Zuschauern dabei am Ende nicht gefallen wird, ist eigentlich weine weitere Stärke von Cross the Line. Denn er entlässt den Betrachter alleine mit seinem Gewissen und der eigenen Entscheidung, was man in genau diesem Fall tun würde, stünde man an Danis Stelle vor eben dieser finalen Option.
So etwas wie die dritte Hauptrolle gebührt anfänglich übrigens dem Score. Zahlreiche, teils melancholisch angehauchte Independentsongs haben es auf den Soundtrack geschafft und vermitteln eine sehr intime und wohlige Atmosphäre, die im Vergleich zu ähnlich thematisierten Filmen zwar ungewöhnlich, aber umso stimmiger ist. Manchmal fühlt man sich im Bezug auf die Atmosphäre ein wenig an einen Mix aus Singles und The Crow erinnert – und das ist sicherlich ein großes Kompliment. Natürlich ändert sich das ab der Hälfte des Films, wenn sich der Tonfall der Story selbst um 180° dreht.

Preis: 12,99 €
(Stand von: 2021/07/28 5:03 pm - Details
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Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.
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13 neu von 12,99 €2 gebraucht von 7,79 €
Studio:
Format: Blu-ray
Spieldauer:
Erscheinungstermin: Fri, 05 Mar 2021
(* = Affiliate-Link / Bildquelle: Amazon-Partnerprogramm)

Bild- und Tonqualität

Die Nacht endet blutig

Wie oben beschrieben, liegt Cross the Line im ungewöhnlichen Bildformat von 1,66:1 vor. Das vermittelt dem Film eine gewisse Enge, die ansonsten aber von einem blitzsauberen und rauschfreien Eindruck unterstützt wird. Je nach Lichtstimmung färbt sich das Bild mal kühler, mal wärmer, mal etwas gelblich. Es bleibt aber immer den Film unterstützend. Während der sehr roten Beleuchtung nach knapp 50 Minuten gibt’s schon mal ganz dezentes Banding, was allerdings in der Hektik auch schnell vorbei ist und nicht wirklich stört. Die Schärfe kann in den gut fokussierten Momenten durchaus überzeugen, während die Durchzeichnung auf dunkleren Teilbereichen schon mal etwas besser sein dürfte. Selbst während der dunklen Nachtszenen bleibt die Bildruhe sehr gut und digitales Rauschen aufgrund erhöhter ISO-Einstellungen ist kein Thema.
Cross the Line beginnt nach zwei Minuten Ruhe mit einem sehr räumlich aufgestellten Titelsong, der noch dazu kurz darauf mit spürbarem Bass unterstützt wird. Das klingt ziemlich gut. Weniger gut allerdings die Dialoge. Denn die tönen ziemlich topfig und muffig bis leicht dröhnend. Viel besser ist durchweg die Filmmusik, die meist sehr nahe am Zuschauer ist, um zu vermitteln, dass Dani sie über seine In-Ear-Kopfhörer hört. Wenn sich ab der Hälfte dann der Score in Richtung dissonanter Beats und Klänge verändert, kommt wieder der Tieftöner ins Spiel, der das Geschehen recht prägnant vorwärts treibt.

Preis: 12,99 €
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Bonusmaterial

Bis auf einen Teaser und die Trailer in Deutsch und Spanisch enthält die Blu-ray leider kein weiteres Bonusmaterial.

Fazit

Cross the Line hat eine unglaublich packende erste Hälfte, verspielt dann aber ein paar Sympathien, weil die Entscheidungen der relevanten Figuren nicht immer nachvollziehbar sind. Dennoch: Die fiebrige Kameraführung und der Hauptdarsteller entschädigen für unlogische Verhaltensweisen. Ein kleines Highlight unter den Genreproduktionen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 10%
Film: 70%

Anbieter: Ascot Elite Home Entertainment
Land/Jahr: Spanien, 2020
Regie: David Victori
Darsteller: Mario Casas, Milena Smit, Elisabeth Larena, Javier Mula, Fernando Valdivielso
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, sp
Bildformat: 1,66:1
Laufzeit: 92
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Ascot Elite Home Entertainment)
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Trailer zu Cross the Line

Cross the Line - Du sollst nicht töten Trailer Deutsch


So testet Blu-ray-rezensionen.net

Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
Die technische Expertise ist aber lediglich eine Seite der Medaille. Um stets auf der Basis von aktuellem technischen Wiedergabegerät zu bleiben, wird das Testequipment regelmäßig auf dem aktuellen Stand gehalten – sowohl in puncto Hardware (also der Neuanschaffung von TV-Displays, Playern oder ähnlichem, wenn es der technische Fortschritt verlangt) als auch in puncto Firmware-Updates. Dazu werden die Tests stets im komplett verdunkelbaren, dedizierten Heimkino angefertigt. Den Aufbau des Heimkinos könnt ihr hier nachlesen —> Klick.

Dort findet ihr auch das aktuelle Referenz-Gerät für die Bewertung der Tonqualität, das aus folgenden Geräten besteht:

Das Referenz-Equipment fürs Bild findet ihr wiederum hier aufgelistet. Dort steht auch, wie die Bildgeräte auf Norm kalibriert wurden. Denn selbstverständlich finden die Bildbewertungen ausschließlich mit möglichst perfekt kalibriertem Gerät statt, um den Eindruck nicht durch falsche Farbtemperaturen, -intensitäten oder irrigerweise aktivierten Bild“verbesserern“ zu verfälschen.

One thought on “Cross the Line – Du sollst nicht töten

  1. Moin Timo,
    ich habe ihn mir gestern angesehen und sage mal 08/10 Punkten.
    Erwähnenswert wäre meiner Ansicht auch der sehr passende Soundtrack.
    Gute Idee auch die Szene mit dem Kleinkind auf dem Rücksitz.
    Insgesamt sicher kein Film, den man ein zweites Mal guckt, aber er wusste gut zu unterhalten.
    Auf jeden Fall eine Empfehlung abseits der Massenware.
    Bajocero war auch echt gut.

    LG,
    Basti

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